
Vallendar
(DT) Mit einer Festmesse im Binnenhof des Bundesheims hat die Schönstattbewegung
am Sonntag, dem 17. August 2003, 75 Jahre Bundesheim gefeiert. Bei nur hin und
wieder von verirrten Regentropfen getrübtem Sonnenschein feierten Schönstätter
mit Gästen aus der Gemeinschaft der Pallottiner und Bürgern aus Vallendar und
der Umgebung einen von der Band Esperamor schwungvoll gestalteten Gottesdienst.
Anna‑Maria Briese und Heinz Münz (CDU) nahmen als Vertreter der
Lokalpolitik daran teil; Bürgermeister Wolfgang Helbach sandte ein Grußwort,
ebenso Bischof Reinhard Marx, Trier.
In seiner Festpredigt sprach Monsignore
Peter Wolf vom Bundesheim als einem „Haus des Lebenswissens“, wo Pater
Kentenich „nahe am Leben und nahe an der Zeit von Gott redete“. Das solle
auch in Zukunft wieder von Schönstatt aus geschehen, betonte er. Hier sollten
die Erfahrungen und Lebensströme aus den über neunzig Ländern, in denen es
Schönstatt mittlerweile gibt, zusammenströmen,
ebenso wie die der verschiedenen Schönstattgemeinschaften „auf den Bergen
ringsum“. Ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Wirkens in die Weite also,
so die konkrete Zukunftsvision für das Haus, das vielen in Schönstatt am
Herzen, manchmal aber auch auf dem Magen liegt angesichts der offenen Frage,
wozu es einmal gebraucht werden kann ‑ und wie das gehen soll.
Es gibt kaum ein zweites Haus am Ort Schönstatt, das so eng mit der Geschichte der Bewegung verwoben ist. Pater Joachim Schmiedl erinnerte in seiner Ansprache an die Hoch‑Zeit, als Schönstatt‑Gründer Pater Josef Kentenich von hier aus die Bewegung formte. Auch in die Kirche strahlten viele Impulse aus, viel beachtete Schulungen und Exerzitien wurden hier von Kentenich durchgeführt.
Ernest Kanzler, Generaloberer des Schönstatt‑Instituts Marienbrüder, meinte: „Neben dem Urheiligtum war das Bundesheim das Herz Schönstatts.“ Und das soll es nach den Wünschen der Gemeinschaften auch wieder werden. „Wir möchten eine zentrale, repräsentative Stelle, eine Art Bewegungs‑Zentrale, am Ort haben“, so Kanzler. Denn: „Auswärtige und Pilger, die die ‚Bewegung’ sprechen wollen, laufen sich zurzeit die Füße wund.“
Verschiedene Varianten werden zurzeit geprüft, wie wieder Impulse vom Bundesheim ausgehen könnten. Konkrete Daten, Projekte und Zuständigkeiten wurden bei der Jubiläumstagung nicht genannt. Es wurde aber klar vermittelt, dass das Erbe des „Bundesheims“ ganz Schönstatt herausfordert und allen Gemeinschaften zur gemeinsamen Aufgabe wird.
Fernando Arrau ist Vorsitzender der schönstattnahen chilenischen Stiftung „Maria Königin der Arbeit“, die vor einigen Jahren das Bundesheim von den Pallottinern erwarb. Hier solle wieder der Geist der Internationalität und Einheit herrschen, betonte er im Gespräch.
Den Zusammenhang von Urheiligtum und Bundesheim betonte Lothar Penners, Bewegungsleiter. Strahlt der Ursprungsort genügend? Dies sei eine Frage an alle Gemeinschaften. Ausgehend von dem, was Pater Kentenich in der Zwischenkriegszeit vom Bundesheim aus gewirkt habe, stelle sich heute die Frage nach der weitgreifenden Vermittlung der „Trias“ von Spiritualität, Pädagogik und Apostolat, der Arbeit in die Weite, und der strategischen Orientierung der Schönstattbewegung auf weltweiter, europäischer und deutscher Ebene.
Doch bevor das Haus „inhaltlich“ gefüllt wird, müssen zunächst die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ob „historische Heizung“ aus den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts oder fehlender Brandschutz ‑ zurzeit ist das „Bundesheim“ immer noch ein Sanierungsfall, der dringender Renovierung bedarf.
(Deutsche Tagespost 23.08.03, Seite 4)