Im Umbruch der Zeit – Werkzeug der Liebe Gottes sein,

im Leben und Alltag von João Luiz Pozzobon

 

1. Teil des Vortrags von Hermann M. Arendes auf der Mitgliedertagung 2003.

Im ersten Teil wollen wir anknüpfen an die von Pater Güthlein behandelten Themen, im „Umbruch der Zeit“ und die „Wurzeln der Werkzeugsfrömmigkeit“.

Zum „Umbruch der Zeit“ wollen wir uns von unserem Vater und Gründer in seine Sicht des Weltgeschehens einführen lassen.

In der 18-Uhr-Hore lässt uns Pater Kentenich um die Gnade bitten:
“... dass wir das Leben sehen in Gottes Sicht und wandeln allezeit im Himmelslicht“. Dies ist der Standpunkt von dem aus wir das Weltgeschehen betrachten sollten.

 

 Lassen wir nun einige Texte auf uns Wirken, die Pater Kentenich im Oktoberbrief 1949 geschrieben hat. Sie sind heute mehr denn je aktuell.

»Gott ist es, der durch die Zeichen der Zeit sein Antlitz entschleiert und zu uns spricht.
Was seinen Worten an unmittelbarer Klarheit fehlte, verlangte einen Todessprung für Verstand, Wille und Herz. Wagemutig haben wir ihn vollzogen. Wir taten es in allen Etappen der Geschichte. Jede Höherführung, jedes Emporklettern, jedes Schreiten auf gefährlichen Bergesgipfeln verlangte diesen hohen Preis.

So wuchs in uns ein ausgesprochenes Geschichtsbewusstsein, will heißen die aus tiefer, vorsehungsgläubiger Geschichtsdeutung fließende Überzeugung von einer geschichtsschöpferischen Sendung Schönstatts zur Verwirklichung einer klarumrissenen Zukunftsvision. So ist Schönstatt entstanden, so ist Schönstatt gewachsen, so rüstet es sich Jahr für Jahr zu neuer Arbeit, zu neuen Kämpfen, zu neuen Siegen: Das Kriegskind ist ein Vorsehungskind und möchte es ewig bleiben.

Solch eindeutige und unerbittlich verfolgte Zielklarheit hat uns vor viel Leid, vor allem vor der größten Qual des heutigen Menschen bewahrt: vor der verwirrenden Haltlosigkeit ob der berghoch sich auftürmenden scheinbaren Sinnlosigkeit und Unverständlichkeit im Zeitgeschehen. Alle Welt fühlt, dass der bedenklich ins Schwanken geratene Wagen der Geschichte vor einer gefährlichen Biegung steht. Niemand weiß verlässig, was dahinter lauert: Ist es ein gähnender, klaffender Abgrund, der Tod und Verderben speit, oder eine steile Bergeshöhe, auf dessen Gipfel ein Stück Paradiesespracht winkt, oder eine gefriedete, fruchtbare Ebene? Wer wagt es, den Knoten dieser für Individuum und Gesellschaft bedeutungsvollen Lebens- und Schicksalsfrage zu lösen?

Die Besten aller Nationen fühlen instinktiv, dass wir vor einer geschichtlichen Wende von säkularem Ausmaße stehen, dass jetzt die Würfel fallen, die über das Los der Welt für die nächsten vier bis fünf Jahrhunderte entscheiden, sie spüren, dass alle ohne Ausnahme aufgerufen sind zu schöpferischer Mitarbeit am neuen Weltenbild ‑ wenn nicht als Architekt und Baumeister, so doch als Handlanger. Deshalb überall das ängstliche Fragen und Forschen nach dem Warum und Woher, um Klarheit zu bekommen über das Wozu, das Wohin und Wie. Isaias kennt keine größere Strafe für die Völker, als wenn sie von unverständigen Kindern regiert werden. Heute hat es den Anschein ‑ so meinen viele ‑ als wäre der Herr der Welt aus seiner souveränen Ruhe und Griffsicherheit herabgesunken in Ohnmacht und Hilflosigkeit, als überließe er Schöpfung und Geschichte hilflos wie ein Wagenlenker, der die Zügel verloren hat, sich selbst oder der Willkür entarteter Menschen und diabolischer Zerstörungswut. Wie soll man sonst ‑ so sagt man ‑ die Sinnlosigkeiten himmelschreiender Grausamkeiten und die furchtbare ­Tragik ungezählter Menschen‑ und Völkerschicksale erklären? Andere gibt es, die die ungeheuren Katastrophen der Gegenwart als außergewöhnliche Gebärnot deuten. Auch sie stehen vor Rätseln. Wieder und wieder beschäftigt sie die Frage, wie mag das Kind solcher Schmerzen aussehen? Welche Züge mag das kommende Welt‑ und Gemeinschaftsbild tragen, das aus dieser Werdenot hervorgeht?

Solche und ähnliche Fragen beschäftigen heute fast alle Geister und Kreise.

Wir haben versucht, durch unseren lebendigen, praktischen Vorsehungsglauben und die daraus fließende Zukunftsvision eine Antwort zu geben. Sie ist zwar nicht abschließend und endgültig, gibt uns aber im großen und ganzen eine klare Sicht und einen festen Standort...

Der praktische Vorsehungsglaube lehrt allen Geschehnissen auf den Grund zu sehen, um die schöpferischen und zerstörenden Kräfte im Weltgeschehen zu entdecken, bloßzulegen und aus ihrer Art und Richtung Gottes Wunsch und Willen für das Morgen richtig zu deuten. Sie gibt Mut und Kraft, sich mit den Aufbau­kräften zu verbinden und die Zerstörungsmächte zu bekämpfen und so schöpferisch in die Geschichte ein­zugreifen. Die Hauptkräfte, die sich im Weltgeschehen auswirken, sind Gott und Teufel. Beide stehen in ewi­gem Gegensatz zueinander. Beide sind die Großmächte, die in unversöhnlichem Ringen einander befehden, die Bundesgenossen unter den Menschen suchen und so die Welt in zwei Lager spalten: in die civitas Dei und die civitas terrena et diabolica. So wird und bleibt das Thema der Weltgeschichte stets dasselbe. Es wandelt sich in tausendfach wiederkehrenden Variationen ab: es ist der Kampf des Glaubens mit dem Unglauben, das Ringen zwischen Christ und Antichrist, die Aus­einandersetzung zwischen Gott und Teufel und deren Anhängern. Gott und Gottesreich erringt letzten Endes trotz aller Krisen und Rückschläge einen vollkomme­nen, einen Glorreichen Sieg über Satan und Satans Reich. Damit verliert die Geschichte den kleinlichen Charakter einer sich im Nebel verlierenden, vom Zaune gerissenen Streiterei und Balgerei. Sie bekommt Linie, Gehalt und Gestalt, die alle Phasen und Etappen durch­zieht und miteinander verbindet, angefangen vom ersten Sündenfall bis zum Weltgericht.

Die historische Aufgabe geschichtsschöpferischer Menschen wird dadurch eindeutig klar. Sie stellen sich Gott zur Verfügung ‑ willenlos rund wagemutig, wie

das einst Sankt Michael getan, um Gottes Schlachten hier und jetzt zu schlagen, um sein Reich mit allen Mitteln aufzurichten und den Teufel und sein Reich in der konkreten Gestalt der Zeitsituation zu überwinden.«

Zusammenfassend für Betrachtung, Gespräch und Diskussion einige Kernaussagen:

1.   Gott ist es, der durch die Zeichen der Zeit zu uns spricht.

2.   Wir stehen vor einer geschichtlichen Wende von säkularem Ausmaß, jetzt fallen die Würfel über das Los der Welt für die nächsten Jahrhunderte.

3.   Die Hauptkräfte, die sich im Weltgeschehen auswirken, sind Gott und Teufel.

4.      Vorsehungsglaube und Zielklarheit bewahren uns vor der verwirrenden Haltlosigkeit wegen der berghoch sich auftürmenden scheinbaren Sinnlosigkeit und Unverständlichkeit im Zeitgeschehen.

5.   Unsere Aufgabe ist es, sich Gott zur Verfügung zu stellen!

Eine kleine Ergänzung zum 3. Punkt, der wohl von vielen unserer Mitmenschen nicht mehr verstanden, bzw. akzeptiert wird.

Die Dachaugebete, siehe Himmelwärts, durchziehen u. a. den Werkzeugsgedanken und den Kampf zwischen Gott und Teufel.
Lassen wir zur Vertiefung des Themas der Tagung einige Auszüge auf uns wirken:

                        Einleitung zum Werkzeugskreuzweg:

                        „Lass Vater mich an unserer Mutter Seite

                        dem Welterlöser geben das Geleite,

                        in seinem Lebenskampf die Mächte sehen,

                        die hinter allem Weltgeschehen stehn.

                        Ich stehe zwischen beiden großen Mächten,

                        die sich im ewgen Kampf einander ächten,

                        und treff erneut für Christus den Entscheid

                        in voller Freiheit – jetzt und alle Zeit.“

 

                        Führergebet:

                        „Als treues Werkzeug mögst Du sie benutzen,

                        wo’s gilt, dem Teufelsgeiste stark zu trutzen.

                        Mach sie zu Christi treuem Gardekorps

                        das durch Apostelsinn ragt stets hervor.“

                        IV.Station:

                        „Sooft seither die Höllenfeuer rauchen,

                        willst Du die Schlagentreterin gebrauchen;

                        das Tier, das öffnete weit den Drachenschlund,

                        willst bändigen Du durch eines Weibes Mund.“

                        IX. Station:

                        „Dein Widersacher kann mit ihnen spielen.

                        Er fürchtet die nur, die zur Ganzheit zielen,

                        in denen unumschränkt der Geist regiert,

                        der die Gehilfin Dein zum Kampfe führt.“

                        Zum Engel des Herrn:

                        „Wir bitten Dich, o Vater, schlicht:

                        Lass glühn in uns das Glaubenslicht,

                        dass unsere Mutter klar wir schaun,

                        auf sie als Mittlerin vertraun;        

                        gib, dass wir stets nach ihrem Bild

                        voll Dienstbarkeit sind froh gewillt,

                        als Werkzeug für das Heil der Welt

                        zu opfern uns, wie’s Dir gefällt,

                        damit zerbricht des Drachen Macht,

                        der Hass und Hader stets entfacht.

                        Durch Christus, der zu Deinem Ruhm

                        uns Anteil gibt am Mittlertum.  Amen.“

Auf diesem Hintergrund kann uns dann das Beispiel des Dieners Gottes, João Luiz Pozzobon, anregen .

 

Fortsetzung folgt!