Männertag in Aulendorf
Fast 300 Männer
und auch einige Frauen kamen am 16. März 2003 auf den Marienbühl in Aulendorf.
Unser Diözesanführer Franz Bradler stimmte die Männer im
Delexit-Ecclesiam-Heiligtum in das Thema des Männertages „Spuren Gottes in
Freud und Leid“ ein. Roland Rast, der Abteilungsführer vom Oberland erinnerte
die Männer an den 100. Geburtstag von Pater Franz Reinisch (01.02.1903), in
Form einer Statio. Er, Pater Reinisch, hat uns in der heutigen Zeit viel zu
sagen. Er hilft uns unser Gewissen zu schärfen und feinfühlig zu machen für
den Dreifaltigen Gott und er hat uns vorgelebt, welche wichtige Rolle die
Gottesmutter, seine geliebte MTA, dabei spielt.
Franz Bradler begrüßte die Männer im Vortragssaal und besonders herzlich unseren Diözesanstandesleiter und Referenten, Herrn Pfarrer Wolfgang Wachter aus Herlazhofen. Zum Tagesthema bemerkte Franz Bradler, dass man über Freude leichter berichten kann wie über Leid. Er hat es in seiner Familie durch die schwere Krankheit seiner Frau Gabriele erfahren müssen. (Anmerkung: Frau Gabriele Bradler ist am 5. April 2003 in die Ewigkeit abberufen worden. Halten Sie inne, wenn Sie diesen Bericht lesen und beten Sie für die Familie Bradler um Kraft und Beistand von oben.)
Pfarrer
Wolfgang Wachter nahm zuerst den Schwerpunkt Leid in die Betrachtung seines
ersten Referates auf. Das Leid hat viele Gesichter, denken wir an die Kranken,
Arbeitslosen, Geschiedenen, an die Menschen die in Kriegsgebieten
leiden und an die Menschen die hungern müssen um nur einige Beispiele zu
nennen.
Wie gehen wir mit Leid um?
Ein Kennzeichen unserer
Zivilisation ist eine Apathie, eine Leidensunfähigkeit gegenüber dem Leid. Das
ist nicht gut, denn Leid will angenommen und verarbeitet werden. Pfarrer Wachter
nahm die Verhaltensweise von Hiob im alten Testament als Vorbild zur Leidensbewältigung.
Hiob klagte Gott an und haderte mit ihm und redete mit ihm d. h., er nahm Gott
ernst. Auch wir sollen uns mit Gott auseinandersetzen, wenn wir Leid erfahren,
wir dürfen uns selbstverständlich dagegen wehren, müssen es aber letztendlich
annehmen, wenn es nicht anders geht.
Es fällt dem heutigen Menschen schwer Leid anzunehmen, weil heute die
Erwartungshaltung auf Gesundheit und Glück enorm im Vordergrund steht und weil
auch die religiöse Leidbewältigung weitgehend ausfällt.
Für uns als Christen müsste es eigentlich selbstverständlich sein, dass wir
im Leid Christus am Kreuz nachfolgen. Es geht nicht darum, das Leid an sich zu
verherrlichen, sondern aus dieser Grundeinstellung die leidvollen
Herausforderungen des Alltags in das Licht der Gottesliebe zu stellen.
Pater Kentenich schreibt im
Himmelwärts: „Du magst zur Arbeit uns verwenden, magst Kreuz und Leid und
Not uns spenden; ob Misserfolg, Erfolg wir finden, wir wollen Deine Liebe künden.“
Leiden hat in der heutigen Medizin den Stellenwert des Versagens der
Lebensmaschine. Pater Kentenich dagegen interpretiert Leiden theologisch, indem
er es mit Gott und dem Heil des Menschen in Beziehung setzt. Gesundheit und
Krankheit ist für Pater Kentenich kein Gegensatz. Liebe und Bindungsfähigkeit
können für Pater Kentenich sowohl in Gesundheit und Krankheit gegenwärtig
sein. In dem Gedicht, die Königspalme von Port Said, von Ludwig Uhland (vgl. KB
Nr. 132, Seite 36) legte Pfarrer Wachter dar, wie die vom Gärtner unbarmherzig
gestutzte junge Palme zu unglaublicher Größe und Schönheit emporwuchs. So ist
es auch mit uns Menschen, wir reifen an unserem Kreuz und Leid. Unser Vater und
Gründer Pater Kentenich hat es uns vorgelebt.
Was besonders wichtig ist in unserer Zeit, wir können und sollen in Kreuz und
Leid solidarisch für andere einstehen. Wir kennen das als Schönstattmänner
unter dem Begriff Gnadenkapital.
In
seinem zweiten Referat legte der Referent den Schwerpunkt auf die Freude. In der
heiligen Schrift finden wir eine ganze Menge über die Freude:
-
Die Freude des Herrn ist unsere Stärke.
-
Dienet dem Herrn in Freude, in Jauchzen kommt vor sein Angesicht.
- Diese Freude lässt schon Johannes im Schoße der Mutter hüpfen
-
Paulus meint, dass selbst Apostel, Bischöfe und Priester dazu berufen
sind, Mitarbeiter an der Freude der Gläubigen zu sein.
-
Als die Engel den Hirten auf dem Feld in Bethlehem erschienen sangen
sie:
“Seht ich verkünde euch eine große Freude ...“.
- Evangelium = Frohbotschaft.
Die Freude ist eine Grundhaltung von uns Christen, die aus dem Glauben kommt. Christus hat uns erlöst von der Macht der Sünde und des Bösen, befreit von Angst und Verzweiflung. Gott hat uns das Leben, ja das unsterbliche Leben geschenkt. Das ist der Kern unserer Hoffnung, der Grund unserer Freude. Gott führt und begleitet uns durch unser Leben, in allen Höhen und Tiefen, in Glück und Not. Das ist für uns Grund zur Zuversicht und Freude.
Ein freudloser Glaube steckt nicht an. Wir erleben oft eine freudlose Kirche. Das sollten wir ändern, denn wir sind ja auch Kirche, packen wir es an und bringen wir Freude in diese Kirche hinein.
Wir wollen als Männer uns in diesem Jahr Gedanken darüber machen, ob wir nicht trotz allem Grund zur Freude am Glauben haben dürfen. Jesus, der Heiland, ist unsere Garantie, dass keine Todeskrankheit dem Leben schaden kann; Jesus heilt uns auf irgendeine Weise. Er gibt uns Mut, Vertrauen und Freude. Er begleitet uns in unserem Leiden über den Tod hinaus zur Auferstehung. Sollten wir Christen nicht erlöster, zufriedener ausschauen?
Nach einer kurzen Pause legten drei Männer in ihren Statements ein eindrucksvolles Lebenszeugnis ab.
Solche
Lebenszeugnisse sind wichtig für uns Männer, als Orientierung auch für unser
Leben, um die Spur Gottes zu finden. Es war schon ergreifend als ein
Familienvater berichtet, wie er durch einen Sturz von der Leiter so schwer
verletzt wurde, dass er querschnittsgelähmt ist und nun zeitlebens einen
Rollstuhl benötigt. Er hat durch das Gebet spürbar Hilfe von Gott erfahren und
es ging schon unter die Haut als er berichtete, dass er auf ein Wunder hoffte
und als dies nicht eintraf, er beten konnte: „Lieber Gott, wenn es nicht sein
soll, dann gib, dass ich nicht verbittert werde.“ Seine Ausstrahlung bestätigte
eindrucksvoll, dass er nicht verbittert ist und aus der Kraft des Glaubens an
der Hand der Gottesmutter sein Leben meistert.
Ein weiterer Mann berichtet von den Spuren Gottes in seinem Leben. Er hatte eine gute Kindheit und Lehrzeit die christlich geprägt war. Als wichtige Spur Gottes in seinem Leben bezeichnete er seine 36-jährige Ehe, die sehr harmonisch ist. Er freut sich mit seiner Frau an den drei Töchtern und vier gesunden, lieben Enkelkindern. Aber es gab auch Stolpersteine auf seinem Lebensweg. Durch einen Unfall musste er ein viertel Jahr im Rollstuhl verbringen und er ist fest davon überzeugt, dass durch die Fürsprache der Gottesmutter, Gott die Gebete und Bitten erhört hat und er wieder ganz gesund wurde. Durch diesen Unfall wurde sein Glaube gestärkt. Er berichtete auch, dass ihm die Gemeinschaft in der Schönstatt-Männergruppe und die Weihe an die Gottesmutter viel gegeben hat. Er fühlt sich geborgen unter Gleichgesinnten. Der Alltag ist trotz aller Hektik angenehmer und ruhiger geworden. Viele Dinge der Arbeit und auch der Freizeit lassen sich besser bewältigen und manche Eingebung des Heiligen Geistes hilft tatkräftig mit. Positiv berichtet dieser Mann auch über den Einführungskurs in die Schönstattpädagogik, von Herrn Basler. Die Schönstattgemeinschaft ist ihm in seinem Leben eine große Hilfe und er kann sie den Männern, die noch nicht in dieser Gemeinschaft sind, wärmstens empfehlen.
Ein weiterer
Mann berichtete über sein Arbeitsleben. Mit 41 Jahren hatte er seine
Zielvorstellung, Leiter einer Abteilung zu werden, erreicht. In dieser Zeit
begann auch seine aktive Mitarbeit in der Schönstatt-Männerliga. Vieles aus
der Lehre Pater Kentenichs konnte er in seiner neuen Position als
Abteilungsleiter anwenden und die Arbeitsplätze menschlicher gestalten. Er
wurde in diesem Sinn auch von seiner Bereichsleitung unterstützt. Diese Arbeit,
so berichtete er, machte im Freude. Nach etwa zehn Jahren ging sein
Bereichsleiter in den Ruhestand. Ist das eine neue Herausforderung für ihn, so
fragte er sich? Bin ich nicht jetzt schon
überfordert? Während er noch überlegte, ob er die Stelle, die ihm vom
Unternehmen angeboten wurde, übernehmen sollte, wurde ihm ein Neuer vor die
Nase gesetzt. Das Klima und der Umgangston in der Firma wurde rauer. Doch damit
nicht genug, seine Tätigkeit als Führungskraft wurde wegrationalisiert. Nur
durch den guten Rückhalt in der Familie und durch die Verbindung zu Schönstatt
konnte er nach langem Ringen „Ja sagen“ zu dieser Situation. Er erinnerte
sich in dieser Situation auch an die Worte seines Pfarrers: „Wenn du einmal
Probleme hast und nicht mehr weiter weißt, dann vertraue dich unserem Herrgott
an und höre auf deine innere Stimme.“ Er fragte sich: Hat Gott mir mit dieser
Prüfung den Weg zeigen wollen, wo Not am Mann ist, wo ich gebraucht werde, wo
ich mich neu einbringen kann?“
Durch die neue Situation hatte er mehr Zeit für seine Familie und die
Mitarbeiter in der Firma schätzen seine offene dargereichte Hand, das offene
Ohr und sind dankbar für die Zeit füreinander.
Er meinte zum Schluss, wenn ich auf die letzten Monate zurückschaue, kann ich
mit gutem Gewissen sagen, ich freue mich heute für diese Spur Gottes, die mich
auf den neuen Weg gebracht hat.
Nach dem Mittagessen wurde von den Männern das Angebot der Beichtgelegenheit dankbar angenommen.
In der Fragestunde konnten die Männer ihre Anliegen Pfarrer Wachter in Form eines Fragezettels zukommen lassen. Pfarrer Wachter beantwortete die eingegangenen Fragen und er berichtete auch über seine Gotteserfahrung, die er als junger Mensch durch seinen Motorradunfall hatte. Er saß als Beifahrer auf dem Motorrad und musste nach diesem Unfall zahlreiche Operationen ertragen. Man spürte bei seinen Referaten, als er über das Leid sprach, dass er Leid erleiden musste und erlebte.
Der
krönende Abschluss des Männertages war die schöne und eindrucksvolle
Eucharistiefeier mit Weihbischof Thomas Maria Renz. In seiner Predigt griff er
das Taborereignis auf. Bei der Verklärung auf dem Berg Tabor haben sich die
Apostel Petrus, Jakobus und Johannes froh gestimmt gefühlt. Licht ging von
Jesus aus. Es war so überwältigend, dass die Apostel sich fürchteten.
Auch wir brauchen solche Taborstunden in unserem Leben, damit wir auch die
Karfreitage in unserem Leben überstehen können.
Wo finden wir solche Orte, schauen wir uns um und suchen wir. Wo haben wir
Taboratmosphäre erfahren und Taborstunden erleben dürfen? Wir brauchen Orte wo
es uns gegenseitig gut geht. Tabor- und Golgothaerfahrungen dürfen und sollen
wir miteinander teilen. Gehen wir auf Menschen zu und geben wir Hoffnung. Viele
warten auf unser Zeugnis. Lassen wir uns von hier aus neu aussenden.
Soweit einige Worte von Weihbischof Renz in seiner Predigt.
Roland Kast