Leid im Leben hat sehr viel Gesichter

Männertag auf Marienfried: Der moderne Mensch verlernt
den Umgang mit seinen Schicksalsschlägen

Über das Thema „In Freud und Leid Gott auf der Spur“ referierte Pfarrer Wolfgang Wachter aus Leutkirch-Herlazhofen vor 260 Männern aus Nord- und Südbaden auf Marienfried in Oberkirch.

Oberkirch: Vor der Marienkapelle hieß Diözesanverantwortlicher Josef Danner aus Oberkirch die zum Teil weit angereisten Männer im Schönstatt-Zentrum für die geistige Bewegung von katholischen Laien und Priestern willkommen. Im Namen des katholischen Männerwerks begrüßte Heinz Beckers aus Oberkirch die Tagungsteilnehmer: Der Hausherr, Dr. Hermann Gedemer; dankte den Männern für „die Zeit, die sie sich für das Innenleben“ nahmen. Er verwies auf die derzeitigen Gebäude-Renovierungsarbeiten und die 2000 Stunden Eigenleistungen, die der „Männerorden von den staubigen Brüdern“ erbracht hätte.

 

Mit einem humorvollen Witz begann denn auch Pfarrer Wolfgang Wachter mit seinem Vortrag, obwohl der Aspekt „Leid“ den größten Teil des Themas einnahm. Als Betroffener berichtete Wachter von seinem schweren Motorradunfall vor 26 Jahren, der 23 Operationen und drei Jahre Krankenhauserfahrungen zur Folge hatte.

                        Spurensuche zu Gott

Das Leid hat heute tausend Gesichter“, sagte der Geistliche und nannte Naturkatastrophen, die von ökologischen Sünden herrührten, sowie Schicksalsschläge verschiedener Art.Der moderne Mensch tue sich mit dem Leid schwer. Er stelle in tiefer Verzweiflung die Sinnfrage und wolle Gott zur Rechenschaft ziehen. Dennoch seien Sinnerfahrungen als Spurensuche auf dem Weg zu Gott zu deuten, sagte Wachter. Es scheine, als sei die Geschichte des Menschen eine Geschichte des Leidens, fuhr der Theologe im Hinblick auf die aktuellen Krisen- und Kriegsherde im Nahen Osten fort.
Betroffen mache, dass 14 000 Schüler im Jahr Selbstmord begingen. Ein Zeichen der Wohlstandsgesellschaft sei die Leidensverdrängung mit Psychopharmaka und Workholismus. Biblisch gesehen, verkörpere der geplagte fromme Hiob ein Modellverhalten zur Leidbewältigung, der Gott zwar herausfordere, ihn aber nicht in Frage stelle. Als eine der größten Krankheiten der heutigen Zeit nannte der Geistliche die fehlende Beheimatung.

Schwimmgürtel nützen

Freude könne der Gläubige aus der Verkündigung der „frohen Botschaft“ schöpfen, zeigte Wachter den Ausweg auf. Der Christ müsse allerdings zu Trauer, Freude und Leid bereit sein.

  Zu unterscheiden sei aber zwischen teuflischer Schadenfreude und himmlischer Freude. Wachter empfahl den Männern, den Humor als „Schwimmgürtel des Lebens“ zu nützen.

Neben dem Empfang des Bußsakramentes wurde den Männern das Video „Gott ist da“ zur inneren Einkehr geboten.

Prediger Josef Keller aus Kirchhofen empfahl den Gläubigen als Lebenseinstellung, sich auf Gottes Willen einzulassen.

Von Roman Vallendor, in „Aus dem Renchtal“, vom 9. April 2003