Im Umbruch der Zeit – Werkzeug der Liebe Gottes sein,

im Leben und Alltag von João Luiz Pozzobon

2. Teil des Vortrags von Hermann M. Arendes auf der Mitgliedertagung 2003.

João Pozzobon erlebte in der Zeit seines Eintritts in die Männergruppe der Schönstattbewegung 1947/48, bis zu seinem Tod am 27. Juni 1985 Umbrüche und Unsicherheiten, nach meiner Erfahrung viel stärker als wir.

Umbrüche in der Politik:  Militärputsch 1964; Terrorgruppen.

                der Wirtschaft: Vom Agrarland zum Industriestaat.
Von der Hacke und dem Ochsenkarren mit Holzachse, zur hochmodernsten Landwirtschaft.
Inflationen von bis zu 25 – 30% im Monat.
Mehrere Währungsreformen usw.

                       der Kirche:      Theologie der Befreiung,
Basisgemeinschaften: Landlosenbewegung usw.

der Schönstattbewegung: 1954 erste Einschränkungen -
 1956 Verbot jeglicher Schönstattarbeit.

 

Eigentlich müsste man zu jedem Thema etwas sagen und erklären, doch das würde die ganze uns zur Verfügung stehende Zeit beanspruchen. Deshalb wenden wir uns organisch dem Thema „Werkzeug sein“ zu.

Wir erinnern uns:

     Gründungsurkunde: „Ich will Euch erziehen zu Werkzeugen in meiner Hand.“

     Pater Kentenich:„Schönstatt ist Werk und Werkzeug der Gottesmutter.“

     Herr Pozzobon:„Pater Kentenich ist ein Werkzeug der Gottesmutter, ein Prophet, was er sagt, sagt die MTA.“

Als im Heiligen Jahr 1950 die Schönstattbewegung eine Aktion startet: die MTA besucht vom Heiligtum aus die Familien, für die Monate September und Oktober, überträgt Schwester Terezinha die Verantwortung für die Gruppe in seinem Ortsteil Herrn Pozzobon.
Warum Schwester Terezinha gerade ihn beauftragte, mag uns ein Auszug aus ihrem Brief, der im Männerwerkbrief vom März 1952 veröffentlich wurde, wiedergeben. Darin schrieb sie u. a.: „... Ich freue mich so über die Mitglieder der Bewegung, die im letzten Jahr der Gottesmutter Blanko-Vollmacht gaben. Sie arbeiten wirklich fleißig weiter. Die erste Männergruppe nennt sich Josef-Engling-Gruppe ... Besonders Herr Pozzobon ist ein zweiter Josef Engling. Er ist fast am Erblinden, auf einem Auge sieht er fast nichts mehr. Er hat hohen Blutdruck und sollte eigentlich nicht viel arbeiten. Aber er opfert sich ganz auf für die MTA und ihr Werk. Denk nur: Jeden Abend begleitet er da draußen das MTA-Bild (man vergleiche die weiteren Briefe!) und sammelt dazu täglich 150 bis 200 Leute um sich. Bei Regenwetter, wenn alles aufgeweicht ist, geht er barfuss voran und die anderen folgen ihm. Er bringt es fertig, die härtesten Sünder zur Osterbeichte zu bringen, oft nach 20 Jahren. ... Dieser Tage äußerte er: er sei dahinter gekommen, dass es keine großartige Wissenschaft brauche um Apostel zu sein. Man dürfe nur keine Opfer scheuen, nichts für sich haben wollen, dann würden einem die Leute folgen.“

Dieses möchte ich bestätigen durch einen Eisenbahner, der mir in einem Gespräch sagte: „Ich bin kein Kirchgänger, aber wenn der Pozzobon mich zu den Wallfahrten oder anderen Veranstaltungen einlädt, da kann ich nicht absagen, denn dieser Mann zerreißt sich für andere, ohne einen Cent zu verdienen. Deshalb muss man einfach kommen.“

Die Grundeinstellung zur Übernahme eines großen Pilgerbildes drückt er aus mit den Worten: „Die Gottesmutter hat sich mir anvertraut, nun lag es an mir, SIE nicht zu enttäuschen.“

So begleitet Herr Pozzobon bis Anfang November Abend für Abend die Gottesmutter zu den Familien und einige Schönstattmädchen gestalten jeweils die Marienstunde. Wie geplant hört Anfang November die Aktion auf. Die Bilder werden zurückgegeben und auch nie mehr aktiviert.
Nur Herr Pozzobon, er hatte in den zwei Monaten das Wirken der Gottesmutter in den Familien beobachtet und erfahren. Er fühlt sich angesprochen weiter zu machen und er sagte: „Wenn die Besuche der Gottesmutter in den Familien so segensreich und fruchtbar sind, dann darf man nicht aufhören, dann muss das weitergehen.“

Eine Tochter war bereit, den Teil, den die Mädchengruppe bisher übernommen hatte zu übernehmen und jeden Abend dem Vater zur Seite zu stehen. Das ging gut zwei Jahre. Inzwischen hatte er alle Gebete so oft gehört, das er z. B. die Marienlitanei ohne Schwierigkeiten auswendig vorbeten konnte. Er war in der Lage allein die Aktion weiter zu tragen, bis an sein Lebensende, ohne Unterbrechung. Sicher, 1979 berief Gott in Ubaldo Pimentel einen Helfer und Nachfolger und 1983/84 fand sich in Pater Esteban Uriburu jemand der die Pilgerkampagne zu einer Weltweiten machte.

Die Kennzeichen eines Gotteswerkes, nach Herrn Pater:

     Geringfügigkeit der Werkzeuge

     Größe der Schwierigkeiten

     Größe des Erfolges
kann man bei Person und Wirken von João Pozzobon klassisch darstellen.

Aus geringfügigen Anfängen entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte eine weltweite, fruchtbare Pastoral.

„Immer ein wenig mehr“

diesen Merksatz hatte ihm Pater Klein in einem Exerzitienvortrag mitgegeben. Er hat ihn nie vergessen, denn er kam immer wieder mal darauf zu sprechen.
Angeregt von den Vorträgen und Predigten Pater Kentenichs wurde Josef Engling sein großes Vorbild.
João Pozzobon selbst sagte dazu:

     Diese tiefe, kindliche Liebe und das unbedingte Vertrauen

     sein apostolischer Einsatz

     seine Bereitschaft zum Verzicht und Opfer

     dieser Heroismus bis zur Hingabe des Lebens für die Sendung

      das hat mich begeistert. Ich fühlte mich wie Josef Engling, als ganz kleiner Schüler zu Füßen Pater Kentenichs, um alles aufzunehmen was er sagt und anregt.

So fand er sein persönliches Ideal: „Servo de Maria, da Mãe e Rainha“ (Diener Mariens, der Mutter und Königin).

Der erste Teil blieb immer gleich, den zweiten Teil hat er schon mal geändert, wie: „Diener Mariens, schwarzes Kreuz“ (wie Josef Engling, darf man dazu denken).

Sein Leitmotiv wurde:
“Josef Engling du wolltest ,Allen alles’ werden, ich will die Gottesmutter zu Allen tragen.“

Zu einem anderen Vorsatz drückt er es so aus:
“Josef Engling ich will deinen Fußstapfen folgen und die Botschaft der Liebe zu allen tragen.“

Werkzeug sein war ein Grundzug im Leben João Pozzobons.
Eines seiner Lieblingslieder war: „Somos vossos Instrumentos, terna Mãe do Salvador...“ (Wir sind Deine Werkzeuge, liebe Mutter des Erlösers).

Anschaulich wird die Werkzeugshaltung auch in seinen Symbolen.

  ־   Eselchen der Mutter und Königin: Ich trage Dich überall hin wo Du willst und Du musst für Dein Eselchen sorgen.

  ־   Flöte: Er ist die Flöte, mit der die Gottesmutter spielt.

  ־   Trompete: Wiederum, er ist die Trompete, SIE muss diese blasen.

  ־   Sendeturm: Dieser steht IHR zur Verfügung, um die Sendung Schönstatts in die ganze Welt zu verbreiten.

  ־   Siegreiche Fahne: Diese hat Herr Rothgerber ihm gemacht bei seinem Besuch in Schönstatt 1979 und an einem Türflügel des Urpilgerbildes angebracht.

 

Nachdem Herr Pozzobon in Schönstatt alles gesehen und in sich aufgenommen, zudem Dachau, Cambrai, Gymnich und andere Orte

besucht hatte, konnte er sagen: „Bis jetzt habe ich Schönstatt gekündet vom Hörensagen, nun aber kann ich Zeugnis geben, denn ich

selbst habe alles gesehen und erlebt.“ Mit neuer Begeisterung und Kraft konnte er nach Brasilien zurückkehren, als Bannerträger der

siegreichen Fahne der Gottesmutter.

 

Wenn wir genau hinschauen, müssen wir feststellen, alle Symbole liegen auf der gleichen Linie, ich stehe DIR zur Verfügung, gebrauche mich.

Eines Tages fragte ich ihn nach einem längeren Gespräch: Herr Pozzobon was halten Sie wichtig für ein fruchtbares Apostolat?
Spontan gab er die Antwort und nannte sieben Punkte:

1.   Ich muss von der Grundüberzeugung durchdrungen sein, letztlich ist alles Gnade Gottes, Gnade der Gottesmutter.
Bei uns in Schönstatt hängt alles ab vom Gnadenstrom, der fließt vom Heiligtum. Ich erhalte alles im Heiligtum.

2.   Sich der Gottesmutter als Werkzeug zur Verfügung stellen.
Ganz gleich wann, wo und wie SIE uns gebrauchen will.

3.   Alles aus Liebe tun – die wahre und echte Liebe überwindet alle Schwierigkeiten.
Er fügte hinzu: nichts für Geld, oder auch um selber irgendwie in Erscheinung zu treten.

4.      Pünktlichkeit
Herr Pater hatte ihm 1952 gesagt: „Man darf die Leute nicht warten lassen.“

5.   Heroismus
Nach einer Gedenkstunde im KZ Dachau fragte ihn ein Marienbruder, ob er Pozzobon, noch ein Wort sagen wollte.

      Er sagte dann:„Ein guter Christ sein ist richtig und gut, aber es ist nicht genug um Apostel zu sein. Für ein fruchtbares und dauerhaftes Apostolat braucht es Heroismus.“

      Zu der argentinischen Gruppe, die im März 1984 die ersten 25 Pilgerheiligtümer in Santa Maria abholte, um sie in 25 Länder zu bringen, sagte Pozzobon zum Abschied:
“Ich möchte Ihnen einen Gedanken mitgeben, der mich in diesem Moment beschäftigt. Aus Liebe zur Kampagne der Pilgernden Gottesmutter ,heute heroisch leben’. Wir dürfen nicht nur unsere Pflichten erfüllen wollen, was sich zu tun gehört, wir müssen etwas weiter gehen, als nur bis zur Pflichterfüllung.“

6.   Opfer und Verzicht

      ohne dem ist ein fruchtbares Apostolat auf längere Dauer nicht möglich.

      Für Herrn Pozzobon selber sah es so aus:

a.)    Da er noch voll im Beruf arbeitete, konnte er in den ersten Jahren nur am Abend mit der „Pilgernden Gottesmutter“ die Familien besuchen und deshalb abends nicht bei seiner Familie sein. Das war für ihn das schwerste Opfer.

b.)    Freiwillig verzichtete er auf den Genuss von Alkohol. Lächelnd fügte er hinzu, das Eselchen braucht nur Wasser.

c.)    Verzicht auf Teilnahme an weltlichen Feiern und Festen außerhalb seiner Familie. In seiner Familie gestaltete er diese als Vater, Groß- und Urgroßvater aktiv mit. Da er viele Einladungen bekäme, würde er, wenn er annähme viel Zeit für sein Apostolat verlieren.
Pater Matheu Juliani, der viele Jahre in der Kapellengemeinde seines Stadtteils mit Herrn Pozzobon zusammen gearbeitet hat, erzählte in einem Vortrag: „João Pozzobon o verdadeiro Pobre de Jahve“, er habe João nie bei einem Bankett oder Churasco gesehen. Wenn er z. B. im Seminar eingeladen war, dann nahm er an der kirchlichen Feier teil und verabschiedete sich danach, fürs Festessen hatte er keine Zeit.
Durch einen Blick auf seine geistige Tagesordnung mit 40 Punkten, können wir erahnen, wie viel er täglich zum Gnadenkapital beisteuerte.

7.   Was ich heute erledigen kann, nicht auf morgen verschieben
(Wir wissen, es ist die erfolgreichste Methode des Teufels, auch die an sich Gutwilligen auf die schiefe Ebene zu bringen, durch verschieben und nochmals verschieben etc.)

Wenn Pater Kentenich in einem Brief an Pater Menningen bezeugt: „Niemand hat die Schönstatt-Ideen so stark ins Leben übertragen wie Josef Engling.“
Dann dürfte das wohl auch auf João Luiz Pozzobon zutreffen, von dem er sagte: „Spüren sie, wie bei der Person und dem Wirken des Herrn Pozzobon alle Grundkräfte Schönstatts wirksamen werden.“

Wir singen gerne: „Ohnmacht deiner Werkzeugsschar macht Dein Wirken offenbar...“

João Pozzobon meint: „Es geht nicht um das was wir tun, sondern um das Wirken Gottes durch uns.“
Oder: „Es ist nicht nötig viel zu reden, nur das Opfer das wir bringen wandelt langsam die Menschen.“
“Niemand ist unfähig, untauglich für den Dienst Gottes. Mit 12 Jahren wurde ich aus dem kleinen Seminar wegen Krankheit weggeschickt. Als Zwanzigjähriger
wurde ich vom Militärdienst als untauglich entlassen. Doch Gott und die Gottesmutter konnten mich gebrauchen.“

Zum Schluss möchte ich an den Rat erinnern, den Herr Pater im Jahr 1968 Herrn Altmeier gegeben hat, anlässlich der Aussendung des ersten Pilgerheiligtums in Deutschland:
“Er freue sich, dass er den Mut hat anzufangen, er solle sich vom Beispiel des Herrn Pozzobon anregen lassen, ihn aber nicht kopieren wollen, sondern sich vom Heiligen Geist und der Gottesmutter führen lassen.“

„Nichts ohne Dich, nichts ohne uns“