Besinnungstage in Aulendorf vom 3. -6. Januar 2004
Genau 30 Männer,
viele bekannte aber auch neue Gesichter, fanden sich am 3. Januar im Schönstattzentrum
in Aulendorf ein, um an den Besinnungstagen zum Thema: „Im Umbruch der Zeit -Werkzeug der Liebe Gottes sein“ teilzunehmen. Die Geistige Leitung hatte in
diesem Jahr Monsignore Waldraff übernommen.
Beginn war um 18.00 Uhr mit dem Abendessen.
Um 20.15 Uhr hl. Messe im Vortragssaal, mit Predigt: Gott liebt uns nicht obwohl wir klein und schwach
sind sondern gerade deswegen weil wir klein und schwach sind.
Anschließend fand die Begrüßung durch den Abteilungsführer des Oberlandes
Herrn Roland Rast statt.
Im Einführungsvortrag ging es darum: worauf kommt es bei Exerzitien und
Besinnungstagen an?
Worte von Pater Kentenich, Grundsatz: Das erkannte Wissen soll im Herzen bleiben
und nicht nur im Kopf.
Schwerpunkte:
1. Wir sollen im Erbarmen Gottes schwimmen. Das Gute in unserem Leben, aber
besonders die Enttäuschungen unseres Lebens wollen wir hier verarbeiten. Z. B.
das vergangene Jahr.
2. Unsere
persönlichen Erbärmlichkeiten (Schwächen) überprüfen, wegen denen mich Gott
trotzdem liebt. Prüfen wo ich versagt habe und dies zu Gott hintragen.
3. Die
unverdauten Eindrücke unseres Lebens verarbeiten und herausheben (Enttäuschungen,
das Gefühl haben am falschen Platz zu sein, Unrecht), dies alles im Licht der
Vorsehung Gottes zu sehen. Probleme mit Gott bewältigen.
4.
„Setzen Sie sich in die Sonne (bei Christus) und lassen Sie sich von ihr
bescheinen“. Gott sprechen lassen. Dazu bietet sich das Heiligtum geradezu an.
7.30 Uhr
Eucharistiefeier mit Predigt: Wer ist dieses Kind? Das Licht das in die
Finsternis kam!
Nach dem Frühstück
hielt Herr Rast eine Einstimmung zum 1. Vortrag des Tages. Die MTA braucht uns
als Werkzeug: Wir geben unserer Sehnsucht nach Gott Raum. Wir geben uns als
Werkzeug in Gottes Hand. Wir schenken unsere Fehler, unsere Widerwärtigkeiten
und unseren Frust, den wir mit anderen erleben, dem Herrgott. („Du Mittel
unserer Heiligkeit ...“) Entdramatisierung unseres Wohlbefindens (um sich
selber kreisen) und Förderung des Miteinanders. Lieben, auch wenn es weh tut.
Gott auch in unangenehmen Situationen entdecken. Lieben ohne Grenzen!
Nach dieser
Einstimmung galt das „Stillschweigen“.
10.45 Uhr,
1. Vortrag zum Thema der Jahreslosung:
Die heutige
Zeit positiv betrachten und deuten: was will uns Gott damit sagen. Die Zeichen
der Zeit deuten, denn Gott spricht in der Zeit. Unser Wegbegleiter dazu ist
Pater Kentenich, denn alleine können wir es nicht, wir könnten sonst in die
Irre gehen. Pater Kentenich ist unser Vater, Fürsprecher; aber er ist mehr, er
ist ein Prophet der Zeitenwende, die Stimme Gottes unserer Umbruchszeit
(Zeitenwende). Er hat in der Zeit gelesen, was Gott von uns will. Er hat aber
auch in den Seelen gelesen. Der Atem der Zeit schlägt sich in der Literatur
nieder. Daher wusste er, wo den Menschen der Schuh drückt. „Das Ohr am Herzen
Gottes, die Hand am Puls der Zeit“. Was sagt uns Gott in den Dingen (Schöpfung)?
Er sah sich als Dolmetscher Gottes in unserer Zeit. Zeitgeschehen im Raum der
Kirche und außerhalb der Kirche und in der Schönstattfamilie. Wo spricht Gott
in der Kirche? Zum Beispiel durch den Priestermangel.
Der neue Zeitgeist hat seine Nester meist außerhalb der Kirche. Im feindlichen
Lager müssen wir den Zeitgeist erlernen und umdeuten in den Geist der Zeit.
Die Jugend ist stets ein Fingerzeig Gottes und der Zeitströmungen. Die Bedürfnisse
unserer Zeit kann man auch in den Seelen erkennen. Sind unsere Priester
schlechte Zeitenwächter? (Frage: Kennen die Priester heute die vielfältigen
Seelenstimmen, wenn fast nur noch Bußgottesdienste sind?)
Die positiven Stimmen und Dinge unserer Zeit aufnehmen.
Unsere Zeit
ist eine Übergangszeit. Eine neue Weltordnung entsteht. Die alte Welt ist am
Verbrennen. Auch eine neue Kirche wird entstehen. Wir wollen uns vom Neuen
faszinieren lassen und das Alte nicht überbewerten. Wir haben heute eine
universelle, radikale, globale Krise! Die neue Zeit bringt den Afrikaner in
seiner Hütte und den westlichen Kulturmenschen auf dieselbe Ebene (P. K. 1949).
Daran hat aber auch der Teufel sein Bestreben. Dies wird von einem großen Teil
der Menschen nicht eingesehen, ist aber so.
Vor dem 2.
Vortrag war die Möglichkeit gegeben am gemeinsamen Rosenkranzgebet
teilzunehmen, gleichzeitig war Gelegenheit zu Beichtgesprächen.
16.45 Uhr
2. Vortrag:
II. Zeitdeutung
Blick auf
die Kirche:
Die Kirche spielt im öffentlichen Leben keine große Rolle mehr, Kruzifixurteil
des Bundesverfassungsgerichtes: „Die Kirche war eine prägende
Gesellschaft“, Bundespräsident spricht zum Kopftuchstreit, Bundeskanzler erwähnt
in Neujahrsrede die Kirche überhaupt nicht. Umfrageergebnisse, wohin die Kirche
am Schluss tendiert.
Die Kirche
meldet sich zu Wort, wird aber nicht gehört.
Tragen die heutigen Katholiken die Kirche noch mit? Die alten Leute sterben weg,
wo bleiben die Beter?
Der Lebensstil der Christen ist wenig geprägt von der Botschaft Christi. Taufe,
Beichte, Erstkommunion, Ehe sind nicht mehr selbstverständlich. Wir sind
Missionsland geworden und brauchen neue Mittel, um den Glauben zu verkünden.
Blick auf
die Gesellschaft:
Sie ist im Wandel durch die Mobilität: Kontakte untereinander sind oberflächlich,
dadurch können Gemeinschaften vermehrt zerfallen. Die Beziehungsnetze werden
grobmaschiger.
Die Informationsflut kann trotzdem einsam machen. Die ganze Welt spielt sich oft
im Wohnzimmer ab (TV). Ganze Berufe und ihre Märkte verschwinden. Traditionen
bieten weniger Halt. Durch die Vielfalt entsteht Individualismus. Das
Überangebot macht einsamer.
Die Technik macht uns unabhängig von der Natur. Eine Ausnahme zum Beispiel, ein
Erdbeben. Ansonsten ist für den Menschen fast nichts unmöglich (Klonen). Dies
ergibt ein neues Lebensgefühl, ohne Beziehung zur Religion. In der Kirche wird
oft gestritten um Kleinigkeiten, z. B. Mundkommunion. Die Kirche hat weniger Rezepte für die
veränderte Gesellschaft. Die Verkündigung und Praxis der Kirche bringt oft zu
wenig die Frohbotschaft Christi zum modernen Menschen. Viele Teile der Kirche
rechnen nicht mehr ernsthaft mit dem Wirken Gottes in der Welt. Gott ist oft in
der eigenen Kirche in die Krise geraten.
7.20 Uhr
Morgengebet ‑ Hl. Messe
10.00 Uhr
Herr Rast erläutert das Liebesbündnis.
Am 18. Oktober 1914 hielt Pater Kentenich die erste Gründungsurkunde im
Urheiligtum. Er lud die vor ihm sitzenden Jungmänner ein, durch Gebet und Opfer
zu bewegen, hier einen Wallfahrts-und Gnadenort zu machen, wo viele Menschen
die Herrlichkeit Mariens erfahren und bekennen: Hier ist wohl sein. Hier wollen
wir Hütten bauen, hier soll unser Lieblingsplätzchen sein.
Durch das Liebesbündnis mit unserer Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt
und im Leben aus dieser Weihe helfen wir mit, dass dies im Heiligtum in
Aulendorf und im Taborheiligtum in Schönstatt noch mehr erfahren wird. Wir sind
eingeladen dies auch im Haus-, Beruf-und Autoheiligtum zu übertragen.
Das „Nichts ohne Dich -MTA -nichts ohne uns“, will uns anregen, die
Sendung der Gottesmutter vom Heiligtum aus noch mehr erfahren zu lassen, für
uns persönlich, für unsere Familie und viele Menschen.
Der neue Mensch in der neuen Gemeinschaft will im Heiligtum heranreifen.
Die Gottesmutter
will wieder neu für die Kirche ihr Fiat sprechen und Christus neu gebären und
zwar in uns!
Sie schafft vom
Hausheiligtum aus religiöse Atmosphäre in der Familie. Die MTA lässt mich oft
in Beruf und in der Schönstatt-Männerliga ihre Hilfe erfahren.
10.45 Uhr,
3.Vortrag von Pfarrer Waldraff:
III. Die
Zeitdeutung durch Pater Kentenich:
Abfall und
Zerfall von Gott hat auch Konsequenzen für menschliche Beziehungen.
Entgöttlichung des Menschen: z. B. Gott verdunstet.
Entpersönlichung des Menschen: z.B. Massenmenschen.
Entsittlichung des Menschen: z. B. Gemeinschaft ohne Ehe, brutales Verhalten...
Entseelung und Entmenschlichung: z. B. Vermassung.
Übergangszeit.
Ein neues Bild der Geschichte und des Lebens entsteht. Neue Strukturen sind am
Horizont erkennbar. Die alte Welt ist am verbrennen. Pater Kentenich: Ein
neues Gottesreich auf der Erde wird entstehen.
Was kommt Neues? Es wird anders sein als früher. Errungenschaften der jetzigen
Neuzeit: Rechtsstaat, Sozialstaat, Demokratie.
Mehr Familienhaftigkeit in der Kirche. Der Mensch kann über sich selber verfügen.
Viele Neuentdeckungen in heutiger Zeit.
Pater
Kentenichs Wendezeit: In dieser Zeit fällt das Los über die nächsten vier bis
fünf Jahrhunderte. Die alte Welt zerfällt ‑ aber kein Weltuntergang.
Wendezeit, nicht Endzeit! Wir leben in der Morgenröte des Christentums (Gertrud
von Le Fort).
Katastrophen
werden immer häufiger. Satanismus ist wieder im Kommen. Gott aber schreibt mit
Löwenkrallen. Es sind schreckliche Trümmer, die heute entstehen. Der Herr geht
vorüber. Pater Kentenichs Vision: Ein neuer Mensch und eine neue Gemeinschaft
soll durch Schönstatt entstehen.
Die neue Kirche: Eine arme, demütige, brüderliche, geschwisterliche Kirche,
die durchdrungen ist von Gottes Geist. Eine Marianische Kirche, die unsere Welt
durchdringt, umformt und damit zur Seele der Welt wird.
Entscheidungs‑Christentum: Ich muss meinen Weg suchen.
Kardinal
Ratzinger: Die Neue Kirche, sie hat viel verloren, sie wird klein sein, ihre
Privilegien wird sie stark verlieren, sie braucht viele Initiativen, ihre Mitte
aber wird wie immer ihr Glaube an den Dreifaltigen Gott sein. Sie wird
verinnerlicht und vereinfacht aber eine große Kraft entfalten, auf die
Menschen, die die Not der Gottverlorenheit spüren. Dies ist das Übermorgen.
(Vielleicht in 35‑50 Jahren, meint Pfr. Waldraff.)
Wie am
Vortag war nach der Mittagspause Gelegenheit zur Beichte und zum
Rosenkranzgebet.
16.45 Uhr,
4. Vortrag:
IV. Was ist
zu tun? Werkzeug der Liebe Gottes sein!
Pater
Kentenich ist Prophet der Zeitdeutung. Wir sind eingeladen, ja zu ihm zu sagen,
mit ihm zu leben, er ist Gründer und Vater der Schönstattfamilie.
Pater Kentenich: Unsere Zeit hat eine Zukunft. Wir erleben die Abendröte und
hoffen auf das Morgenrotchristentum, das heißt, eine neue Kirche mit erneuerten
Christen. Mit Gott ringen um diese neue Zeit. (Beispiel: Jakobs Ringen mit dem
Engel.)
Sich dem Willen
Gottes aussetzen und mit ihm ringen mit Hilfe der MTA im Liebesbündnis.
Pater Kentenich hatte drei Probleme zu lösen:
1. das Priesterbild
2. das Frauen-und Mannesbild
3. die
Gesellschaft.
Wir müssen
unsere Heimat im Heiligtum haben. Wir sollten in unseren Gemeinschaften die Zeit
deuten. Hilfe dazu ist das Gebet!
Vor uns
steht die Aufgabe als neue Menschen ein neues christliches Arbeitsethos zu
schaffen, im Sinn der Werktagsheiligkeit und aufgeschlossen zu sein für die
Kirche. Mitarbeiten und Impulse von außen aufgreifen z. B. von geistlichen
Gemeinschaften. Die Gründerin der von Fokolar-Bewegung hat am Gründergrab in
Schönstatt das Liebesbündnis mit der Gottesmutter geschlossen.
In Stuttgart findet am 6./7. Mai 2004 ein Treffen der geistlichen Bewegungen und
Gemeinschaften und am 8. Mai ein Europatag statt.
Christliche
Unternehmer überlegen mit Pater Hinder ein neues Arbeitsethos.
7.40 Uhr
Morgengebet
9.15 Uhr Gesprächsrunde
mit Pfr. Waldraff
(Buchtipp: Neues Bewusstsein von P. King)
Katholische
Auslegung der Interkommunion: wir können erst gemeinsam Mahl halten, wenn wir
eine kirchliche Gemeinschaft sind! Die evangelische Meinung ist genau umgekehrt!
Die Ehe als Sakrament: wir müssen Christus zu uns einladen. Innerhalb der Gesprächsrunde
konnten recht viele Fragen geklärt werden.
Ein positives Zeichen dieser Tage war, dass viele Männer das Bußsakrament
empfingen.
Bei der
Eucharistiefeier im Heiligtum haben mehrere Teilnehmer ihre Mitglieds- oder Mitarbeiterweihe erneuert.
Um 12.00 Uhr war letztmals Mittagessen angesagt, das wie alle Mahlzeiten
ausgezeichnet zubereitet war. (Ein dickes Lob der Küche unter Leitung von Frau
Heydasch.) Danach konnte Herr Rast 30 optimistischen Männern eine gute
Heimreise wünschen.
Herzlichen Dank
dem geistlichen Leiter der Besinnungstage Herrn Monsignore Waldraff, der in
seinen Vorträgen dem schwierigen Thema vor allem auch aus der Sicht Pater
Kentenichs zu Leibe rückte. Vielleicht war doch so mancher Tipp zur Bewältigung
unserer gegenwärtigen Probleme dabei.
Auch Herrn Rast
ein herzliches Dankschön für die guten Einführungen zu den Vorträgen. Ich
fand diese Einrichtung sehr gut. Ebenfalls für die Organisation des
Tagesablaufes, der Anbetung, sowie der Rosenkranz-und Tischgebete.
Danke auch an
Schwester Susanna Maria,
die das Nebeneinander mehrer Veranstal-
tungen im Haus ausgezeichnet im Griff hatte.