Werkzeug in der Hand Gottes

Vorwort

Ich will in dem Vortrag versuchen den Begriff Werkzeug Gottes, besser Werkzeug in der Hand Gottes zu beleuchten. Wir werden zunächst uns den Begriff Werk­zeug etwas betrachten, auch in seiner Anwendung auf uns Männer.

Definition des Werkzeugs

Werkzeug

Zunächst verbindet man mit dem Begriff Werkzeug die typischen handwerklichen Geräte wie Hammer, Meißel, Zangen, Bohrer. Je nach Gewerke fallen einem andere Werkzeuge ein. Ein Maler oder Lackierer wird sehr schnell seinen Pinsel nennen, ein Gärtner denkt dabei vielleicht an seine Gartenschere oder den Spa­ten. Wenn Sie an Ihre Tätigkeit denken, fallen Ihnen sehr schnell auch die pas­senden Werkzeuge ein, mit denen Sie umgehen.

Sehr schnell kommen dann auch die Maschinen hinzu. Ob das jetzt ein Schweiß­roboter oder eine Straßenwalze ist, es ist jeweils das Werkzeug, mit dem eine bestimmte Aufgabe erfüllt wird. So ist für mich als Ingenieur in der Forschung mein Computer und entsprechende Software mein tägliches „Handwerks­zeug“ für meine Arbeit.

Was machen wir mit diesen Werkzeugen? Wir benutzen sie, um mit ihnen eine Aufgabe zu lösen. Manchmal auch in Kombination: wenn ich einen Schlitz in die Wand stemmen will, brauche ich einen Meißel und einen Hammer, mit dem ich auf den Meißel schlage. Wenn ich damit fertig bin, werde ich aber normalerweise Hammer und Meißel nicht wegwerfen, sondern wieder in die Kiste legen für den nächsten Einsatz; bei Bedarf muss ich ihnen noch Pflege zukommen lassen wie z.B. einen neuen Stiel oder den Meißel schärfen, einen Pinsel muss ich reinigen, damit er nicht eintrocknet.

Der Mensch als Werkzeug

Was hat aber der Begriff mit uns zu tun, wenn wir sagen „Werkzeug der Liebe Gottes sein“ und damit, wie es der Titel des Vortrags aussagt: „Werkzeug in der Hand Gottes“.

Wenn man in das Lexikon sieht, steht neben den Beschreibungen, die ich oben ausgearbeitet habe, auch der Hinweis auf die Redewendung:

Jemand als Werkzeug gebrauchen heißt jemand einsetzen, um durch dessen Tätigkeit eine Aufgabe zu erfüllen.

Mit dieser Definition bekommt die Aussage „Werkzeug Gottes“ auf einmal ein ganz anderes Gesicht und Gewicht. Ich bin nicht mehr nur ein Hammer, ein Meißel oder Pinsel, sondern ich habe eine Aufgabe zu erfüllen.

Der Begriff Werkzeug lässt mich immer auch an unsere heutige Leistungsgesell­schaft denken. Wir werden bei der Arbeit benutzt, bis wir nicht mehr können, dann haben wir ausgedient und werden wie Werkzeuge eben durch neue ersetzt. Unter einem solchen Gesichtspunkt mit den Kategorien Tauglichkeit, Brauchbar­keit, Nützlichkeit fühlt man sich schnell benutzt als „Menschenmaterial“ oder „Humankapital“ wie es in der Wirtschaft heute auch heißt.

Der Mensch als Zweitursache

Ist das alles? Will mich Gott genauso als Menschenmaterial benutzen? Man muss an dieser Stelle anders ansetzen.

Gott regiert die Welt durch Zweitursachen. Diese Erkenntnis findet Pater Kente­nich schon in der Lehrtradition Thomas von Aquins bestätigt. Das heißt, dass Gott uns braucht, weil er durch uns in seine Welt hineinwirken will.

Gott könnte in seiner Allmacht die Welt auch anders regieren. Das große Bei­spiel, an dem sich seine „vornehme“ Zurückhaltung in besonderer Weise aufzei­gen lässt, ist die Geburt seines Sohnes Jesus. Er lässt den Engel Maria fragen, ob sie bereit ist, Mutter Jesu zu werden. ER will uns nicht erlösen ohne ihre Mitwirkung.

Andererseits ist er unser Schöpfer, und ohne ihn könnten wir nichts. So sind wir letzten Endes abhängig von ihm. So können wir mit Jesus sagen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen. (Joh 4, 34)

Eigenschaften

Eigenschaften eines Werkzeugs

Eigenschaft

Beispiel

Passend für seine Aufgabe

Ich werde nicht mit einem kleinen Pinsel eine ganze Wand streichen: Die Arbeit wird nicht fertig.

Normaler Schraubendreher für eine Kreuzschlitzschraube benutzen: Werkzeug und Schraube leiden darunter.

Für jeden Wandtyp muss ich den passenden Dübel einsetzen, sonst kann er die Schraube nicht im Loch festhalten.

Brauchbar

 

 

Bei uns war die Regel: Wenn ich bei einem neuen Messgerät nicht wenigstens die Grundfunktionen sofort benutzen kann, ohne die Bedienungsanleitung vorher studiert zu haben, taugt es nichts.

Erwählt

Haben Sie auch ein Lieblingswerkzeug? Der Hammer, der einem am besten in der Hand liegt, oder ...

Ein Kuli ist brauchbar, aber ich wähle lieber meinen Füller, weil ich mit ihm am liebsten schreibe

Einsatzbereit

 

 

Ein gutes Werkzeug ist jederzeit einsatzbereit sein. Unter Um­ständen muss der Werkmeister ihm dazu die nötige Pflege zukommen lassen.

Ausdauernd

 

 

Das Werkzeug muss eine normale Benutzung aushalten. Wir kennen alle genügend Gegenbeispiele von Werkzeugen aus der Ramschkiste, die schon vom ersten Hinsehen kaputt gehen.

Sich verbrauchen lassen

 

Ein Bleistift wird bei seinem Einsatz verbraucht, um einen Text oder ein Bild auf das Papier zu bringen. Das gleiche gilt z.B. auch für einen Radiergummi.

Hilfe für den Werkmeister

 

 

Ein Beispiel ist die Kraftverstärkung wie sie durch Schrauben­schlüssel, Rohrzange oder Kran erfolgt; ein anderes ist die Über­nahme von Arbeiten durch gewisse „Eigenintelligenz“ (Roboter)

Abhängig

Ein Pinsel kann allein kein Bild malen. Selbst große Automaten sind abhängig von Vorgaben, Einstellungen, ihren Programmierern.

Formen lassen

Bei Werkzeugen wie einem Meißel oder einer Axt war es früher selbstverständ­lich, wenn sie schartig waren, brachte man sie zum Schmied. Er formte sie wieder zu einem brauchbaren Werkzeug. Wenn ein Werkzeug sich nicht formen lässt, kann man es nicht mehr benutzen.

Beim Backen oder in einer Gießerei benutzt man Formen, um etwas herzustellen; der Werkmeister formt etwas.

Reiche Fruchtbar­keit

Mit dem richtigen Werkzeug kann ich meine Arbeit optimal ma­chen und habe besseren Erfolg, als wenn ich mich mit ungenügendem Werkzeug abquäle.

Bei Automaten kann das durchaus einigen Aufwand bedeuten, bis sie ihre „Eigenwilligkeit“ aufgeben und machen, was der Program­mierer will.

Wir als Werkzeuge

Im ersten Teil haben wir gesehen, dass sich der Begriff eines Werkzeugs auch auf uns anwenden lässt, unser Verhältnis zu Gott. Daher ist sicher auch hier die Frage erlaubt, in wieweit sich die oben angeführten Punkte auch auf unser Verhältnis zu Gott übertragen lassen.

Eigenschaft

Beispiel

Passend für seine Aufgabe

 

 

 

Jeder Mensch ist anders, ein von Gott geschaffenes Individuum. In Schönstatt sind wir auch mit Pater Kentenich der Überzeugung, jeder von uns hat seine eigene Berufung, seine eigene Geschichte mit Gott. ER hat jedem von uns eine persönliche Sendung, sein persönliches Ideal gegeben. Darin drückt sich die Aufgabe aus, für die ER uns ganz persönlich geschaffen hat.

Brauchbar

 

 

 

 

In der Gründungsurkunde heißt es: „Erwerbt Euch nur durch treue und treueste Pflichterfüllung und eifriges Gebetsleben recht viele Verdienste und stellt sie mir zur Verfügung. Dann werde ich mich gerne unter Euch niederlassen und reich­lich Gaben und Gnaden austeilen, dann will ich künftig von hier aus die jugend­lichen Herzen an mich ziehen, sie erziehen zu brauchbaren Werkzeugen in meiner Hand.“

Erwählt

Im Eingangslied der „Werkzeugsmesse“ im Himmelwärts heißt es: Du hast, o Vater, uns erwählt in Christus für das Heil der Welt als Saatkorn, Licht und Sauerteig, als Werkzeug für sein Königreich (25.März 1945 in Dachau). Wir sind nicht irgendwer, sondern Gott hat uns erwählt, weil er uns liebt.Wenn Gott mich zu dieser Aufgabe erwählt hat, dann wird er mich, sein „Werkzeug“ auch bei dieser Aufgabe führen und begleiten. Damit gewinne ich innere Ruhe und Freiheit, denn ER, der all­wissende Gott, führt mich.

Sie sehen an dieser Stelle auch direkt die Querverbindung zum Vorsehungs­glauben, den wir in den letzten Jahren doch intensiv immer wieder betrachtet und eingeübt haben.

Einsatzbereit

Bin ich bereit mich einzusetzen? Die Aufgaben, die uns Gott ge­geben hat, erfor­dern unsere ganze Kraft und Geduld. Viele sind heute bereit, sich einzu­setzen, wenn kurzfristige Aktionen anste­hen; denken Sie an die spontanen Hilfen nach der Hochwasser­katastrophe in Dresden und Umgebung.

Eigentlich müsste ich als gutes Werkzeug immer einsatzbereit sein, auch wenn es mal schwer fällt.

Ausdauernd

 

 

 

Wenn wir z. B. Herrn Basler betrachten, er rackert sich seit fast 20 Jahren (1986) ab für die Männerliga – und sieht an vielen Stellen nur Stagnation. Trotz­dem ist er unermüdlich an der Arbeit und gibt nicht auf. Das gilt auch beispiels­weise für die unter uns, die seit vielen Jahren treu in den Gruppen mitmachen. So gibt es seit 1975/76 in Mainz eine Männerligagruppe.

Sich verbrauchen lassen

 

 

 

Diesen Punkt muss man im Zusammenhang mit den beiden darrüberstehenden Punkten sehen. Wenn ich meine ganze Kraft für ein Werk einsetze, lasse ich mich ein Stück weit auch ver­brau­chen. Sie haben vielleicht das Wort auch schon einmal gehört. Wenn jemand ganz ausgelaugt von einer anstrengenden Tätigkeit sieht, sagt man schon einmal, der sieht ganz verbraucht aus.

Hilfe für den Werkmeister

 

 

 

Ich habe das in der Einleitung schon angeführt, Gott als unser Werkmeister hat zwar die Welt erschaffen ohne uns, aber er will sie nicht erlösen ohne uns. So sollen wir als seine Zweitursachen wirksam werden. Wir müssen es zumindest immer wieder ver­su­chen, auch wenn uns das Werk nicht immer gelingt, aber Gott kann auch aus unseren Scherben etwas Gutes entstehen lassen.

Abhängig

 

 

Ich glaube zu der Abhängigkeit muss man nicht viel sagen. Wir glauben in unserer Überflussgesellschaft, dass wir (fast) alles selbst können und keinen Gott brauchen, aber....

Formen lassen

Stichwort Selbsterziehung...

Gott formt uns. Wir müssen aber bereit dazu sein und unser Bemühen darum mit einbringen.

Reiche Fruchtbarkeit

 

 

 

Zitat aus der marianischen Werkzeugsfrömmigkeit (S.38): „Das Werkzeug in der Hand Gottes will ja nur eines: Gott freien Raum machen und machen lassen für seine Fruchtbarkeit. Deshalb sein ernstes Ringen um vollendete Lösung von sich selber, weil Eigen­willigkeit Gott und seiner Wirksamkeit allein den Raum versperrt.“

Transparent Gottes

In der Jahreslosung 1996/97 hatten wir dies aufgegriffen und sagten damals: Durch unser Taborheiligtum Christus ausstrahlen.

Jesus sagte: Wer mich sieht, sieht den Vater. Als Gottes Sohn konnte er das von sich im Vollsinn des Wortes sagen. Aber durch Jesus sind wir in der Taufe auch Kinder Gottes geworden. Das heißt auch von uns müsste man sagen können: durch ihn scheint die Herrlichkeit Gottes. Der heilige Pfarrer von Ars ist Ihnen ja be­kannt. In der Werktagsheiligkeit zitiert Pater Kentenich eine kleine Begebenheit, die das Transparent Gottes sein deutlich macht:

Es wird erzählt, dass einige gelehrte Spötter in Paris, die vom Leben und Treiben des Pfarrers von Ars hörten und so viele Menschen zu ihm pilgern sahen, miteinander vereinbarten, einer solle hingehen, alles selbst ansehen und dann das, was er dort erlebt, den anderen zum besten geben. Es ging also einer hin nach Ars, kam aber still und gedankenvoll zurück und wies alle Neugier und Lästerrede der Freunde ab mit den Worten: „Seid still, ich habe Gott in einem Menschen gesehen!“

 

Joachim Konrad