Beitrag des Seligsprechungspostulators Dr. Jan Korycki (SAC) aus Anlass des IV. Josef-Engling-Treffens v. 22./23.August 2003 -

Kudypy (Kudippen)/ Prosity (Prossitten)

 „Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass das Engling-Treffen schon das vierte mal stattfindet, dass Sie sich für den Seligsprechungsprozess interessieren, um die Gnade der Seligsprechung beten, Ihre Kenntnis von der Person Josefs vertiefen und diese Kenntnis unter anderen Menschen verbreiten. Was Sie tun, ist von großer Bedeutung, da das ein Beweis Eurer lebendigen - Eurer und der anderen: Menschen - Überzeugung von der Heiligkeit Josef Englings ist. Und der Heiligkeitsruf eines Kandidaten zur Ehre der Altäre ist sehr bedeutsam bei Entscheidungen, die eine Seligsprechung betreffen. In einem Schreiben der Vatikanischen Heiligsprechungskongregation für Kanonisationen vom 9. Juni dieses Jahres, das ich als Postulator be-

kam, wird uns die Möglichkeit gegeben, den vor 55 Jahren begonnenen Prozess fortzusetzen. Es enthält einen deutlichen Auftrag, dem fortdauernden Heiligkeitsruf, dessen sich Josef Engling erfreut, weiter nachzugehen, nachzuspüren und zu dokumentieren. Da dieser Ruf wichtig ist, erlauben Sie mir, dass ich am Anfang meiner Rede ein paar Informationen über die Entwicklung dieses Rufes aufzeige, dann den historischen Verlauf des Prozesses skizziere und schließlich meine persönlichen Gedanken mitteile.

1. Entwicklung des Heiligkeitsrufes Josef Englings

Sofort nach Beendigung des ersten Weltkrieges, also direkt nach dem Tod Josef Englings, gab es bereits die Überzeugung von seiner Heiligkeit. Ich persönlich habe mit vielen Pallottinerpriestern aus Polen und Deutschland gesprochen, die in den Jahren 1918-1939 in die Gesellschaft des Katholischen Apostolates eingetreten sind. Sie haben betont und betonen weiterhin, (dass sie sich während der Ausbildung im Noviziat und im Priesterseminar mit dem Lebenslauf und der geistigen Gestalt von Josef Engling vertraut gemacht haben. Damals hat man auch einige Lebensbilder vom Diener Gottes veröffentlicht. Das Größte: 680 Seiten, von Pater Heinrich Schulte geschrieben, dem späteren vieljährigen Provinzoberen der Pallottiner (1941-1956) und mit entsprechenden Quellen bearbeitet: Omnibus Omnia - Allen Alles. Dieses Buch wurde 1932 und 1937 veröffentlicht. Im Jahre 1938 hat Pater A. Menningen in belletristischer Weise Held im Werktag geschrieben. Nach dem Weltkrieg wurden neue Positionen geschrieben: von Pater Menningen, Paul Hannappel und anderen. Mit Freude stelle ich fest, dass sie zahlreich sind.

Auch nach dem 2. Weltkrieg genoss Josef Engling einen Ruf der Heiligkeit in unseren Reihen. Als ich 1952 bei den Pallottinern eingetreten bin, hatte ich Gelegenheit, die beeindruckende Persönlichkeit Englings sowohl im Noviziat als auch während meiner Studien im Priesterseminar kennenzulernen. Ich habe mehrmals in meinem priesterlichen Dienste an die Person des Dieners Gottes angeknüpft, ohne zu ahnen, dass ich einmal Postulator für seinen Prozess werden würde.

Nach der Trennung der Schönstattbewegung von den Pallottinern im Jahre 1964 und infolge der Veränderungen durch das II. Vatikanische Konzil, hat auch das Interesse für die Person Josef Englings abgenommen, meiner Meinung nach allerdings nicht in den Schönstattgruppierungen, was unter anderem Eure Treffen beweisen. Im allgemeinen stelle ich fest, dass es viele Menschen gibt, die von der Heiligkeit Josefs überzeugt sind, und diese Tatsache ist, wie ich schon gesagt habe, für den Seligsprechungsprozess sehr wichtig.

2. Der Historische Verlauf des Seligsprechungsprozesses von Josef Engling

Im Zusammenhang mit dem lebendigen Heiligkeitsruf Josef Englings in den Jahren zwischen den Kriegen und nach dem 2. Weltkrieg, hat der Generalrat der SAC in Rom am 25.2.1948 entschieden, den Seligsprechungsprozess zu beginnen. Der Generalpostulator der Pallottiner, P. Josef Rannochini, hat am 10.3.1948 als Vizepostulator Pater A. Menningen bestimmt. Pater Menningen hat innerhalb der 4 Jahre alle nötigen Materialien zur Eröffnung des Prozesses gesammelt. Offiziell begann der Seligsprechungsprozess in der Diözese Trier im Jahre 1952. Dieser wurde dort bis 1964 geführt. Am 7.10.1964 wurden die Akten des Prozesses an die Vatikanische Kongregation weitergegeben.

Diese Zeit war jedoch aus zwei Gründen nicht günstig für den Verlauf des Prozesses: 1.) Im Zusammenhang mit dem Konzil betrachtete man vieles unter anderen Vorzeichen. So sank in vielen Ländern das Interesse an Heiligen als Vorbilder für das christliche Leben, woraufhin das Interesse für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse abnahm und dies, obwohl die Kirche an der Bedeutung der Heiligen im Leben der Kirche stark festhielt. 2.) 1964 war die Trennung der Schönstattbewegung von den Pallottinern ein weiteres Hindernis.

Trotz der oben genannten ungünstigen Bedingungen hat man den Seligsprechungsprozess Josef Englings nicht ganz vergessen. Der Generalpostulator der SAC hat dafür gesorgt, dass alle Akten ins Italienische übersetzt wurden (1615 Seiten Manuskript). Nach verschiedenen Diskussionen in den 70er Jahren wurde es um das Anliegen der Seligsprechung deutlich ruhiger. Dank der Initiativen von P. Anton Weber (SAC) wurde er in den 80er Jahren wieder aufgegriffen. P. Weber war kein offizieller Postulator, aber er war tief überzeugt von der Richtigkeit der Sache und genoss die volle Unterstützung durch den Generaloberen P. Martin Juritsch (SAC). Dank seiner Initiative hat im Jahre 1989 der Bischof von Trier einen sehr positiven Brief zum Heiligen Stuhl zur Fortsetzung des Seligsprechungsprozesses geschrieben.

Die Sache ist weiter gereift und am Anfang des Jahres 2000 hat sich die Limburger Provinz der Pallottiner, als ursprüngliche Initiatorin, klar für seine Fortsetzung ausgesprochen. Der Generalobere der Pallottiner, P. Séamus Freeman, hat im Hinblick auf das große Interesse der Schönstattbewegung entschieden, die Bewegung zur Mitarbeit einzuladen. Pater Séamus Freeman hat am 25.4.2000 einen Brief an P. Michael Marmann, den Generaloberen der Schönstattpatres und Vorsitzenden des Präsidiums des Internationalen Schönstattwerkes, geschrieben. General Marmann hat mit einem Brief vom 17.7.2000 im Namen des Präsidiums positiv auf diesen geantwortet.

Daraufhin habe ich als Generalpostulator der SAC am 6.6.2000 den Antrag an den Heiligen Stuhl eingereicht und um die Erlaubnis für die Fortsetzung des Seligsprechungsverfahrens, unter der Betreuung der Heiligsprechungskongregation gebeten. Dieser Antrag war wegen der langjährigen Pause des Prozesses und wegen der Änderungen des Kanonischen Rechtes im Jahre 1983 nötig. Wir waren überzeugt, dass wir sofort die Erlaubnis bekommen. Leider zeigte sich, dass damals im Vatikan eine Diskussion im Gange war, inwieweit Seligsprechungsprozesse von Personen, die an einem Krieg teilgenommen haben, geführt werden sollten. Wir haben diese Erlaubnis erst in diesem Jahr im Juni bekommen (Schreiben von 9.6.2003).

Der Heilige Stuhl ordnete daraufhin an, die Prozessakten zu vervollständigen und den neuen Normen von 1983 anzupassen. Es geht jetzt darum, zunächst in der Diözese Trier mit Erlaubnis des Bischofs noch einige Untersuchungen durchzuführen.

Als Postulator habe ich auf den 17.9.2003 nach Rom zwei Vizepostulatoren eingeladen: Joachim Schmiedl (Institut Schönstattpatres) und Vincenz Reinhart (SAC).

3. Persönliche Gedanken

Beim Studium der Seligsprechungsprozessakten von Josef Engling kamen mir folgende Gedanken:

a. Die Aussagen der 41 Zeugen, die unter Eid abgegeben wurden, und die ich durchstudiert habe, haben mich in der Überzeugung vorn Heroismus der Tugenden J. Englings gefestigt. Ich glaube, dass wir die berechtigte Hoffnung haben können, dass Josef Engling selig gesprochen werden wird. Bei der Gelegenheit möchte ich andeuten, dass der Heroismus der Tugenden sich daran zeigt, dass ein Mensch das Gute willig, sofort und mit Freude tut.

Seine Verhaltensweise ist überdurchschnittlich, ohne menschliches Kalkül und auf ein übernatürliches Ziel gerichtet (Papst Benedikt XIV, EK, t. 6).

b. Josef Engling war Schüler eines Pallottinergymnasiums und starb als solcher. Deswegen sind die Pallottiner für den Seligsprechungsprozess rechtlich zuständig. Sie haben diesen Prozess im Jahre 1948 begonnen und sind sich auch bewusst, dass man ihn fortsetzen soll. Der geistliche Führer Josef Englings war Pater Josef Kentenich als Pallottiner, der dann zum Gründer der Schönstattbewegung wurde. Daher ist es meiner Meinung nach eine gute Konstellation, wenn beim Seligsprechungsprozess von Josef auch Mitglieder der Schönstattbewegung mitarbeiten. Selige und Heilige sind das Eigentum der ganzen Kirche.

c. Der Seligsprechungsprozess ist eine besondere Gabe, die Gott seinem Volk schenkt, um ihm ein konkretes Vorbild im Streben nach Heiligkeit zu geben. Und um Gaben kann man und soll man beten. Die Kirche lehrt uns, dass die Heiligen Menschen sind wie wir, die heroisch ihre christliche Berufung verwirklicht haben. Nach der Überzeugung von Vielen war Josef Engling so ein Mensch und daher kommt auch der Wunsch, die Gnade seiner Seligsprechung zu erhalten. Zu diesen Menschen gehören bestimmt auch wir, die hier Anwesenden. Und wenn es so ist, so müssen wir eifrig um die Gnade der Seligsprechung beten und vertrauen, dass Gott sie uns schenkt. Eine Anregung auf diesem Weg seien uns die Worte des Heiligen Vaters aus der Abhandlung Vita Consecrata, wo er schrieb: "heute brauchen wir dringend Heilige und müssen ausdauernd Gott um sie bitten" (VC 35).

(P. Korycki (SAC), Rom, aus Prosity Infobrief Nr. 10, v. 9.11.2003)