„Christsein als Mann“

Für eine Zivilisation der Liebe

von Pater Stefan Strecker

Vorletztes Jahr bekam ich eine neue Aufgabe. Neben der Schönstattjugend sollte ich in der Leitung der Patres mitarbeiten. Nach einigen Wochen war ich sehr unzufrieden. Ich beklagte mich bei einem meiner älteren Mitbrüder und sagte: „Ich möchte am liebsten aus der Leitung aussteigen. Ich mache viel lieber Jugendarbeit.“ Darauf antwortete dieser trocken: „Typisch Mann! Die drücken sich gern vor der Verantwortung!“ (...)

Dieses Urteil können wir so nicht stehen lassen. Nehmen wir die Herausforderung an. Machen wir uns klar, wie es um die Verantwortung bei uns Männern steht: (...)

Zum Mann gehört die große Anziehungskraft des Sexuellen. Wir begegnen dem Thema überall in der Öffentlichkeit. Wir spüren in uns, wie mächtig die Sexualität ist. Wird unsere sexuelle Kraft präsent, dann ANTWORTET in uns die Sehnsucht nach Befriedigung und Vereinigung. Wenn auch schwierig zu kontrollieren, so ist die Sexualität jedoch nicht unserer VERANTWORTUNG entzogen. Darum bejahen wir sie und wollen sie verstehen. Wir versuchen ehrlich mit diesem Thema umzugehen. Wir üben ein, mit Menschen unseres Vertrauens darüber zu sprechen. Zur Verantwortung gehört es, dass wir unsere Sexualität im Blick auf unsere Freundinnen „zurückhalten“. Wir „bewahren“ sie sozusagen für später auf. Dann kann ich sie in der Zukunft der Frau meines Lebens zum Geschenk machen. Dieses Geschenk teile ich mit der Mutter meiner Kinder. Und Vatersein schenkt tiefe Erfüllung. Deshalb halten wir die Sexualität für ein Gottesgeschenk. (...)

Ihr hört es heraus: Wir geben auf vieles in unserem Leben spontane ANTWORTEN. Dazu aber auch männlich reife Antworten zu geben ‑ das ist VERANTWORTUNG! Zwischen ANTWORT und VERANTWORTUNG liegt ein Weg. Es ist der Weg der Selbsterziehung. Dass Männer sich für diesen Weg entscheiden, davon träumt Pater Kentenich von Anfang an. Sich zur festen, freien, christlichen Persönlichkeit zu erziehen ‑ das ist für ihn der Weg zu einem VERANTWORTLI CHEN Menschen.

Will ich also VERANTWORTUNG lernen, dann muss ich mir immer wieder klar machen, warum es sich lohnt, dass ich mich selbst erziehe. Das gibt meinem Denken eine Orientierung. Gelegenheiten mich zu erziehen, finde ich in den Aufgaben, die das Leben mir stellt. Aufgaben betrachte ich also nicht als notwendiges Übel. Sie sind der Humus für mein persönliches Wachstum. Aufgaben verlangen von mir Entschiedenheit und Durchhaltevermögen. Dazu brauche ich Disziplin; keine von außen, die einer Zwangsjacke gleicht. Ich entwickle eine innere Disziplin ‑ wie ein Knochengerüst. Dieses stützt mich von innen. Es gibt mir Stabilität und es passt sich meinem Wachstum an. (...)

In der Schönstatt‑Mannesjugend sind wir überzeugt, dass jeder Mensch sich auf den Weg zu reifen Antworten machen soll. Dieser Weg lohnt sich immer. Deshalb investieren wir ja so viel Zeit für unsere Jungs. Wir bieten uns als Vorbild an. Wir begleiten ihre männlichen Reifungsprozesse. Hier lernen wir die Verantwortung für andere. (...)

SMJ heißt Liebesbündnis. Das ist unser Schlüssel zum Glauben. Dieser Glaube ist selbst eine Antwort. Aber keine simple! Gott ruft mich bei meinem Namen. Diesen Ruf verantwortet er total. Meine Antwort auf diese Berufung darf und soll reifen. Dafür gehe ich das Bündnis mit der Mutter und Erzieherin ein. Maria vermag gerade bei uns Männern den Glauben ganz tief in uns zu verankern. (...)

Morgen schließen wir das „Liebesbündnis für die Jugend der Welt“. Das ist ein Akt von hoher Verantwortung. Unseren Freunden und der Jugend bekennen wir damit: Wir wollen euch reife, männliche Antworten anbieten. Dafür wissen wir uns verantwortlich. Und der ganzen Welt sichern wir zu: Wir bringen uns als verantwortungsvolle Menschen ein. Das Liebesbündnis ist hierfür unsere Kraftquelle.

Es sei typisch für den Mann ‑ so hieß es am Anfang ‑ sich gern vor der Verantwortung zu drücken. Dieses Urteil gilt nicht für uns! Zeigen wir das der Welt.

Wir können es, weil wir Männer sind!

 

„to be a man” – Parallel zur Mädchenjugend traf sich auch die Mannesjugend. Oben dokumentieren wir die Ansprache von Pater Stefan Strecker in Auszügen. Unten einige Zeilen aus dem Statement       von Martin Knauft über seine Zeit bei der SMJ in der DDR.

Das Bild zeigt eine Gruppe aus Portugal bei der Veranstaltung.

Zitiert: „Meine SMJ‑Zeit verlebte ich in der DDR. (...) Für junge Christen war es nicht leicht, gleichgesinnte Menschen zu finden, die gleiches dachten und auch leben wollten. (...) Innerhalb der SMJ war das völlig anders. Hier waren Jugendliche zusammen, die als Christen in einer so unchristlichen Welt leben wollten. Ja, wir wollten den anderen Menschen unseres Landes vorleben, dass es auch andere Wege gibt, als immer nur der Masse hinterherzulaufen. Das praktische Umsetzen des Liebesbündnisses gab uns die Kraft und den nötigen Mut. Unser Bekenntnis zum lebendigen Gott bedeutete damals auch immer wieder klare und mit Nachteilen verbundene Entscheidungen zu treffen. Innerhalb der SMJ sprachen wir über bevorstehende zu meisternde Schwierigkeiten, die vom Gewissen her tragbar waren.“     Martin Knauft

 (Aus: Zapfsäule King Size)