Erfahrungen und Erlebnisse bei der Gebetswache
auf dem Lindenberg
Im April
2004 fragte Herr Basler: „Konnten aus Ihrer Diözese oder Abteilung Männer an den
Anbetungswochen auf Berg Sion teilnehmen“?
Herr Basler sprach vor einem Jahr zu uns Verantwortlichen: Ich zitiere:
„Es war ein großes Anliegen von Herrn Herberger, dass beim zukünftigen Taborheiligtum eine ähnliche Anbetungsströmung entsteht wie auf dem Lindenberg St. Peter bei Freiburg, im Elsass auf dem Odilienberg und Sacreceur in Paris. Das Wächterhaus auf dem Marienberg ist eigentlich dafür gebaut worden. Wir Marienbrüder sind von der Zahl her zu klein, das Taborheiligtum als Gnadenort zu garantieren. Die mir noch bekannten 10 Männer, die damals mit Herrn Herberger dafür bereit waren, sind bis auf Herrn Graßmann in der Ewigkeit. Inzwischen steht das Taborheiligtum seit 1995 und seit 2004 können die Männer im Wächterhaus wohnen. Stehen wir an einem Scheideweg?“
50 Jahre Gebetswache
Die Gebetswache auf dem Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald begeht in diesem Jahr 2005 ihr 50jähriges Jubiläum. Diese Gebetswache steht in engem Zusammenhang mit dem Schweizer Friedensheiligen Nikolaus von der Flüe und mit der Aktion des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, die damaligen Kriegsgefangenen in Russland (Sowjetunion) frei zu bekommen.

Nikolaus von der Flüe wurde nach seiner Heiligsprechung 1947 besonders verehrt –
vor allem auch in Deutschland. Viele Männer, die glücklich aus dem Krieg
heimgekehrt waren, hatten die Botschaft wohl verstanden.
1953 begann in der Erzdiözese Freiburg durch das Kath. Männerwerk die
Männerwallfahrt nach Sachseln zum heiligen Bruder Klaus. 1954 fuhr ein erster
Pilgerzug aus der Erzdiözese Freiburg mit 500 Männern nach Sachseln-Flüeli, um
zu danken, vor allem aber auch um für den Frieden zu beten und für jene Männer,
die noch in der Kriegsgefangenschaft festgehalten wurden. Dieser Pilgerzug fährt
seit 1954 jährlich um den 1. Mai nach Sachseln. 2004 war ich mit meiner Frau bei
der 50. Jubiläums-Wallfahrt mit 650 Pilgern/Pilgerinnen dabei.
1955 fuhr Dr. Konrad Adenauer als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland erstmals nach Moskau. Er wollte damals mit den mächtigen Männern dieses Landes – einer Siegermacht – über den Frieden, über das Zusammenleben der Völker reden und verhandeln. Ein besonderes Anliegen war Konrad Adenauer damals, dass die vielen Deutschen, die 1955 noch in russischer Kriegsgefangenschaft festgehalten wurden, in die Heimat zurückkehren konnten.
Aus diesem Anlass machten sich
damals etwa 30 Männer aus der Erzdiözese Freiburg auf den Weg nach Flüeli zum
heiligen Bruder Klaus, um Tag und Nacht dort in der Klause in der Ranft vor dem
Allerheiligsten zu beten, um so das Anliegen des Bundeskanzlers zu unterstützen.
Das war im September 1955.
Nachdem die Gespräche in Moskau anfangs zu scheitern drohten, kam es schließlich
doch zu einem Durchbruch. Zunächst beharrten die Sowjets darauf: Diplomatische
Beziehungen: Ja! – aber ohne „Bedingungen“. Außerdem hätten sie keine deutschen
„Kriegsgefangenen“ mehr, sondern nur noch „Kriegsverbrecher“.
Adenauer drohte mit der Abreise; jedoch am Abend des letzten Tages im
Bolschoi-Theater wendete sich das „Blatt“.
Das Beten der Männer im Ranft hatte offensichtlich Erfolg. Schon bald konnten die Gefangenen heimkehren. Vor Antritt seiner Reise nach Moskau hat Adenauer sich beim Kath. Männerwerk bedankt. In einem Schreiben Adenauers vom August 1955 aus Mürren CH heißt es: „... wie ich höre, wollen die katholischen Männer der Erzdiözese Freiburg während meiner Reise nach Moskau bei Tag und Nacht in der Ranftkapelle, der Einsiedelei des schweizerischen Friedensheiligen Klaus von Flüe bei Sachseln in der Schweiz, beten. Ich danke den Herren für diese Hilfe...“ Soweit der Auszug aus dem Schreiben.
Das Gebet dieser Männer - mit dem heiligen Bruder Klaus zusammen - es ging geradezu fast wortwörtlich in Erfüllung. Und wenn wir gleich noch weiterschauen: der kommunistische Machtblock brach inzwischen auch in sich zusammen. Unserem Land wurde die Wiedervereinigung geschenkt.
Diese
Erfahrungen der Männer 1955 führten zu Überlegungen, in der Heimat eine
„Gebetswache“ einzuführen. Zwei Männer kann man hier als Initiatoren nennen,
einen Priester und einen Laien: Prälat Alois Stiefvater (Präses des Kath.
Männerwerks) und Diözesanleiter Franz Nadler. Diese Männer hatten zunächst nach
Flüeli, in der Ranft, zu Bruder Klaus, eingeladen. Sie waren überzeugt vom
Jesuswort: „Bittet, dann wird euch gegeben...!“
Die positive Erfahrung hat die Männer – und viele andere – bewogen, weiter zu
machen: zu danken und zu bitten! Vor jetzt 50 Jahren hat in Flüeli begonnen, was
dann auf dem Lindenberg fortgeführt wurde – bis heute !
Damals hatten die Männer die
Überzeugung, was in Sachseln, was in der Ranft begann, das darf jetzt nicht
einfach zu Ende sein. Lange suchten die Männer – mit Verantwortlichen – in der
Diözese, wie – und wo man dieses Anliegen weiterführen könnte. Anregungen
empfingen die Männer vom Elsass, vom Odilienberg her. Dort beten die Männer –
mit der Patronin des Landes, der heiligen Odilia – Tag und Nacht für ihr Land,
für Europa, für die Welt.
So wurde der Lindenberg als Ort der Anbetung mit geprägt von unseren Nachbarn:
den Schweizern und den Elsässern. Hier an dem 500 Jahre alten
Marienwallfahrtsort Maria Lindenberg wurde die Anbetung jetzt weitergeführt.
Zunächst während der Fastenzeit, dann mehrere Monate, heute 11 Monate von Januar
bis November. Herr Federer von der Schönstatt-Männergruppe Oberkirch gab 1976
die Anregung, wir Schönstatt-Männer könnten jährlich eine Woche Anbetung auf dem
Lindenberg übernehmen. Eine gemischte Gruppe und Schönstatt-Männer beteten
erstmals 1977 unter Obmann Federer auf dem Lindenberg.
Vom 5. bis 12. Februar 2005 war diese gemischte Gruppe und Schönstatt-Männer zum 29. Mal mit 30 Männern bei der Anbetung. Nach der Erkrankung und dem frühen Heimgang von Gustav Federer war Karl Anselment von der Schönstatt- Männer-Gruppe Oberkirch zum 27. Mal Obmann dieser Betergruppe. Ich war im Februar 2005 zum 14. Mal eine Woche bei der Gebetswache.
Von unserer Schönstatt-Männer-Gruppe Oberkirch sind etwa acht Männer jährlich bei der Gebetswache. Die Zahl der Beter steigt in den letzten Jahren an. So beteten 2003 erstmals 1000 Männer und 2004 1017 Männer jeweils eine Woche auf dem Lindenberg. Die Männer kommen aus allen Berufen und Landschaften, sogar über die Erzdiözese Freiburg hinaus. Sie kommen aus Städten und vom Land (sogar aus dem Elsass und der Schweiz). Viele sind berufstätig, andere Pensionäre und Rentner. Manche leiten einen Betrieb, andere müssen eine Woche Urlaub nehmen. Einzelne kommen auch mehrmals im Jahr. Diese Männer lassen sich die Zeit auf dem Lindenberg etwas kosten.
Was tun die Männer in dieser Woche? Die Anbetung beginnt jeweils samstags um 15.00 Uhr und endet wieder am Samstagmorgen mit der heiligen Messe und dem feierlichem Abschluss. Vor Beginn teilen sich die Beter in sieben Gruppen auf. Die Männer beten Tag und Nacht durchgehend vor dem ausgesetzten Allerheiligsten.
Äußerlich betrachtet: Sie beten miteinander; sie treffen sich in Gruppen zum Gebet – zu zweit, zu dritt oder zu viert, je nach der Anzahl der Männer, die an der Woche teilnehmen. Tagsüber beten sie je eine Stunde; nach 7 Stunden sind sie wieder dran; nachts beten sie je zwei Stunden! Sie treffen sich zum Spaziergang, zu einer Wanderung, zum gemütlichen Beisammensein. Um 7.30 Uhr ist täglich heilige Messe, 8.15 Uhr Frühstück, 9.30 Uhr Vortrag, 12.00 Uhr Mittagessen, 17.00 Uhr Vesper, 17.30 Uhr Vortrag und 18.00 Uhr Abendessen. Männer, die in diesen Zeiten bei der eucharistischen Anbetung sind, fehlen beim Vortrag und nehmen die Mahlzeiten nach der Ablösung durch die nächste Gruppe ein.
Schauen wir aber nicht auf den äußerlichen Verlauf, sondern auf das „Innere“; da geschieht etwas, was man nur mit den „Augen des Glaubens“ fassen kann. Sie beten! Im gemeinsamen oder im ganz persönlichen Gebet; im stillen Verweilen, im Anschauen vor dem Allerheiligsten – in der „Meditation“ lassen sie Gott in die Mitte ihres Herzens hinein. Dies tun sicher auch andere. Aber, wer oder wie viele nehmen sich wirklich Zeit dazu? Wie viele nehmen sich die Kraft und Ausdauer, einmal wirklich „still“ zu werden, solch eine „Phase“ auszuhalten; wo „äußerlich“ so gar nichts geschieht!? Worauf es also ankommt: Auszuhalten vor dem menschgewordenen Gottessohn in der Eucharistie. Da dürfen und sollen die persönlichen Lebensbereiche ins Gespräch kommen. Es geht um ein „Zwiegespräch“ z. B. über die Familie, über die Kinder, Enkel, vielleicht um ein besonderes „Sorgenkind“, es geht um den Arbeitsplatz, um gute Nachbarschaft, Pfarrgemeinde, Bistum, Kirche usw.
Liebe Männer, da dürfen Sie anklopfen beim Herrn und Meister; sie bitten IHN um Einlass mit all ihren Sorgen und Fragen. Bei solchem „Ausharren“ und Beten werden wir spüren: wir werden ruhig, wir finden Orientierung, denn Gott nimmt immer mehr die „Mitte“ in unserem Leben ein. – Ja, es geht und darf bei unserem Beten um uns und unsere Anliegen gehen; aber wir kommen auch zur Anbetung, um für andere zu beten! Wir beten für andere Menschen, für die Schöpfung, für alles, was es gibt, knien wir als „Stellvertreter“ vor dem Herrn.
Als Vorbild ist uns der heilige Bruder Klaus gegeben, unser Gründer Pater Josef Kentenich, Pater Franz Reinisch, Mario Hiriart, Josef Engling und viele andere. Vor allem sind es am Wallfahrtsort Maria Lindenberg die Gottesmutter und der Heilige Josef. „Wachet und betet!“, das ist unsere Aufgabe bei der Anbetungswoche auf dem Lindenberg. Das schließt ein: wir beten für unsere Familien und Gemeinschaften; für unsere Dörfer und Städte; für die Diözesen; für die Kirche als Ganzes; wir beten um den Frieden! Der Wallfahrtsort Maria Lindenberg befindet sich in der Nähe von St. Peter, d. h. in der Nähe des Priesterseminars der Erzdiözese Freiburg. So werden wir immer daran erinnert, um „Geistliche Berufe“ zu beten, vor allem auch für die Berufenen (im Seminar und im Dienst an den Menschen). Es fehlt nicht an Themen und Anregungen für das Gebet. So wichtig und notwendig dieses Gebet, dieses Bittgebet auch ist, ebenso wichtig ist der „Dank an Gott“ und Dank an viele Menschen. Vor 10 Jahren beim 40 jährigen Jubiläum der Gebetswache auf dem Lindenberg sagte Erzbischof Oskar Saier beim Jubelgottesdienst: „Wir wollen Gott danken, dass der Heilige Geist den Gründern der Gebetswache diese Idee eingab; und dass der Geist Gottes immer wieder Männer erweckt hat, die vom gleichen Geist des Gebetes und der Hingabe ergriffen wurden.“
Seit 1972 werden die Männer von Franziskanerpatres begleitet. Mitgetragen wird die Anbetung vom Rektor des Wallfahrtsortes Maria Lindenberg, Dr. Bernhard Kraus, ebenso auch von den Gengenbacher Franziskanerinnen, die das Haus Lindenberg führen und so für ein gutes „Miteinander“ sorgen und die notwendigen Voraussetzungen schaffen.
Diese Anbetung der Männer am
Wallfahrtsort der Gottesmutter auf dem Lindenberg gibt es nur in der Erzdiözese
Freiburg. Ich frage Euch: „Könnte das Taborheiligtum auf dem Marienberg mit dem
Wächterhaus ein Gnadenort der Anbetung werden?“
Diese Anbetung kann nicht auf Kommando von heute auf morgen aus dem Boden
gestampft werden. Dieses Pflänzchen der Anbetung könnte mit den Männern aus
allen anderen Diözesen Deutschlands auf dem Marienberg gesetzt werden. Alles
fängt „klein“ an, aber einige Wochen sollten möglich sein. Könnten sich alle
Verantwortlichen der Schönstatt-Männer-Gruppen für einen Beginn der Anbetung im
Taborheiligtum auf dem Marienberg begeistern? Das Jahr der Eucharistie mit dem
Anliegen der Anbetung vor dem Allerheiligsten ist für einen Beginn geeignet.
Quelle: schoenstatt.de