Etwa 250 Männer und Frauen folgten am Dreifaltigkeitssonntag der Einladung der Schönstatt-Männerliga zu einer Wallfahrt, die unter dem Leitwort stand: „Auf dem Tabor dem eucharistischen Jesus begegnen und danken.“
An der Dreifaltigkeitskirche, die zum Dank für die Bewahrung Schönstatts im 2.Weltkrieg erbaut wurde, trafen die ersten Pilgergruppen schon ab 9.15 Uhr ein. Dort war Gelegenheit zum Empfang des Bußsakraments.
Alle Wallfahrer, die sich mit Pkw, Bus oder Bahn auf den Weg nach Schönstatt gemacht hatten, wurden vor dem Festgottesdienst vom verantwortlichen Leiter des Wallfahrtstages, Herrn Marienbruder Gebhard Maria Basler begrüßt und mit herzlichem Beifall bedacht. Gegen 10.45 Uhr begann in der Dreifaltigkeitskirche der feierliche Gottesdienst, der von einer Schola umrahmt und von Pfarrer Wachter zelebriert wurde.

Pfarrer Wachter rief in einer engagierten und alle Zuhörer beeindruckenden Predigt zum Leitthema des Wallfahrtstages, in dem auch die gegenwärtige Situation der Kirche in einer Zeit schwindender Religiosität beleuchtet wurde, dazu auf, der Kirche ein neues Gesicht zu verleihen. Einer Religiosität ohne Opfer, ohne Gemeinschaft und Verbindlichkeit, bei deren Praxis durchaus Elemente verschiedener Religionen etwa des Buddhismus und des Christentums nebeneinander stehen können, sei das persönliche klare christlich-marianische Lebenszeugnis gegenüber zu stellen... Während des Gottesdienstes wurden Fürbitten von Männern aus den vertretenen Diözesen, unter anderem auch für unseren neuen Papst Benedikt XVI. vorgetragen. Beim anschließenden Mittagessen konnten die Wallfahrer über Jahre gewachsene Freundschaften pflegen und neue Teilnehmer in die Gemeinschaft einführen.
Einsegnung von Haus Tabor
Um
14.00 Uhr scharten sich die Wallfahrer um das „Urheiligtum“, wo in einer Andacht
an den Beginn der Schönstattbewegung am 18.Oktober 1914 erinnert wurde. Damals
hatte Pater Kentenich zusammen mit seinen Studenten veranlasst, dass das
Kapellchen restauriert und der Mutter Gottes geschenkt wurde. Von diesem
Zeitpunkt an wirkt die Gottesmutter in besonderer Weise in Schönstatt.
Vom Urheiligtum zogen die Pilger anschließend - den lichtreichen Rosenkranz betend - zu dem vor 10 Jahren von Erzbischof Errázuriz eingeweihten Taborheiligtum, dem geistlichen Zentrum der internationalen Männerbewegung auf dem Marienberg und zu dem nunmehr neu in unmittelbarer Nachbarschaft errichteten Wächterhaus.
Auf dem Vorplatz konnte man sich bei trockenem Wetter auf bereitgestellten Bänken niederlassen, um der abschließenden Andacht mit Ansprache und eucharistischem Segen beizuwohnen, die ganz im Zeichen der Begegnung mit dem eucharistischen Jesus stand.
In
seiner Ansprache erinnerte Herr Professor Pater Schmiedl an das Geschehen auf
Berg Tabor, das nunmehr durch die Fertigstellung des „Hauses Tabor“ ein neues
Symbol erhalten habe.
Er dankte persönlich dem Architekten und den Marienbrüdern Herrn Kanzler und
Herrn Amrein für ihren opferreichen Einsatz und auch allen Gläubigen, die den
Bau unterstützt haben und noch unterstützen.
Das Haus Tabor könne nun ein Ort für die Anbetung, für Exerzitien und Besinnungstage werden. Außerdem lädt es ein zu Gesprächen gleicher Berufsgruppen.
Wie bei einem Berggipfel lade das Haus Tabor zu einem vorübergehenden Verweilen ein, um sich für die Aufgaben in der Welt zu stärken.
Er hoffe auch, dass nun die Zeit der Versöhnung anbreche, damit manche Wunde heile, die die Baugeschichte verursacht habe.
Im Anschluss an den eucharis-tischen Segen zog die Pilgerschar in einer Prozession zur feier-lichen Segnung von Haus Tabor.
Während der Segnung der neuen Gebäude dankten die Wallfahrer in einer vorsehungsgläubigen Deutung des Werdens von Tabor-Heiligtum und Haus Tabor.
Nach der Feierstunde bestand Gelegenheit, die in der Nähe des Heiligtums neu errichteten Häuser zu besichtigen, dort einen Imbiss einzunehmen sowie zu einem Spaziergang über den Marienberg aufzubrechen und die Stätten aufzusuchen, die seit Jahrzehnten für die Marienverehrung erwählt sind.
Jörg Ziegler
SCHÖNSTATT, mkf. Ein Datum, das man so schnell nicht vergessen wird: 22. Mai 2005, Ende der letzten rot-grünen Landesregierung, Ankündigung von Neuwahlen in der Bundesrepublik Deutschland. An diesem Tag wurde auf dem Marienberg in Schönstatt das Haus Tabor eingeweiht, Höhepunkt der traditionellen Männerwallfahrt am Dreifaltigkeitssonntag.

Vom Tabor-Heiligtum zogen dann alle in Prozession zum Haus; während es ausgiebig von außen und innen gesegnet wurde, ließen die Männer (und Frauen) draußen die lange Baugeschichte nochmals auf sich wirken. Dann war es endlich so weit, und die lang ersehnte Besichtigung konnte beginnen!
(PressOffice Schönstatt)
Aus der
Einstimmung von Pater Schmiedel
zur Segnung von Haus Tabor
1. Dankt dem Vater mit Freude!
a. Lange und kontroverse Baugeschichte ‑ wir danken am heutigen Tag für die Fertigstellung des Hauses Tabor.
b. Dank für die Solidarität der Männergemeinschaften, für die Beiträge der Gemeinschaften.
2. Christus, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ‑ das Ideal des Taborbergs.
a. Jesus, die Ikone Gottes: vgl. WJT‑Kreuz und Marienikone; in der Begegnung geschieht Verwandlung.
b. Der Vater: es braucht das deutende Wort der Beziehung („mein geliebter Sohn“).
c. Mose und Elija als Exponenten einer heiligen Geschichte, in der die Beziehung Gottes zu den Menschen gelebt wurde.
3. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen.
a. Es gibt keinen taborfreien Raum; überall ereignet sich Begegnung und Verwandlung.
b. Christusgestaltung der Welt als grundlegende Sendung Schönstatts.
c. In Verbindung mit Maria: sie ist es, die zu Christus führt.
4. In ihm hat alles Bestand.
a. Tabor bedeutet Sendung in die Welt hinein; man darf nicht bleiben, sondern nur kurz anschauen.
b. Weltgestaltung als Auftrag des Hauses Tabor.
c. Zum Beispiel durch Gebetstage und Exerzitien, durch Austausch über Berufserfahrungen, durch Reflexionen über unsere Sendung als Männer in Welt, Kirche und Schönstatt, durch praktische Tätigkeit ‑ der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
5. Auch das gehört zum heutigen Tag dazu: ... um durch ihn alles zu versöhnen: Versöhnung mit der Baugeschichte und den Gegnern des Baus.
Pater Joachim Schmiedl