FRANKREICH,
mkf. Am 18. September war die Feier zum 40. Jahrestag des Heilgtums der Einheit
in Iwuy bei Cambrai, wenige Meter von der Stelle entfernt gelegen, an der am 4.
Oktober 1918 Josef Engling ums Leben kam, "ein Arbeiter der ersten Stunde", wie
ihn der Erzbischof von Cambrai in einer sehr persönlichen und herzlichen
Predigt - im Sinn des Tagesevangeliums – nannte und ihn, Pater Kentenich, Karl
Leisner und andere "heilige und heiligmäßige Menschen" als "die schönsten Sterne
auf der Fahne Europas bezeichnete, als leuchtende Spur Gottes.
Bei klarem, strahlendem Herbstwetter war das Heiligtum in Cambrai umgeben von einer ganz internationalen Festgemeinde - die Franzosen waren sehr stark vertreten, mit Priestern, jungen Familien mit Kindern, der Karl-Leisner-Pfarrei von Cambrai; aus der Pfalz war ein Bus gekommen, ebenso aus Schönstatt, dazu jede Menge Pkws. Es konnten Pilger aus allen Kontinenten begrüßt werden – neben den starken Delegationen aus Frankreich und Deutschland noch ein- bis sechsköpfige Delegationen aus Europa von Polen, Schweiz und Ungarn; aus Afrika und von den Philippinen; aus USA, Brasilien, Chile, Argentinien und Ecuador. In einer sehr persönlichen und engagierten Predigt dankte der Erzbischof für das Leben von Josef Engling, und verband dies mit seiner Erfahrung aus der Vigilfeier auf dem Marienfeld beim Weltjugendtag. Vom Hügel aus habe man einen Blick gehabt wie auf ein Meer von Sternen, einen Ozean von Lichtern, und jedes davon in der Hand eines Jugendlichen.
Die
Macht Gottes sei anders als die Macht der Menschen, zitierte er Papst Benedikt:
Die Weisen "mussten ihren Begriff von Macht, von Gott und vom Menschen ändern
und darin sich selbst ändern. Sie sahen nun: Die Macht Gottes ist anders als die
Macht der Mächtigen der Welt. Die Art, wie Gott wirkt, ist anders als wir es uns
ausdenken und ihm gerne vorschreiben möchten. Gott tritt in dieser Welt nicht in
Konkurrenz zu den weltlichen Formen der Macht. Er stellt nicht seine Divisionen
anderen Divisionen gegenüber. Er schickt Jesus auf dem Ölberg nicht 12 Legionen
Engel zu Hilfe (vgl. Mt 26, 53). Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht
dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber, die am Kreuz – und dann in
der Geschichte immer wieder – unterliegt und doch das Neue, das Göttliche ist,
das nun dem Unrecht entgegentritt und Gottes Reich heraufführt... Die Seligen
und Heiligen waren Menschen, die nicht verzweifelt nach ihrem eigenen Glück
Ausschau hielten, sondern einfach sich geben wollten, weil sie vom Licht Jesu
Christi getroffen waren. Und so zeigen sie uns den Weg, wie man glücklich wird,
wie man das macht, ein Mensch zu sein. Im Auf und Ab der Geschichte waren sie
die wirklichen Erneuerer, die immer wieder die Geschichte aus den dunklen Tälern
herausgeholt haben, in denen sie immer neu zu versinken droht und immer wieder
so viel Licht in sie brachten, dass man dem Wort Gottes, wenn vielleicht auch
unter Schmerzen, zustimmen kann, der am Ende des Schöpfungswerkes gesagt hatte:
Es ist gut." Die Heiligen und die nach Heiligkeit strebenden Menschen, so
der Erzbischof, Menschen wie Josef Engling, Pater Kentenich, Karl Leisner, Edith
Stein, Maximilian Kolbe... seien "die schönsten Sterne auf der Fahne Europas",
eine leuchtende Spur Gottes.
Am Schluss
seiner Predigt sagte er: "Dank sei Gott, dass er uns Josef Engling und Pater
Kentenich und Karl Leisner und sie alle gegeben hat.
Dank sei Maria, die sie geformt und geführt hat.
Dank allen, die dieses Heiligtum gebaut haben, die sich als ehemals verfeindete
Brüder vor vierzig Jahren hier die Hand gegeben haben zum Bau eines Heiligtums
der Einheit.
Dank allen und jedem Einzelnen, der heute hierher gekommen ist."
Vor der Messe begrüßten Abbé Louis Fleury und Pater Joachim Schmiedl, Vize-Postulator im Seligsprechungsverfahren für Josef Engling, alle, die gekommen waren, um das Jubiläum des Heiligtums zu feiern – bei strahlendem, sonnigem Herbstwetter! Drei Zeugnisse von Jugendlichen bewegten alle. "Wissen die eigentlich, was sie uns da schenken? Das war so schlicht, so einfach, so ganz natürlich, und dabei reden sie von den höchsten Schönstattwerten," sagt Markus Amrein, Marienbruder aus der Schweiz. "Ob die wissen, in wie vielen Herzen sie da etwas bewegt haben?" Maria, Leiterin der Schönstatt-Mädchenjugend in Mar del Plata, Argentinien, sagte, für sie sei Josef Engling "mein älterer Bruder", wie für die ganze Schönstattjugend in Argentinien. Er sei für sie ein Modell dafür, wie man Schönstatt leben können. Für sie persönlich sei das besonders akut im Blick auf die Heiligkeit im Alltag, in den Schwächen und Niederlagen, den Enttäuschungen, die man wie er fruchtbar machen könne für das Gnadenkapital. Ihr als Führerin helfe das Modell Josef Englings, allen alles und jedem einzelnen Mädchen alles zu werden.
Matthias aus der Mannesjugend in Deutschland erzählte, wie Josef Engling ihm in einer sehr schwierigen Lebenssituation in Cambrai Klarheit geschenkt habe; seit-dem komme er immer wieder nach Cambrai und bemüht sich, andere Jugendliche für Josef Engling zu begeistern. Beate aus Polen sprach von den Erfahrungen rund um das Elternhaus Josef Englings, das ihre Eltern betreuen, und wo man die Wurzeln Josef Engling erfahren könne. Alle seien auch dort sehr herzlich willkommen.
Die Messe wurde in Französisch gefeiert, Lesungen und Fürbitten waren auf Deutsch, ebenso auf die spontane Einladung des Bischofs hin das Vaterunser. Mit dem Erzbischof von Cambrai zelebrierten mehrere französische Priester aus der Umgebung – auch der Pfarrei der nach einer Strukturreform neu entstandenen Pfarrei in Cambrai, die sich als Patron den Seligen Karl Leisner erwählt hat -, sowie mehrere Schönstattpatres und -priester. Der Chor der Kathedrale hatte die musikalische Gestaltung der Messe übernommen, und so erlebten die Pilger eine Messe im schönsten Stil liturgischer Musik, wie sie in Frankreich so stark ausgeprägt ist. Zur Gabenbereitung brachten französische Kinder Blumen zum Altar, und am Schluss der Messe bunte Luftballons, die vor dem Aufstieg in den Himmel noch eine kurze Einlage im Sinne von Hand- und Fußball erlebten, mit fröhlicher Beteiligung des Erzbischofs.
Das tut gut! Immer wieder konnte man diesen Kommentar hören. Nach der Messe war einfach Zeit: zum Essen, zum Beten, zum Begegnen, zum Austausch. Trotz oft erheblicher Sprachbarrieren (am Schluss unterhielten sich Deutsche und Franzosen auf Spanisch oder Brasilianer und Deutsche auf Englisch) war ein lebhaftes Unterhalten angesagt. Es gab kalte Getränke, warme Suppe, Brot, Kaffee, und alle halfen irgendwie bei allem mit. Ein Priester aus einer der umliegenden Pfarreien war besonders beeindruckt von Marias Zeugnis; im Gespräch mit den jungen Argentinierinnen stellte sich heraus, dass er zur Zeit der Militärdiktatur zehn Jahre in Corrientes und im Chaco gearbeitet hatte, teils unter extrem schweren Bedingungen. Eine Überraschung auf beiden Seiten und ein lebhafter Austausch! Marienschwestern, Frauenbund und Marienbrüder sah man eifrig und unauffällig alles immer wieder organisieren und richten, ohne die Zeit für den Austausch zu verlieren. Selig, wer Französisch konnte, um sich mit den vielen Franzosen, die nach der Messe noch da blieben, unterhalten konnte!
Nach dem Mittagessen hatten diese im "Foyer de Marie" einen Vortrag über die Bedeutung des Heiligtums.
David und Christie Jentz luden alle, denen sie begegneten, nach Milwaukee ein. "Gilbert Schimmel wollte ein Josef Engling für Nordamerika werden, und Joao Pozzobon für Südamerika, ist das nicht interessant? Man müsste mal noch mehr suchen, was für eine Rolle Josef Engling für unsere großen Schönstatt-Persön-lichkeiten gespielt hat." Christie hatte im Februar aus schoenstatt.de vom Jubiläum des Heiligtums erfahren; so hatten ihr Mann und sie beschlossen, ihre geplante Romfahrt so zu organisieren, dass sie zum Jubiläum in Cambrai sein konnten.
Um 14.00 Uhr hatten die Pilger, die aus Schönstatt und aus dem Bistum Speyer mit Bussen gekommen waren, eine kleine Segens- und Sendungsfeier im Heiligtum.
Zur
gleichen Zeit schloss dort Paul Jentz, der dreizehnjährige Sohn von Ehepaar
Jentz, sein Liebesbündnis. So wurde dies eine ganz spontane zweisprachige Feier,
in der alles und alle miteinander verbunden waren!
Die Weihekerze von Paul ist auch ganz organisch: das Christuszeichen, das Kreuz, ein MTA- und ein Schönstatt-sticker und das Wappen von Cambrai!
Am Samstagabend hatte es zum Abschluss ein großes "Englingfeuer" gegeben am Memorial hinter dem Heiligtum. Alle, die schon mit den Bussen am Tag zuvor gekommen waren, Deutsche vor allem und einzelne Vertreter anderer Länder, waren am späten Nachmittag den Weg Josef Englings von Eswars zu seiner Todesstelle gegangen und hatten danach heilige Messe gefeiert. Dabei war auch besonders die Mannesjugend von Villa Ballester, Argentinien, vertreten, die an diesem Tag und ziemlich genau zu dieser Zeit den Englingstein beim Heiligtum errichtete. Der Abschluss des Tages war dann das Englingfeuer, in dem zu alten und neuen Englingliedern und allgemeinen Schönstattliedern die Briefe und Zettel mit Beiträgen zum Gnadenkapital verbrannt wurden. Christie Jentz gab die gesammelten Gnadenkapital-Briefe vieler Familien aus Milwaukee ins Feuer. "Und noch etwas," sagt sie leise ganz am Schluss der Jubiläumsfeier in einem Gespräch, bei dem immer wieder zum Ausdruck kommt, wie wunderschön diese Feier gewesen sei und was sie bewegt habe. "Da war als Beitrag zum Gnadenkapital das Lebensangebot von Judy drin." Ihre Freundin seit Kindertagen, groß geworden im Heiligtum wie sie selbst, hat einen Gehirntumor, unheilbar nach Aussage der Ärzte. Am Tag bevor Christie nach Rom und Cambrai aufbrach, hat diese junge Mutter von drei Kindern als Beitrag zum Gnadenkapital zum Jubiläum des Heiligtums in Cambrai ihr Leben angeboten, ihr Ja geschenkt.
Vielleicht, meint Christie, ist da das Geheimnis dieses Tages, in den Flammen des Englingfeuers.
PressOffice Schönstatt