Liebe Männer!
Jesus ist der
Mittelpunkt der ganzen Welt und dass seine Hingabe am Kreuz eine
schicksalswendende Tat wie keine andere in der Welt-
geschichte war – das ist das Geheimnis der Eucharistie. Darin liegt die ganze
Liebe Gottes, die sich an uns verschenken will.
Das Weltgrundgesetz der Liebe ist für Gott „Lebensgrundgesetz“ und „Erziehungsgrundgesetz“ nach Aussage von Pater Kentenich.
Liebe Leser, ich will jetzt etwas erzählen, was wirklich geschah, wo junge Menschen nie dieses Erziehungsgrundgesetz der Liebe erfahren haben. Es ist ein Beispiel dafür, wie viel Liebe in der Erziehung fehlen kann, und welcher Hintergrund auch den jungen Menschen verweigert wird, weil sie keine Glaubensvermittlung erhalten.
In einer Wohnung sitzt mir Gerhard gegenüber. Ein klasse Kerl! Er spielt gern Fußball. Nächstes Jahr will er sein Abitur machen. Gerhard ist gerade 18 geworden, hat den Führerschein gemacht, hat von seinen Eltern ein Auto bekommen und ist damit auch vorgefahren.
Toll, könnte man meinen. Gerhard ist jung. Er hat sein Leben noch vor sich. Er kann etwas daraus machen. Er kann sich jetzt einen Beruf aussuchen, der ihm Spaß macht. Er kann jetzt Gleise legen für seine Zukunft.
Aber ich blicke in traurige und leere Augen. Und ich höre Gerhards Geschichte.
Ich bin zusammen mit meinem Bruder aufgewachsen, der zwei Jahre jünger ist als ich, berichtet er. Uns hat es materiell an nichts gefehlt. Unsere Eltern haben uns alles gegeben, was wir haben wollten. Wir haben ein großes Geschäft.
Nur eines haben wir nie bekommen: Liebe und Zeit, dass wir uns einmal aussprechen konnten, dass wir gemerkt hätten, wir sind akzeptiert von unseren Eltern. Als wir klein waren, musste sich eine Tante um uns kümmern. Später waren wir auf uns allein gestellt.
»Die Jungens müssen früh genug selbständig werden, damit sie später im Leben ihren Mann stehen können«, meinte Vater immer. »Später holen wir das alles nach, wenn das Geschäft ausgebaut ist und wir Zeit haben«, fügte Mutter hinzu. Später, später!
Gerhard guckt mich an.
»Wissen Sie, wir hatten niemanden, der sich um uns kümmerte. Wir hatten niemanden, der nach uns fragte. Da war keiner, der uns wirklich liebte, auch nicht einer.«
Hier ist die Einsamkeit, die Verlassenheit dieses jungen Mannes zu spüren.
Er hatte bisher keine Chance, ein Zeuge der Liebe Gottes zu werden, da er keine Liebe zu spüren bekam. Wovon will er Zeugnis ablegen, wenn er nicht weiß, was Liebe ist!
Und dann fassen beide Brüder einen dramatischen Entschluss. Der Tag X ist der Geburtstag des Jüngeren.
Bis dahin werden in strategischer Planung aus den Apotheken der Nachbarorte starke Schlaftabletten gekauft, systematisch und geplant. Der Tag X rückt näher. Am Abend des Geburtstages, den die Eltern übrigens vergessen hatten, fahren beide in den nahe gelegenen Wald.
»Wir wollten Schluss machen, gemeinsam. Welchen Wert hatte denn unser Leben noch, wo wir doch nur uns selbst hatten! Keine Liebe, kein Verständnis, keine Geborgenheit! Und dann ging alles schnell.
Als die Tabletten runter waren, waren wir eigentlich erleichtert. Aufgewacht bin ich im Krankenhaus. Wo ist mein Bruder? Ihn hatte es erwischt!
Für ihn war es zu spät, als ein Waldarbeiter uns am frühen Morgen zufällig fand.«
Gerhard schaut mich mit fiebernden Augen an. »Warum musste ich denn überleben, warum bin ich nicht auch draufgegangen?
Jetzt bin ich ganz allein, denn zu Hause wird sich sowieso nichts ändern. Welchen Sinn hat denn mein Leben noch?«
Da sitzt mir ein junger Mann gegenüber. Zusammen mit seinem Bruder wollte er sein Leben wegwerfen, wie es Tausende Jahr für Jahr in unserem Lande tun! Er wollte Schluss machen.
Man hat ihn dann jedoch rechtzeitig gefunden. Jetzt treibt ihn nur ein Gedanke: »Ich muss meinem Bruder folgen. Ich muss es noch mal versuchen.«
Da sitzt Gerhard und stützt seinen Kopf auf die
Knie: »Mein Leben ist sinnlos, da ist keiner, der sich um mich kümmert. Da ist
keiner, der mich liebt. Mein Leben ist wertlos. Ich kann es wegwerfen wie Müll
in die Tonne!«
Wie Müll in die Tonne! Ist das Leben Wegwerfware?
Ein hartes Beispiel für das Leben junger Menschen, die nie die richtige Liebe vermittelt und auch nicht gesagt bekommen, dass da einer ist der liebt, und zwar Gott, der mich bedingungslos liebt – ohne Vorleistung, so wie ich bin.
Denn - Gott ist die Liebe. Das bedeutet: Die Liebe ist in Gott der bewegende Grund. „Der Hauptbeweggrund“. „Der Grund aller Gründe oder der letzte, der alles überragende Grund und Beweggrund für alles göttliche Wirken.“ Und nur diese Liebe ist es, die uns Jesus im Altarssakrament gegenwärtig macht.
Gott tut alles primär aus Liebe
Nicht die Gerechtigkeit ist das Weltgrundgesetz und der Grund aller Gründe, auch nicht seine unbegreifliche Freiheit und Souveränität oder die Lust an der Allmacht oder seine Kreativität oder seine Allwissenheit (Allweisheit).
Die Liebe in Gott ist so stark und umfassend, „dass sie alle anderen göttlichen Eigenschaften in Bewegung setzt und in ihren Dienst nimmt“.
Andere Motive sind dabei ebenfalls wirksam, aber sie stehen an zweiter Stelle, nie an erster Stelle, sind von der Liebe abhängig: Von ihr werden sie in Bewegung gehalten und normiert.
Deshalb das Wort „primär“. Pater Kentenich ist ein erklärter Gegner aller einseitigen Nur-Aussagen.
Gott tut alles primär durch Liebe, das heißt, er wirkt überall „durch anschauliche, mit Händen greifbare Liebestaten“, dies im natürlichen wie im übernatürlichen Bereich, - so auch in der Eucharistie.
„Hinter allem, was er tut, steht eine ausgeprägte, eine greifbare Liebesbewegung.“ Auch hier stehen Taten der Gerechtigkeit und Allmacht an zweiter Stelle und nie getrennt von der göttlichen Liebe.
„Liebe trägt sie, Liebe inspiriert sie, Liebe führt sie, Liebe bestimmt in hervorragendster Weise Maß und Form mit.“
Gemeint sind „Erziehungsmaßnahmen mit allen Führungen und Fügungen, mit allen Situationen des großen Weltgeschehens und der kleinen menschlichen Lebensgeschichte, sowie mit allen Tatsachen der Heilsgeschichte“.
Diese unsere Lebenswirklichkeit wird in die Feier der heiligen Messe hereingeholt. Hier möchte uns Gott jeden Tag begegnen.
Das wird uns jeden Tag neu gegenwärtig, wenn wir Eucharistie feiern, denn das Geheimnis ist zeitlos, wie die Hingabe, die wir ‘Liebe’ nennen, immer etwas zeitloses ist, was Raum und Körper und Zeit sprengt!
Deswegen reden wir ja auch in diesen hilflosen Worten! Ich betone das Wort hilflos, ‘hilflose´ Worte der Theologie: Vergegenwärtigung’ - Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers.
Das ist hilflos gesprochen, aber es drückt etwas von dem Zeitlosen, Ewiggültigen aus, denn, das ist doch klar, wenn es notwendig wäre, dass Jesus noch einmal am Kreuz sterben müsste, um noch einen einzigen Sünder zu retten, an dem vielleicht noch das letzte an Gnade fehlt, würde er es tun.
Er würde es tun! Seine Gnade ist, wie Paulus sagt, überfließend.
Deswegen sind wir eingeladen, an den Quellen
zu trinken. Die Quellen sind
überfließend! Nur – wir haben sie inflationiert. Wir schätzen sie nicht mehr.
Wir gehen zu ganz anderen “Quellen” hin – wir sind Konsummenschen geworden. Und so, wie wir konsumieren draußen, so konsumieren wir auch in den sakralen Räumen.
Wir sagen halt: “Der Gottesdienst hat mir nichts gebracht.” ‘Nichts gebracht’! - Wenn die Predigt nichts wert war, wenn die Leute schlecht gesungen haben, wenn der Organist danebengegriffen hat – du hast aber doch den Herrn empfangen!
Der Konsummensch....
Am allerwenigsten würde er daran denken, dass der Herr in seiner eucharistischen Hingabe sich entäußert, um sich dem Menschen zu bringen, damit er fähig wäre, in Gegenantwort auch sich darzubieten.
Diese Art von Frömmigkeit, liebe Brüder, ist uns so fremd geworden, dass heute jemand mit dem Wort ‘Anbetung’ überhaupt nichts mehr anfangen kann, weil ‘Anbetung’ nämlich das Hineinbeten, das Sichwegbeten auf einen Gott hin bedeutet, den ich mit Augen nicht sehe.
Natürlich, wir beten! Bittgebete oder so vielleicht – aber die Anbetung, wie Jesus es nennt: ‘im Geist und in der Wahrheit’ – wer kennt das noch? Deswegen ist auch eucharistische Anbetung heute nicht mehr verständlich – für viele!
Man muss die Knie beugen. Und deswegen muss man vor diesem Geheimnis verweilen, um es zu betrachten, anzuschauen, um sich von ihm prägen zu lassen.
Ich bin wirklich dankbar, dass es heute in zunehmendem Maße Ordensgemeinschaften gibt, die das tun. Wissen Sie, wie der Pfarrer von Ars seine Gemeinde erneuert hat?
Er hat weder Strukturen geplant noch Karteien durchforstet noch sonstige Veranstaltungen gemacht – er kniete vom Morgen bis zum Abend vor dem eucharistischen Herrn und hat ihm immer seine Gemeinde hingehalten – und damit sein eigenes Leben.
Das hat die Gemeinde erneuert. Wer von uns glaubt noch an die Macht der Hingabe, die letztlich auch im Gebet liegt? Wer glaubt daran?
Schon früher ist der Begriff "Kommunion" zur Bezeichnung für dieses Sakrament geworden.
Es gibt keine Verbindung mit dem Dreifaltigen Gott, die so innig ist wie in diesem Sakrament! Der Christ sollte in seiner Seele das dauernde Verlangen nach dieser Vereinigung lebendig halten.
Hier hat die "geistliche Kommunion" ihren Ursprung!
Beispiel: Ein Heide hat sie "entdeckt", der Hauptmann von Kafarnaum: "Herr ich bin nicht würdig..." (Mt.8,8).
Therese von Avila: "Wenn ihr nicht kommuniziert und an der heiligen Messe teilnehmt, könnt ihr geistlich kommunizieren. Diese Übung bringt reiche Früchte... So prägt sich in euch stark die Liebe unseres Herrn ein."
Der Kreuzestod Christi ist gleichermaßen Ursprung der Beichte wie Ursprung der Eucharistie!
Johannes Chrysostomus: "Auch ich erhebe die Stimme, flehe, bitte und beschwöre euch, nicht zu diesem heiligem Tisch mit einem befleckten und verdorbenen Gewissen hinzutreten. Eine solche Annäherung wird man tatsächlich nie Kommunion nennen können, auch wenn wir tausendmal den Leib des Herrn berühren, sondern Verdammnis, Pein und Vermehrung der Strafen."
Und deswegen sind unsere Kommunionen heute so unfruchtbar geworden! Weil wir diesen Weg nicht mehr gehen wollen. Das ist es! Das ist keine Theorie von mir. Ich sage noch einmal: Ich verkünde keine Meinung von mir!
Die Verkündigung des Wortes Gottes ist nicht: Verkündigung der Meinung eines Priesters oder einer theologischen Schule! Es ist einem aufgelastet, das zu sagen.
Eine Gemeinde, die nicht mehr beichtet, wird auch keine Kommunio mehr haben mit Christus – und auch nicht mehr untereinander!
Wir müssen die Ehrfurcht wieder lernen.
Gott schreibt gerade auf krummen Zeilen oder: „Seine Wege sind gerade und unsere Wege sind krumm“. Wir meinen immer, Gott führe uns auf gewundenen Wegen! Nein! Unsere Wege sind gewunden! Seine Wege sind immer gerade!
Das kann aber nur der anbetende Mensch erfahren, der dieses ‘Warum’ auf den Lippen ersterben lässt und dann einfach sagt: Herr, Du bist groß. Ich begreife Dich nicht, aber du bist gut.“
Als ich Vikar war, betrat ich eines Tages den Raum eines Menschen, der nach ganz bitterer Zeit zu Gott gefunden hatte.
Über seinem Tisch
in der Zelle hatte er eine Spruchpostkarte mit dem Wort ‘Vater, ich begreife
Dich nicht, aber ich vertraue Dir’. Merken Sie, wie aus der Anbetung
schrittweise etwas Weiteres wird, ein ganz vertrautes Verhältnis zu Gott!
Der Islam kennt dieses Verhältnis nicht so wie wir Christen, weil er auch dieses
Verhältnis Christi zu uns und Christi zum Vater so nicht kennt. Für die Moslems
ist Christus ja nur ein Prophet. Jesus aber hat es uns offenbart in seinem
vertrauten Verhältnis zum Vater, den wir wie ‘Abba, lieber Vater’ anrufen
dürfen.
Wir wissen also: Gott ist nicht nur groß, in dem was ER verfügt, sondern er ist zugleich der liebende Vater, der mein Schicksal besser als die beste Mutter und besser als der beste Vater es könnte, in seinen Händen hält! Verstehen Sie das?
ER hat es uns doch gezeigt, ER, der lieber nicht mehr Gott sein möchte, wenn ich nicht mehr Mensch bin!
Das heißt also: Gott ist der, der sich zuerst hingibt.
Dann ist es nur noch eine Sache des Anstandes, welche Antwort wir darauf geben. Anbetung ist eine Sache des Anstandes. Das steht uns an! Sich mit erhobener Faust revolutionär oder vielleicht demokratisch vor Gott hinzustellen, macht uns Menschen viel zu klein und beraubt uns selber der Würde, die Gott uns geben will! Das wäre viel zu schade.
Sie alle kennen den 95. Psalm, den wir morgens bei uns in der kleinen Kapelle zum Beginn der LAUDES, des Morgenlobes, als Einleitung und ‘Invitatorium’ beten:
‘Kommt, lasst uns anbeten – heißt es
da – und jubeln dem Herrn!
Und dann wird gesagt warum: ‘denn ER ist unser Gott’.
Das ist der einzige Grund: Er ist unser Gott. Aber dieses Wort ‘Gott’ muss sich
füllen mit Erfahrung, durch Glaubenserfahrung, jeden Tag mehr!
Es muss wirklich gefüllt werden, eben auch mit dem Begriff ‘Vater’ und ‘Lieber Vater’ und ‘Vater, der seinen Sohn gibt, der sich das Herz aus der Brust reißt, damit ich ein Herz aus Fleisch und Blut bekomme! Gott ist die Güte, ER ist die Liebe, ER ist die Weisheit, Er ist die Geduld. ER ist der Grund, dass ich Gott mein ganzes Leben hingebe!
Anbetung ist die Antwort auf die Hingabe Gottes an den Menschen.
Also, die Anbetung bringt den Menschen in die rechte Richtung zu Gott hin!
Wir sprechen ja von ‘Gottes-Dienst’, eigentlich ja in einem doppelten Sinn: Einmal, weil Gott uns dient. (In einem wunderschönen Buch wird ein Bild gezeigt - das als Titelbild von Medjugorje gezeigt wird, wie Gott dem Menschen dient: Der Priester kniet vor dem Pönitenten. Gott macht sich zu einem ‘Wurm’ vor dem Menschen und winselt uns an, dass wir Seiner Einladung folgen, uns zu IHM zu bekehren. Er dient uns, in dem er uns Sich selber anbietet.)
Und nun hat der Mensch aus Anstand die Aufgabe, die Haltung zu finden, die Gott gemäß ist, nämlich sich Gott zuzuwenden im ‘Gottes-Dienst’.
Er dient jetzt Gott - fraglos! Es ist ja merkwürdig, dass der moderne Mensch seinen Gottesdienst immer mit der Nutzanwendung verbinden möchte, immer! „Was bringt’s mir?“
Die Leute kommen enttäuscht aus dem
Gottesdienst heraus und sagen: „Hat mir nichts gebracht. Die Predigt hat mir
nichts gebracht! Der Gottesdienst war langweilig, hat mir nichts gebracht!“
Da müssten wir sofort zurückfragen: „Aber was hast Du IHM denn gebracht? Du
solltest dich doch bringen!
Du solltest doch dich auf den Altar legen als Opfergabe.“
Denken Sie an den ersten Vers, Römerbrief Kapitel 12: ‘Bringt euch selber dar, mit Geist, Seele, Leib ist, eure Leiber, euer ganzes Sein als eine lebendige Opfergabe.
„Das ist der einzige Gottesdienst mit Anstand!“ sagt der heilige Paulus. Das heißt, wenn unser Gebet letztlich nicht von dieser Haltung getragen ist, dass wir uns hineinverlieren möchten in den Herrn, uns selber bringen, dann bringt uns der ganze Gottesdienst nichts. Hier darf man das einmal so herumdrehen!
„Ein Spielball sein in der Hand Jesu“
Die hl. Therese von Lisieux, die ‘Kleine Heilige Therese’, hat gewusst, was Anbetung ist.
Sie hat es in ein wunderbares Bild gebracht von dem „kleinen Spielball in der Hand Jesu“. „Und wenn ich IHM nur eine Zeit lang Freude mache“, dass er seinen Mutwillen mit mir treiben kann.
Und wenn er’s dann sogar machte wie ein mutwilliges Kind, das den Ball mit dem Messer durchsticht und dann eben zerquetscht und entstellt in die Ecke wirft, um es nicht mehr zu beachten, dann wäre es mir eine Genugtuung, wenigstens eine Zeit lang IHM Freude bereitet zu haben.
Was hat’s mir gebracht? Nichts, aber IHM alle Ehre und allen Preis.
Was Therese von Lisieux hier geschildert hat, ist der Extremfall, der ja nie eintreten wird. So geht nämlich Gott mit den Menschen gar nicht um!
Aber sie sagt: „Selbst wenn ER es täte, wäre meine Liebe noch so groß, dass sie das ertrüge“ und daran noch glücklich wäre. Vielleicht merken wir, wie weit wir von dieser Haltung entfernt sind...
Wenn der hl. Paulus z. B. im 11. Kapitel im Römerbrief in Bezug auf seine Volksgenossen, die Juden, sagt, weil er es ja nicht ertragen kann, dass sie in die Verlorenheit abdriften:
„Wenn sie sich doch zum Messias bekehren würden! Dann würde ich gerne in die Verlorenheit gehen“, in die Hölle. Wenn sie nur in den Himmel kommen! Was hat es gebracht?
Sehen Sie, als Jesus am Kreuz starb, hat er nicht gefragt: Was hat es gebracht, Er hat es selber nicht mehr gewusst als Mensch! Der Vater hat über ihn verfügt.
Aber er hat gesagt: „Es ist vollbracht!“ Und dann wusste ER, dass es gut war. Weil der Vater es so verfügt hatte. Denn Jesus hat sein ‘besseres Wissen’ auch noch dem Vater hinterlegt, er hat über sein besseres Wissen nicht verfügt.
Lesen Sie Philipper 2. Er hat auf
sein Gottgleichsein verzichtet. Er ist also den Tod gestorben, den wir alle
sterben werden, wenn wir gläubige Menschen sind und es selbst nicht mehr
begreifen, aber nur eines wissen: Gott ist gut, was Er verfügt ist richtig. „Es
ist vollbracht“.
Anbetung ist, sich völlig ausliefern an Gott
Wenn ich jährlich meinen Urlaub in der Heimat des Bruder Klaus von Flüe mache, komme ich auch regelmäßig an einem steilen Gebirgspfad vorbei. Dort steht, wie an vielen Autobahnenrändern oder Wegrändern, ein Kreuz (Erinnerung an einen verunglückten oder getöteten Menschen) mit der Aufschrift:
‘Hier wurde unser kleines Ursli von einem Steinschlag erschlagen’ (5 Jahre alt). Und dann darunter: ‘Gott weiß warum’. Anbetung!
Das ist die Anbetung der Menschen, die Gott nie begreifen können, aber die wissen, was Gott verfügt ist gut. Und wenn ER weiß warum, dann brauch ich’s nicht zu wissen!
Ich kann mein Besserwissen, wie Jesus, beim Vater hinterlegen.
So werde ich wieder in die Position gerückt: Gott ist im Himmel und ich bin auf der Erde. Es ist mir eine Freude, vor IHM zu stehen als der, den ER geschaffen hat, um IHN zu beschenken, um IHM sich gleich zu machen, um IHN sich ebenbürtig zu machen, nicht weil der Mensch aus sich etwas könnte, sondern weil Gott ihm die Fähigkeit geschenkt hat, sich beschenken zu lassen.
Also alles, was mit der Anbetung verbunden ist, ist dieses völlige Sich-Ausliefern an Gott.
Eucharistische Anbetung pflegen
Wir haben einmal im Jahr das ‘Ewige Gebet’ bei uns in der Kirche, also ‘Anbetung des Sakramentes der Eucharistie’.
Nach dem Gottesdienst habe ich das Allerheiligste auf den Altar gestellt und im Spätnachmittagsgottesdienst in einer eucharistischen Feierstunde nach dem Segen wieder in den Tabernakel gegeben. Dann habe ich die Gemeinde eingeladen: Kommt doch zur Anbetung!
Wenn ihr nur eine halbe Stunde vor dem eucharistischen Herrn kniet oder sitzt, um nach einer halben Stunde festzustellen, dass sich in euch keine gescheite Gebetsregung ereignet hat, sondern es euch furchtbar langweilig war, dann vollzieht wenigstens noch eure Kapitulation vor Gott und dann sprecht: Herr, Du siehst: das ist mein Glaube, hilf meinem Unglauben!
Wenn das gelungen wäre, dann wäret ihr ein Stück demütiger geworden, ihr wäret im Glauben gewachsen und der Herr hätte einen Ansatzpunkt gefunden, euch zu wahren Betern zu machen! Wir dürfen nicht immer meinen, dass sich bei der Anbetung, meist auf Kommando, jetzt sofort irgendwelche mystischen Ekstasen einstellen und wir dann sofort irgendwie im emotionalen Bereich so engagiert in’s Göttliche hineingehoben werden, dass wir in Seligkeit schwimmen, absolut nicht! Es kann sein, dass es uns ‘ganz trocken’ wird, wie Carlo Carretto es beschreibt, der in der Wüste das eucharistische Brot auf einen nackten Felsen stellte, mitten in den Wüstensand hinein, bei glühender Sonnenglut, um dort einen halben Tag zu knien und um zu glauben, dass dieses bisschen Brot, das da in der Reglosigkeit auf dem Felsen aber auch nicht ein einziges ‘Lebenszeichen’ von sich gibt, der Schöpfer des Himmels und der Erde, sein Erlöser und Heiland ist.
Und wenn ich davor die Kapitulation vollziehe, ist das schon ein Schritt in diese tiefere Anbetung hinein.
Es kann nicht gleich immer zustande kommen, dass ich in Seligkeit schwimme. Thomas von Aquin schreibt das in seinem wunderbaren Anbetungsgebet, das sicherlich vergleichbar ist mit Terstegens ‘Herrlicher Gott ist gegenwärtig’:‘Gesicht, Geschmack, Gefühl, sie täuschen sich in Dir’ (visus, tactus, gustus in te fallitur).
Alles Lohndenken bei der Anbetung aufgeben!
Für die Emotionen ist oft kein Raum.
Der Mensch, der immer etwas erfahren möchte, steht auf einmal leer vor Gott, er hat einen ganz faden Geschmack’ in seinem Mund, aber oft nicht das, was er sich erbittet.
Und da weiß er: Es kommt nicht darauf an, dass es mir ‘etwas bringt’, sondern Jesus hat gebetet: „Es ist vollbracht.“ Alles ‘Lohndenken’ aufgeben, jede Sucht, bestätigt zu werden, beiseite legen, jeden ‘Durchblick’ Gott abgeben, jede Aufgabe von irgendwelchen ‘Rechten’, die ich einklagen möchte vor Gott, ebenfalls aus der Hand geben! Pah, das ist schwer! Aber das führt uns in den Weg der Anbetung.
Adrienne von Speyer schildert es in einer etwas humorvollen Weise : ‘Ich bete, dass meiner Großmutter die Gallenkoliken genommen werden, die Großmutter behält ihre Gallenkolik, dafür bekehrt sich in China ein Chinese und ich weiß es nicht’.
Gottes-Dienst... - es Gott zutrauen, dass ER mit meinem Gebet etwas anfängt und es da zum Einsatz bringt, wo es nötiger ist als jetzt meine Oma zu heilen, das ist Anbetung.
Da merken Sie also, dass auch das Bittgebet letztlich nur von der Anbetungshaltung ‘Gott ist im Himmel - und ich bin auf der Erde’, seine Vollmacht bekommt.
Denken Sie an das von Gott abgerungene Bittgebet ‘Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.
Vater, nicht mein Wille, Dein Wille geschehe!’
Das ist ein Ringen!
Hier hat Jesus um die Anbetung gerungen! Die ist ihm nicht leicht von den Lippen gekommen, das wird ganz existentiell, das geht ins Fleisch, ins Blut hinein!
Danken können für das, was unerwünscht ist!
Das Bittgebet hat nur dort seine Vollmacht, wo es aus der Haltung der Anbetung heraus geschieht: ‘Gott ist im Himmel – und ich bin auf der Erde’.
Auch das Dankgebet hat nur seinen Sinn von der Anbetung her! Wir danken ja meistens nur, wenn etwas gut gegangen ist! Wem fällt es denn einmal ein, Gott zu danken, wenn’s mal ganz anders gekommen ist, sogar sehr unerwünscht?
Dann fällt es uns schwer: „Ich habe gebetet ‘Gott mach mich gesund’, ich bin krank geblieben. Gepriesen sei der Herr! Meine Krankheit ist IHM ein Weg einer tieferen Gotteserfahrung. Das billige ich IHM einfach zu. Ich weiß es nicht, ich habe den Durchblick nicht, ich hab ihn ja hinterlegt beim Vater.
Danken können für das, was unerwünscht ist, obwohl ich’s anders erbeten hatte!
Ich erinnere mich daran, dass der Bischof mich einmal an eine Stelle versetzt hat, an die ich nicht wollte.
Da war jetzt der Moment der Anbetung gekommen und die Leute sagten: „Herr Pfarrer, da müssen Sie sich gegen wehren!“
Es gab sogar Ordensgemeinschaften, die mir angeboten hatten, bei ihnen einzutreten, um dem Bischofsgebot aus dem Weg zu gehen!
Da hab ich einmal im Gottesdienst den Leuten gesagt: „Was ich gerne will, das weiß ich. Aber was mir gut tut, das weiß ich nicht. Das weiß nur Gott.“
Und ich glaube, in solchen Situationen ist es ganz wichtig, zu sagen: ‘Gott ist im Himmel – ich bin auf der Erde’.
Also: Was ich will, das weiß ich, das kann auch oft sehr fromm sein.
Dann lese ich bei Henri de Lubac folgendes wunderbare Wort: ‘Nicht auf meine Aktion kommt es an. Das Erlösungswerk, zu dem Gott mich als Mitarbeiter berufen hat, folgt ganz anderen Gesetzen als menschliche Unternehmungen’.
Es kann also sein, dass Gott mich in die totale Passivität eines Krankenlagers hineinruft. Das Erlösungswerk hat darin seine Vollendung gefunden. „Es ist vollbracht...“
Es hat Ihm nichts gebracht.
Aber wir leben heut von diesem wunderbaren Gebet von Gerhard Terstegen, mit dem ich Sie dann so ein bisschen in die Stille entlassen möchte, denn ich glaube, dass es nicht gut ist, darüber jetzt zu diskutieren.
Die Kniebeuge vor dem Tabernakel: ich mache mich
klein vor dem großen Gott.
Franz von Assisi: "Wer bist Du, gütigster Herr, mein Gott? Wer bin ich,
armseliger Wurm, Dein Knecht?"
Seine Herrlichkeit ist im Tabernakel (das Allerheiligste im Tempel) gegenwärtig. Nur in der Haltung des Armen, mit leeren Händen, kann ich Gottesdienst feiern.
Das Schweigen, das mich im Kirchenraum umgibt, soll in mein Inneres dringen: "Rede, Herr, Dein Diener hört!" (1Sam.3,10).
Denken Sie an all die eucharistischen Wunder: Lanciano, Walldürn, Bolsena, etc.!
Dann erst: stimme ich der offenbarten Wahrheit zu oder bilde ich mir darüber nur eine Meinung?!
Deshalb ging es Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika nicht nur um die Feststellung, dass Jesus das Abendmahl gefeiert hat und uns zum Nachvollzug verpflichtet, sondern um die wichtigere Feststellung, dass das Mahl mit dem Opfer Christi am Kreuz so verknüpft ist, dass die Eucharistie identisch mit dem Opfer Christi ist!
Nur so kann die Eucharistie "Quelle der Kirche" sein: aus der Hingabe Jesu fließt der Kirche das göttliche Leben zu!
Die Kirche wird ein Abbild des Dreieinigen Gottes: Unterschiedlichkeit in den Personen – ein Leib.
Hier wird eine Einheit und Gemeinschaft geschaffen, die der tiefen Sehnsucht des Menschen entspricht. Die brüderliche Gemeinschaft wird auf eine Ebene gehoben, die weit über jeder menschlichen Mahlgemeinschaft liegt.
Hier erfährt die Kirche zunehmend ihr eigentliches Wesen, in Christus das Sakrament (Zeichen und Werkzeug) für die Vereinigung mit Gott und für die Einheit der ganzen Menschheit zu sein.
Papst Johannes Paul II. kommt auf den eucharistischen Kult außerhalb der Messe zu sprechen, besonders auf die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Voraussetzung ist der Glaube an die bleibende Gegenwart Christi in den konsekrierten Gestalten (daher Aufbewahrung in den Tabernakeln). Dieser Kult ist ganz eng mit dem eucharistischen Opfer verbunden (kein Kult in sich!): gewissermaßen Danksagung nach der Feier und Vorbereitung auf die (sakramentale oder geistige) Kommunion.
Johannes Paul II. (ganz persönlich): "Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte, von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden... Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft." Alfons von Liguori: "Unter allen Frömmigkeitsformen ist die Anbetung des eucharistischen Christus die erste nach den Sakramenten; sie ist Gott am liebsten und nützlichsten."
Die Eucharistie baut die Kirche auf
Im
Empfang der Eucharistie geschieht die Mitteilung des Heiligen Geistes.
Ein Bischof vergleicht es in seinem Fastenhirtenbrief mit einer Bluttransfusion.
Ephräm der Syrer: "Er nannte das Brot seinen lebendigen Leib, er erfüllte es mit sich selbst und mit seinem Geist... Und der, der es mit Glauben isst, isst Feuer und Geist... Nehmt davon, esst alle davon und esst mit ihm den Heiligen Geist. Es ist wirklich mein Leib und der, der ihn isst, wird ewig leben."
Der Blick auf die Vollendung: "... bis Du kommst
in Herrlichkeit." Eucharistie ist Spannung auf das Ziel hin, Vorwegnahme des
Paradieses.
Der eucharistische Glaube beinhaltet, "dass wir voll Zuversicht das Kommen
unseres Erlösers Jesus Christus erwarten."
Das ist allerdings keine bloße Zukunftshoffnung, sondern hier und jetzt schon Besitz! Wir empfangen ja in der Eucharistie den verherrlichten Christus!
Ignatius von Antiochien nennt das eucharistische Brot "Medizin der Unsterblichkeit" und "Gegengift gegen den Tod".
Jesus: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben..." (Joh.6,54).
Eucharistie ist demzufolge Gemeinschaft mit der himmlischen Kirche: Communio Sanctorum. In allen eucharistischen Hochgebeten kommt das zum Ausdruck: wir feiern zusammen mit der Gottesmutter Maria, den Aposteln... und allen Heiligen. Auch in den Schlussformulierungen der Präfation: "mit allen Engeln und Heiligen..." Wir vereinen uns mit der himmlischen Liturgie, wir "sehen den Himmel offen".
Diese Ausrichtung auf den Himmel schwächt
keineswegs, sondern fördert unsere Verantwortung für die gegenwärtige Welt.
Das fängt in der Familie an!: Wie die Kirche sich durch die Eucharistie
aufbaut und zusammengefügt wird, so jede Ehe und Familie als "Hauskirche".
Familiaris Consortio: "Das eucharistische Brot macht aus den verschiedenen Gliedern der Familiengemeinschaft einen einzigen Leib." Fremde werden zu Blutsverwandten!
Am Altar entsteht eine neue Form von Gemeinschaft: der geheimnisvolle Christus-Leib!
Papst Johannes Paul II. erinnert daran, dass
Johannes anstelle des Einsetzungsberichtes vom Abendmahl den Bericht von der
Fußwaschung setzt. Dadurch wird die tiefere Bedeutung der Eucharistie erläutert:
liebender Dienst.
Paulus (1Kor.11) nennt eine Eucharistiefeier "unwürdig", solange es Spaltungen
gibt und Gleichgültigkeit gegenüber den Armen.
"Wandlung": Unser ganzes Leben soll sich wandeln, damit es ganz eucharistisch werde. Hier leuchtet die ganze endzeitliche Spannung auf, die in der Eucharistie und in unserem christlichen Leben da ist: "Komm, Herr Jesus!"
(Offb.22,20).
Die Eucharistie steht im Zentrum des Wachstumsprozesses der Kirche: "Sooft das Kreuzesopfer auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung. In dem einen Brot wird die Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden, dargestellt und verwirklicht." (LG 3).
In allen Evangelien wird berichtet, dass es die Zwölf, die Apostel, waren, die Jesus zum Letzten Abendmahl rief: Sie sind die Keime des neuen Israel und der Ursprung einer heiligen Hierarchie.
Hier wird deutlich, was Gott mit dem "Bund" (...Abraham, Sinai) meinte: Hingabe des Bräutigams an seine Braut... Was im Zeichen von Blutopfern und Blut-Besprengung begann, findet im Blut-Vergießen Jesu seinen letzten Höhepunkt!
Seit der "Erstkommunion" der Apostel und dem Auftrag Jesu "Tut dies zu meinem Gedächtnis" wird die Kirche beständig durch die sakramentale Gemeinschaft mit Christus in der Eucharistie aufgebaut.
Die Taufe ist Eingliederung in Christus. Nun braucht es beständiges Wachstum. Nicht nur jeder einzelne von uns empfängt Christus, sondern Christus empfängt jeden einzelnen von uns. ER schließt Freundschaft mit uns.
Hier verwirklicht sich das Innewohnen Christi im Jünger: "Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch." (Joh.15,4). ~ eheliches Einswerden und Verschmelzen.
Durch die Vereinigung mit Christus wird die Kirche zum "Sakrament für die Menschheit" (LG 1), zum Licht der Welt und zum Salz der Erde für die Erlösung aller!: Die Kirche ist das zerbrechliche Gefäß...!
So führt die Kirche die Sendung Christi weiter: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!" (Joh.20,21). Eucharistie wird zur Quelle und zum Höhepunkt der Evangelisierung.
Durch die eucharistische Kommunion wird zugleich die Einheit der Kirche als Leib Christi gefestigt: "Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot." (1Kor.10,16f).
Johannes Chrysostomus: "Was ist denn das Brot wirklich? Es ist der Leib Christi. Was werden die, welche ihn empfangen? Sie werden Leib Christi; aber nicht viele Leiber, sondern ein einziger Leib. In der Tat ist das Brot ganz eins, obgleich es aus vielen Körnern besteht, die sich in ihm befinden, auch wenn man sie nicht sieht und ihre Verschiedenheit zugunsten ihrer gegenseitigen vollkommenen Verschmelzung verschwindet. Ebenso sind auch wir auf die gleiche Weise untereinander geeint und alle miteinander mit Christus."
Papst Johannes Paul II. war es ein großes Anliegen, dass das eucharistische Mysterium – Opfer, Gegenwart, Mahl – nicht verkürzt und verzweckt (instrumentalisiert) wird.
Es muss vielmehr "in seiner Ganzheit gelebt werden, sei es im Ereignis der Feier, sei es im innigen Zwiegespräch mit Jesus, den man gerade in der heiligen Kommunion empfangen hat, sei es im betenden Verweilen bei der eucharistischen Anbetung außerhalb der heiligen Messe".
Von daher hebt der Papst hervor, dass die wahren Interpreten der eucharistischen Frömmigkeit die Heiligen sind und dass es deshalb nahe liegt, "in die Schule der Heiligen, der großen Verkünder der wahren eucharistischen Frömmigkeit" zu gehen, denn in ihnen gewinnt die Theologie der Eucharistie den "vollen Glanz des Erlebten".
ER sagt zu uns: "Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich!" (1Kön.19,7).
In der Schule der Heiligen, besonders der Gottesmutter Maria, können wir uns von der Liebe zu Christus anstecken und entflammen lassen...
Christus begleitet uns auf unserem Pilgerweg in den demütigen Zeichen von Brot und Wein.
"Bone pastor, panis vere,
Iesu, nostri miserere...
Guter Hirt, Du wahre Speise,
Jesus, gnädig Dich erweise!
Nähre uns auf Deinen Auen,
lass uns Deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich!
Du der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
lass an Deinem Tisch uns weilen,
Deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich!"
In der Schule Mariens – Die Eucharistie und Maria
Auf den ersten Blick schweigt das Evangelium zu diesem Thema. Maria wird bei der Einsetzung der Eucharistie nicht erwähnt.
Sicherlich gehörte sie zu denen, die in der ersten
Gemeinde an der Lehre der
Apostel und am "Brechen des Brotes" festhielten...
Kardinal Lepicier (+1936), Apostolischer Visitator in Abessinien, erzählt, dass die äthiopischen Katholiken für drei weiße Gestalten eine ganz besondere Verehrung haben: für die weiße Hostie, für die Gestalt der Gottesmutter Maria und für den weißgekleideten Stellvertreter Christi auf Erden. Hier geht es um die Einheit Christus-Maria-Kirche, die Fundamente des katholischen Glaubens.
1868 verstarb der Gründer der Eucharistiner,
Pierre Julien Eymard. Er gab der Gottesmutter den Titel "Unsere Liebe Frau
vom heiligsten Sakrament".
Pius X. hat diesen Titel feierlich bestätigt. – Worum geht es?
Es geht hier darum, der inneren Haltung Marias nachzuspüren. Dann werden wir erkennen: Maria ist in ihrem ganzen Leben eine "eucharistische Frau".
Wenn die Eucharistie ein "Geheimnis des Glaubens" ist, das von uns reine Hingabe an das Wort Gottes erfordert, dann ist uns Maria dabei Stütze und Wegweiserin. Gestalten des Glaubens stehen am Anfang der Heilsgeschichte: Abraham – Maria!
In jeder Eucharistiefeier gehorchen wir dem Wort Christi: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (es gibt aber auch den doppelten Gehorsam: Christus gehorcht der Kirche, die Kirche gehorcht Christus). Maria unterstützt uns dabei: "Was er euch sagt, das tut!"
Maria war das erste "eucharistische Gefäß". Sie bot ihren Schoß dar, und das Wunder der Wandlung "Das Wort wird Fleisch" vollzieht sich in ihrem Leib. Maria ist somit auch der erste Tabernakel, der den wahren Leib und das wahre Blut Christi in sich bewahrte.
Hier wird das Zusammenwirken von göttlicher Allmacht und menschlichem Glauben am eindrücklichsten erkennbar. Wenn der Glaube Marias nicht hinzukommt, kann das Wort nicht Fleisch werden!
So besteht eine tiefgehende Entsprechung zwischen dem "Fiat" der Gottesmutter und dem "Amen" des gläubigen Empfängers der Eucharistie.
Marias Glaube an die Gottsohnschaft des Kindes in ihrem Schoß findet seine Fortsetzung in unserem Glauben an die Gegenwart Christi in Brot und Wein.
"Selig, die du geglaubt hast!" (Lk.1,45).
Ein mittelalterlicher Theologe wagte einmal den Satz: "Caro Christi caro est Mariae". Vgl. "Ave verum corpus, natum de Maria virgine..."
Im Film "Die Passion" sagt Maria unter dem Kreuz: "Das ist Fleisch von meinem Fleisch, Herz von meinem Herzen!" (Abraham-Isaak).
Franz von Sales: "Willst du mit der seligsten Jungfrau Maria verwandt sein, so kommuniziere. Denn wenn du das heiligste Sakrament empfängst, so empfängst du Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut..."
So macht sich Maria auch den Opfercharakter der Eucharistie zu eigen. Sie verspürt, dass Mutterschaft mehr bedeutete, als ein Kind gebären. Sie soll dieses Kind der Welt schenken. Unter dem Kreuz wird sie unter großen "Geburtsschmerzen" Mutter der Kirche: sie schenkt ihren Sohn der Welt zum Heil.
Von daher ist es bedeutsam, dass wir den Leib Christi nur empfangen können, weil Maria ihn uns gibt... – beständig! Schenkende Liebe ist eine Dauerhaltung, weil Liebe ewig ist!
Maria sieht heute die Nöte der Zeit, wie sie damals die Nöte der Brautleute in Kana sah. Sie sorgt sich darum, dass alle versorgt werden!
Als Maria Jesus neun Monate lang trug , war es eine dauernde eucharistische Vereinigung ("Cor ad cor loquitur" – J. H. Newman). Sie weiß, was der Mensch wirklich braucht!
In dieser Zeit vor der Geburt ist Maria der erste Tabernakel in der Geschichte, - Vertreterin einer Frömmigkeit, die nicht mehr an einen Tempel gebunden ist, sondern in "Geist und Wahrheit" geschieht.
Papst Johannes Paul II. lädt zu einer Betrachtung ein: Was mag Maria empfunden haben, als sie aus dem Mund der Apostel die Worte des Letzten Abendmahls vernahm: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird."
Diesen
Leib hatte sie ja in ihrem Schoß getragen: als Mutter in Bethlehem und als
Pietà. Was bedeutete für sie der Empfang der Eucharistie?: Jenes Herz wieder in
ihren Schoß aufnehmen, das im Gleichklang mit ihrem Herzen geschlagen hatte...
"Tut dies zu meinem Gedächtnis!"
(Lk.22,19).
Beim Gedächtnis in der Eucharistie wird all das gegenwärtig, was Christus in
seinem Leiden und Sterben vollbracht hat. Er gab uns seine Mutter: "Sieh da,
deine Mutter!"
Mit Jesus empfangen wir in jeder Eucharistie
ebenfalls seine Mutter! Von Johannes heißt es: "Von jener Stunde an nahm sie
der Jünger zu sich." (Joh.19,27). Wörtlich: "...nahm sie der Jünger in sein
Leben auf."
Maria ist mit der Kirche bei jeder Eucharistiefeier anwesend.
Maria hat auf das Empfangen Jesu mit dem "Magnificat" geantwortet. Wir sollten das Magnificat eucharistisch beten: dann preisen wir zusammen mit Maria den, der große Dinge an uns tut, der auf unsere Niedrigkeit schaut, der sich von Geschlecht zu Geschlecht aller erbarmt, der machtvolle Taten vollbringt, Hochmütige zerstreut, Mächtige vom Thron stürzt, Niedrige erhöht, Hungernde beschenkt und Reiche leer ausgehen lässt...
Maria ruft auch all die Wunder in Erinnerung, die von Gott in der Heilsgeschichte gewirkt wurden, angefangen von Abraham bis zu seinen fernen Nachkommen: "...ER denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig." (Lk.1,54f).
In Kana (zweites lichtreiches Geheimnis) gibt uns Maria den bleibenden Rat: "Was er euch sagt, das tut!" Johannes hat diesen Bericht bewusst an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu gestellt: es geht um Verwandlung!
Jesus möchte – wie bei der Heilung des Gelähmten (Lk 5,23) – sagen: was ist leichter zu sagen: "Wasser verwandle dich in Wein" oder "Brot verwandle dich in meinen Leib!"? Das Unsichtbare ist immer das Größere!
Dazu sagt Maria: "Was er euch sagt, das tut!"
Hier wird deutlich: es geht nicht so sehr um die Verwandlung von Brot und Wein, sondern um die Verwandlung der Herzen!
In dieser Enzyklika treffen also die drei großen Merkmale unseres katholischen Glaubens aufeinander: Maria, die hl. Eucharistie und das Petrusamt.
O´Malley, Erzbischof von Boston, sagt: "Jedes ist mit dem anderen verbunden und alle drei sind ein Zeichen der fortdauernden Liebe Gottes zu seiner Kirche und zu uns, die wir stolz sind, uns Katholiken zu nennen."
Am
Schluss erinnert Papst Johannes Paul II. an seine Primiz am 2. November 1946.
Seitdem sind seine Augen auf die Hostie gerichtet, auf den, der sich zu den
Emmausjüngern gesellte.
Hier ist der Schatz der Kirche, das Herz der Welt, das Unterpfand des Ziels, nach dem sich jeder Mensch sehnt.
Das Geheimnis überragt unsere Fähigkeiten: "Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir..." Doch der Glaube genügt. "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." (Joh.6,68).
Auf dem Weg ins Neue Jahrtausend ist Christus
unser Programm.
IHN sollen wir kennen lernen, IHN lieben, IHN nachahmen.
Würden wir die Eucharistie abschaffen, fielen wir in die tiefste Armut.
Gebet von John Henry Newman:
"Ich bete Dich mit tiefster Ehrfurcht an, o mein Gott und Herr, weil Du als Opfer für unsere Sünden Kreuz und Leiden auf Dich nahmst...."
Solch ein Opfer durfte nicht vergessen werden. Es sollte, es konnte keinen bloßen Einzelfall in der Geschichte der Welt bilden; es durfte nicht vollbracht werden, um in der Vergangenheit unterzugehen und zu verschwinden und nur in seinen verborgenen, nicht wahrnehmbaren Wirkungen weiterzuleben.
Wenn diese große Tat war, was wir von ihr glauben und wissen, so musste sie gegenwärtig bleiben, auch wenn sie längst vergangen war; sie musste eine beständige Tatsache sein für alle Zeiten.
Unsere eigene, ernste Überlegung sagt uns das. Die Lehre, dass Du, o Herr, bis zum Ende der Welt Dein Opfer erneuern und fortsetzen willst, obwohl Du in Deine Herrlichkeit eingegangen bist, ist nicht bloß überaus ergreifend und tröstlich, sie gibt nicht bloß von der Liebe unseres Herrn und Erlösers Zeugnis, sie findet auch in unserer Vernunft Zustimmung und Beifall...
Ja, mein Herr, obwohl Du die Welt verlassen hast, wirst Du noch täglich in der Messe aufgeopfert. Du erniedrigst Dich täglich, denn in Deiner Unendlichkeit konntest Du Deiner Demütigung kein Ende setzen, solange noch Menschen lebten, für die Du einst Dich gedemütigt hast. So bleibst Du Priester ewiglich.
("Betrachtungen und Gebete" S. 202f)
Liebe Leser,
ich hoffe, Sie können aus den Gedanken einige Impulse für Ihre Betrachtung herausholen. Ich wünsche Ihnen nun tiefe Gnaden bei der Feier der heiligen Messe und der Anbetung. Möge Maria, die lebendige Monstranz, uns immer tiefer in das Geheimnis der Anbetung und der Gottesbegegnung hineinführen.
So grüßt Sie über unsere Heiligtümer und Gnadenstätten
Ihr