Liebe Schönstattmänner der Erzdiözese Paderborn
Gott
ist in Jesus wirklich Mensch geworden - das war der Gedanke des letzten
Weihnachtsbriefes.
Und Jesus, der Gott und Mensch zugleich gewesen ist, hat sich wie jeder andere Mensch völlig den menschlichen Lebensbedingungen unterworfen. Er nahm staubige Straßen, Hunger, Durst, Müdigkeit usw. in Kauf, um den Menschen die Botschaft Gottes zu künden. Nichts an Arbeit und Mühe war ihm zuviel. Es ist ihm aber auch nichts an Schmerz und an Enttäuschungen erspart geblieben, denn selbst seine engsten Freunde sind in der Stunde seines Leidens geflohen, einer hat ihn sogar verraten.
Weder das Schwere noch die Möglichkeit, die er auf Grund seines Wissens und seiner Ausstrahlung gehabt hätte, nämlich ein angesehener Rabbi zu werden, haben ihn davon abbringen können, den Weg zu gehen, den sein Vater von ihm wünschte. Sein Leben war ausschließlich geprägt von einem grenzenlosen Vertrauen auf seinen Vater. Seiner Führung vertraute er sich ganz und gar an, seinen Willen wollte er in jedem Augenblick seines Lebens erfüllen. Für ihn war Gott in dieser Welt absolute Realität.
In dieser Anwesenheit Gottes in unserer Welt fühlte er sich geborgen. Das gilt auch für sein Leiden und seinen Tod am Kreuz. Er hätte allem ausweichen können, ein bloßer Gedanke von ihm hätte ausgereicht, seine Feinde zu vernichten. Aber Jesus hat freiwillig das Leben eines Menschen angenommen, der kompromisslos den Willen Gottes bis zum Ende lebt, um unsere Schuld zu übernehmen und zu büßen.
In der extremen Situation am Ölberg hat er mit seinem Vater um die Frage gerungen, ob er sich diesem furchtbaren Leiden ausliefern sollte. Es wäre leicht für ihn gewesen zu fliehen, aber er hat den Willen seines Vaters erkannt und sein Leiden bereitwillig angenommen. Er war gekommen, um als Mensch unsere Schuld zu sühnen. Er ist dieser Aufgabe auch in der schwersten Stunde nicht ausgewichen, sondern hat mit seinem Leben, das er voll und ganz als Mensch gelebt hat, und mit seinem Tod, den er als Mensch erlitten hat, alles Menschliche besiegt und damit den einzigen Aspekt aufgezeigt, den es für das Leben als Mensch überhaupt gibt: Die Liebe zu Gott, denn Gott ist Liebe.
Für Jesus bildeten Gott und Welt eine Einheit. Für uns Menschen gerade in der
heutigen Zeit ist diese Einheit weitgehend verloren gegangen, Gott und Welt
haben, so die weit verbreitete Meinung, nichts miteinander zu tun. Deshalb fällt
es so schwer, sich mit einem bedingungslosen Vertrauen der Führung Gottes zu
überlassen. Verloren gegangen sind damit auch der Sinn und das Ziel unseres
Lebens: Die Liebe zu Gott, die Heimkehr zu ihm während unseres Lebens und die
Aufnahme in sein Reich am Ende des Lebens.
Gott will jedoch, dass die Menschen den Weg zu ihm finden und gehen und gibt
deshalb jedem einzelnen Menschen Hinweise, damit sein Wille erkannt wird. Manche
dieser Hinweise sind sehr deutlich, wenn etwa Unglücksfälle im eigenen Bereich
oder besondere Ereignisse in der Welt auftreten. Viel häufiger sind es
aber die kleinen Hinweise, die Gott gibt, die wir jedoch häufig übersehen.
Gerade diese Hinweise müssen wir suchen und beachten, um zu der Erkenntnis zu
kommen, dass Gott in dieser Welt Realität ist und in dieser Welt wirkt, dass
Gott und Welt sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern eine Einheit bilden.
Wenn uns das gelingt, sehen wir den Lebensweg Jesu und insbesondere seinen Leidensweg anders, dann allerdings ändert sich auch die Betrachtungsweise unseres eigenen Lebensweges, dann brauchen wir keine Angst zu haben vor Krankheit, Hilflosigkeit oder vor Scheitern und Tod. Wenn wir den Hinweisen folgen, die Gott uns gibt, sind wir, egal wie schwer die jeweilige Situation ist, immer im Willen Gottes, erreichen also das Ziel unseres Lebens: die Aufnahme in sein Reich. Welche Tiefe besitzt da das Wort, das Jesus auf dem Kreuzweg zu den weinenden Frauen gesprochen hat: Weinet nicht über mich, sondern über euch und eure Kinder. Jesus fühlte sich auch in dieser Situation voll im Willen seines Vaters geborgen. Dasselbe Vertrauen besaß er auch in der Gottverlassenheit am Kreuz: Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist.
Liebe Schönstattmänner, lassen Sie uns die Fastenzeit nutzen, um mehr Vertrauen in die Spuren und in die Führung Gottes zu erhalten. Jeden Einzelnen von uns umfängt und führt Gott ganz persönlich, er will, dass wir das einzige Ziel unseres Lebens erreichen: unsere Aufnahme in sein Reich. Alles andere ist demgegenüber nachrangig.
Ihnen und Ihren Familien sende ich einen herzlichen Gruß über unsere Heiligtümer in Frohlinde und Paderborn-Benhausen. Möge die Gottesmutter, deren Leben ebenfalls ausschließlich auf die Erfüllung des Willens Gottes gerichtet war, uns beistehen, damit wir den Willen Gottes, seine Spuren in dieser Welt, immer deutlicher erkennen.
PS.: Den schmerzhaften Rosenkranz und den Kreuzweg beten, könnte eine Hilfe werden, die Gedanken dieses Briefes auf uns persönlich anzuwenden. Red.