Der Vorsehungsglaube ist die Weltanschauung Schönstatts

João Luis Pozzobon - ein Beispiel des gelebten, aktiven,
 marianisch gefärbten Vorsehungsglaubens

 

Fortsetzung des 2. Vortrags aus dem „SchönstattMann 4/2005“, Seite 49, von Hermann M. Arendes auf der Mitgliedertagung 2005.

 

Es geht uns darum, am Beispiel des Herrn Pozzobon zu lernen, wie wir den Vorsehungsglauben im täglichen Leben anwenden können. Wir erinnern uns:

1.   Gott führt

2.   Der Vorsehungsglaube hat die ganze Geschichte Schönstatts geprägt,
alles ist durch den Vorsehungsglauben geworden.

3.   Der Vorsehungsglaube ist die Wurzel unseres Seins und Handelns‚
(Nova Helvetia 1.5.48)

4.   „Wir können Schönstatt nur bauen, wenn wir unerschütterlich glauben
 an die göttliche Vorsehung, und uns kindlich führen lassen!“

5.   „Wir ahnen nicht, was Gott durch uns wirken könnte, wenn wir uns von
 IHM führen ließen...“

6.   „Unser Vorsehungsglaube, wenn er schönstättisch geprägt ist, ist aus-
gesprochen aktiv.“

7.   Unser Vorsehungsglaube hat eine marianische Färbung.


 

Am 16. Juli 1967 sagte P. Kentenich in Dachau:
“Kleinste Kleinigkeiten waren für mich Gegenstand des Suchens und Tastens: was will der liebe Gott dadurch sagen“.
So konnte er in der Hölle von Dachau eine Kolonie des Himmels errichten. Edi Pesendorfer berichtet: „Es war immer so, als ob er gerade vom Throne Gottes käme, uns an der Hand fasste und zum Thron Gottes hinführte. Und das nicht nur bei religiösen Gesprächen, sondern auch beim Scherzen, beim Zeitunglesen ... bei jeder alltäglichen Beschäftigung.
Man würde Herrn Pater das Übernatürliche ansehen. Wenn er länger mit ihm gesprochen hatte und dann zur Revierbaracke zurückkam, sagten die Pfleger zu ihm: Hast Du wieder mit dem Pfaffen gesprochen? Man habe aber nicht so gefragt wenn er mit einem anderen Priester gesprochen hatte.“

Herr Pozzobon als „kleiner Schüler“ Pater Kentenichs versucht die Lehren und Anregungen seines Meisters im Leben anzuwenden und zu verwirklichen.
Am 19. August 1958 schreibt er an Pater Kentenich nach dem Verbot Schönstatts in der Diözese Santa Maria: „Ich tue alles was ich kann, damit wenigstens etwas Schönstatt noch erhalten bleibt. Wir dürfen Schönstatt nicht mehr künden, aber wir können es leben.“
Seine Grundhaltung in dieser Zeit: Schönstatt verteidigen, ohne den anderen zu beleidigen.
“Die Gottesmutter gab mir immer die passende Antwort.“

An seinen Seelenführer Pater Aquilas Rubin schreibt er: „Meine Erfahrungen sind: die beste Predigt ist die totale Hingabe, d. h. hören, horchen und tun, was Gott wünscht, leben in der Welt der Übernatur - dann lebt man in dieser Welt ohne Sorgen“.

Kardinal Schönborn erinnert daran: „Glaube an die Vorsehung: Das heißt doch im Klartext: Christlicher Glaube setzt voraus, dass Gottes Vorsehung nicht nur allgemein und generell ist, sondern ganz konkret bis ins Kleinste und Unscheinbare hineinreicht, bis dahin, dass sogar ‚alle Haare auf unserem Haupt’ gezählt sind.“

Davon überzeugt, ließ sich João Pozzobon Tag für Tag von der Gottesmutter führen.

l    Ein 10jähriges Mädchen erlebt in einer befreundeten Familie den Besuch der Pilgernden Gottesmutter. Bevor Herr Pozzobon zur nächsten Familie aufbricht, sagt das Mädchen zu ihm: uns haben sie noch nie mit der Gottesmutter besucht. Sofort erkundigt er sich, wo ihre Familie wohnt, macht einen Termin aus und bittet das Mädchen, ihren Eltern zu sagen, dass die Pilgernde Mutter und Königin an diesem Nachmittag kommen wird.

l    1965: Wie schon Brauch, besucht er die Familien der Pfarrei Pinhal Grande. Ein Mann der Pfarrei sagt ihm: Pozzobon, einige Kilometer in das Tal hinein, da hat es eine Siedlung, die hat zwar keinen guten Ruf, aber es kümmert sich auch niemand um sie.
Herr Pozzobon spricht mit dem Pfarrer, der ihm sagt: Es lohnt sich nicht dahin zu gehen, das sind ‚perditos’, d. h. Verlorene.
Pozzobon antwortet ihm: „Jesus kam auf diese Erde um besonders die Verlorenen zu retten, wenn er nichts dagegen hätte, würde er mit der Pilgernden Gottesmutter diese aufsuchen.“
So macht er sich auf den Weg. Es geht jetzt nicht darum, die folgenden Tage zu beschreiben, doch nach vier Tagen kommt ein berittener Bote zum Pfarrer mit einer Liste der zu taufenden Kinder und der Erwachsenen,  deren Ehen zu schließen, bzw. zu sanieren sind. Auf diese Weise kommt auch der Pfarrer zu seinen ‚Verlorenen’.
      Bei der gemeinsamen Marienfeier zum Abschluss des Besuches gibt Herr Pozzobon den Siedlern den Rat: Wenn Sie wollen, dass der Pfarrer öfter zu ihnen kommt, sollten Sie eine kleine Kirche bauen, das würde ihn verpflichten, wenigstens einmal im Monat zu kommen. Sofort stellte einer ein Grundstück zur Verfügung und die Kirche wurde gebaut. Sie hatten Glück, die Marienschwestern hatten zur gleichen Zeit eine größere Hauskapelle gebaut und schenkten den Altar der alten Kapelle für diese kleine Kirche. Es war eine vereinfachte Nachbildung des Kapellchenaltars.
Als bei einer Besprechung der Pfarrer erwähnte, die Kirche brauche einen Titel, meldete sich ein Mann zu Wort und sagte: „Die Dreimal Wunderbare Mutter sei die erste gewesen, die sie aufgesucht und alles in die Wege geleitet hätte. Das Kirchlein sollte deshalb auch diesen Titel bekommen.“ Der Vorschlag wurde angenommen.

Maria ist die Erstevangelisierende, so sagte uns Johannes Paul II.
Pater Kentenich machte uns aufmerksam: „Was tut der Herr Pozzobon, er bringt die Gottesmutter überall hin, wo es ihm möglich ist, und SIE muss wirken“.

Kardinal Christoph Schönborn erzählte einmal in einem Vortrag: „Hat es einen Sinn um gutes Wetter zu beten? Ende der sechziger Jahre hörte ich die Vorlesung eines Theologieprofessors, der uns Studenten erklärte, dass es völlig unsinnig sei, um gutes Wetter zu beten, denn das Wetter werde allein durch innerweltliche Ursachen bestimmt, da greife kein Gott ein, alles laufe ab nach den natürlichen Gesetzen. Deshalb habe es auch keinen Sinn, um Regen oder Sonnenschein zu beten.“

João Pozzobon dachte und handelte jedoch anders als der gebildete Theologieprofessor. Für ihn waren solche Situationen Anrufe des Schöpfers und Motive das Volk zu bewegen. Zum Beispiel schreibt er 1952 u. a. in einem Brief an die Männerliga in Deutschland:
“Nun haben wir am 16. Januar in der 2. Zone mit den Besuchen begonnen. Das kostet viel Opfer, denn sie ist 6 km entfernt. (Nach einem Arbeitstag von 15 Stunden zu Fuß.) Aber es ist mein Wunsch, dass unsere gute Himmelsmutter viele Opfer schickt, damit ich viel tun kann für die Rettung der Seelen. – Die ersten Tage in dieser Gegend waren recht entmutigend. Aber jetzt sind alle begeistert. Jeden Abend singt das Volk eifrig und das Echo schallt aus den Wäldern zurück. In diesen Stunden scheint ein Stückchen Himmel da zu sein, alle sind ganz bei der Sache und man sieht: man braucht nur kein Opfer zu scheuen. Man muss das Unmögliche möglich machen – dann wird etwas!
Am 3. Februar wollte ich mit dem Volk aus dieser Zone eine Wallfahrt zum Heiligtum machen, dachte aber, dass dies wohl recht schwer sein würde. Aber der liebe Gott half mir und schickte mir durch den Eintritt einer großen Trockenheit eine Botschaft. Diese Gelegenheit benutzend, gab ich der Wallfahrt die Intention, im Heiligtum Segen für die Pflanzungen zu erbitten, d. h. Regen. In der Woche vorher habe ich außerdem unsere liebe MTA gebeten, es nicht vorher regnen zu lassen, damit der Glaube des Volkes eine Stärkung erfahre. Unsere gute Mutter hat meinen Wunsch erfüllt: am Tag nach der Wallfahrt kam der Regen! Es ist wirklich wahr: die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt sorgt für alles, auf dass die Menschen den Weg zum Himmelsvater finden.“

Ein weiteres Beispiel: Januar 1968, wieder herrschte eine große Dürre. Schwester Reginitta spricht Herrn Pozzobon an, ob er nicht zum Bischof gehen könnte in dieser Not, um die Erlaubnis für eine große Bittwallfahrt zum Heiligtum zu erbitten. Herr Pozzobon wiegt bedenklich den Kopf und antwortet: „Schwester, ich werde zu ihm gehen, doch so wie ich ihn kenne, habe ich wenig Hoffnung.“
In der Tat war der Bischof nicht bereit, die Genehmigung zu erteilen.
Wenige Tage später kam eine Abordnung der Reisbauern der Region Rio Verde zu Herrn Pozzobon mit der Bitte, er möge mit der Pilgernden Gottesmutter zu ihnen kommen. Sie möchten eine Bittprozession durch die Felder machen und um Regen bitten, denn wenn in den nächsten Tagen kein Regen kommt, ist die Ernte verloren.
Am späten Nachmittag des übernächsten Tages fand die Bittprozession statt. In der darauffolgenden Nacht, zwischen 2 und 3 Uhr morgens fuhr ich mit dem Omnibus von Porto Alegre kommend, Richtung Santa Maria durch diese Gegend, in der ein schweres Gewitter niederging. Das Wasser lief nur so an den Scheiben herunter. Je näher wir nach Santa Maria kamen immer weniger Regen. In Santa Maria selbst alles trocken.
Für Herrn Professor X. nur ein Naturgeschehen.
Für João Pozzobon darüber hinaus eine Botschaft Gottes und die Erhörung der Bitten des Volkes.
Am nächsten Tag kam ein Farzendeiro aus der Gegend, um sich zu bedanken und eine Spende für die Pilgerkampagne zu bringen, 100 conto, denn in der vergangenen Nacht habe ich einige tausend gewonnen.

Sicher, die Bildung der Gewitter läuft nach den natürlichen Gesetzen ab, aber warum geht das Sommergewitter dort nieder, wo die Menschen gläubig und voll Vertrauen gebetet haben, und nicht auch westlich davon, wo der Bischof die Bittwallfahrt nicht erlaubt hat?

l       Herr Pozzobon war ein mit dem Herzen Hörender auf die Wünsche und Anregungen Gottes und der lieben Gottesmutter.
Pater Otávio Bortoluzzi, der in Schönstatt zur Schulung weilt, schreibt Herrn Pozzobon im Januar 1967, Pater Kentenich habe von den Schwierigkeiten um das Urheiligtum berichtet und angeregt, durch Gebet und Opfer zur Lösung beizutragen.
In einem Brief vom 25. Januar 1967 gibt Herr Pozzobon die Antwort: „Ich habe verstanden, es ist die Gottesmutter, die durch unseren Vater und Gründer von uns mehr Opfer und Gebet verlangt zur Überwindung der Schwierigkeiten.“
Am gleichen Tag schreibt Herr Pozzobon an Pater Kentenich: „Jetzt ist gekommen die Zeit der Töchter und Söhne,  Antwort zu geben, als Mitgründer, dem Vater und Gründer auf seine Anregungen.“
Einen Monat später, am 26. Februar bietet er im Sinne der Anregung Herrn Paters in einer Englingweihe (Consagracão da cruz Negra) der Mutter und Königin sein Leben an, zum Loskauf des Taborheiligtums in Santa Maria /Brasilien und des Urheiligtums. Zwei Jahre später wurden vom zuständigen Bischof in Santa Maria alle bestehenden Einschränkungen aufgehoben.

      So konnte Herr Pozzobon am 14. September 1969 nach 14 Jahren die Frühlingswallfahrt wieder zum Heiligtum organisieren, an der zu seiner großen Freude etwa 3000 Wallfahrer teilnahmen.

Wenn in den kommenden Jahren die Bedeutung des Urheiligtums wieder lebendiger werden soll, dann mag uns das Beispiel von João Pozzobon daran erinnern: Zeigt mir erst, dass ihr mich wirklich liebt, dann macht euch keine Sorge um die Erfüllung eures Wunsches.