Erstes Referat von Pater Chrysostomus Grill auf der Mitgliedertagung 2006
Vaterspuren - 40 Jahre nach dem Neugründungsvortrag von 1966
Einleitung:
Die neue Jahresparole der Männerliga "Vaterspuren wollen wir folgen" lädt uns
ein, Gott als Vater zu erkennen, auf Abbilder des Vatergottes zu schauen und
selbst Spur des Vatergottes zu werden.
Wir stützen uns auf das Buch: P. Kentenichs: Neue Väter - neue Welt, (Vortrag
vom 18. Juni 1966), herausgegeben von. P. Puthen, erschienen im Patris Verlag.
Dazu gibt es die CD mit Vortrag von P. Kentenich vom 18.6.1966, die Sie beim
Sekretariat der Schönstatt-Männerliga beziehen können.
A. Die Führung Gottes
in Schönstatt - Männer als Väter
(geistliche Väter, Familienväter)
1. Pater Kentenich begann mit der Inspiration der Männer in einer Zeit, als alles
von Mütterlichkeit sprach (schon 1924). Doch schon 1912 in der Vorgründungsurkunde sprach er von der Erziehung zu priesterlichen Charakteren, Worte, die er
auch auf das Vatertum eines jeden Mannes ausdeutete.
2. Meilensteine der Entwicklung der Männersäule in Schönstatt waren:
a) Die Gründung des Apostolischen Bundes (1919) und der Apostolischen Liga
(1920) mit Männern, die bereit waren, sich zu Führern erziehen zu lassen. "Füh-
ren" in einem Bereich, der mir gegeben ist, das ist "Schilderhebung des inneren
Lebens". - In der heutigen Zeit heißt das: Vom Manager zum geistlichen Vater mich erziehen.
b) 1942 die Gründung einer Elitegemeinschaft von Männern und für Männer: die
Marienbrüder im KZ Dachau mit Edi Pesendorfer, Bruder Marianus.
c) 1945 Pater Kentenichs Vortrag vom 29. September 1955 zur Weihe des Män-
nerbanners. Vgl. Pater Kentenich, Unsere Hoffnung sind die Väter, S. 23ff: Glau-
be an die Sendung der Männer in Schönstatt.
3. Die Neugründung erfolgte durch den Vortrag für die Männer am 18. Juni 1966
B. Die Führung Gottes
in Schönstatt -
Neu-Gründung durch Männer für ein Vaterreich
1. Evolutionen, Revolutionen im Reiche Gottes erfolgten oft durch Studenten, junge Männer
a. 1912 - 1914 Der Anfang der Schönstattfamilie erfolgte durch junge Männer.
b. Die Männersäule soll neu gegründet werden in Verband, Bund, Liga, Wallfahrtskreis.
c. Das Ziel ist, ein universelles Vaterreich in der heutigen Welt aufzurichten.
2.1. Ein doppeltes Vaterreich
a. Das Reich des himmlischen Vaters und gleichzeitig des irdischen Vaters erstreben.
b. Das vorzüglichste Mittel, um den himmlischen Vater wieder in die heutige Zeit hineinzubringen, ist das Ideal des echten, irdischen Vaters zu erstreben und zu leben.
Erwägungen über das Vaterbild in der heutigen Zeit:
- Text von Marienbruder Herrn Czarkowski vom Katholikentag in Ulm 2004:
"Der neue Mann ist sensibel, kümmert sich mehr um die Kinder, bejaht und zeigt
Emotionen, legt Wert auf seine Äußeres, entwickelt Sinn für Kulinarisches und
Ästhetik. Er ist stark, aber hat Stil."
Die Gottesmutter hilft uns, Vater zu werden und das Vaterreich aufzubauen.
Der Text "Unser Vater wandelt sich" (Aus dem Schönstatt-Mann, 1/1975, S. 21) schildert: "Unser Vater war sehr korrekt und sehr streng. Wir zitterten als Kinder vor ihm.
Als er an schönstättischen Einkehrtagen teilnahm, wandelte er sich: Er wurde
stiller und nachdenklicher, gelöster, er hörte zu und stellte persönliche Fragen.
Ein totaler Wandel... "
2.2 Das Modell ist die Entwicklung Schönstatts von 1912 bis 1914
a. Die Männerbewegung neu gründen nach dem Modell von 1912 und 1914.
b. Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen zu festen, freien, priesterlichen Charakteren (Vorgründungsurkunde 1912).
c. Priesterliche Väterlichkeit ist das Ideal der ganzen Manneserziehung.
Das Ideal des Mannes: Vater und gleichzeitig Kind. Puer et Pater.
Das Reich des himmlischen Vaters kann nicht genügend kommen, wenn nicht bei uns Männern auf Erden das Vatertum des lebendigen Gottes nachgeahmt wird.
d. Das Vatersein des irdischen Vaters soll Ausdruck, Mittel und Schutz des Vatertums Gottes sein.
2.3 Das Ideal ist Gott
der ewige Vater
mit seinen ewigen Eigenschaften
Die Eigenschaften des himmlischen Vaters sollen Eigenschaften des irdischen
Vaters werden.
- Unveränderlich im Grundsätzlichen, in den Geboten Gottes, den Lehren der Kirche.
Veränderlich wie Gott im Brauchtum, äußeren Gestaltungen, Anpassung an die
Einzelperson.
Fest in der Sache - milde in der Methode - Freiheit, wo Freiheit ist.
- Allgegenwärtig. Die Kinder immer im Herzen und Denken. Nicht wie ein "big brother" sondern wie ein liebender, verantwortungsbewusster Vater.
- Allwissenheit des Vaters. Anteilnahme an allem, aber auf Vertrauensbasis.
- Allheiligkeit des Vaters. Ja sagen zum Willen des Vaters. Die Sünde ist das
Schlimmste, nicht das zerbrochene Geschirr, aber Gott lädt ein zur Umkehr, zur
Reue, zum Neuanfang.
- Gott ist der Gerechte,
der Wahrhaftige, der Barmherzige.
Mahatma Gandhi hatte als Kind etwas gestohlen und schreibt dem Vater einen
Reuebrief. Der Vater liest ihn und zerreißt ihn.
Väter heute
Dazu nachfolgend ein Artikel, der in der Zeitschrift der Familienliga „Unser Weg“, Nr. 2/2006 veröffentlicht wurde. Darin wird der Vater als König, als Krieger, als der Liebende, als der weise Führer und Ratgeber geschildert.
»Typ eins ist der König: Er schafft Ordnung in der Familie, in Kirche und Gesellschaft Er soll die Menschen in seiner nächsten Umgebung ermutigen und segnen. Das ist leicht gesagt, bin doch ich derjenige, der zuweilen kraftlos und ohne Mut ist. Dann winde ich mich gerade so durch den Alltag, fühle mich schlapp und keiner Aufmerksamkeit mehr fähig. Meist habe ich dann keine Kraft, mit den Jungs Bücher anzuschauen oder die neuesten Turnübungen der Mädchen zu bewundern.
Vor einigen Wochen habe ich im Fitnessclub bei uns um die Ecke ein Programm zur Rückenstärkung begonnen. Dort am Abend hinzugehen, hat mich anfangs einiges an Überwindung gekostet. Als ich vor kurzem mittags ein leichtes Kratzen im Hals verspürte, glaubte ich schon, eine gute Ausrede für den Abend parat zu haben. Wenig später las ich in einer Zeitschrift die folgenden Worte der Heiligen Theresa von Avila: „Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Das brachte mich im Inneren in Bewegung und war für mich das Signal durchzustarten. Heute kann ich sagen, dass mir der Sport gut tut und mir Kraft für den Alltag gibt.
Typ zwei ist der Krieger, der immer bereit ist, seine Nächsten zu verteidigen, zu beschützen und zu fördern, damit sie sich zu selbstbewussten Charakteren entwickeln. Ich muss als Vater meine Kinder beobachten, ihre Schwächen und Stärken erkennen, sie in ihren Talenten voranbringen und ihnen helfen, innerlich zu wachsen. Das klappt bisweilen sehr gut. Manchmal bin ich ungeduldig, wenn ich Fragen viermal wiederholen muss oder Wünsche schlicht ignoriert werden.
In offenen Ärger schlägt es um, wenn die Jungs zum x-ten Mal den Blumentopfinhalt in der Wohnung verstreuen oder trotz Ermahnungen das Waschbecken immer wieder für Klimmzüge und andere gymnastische Übungen missbrauchen.
Typ drei ist der Liebende. Die Liebe soll nicht sentimental, sie soll von Herzen kommen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang das Zuhören können, das Erkennen der Wünsche und Nöte meiner Nächsten sowie die Bereitschaft zu vergeben.
Das ist eine schwierige Übung. Dazu ist es nötig, hellwach und aufnahmebereit zu sein, den anderen geduldig ausreden zu lassen, das Gehörte zu verarbeiten und dann darauf etwas zu erwidern. Oft ertappe ich mich dabei, im Kopf schon Antworten zu formulieren, wenn der Andere noch gar nicht mit reden fertig ist. Und Gelegenheiten, das Zuhören zu üben, das Paargespräch zum Beispiel, handhaben wir noch sehr stiefmütterlich. Ich sehe es dennoch positiv: Uns bleibt dafür umso mehr Raum zum Wachsen.
Typ vier ist der weise Führer und Ratgeber, ein Vermittler, reich an geistigem Wissen. Das ist bei mir in Maßen vorhanden und wir wenden es auch an. Das Gebet ist fester Bestandteil am Abend und bei Tisch. Besondere Aufmerksamkeit schenken wir Fragen der Kinder, die mit dem Glauben zu tun haben. Warum wurde Christus umgebracht? Warum hängt er am Kreuz? Warum glaubt die Oma nicht? Wir verstehen uns nicht als Sonntags-Christen, sondern wir wollen, dass der Glaube an den Dreifaltigen Gott unser Leben durchsäuert und wir uns an der Hand der Gottesmutter Maria langsam dorthin entwickeln, wo unser Vater uns haben will.
Georg Halber, Reisen «
2.4 Die Zeit von 1912 -
1914 in Schönstatt zeigt ein Modell
göttlicher Führung
- Pater Kentenich weckt die inneren Kräfte der Jugendlichen
- Pater Kentenich zeigt auf, was in der Seele sich entwickelt nach der “alten Lehre” (Unter dem Schutze Mariens S. 91 und 98) der Seelenkunde.
Wir können zurückgehen auf den Wüstenvater Evagrius Pontikus (+ 399 in Ägypten), der von den Leidenschaften im erbsündlich belasteten Menschen schrieb: Im Menschen gibt es einen begehrenden Teil: Fressgier, Sexgier, Besitzgier, einen zornmütigen Teil: Zorn (Groll), Trauer (Enttäuschung), Akedia (Überdruss am geistlichen Leben), einen intellektuellen Teil: Stolz, (Neid), Ruhmsucht.
Leidenschaften (Passiones) sind Aufwallungen der Seele, zunächst gut, aber wegen der Folgen der Erbsünde in ständiger Gefahr, sich zum Bösen zu entwickeln. Die bösen Leidenschaften sollen mit der Gnade Gottes überwunden werden, damit die guten Kräfte zum Zuge kommen. Dann gelangen wir zu den 4 Kardinaltugenden:
- Mäßigkeit im Begehren,
- Tapferkeit, Mut und Ausdauer zum Guten im zornmütigen Teil der Seele,
- Klugheit und Weisheit im geistigen Bereich der Geistseele,
- Gerechtigkeit im Sinne der rechten Haltungen und der rechten Handlungen. Sie durchdringt alles.
Evagrius sagt: Setze dir in allem ein Maß, tue, was du tust sorgfältig, handle in Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes, bete kurz und innig.
Bei Pater Kentenich heißt es: Der Werktagsheilige ist der Mensch, der die gottgefällige Harmonie zwischen affektbetonter Gott-, Werk- und Menschengebundenheit in allen Lagen des Lebens lebt.
Pater Kentenich leitet von der Erziehung im natürlichen Bereich (willensmäßige Vorsätze, Ideale) weiter zur Gottesmutter als der Erzieherin in der Gnadenordnung. Im April 1914 wird die Marianische Kongregation in Schönstatt gegründet. Pater Kentenich bittet am 18. Oktober 1914 die Gottesmutter, im Heiligtum ihren Thron aufzuschlagen. Drei besondere Gnaden schenkt Maria vom Heiligtum als Antwort auf die Probleme jeder Zeit: Beheimatung, innere Umwandlung, missionarisch-apostolischer Geist. Die Gottesmutter hat Schönstatt heimgesucht, wirkt als Erzieherin und regt unsere Selbsterziehung kraftvoll an.
Die Ansprache Pater Kentenichs vom 18. Juni 1966 bricht plötzlich ab, hat aber Fortsetzungen in den Oktoberwochen- und Vater-Vorträgen 1966 bis 1968 durch das Thema Victoria Patris, der Vatergott soll in uns siegen.