Führertagung der Schönstatt-Männerliga

Es ist immer wieder eine geistige Erholung, wenn man in Schönstatt ist, dort durch Vorträge und Gespräche mit gleichgesinnten Männern Anregungen für sich und seine Lebensgestaltung erhält. Es sind Lichtblicke in einer im allgemeinen anders denkenden Umwelt. Herr Basler, der laikale Standesleiter der Männer von Schönstatt, hatte zu dieser Tagung neben den Diözesanführern auch die Gruppenführer eingeladen. Die Resonanz war jedoch leider sehr gering - eigentlich schade, sich eine solche Tagung entgehen zu lassen. So trafen sich 18 verantwortliche Männer aus den Diözesen vom 20. bis 22. April 2007 in der Marienau.
Vorab sei zunächst einmal Herrn Basler und Frau Overfeld für die intensive Vorbereitung der Tagung gedankt. Ein herzliches Dankeschön gebührt natürlich auch den Schwestern und Mitarbeiterinnen im Bildungshaus Marienau für ihre unauffällige Arbeit im Hintergrund. Die freundliche Atmosphäre im Hause sowie die gute Beköstigung trugen zum harmonischen Ablauf der Tagung bei.
Die
Tagung begann am Freitagmorgen mit der Feier der heiligen Messe, die Herr
Pater Dr. Chrysostomus Grill im Taborheiligtum zelebrierte.
Im Tagungsraum des Bildungshauses Marienau begrüßte danach Herr Basler die
Teilnehmer und freute sich, Herrn Roland Ketzer aus der Diözese Augsburg
vorstellen zu können, der als gewählter Gruppenführer erstmals an einer solchen
Tagung teilnahm. Sein besonderer Dank galt Herrn Pater Grill, der sich bereit
erklärt hatte, die Schulungsvorträge zu halten.
Er zitierte sodann aus einem
Protokoll der Diözesangruppe des katholischen Männerwerkes in der Erzdiözese
Freiburg vom 16.3.2007. Präses Henrich hatte in einem Referat herausgestellt,
dass in der technisierten Welt den Menschen immer mehr bewusst werde, dass ihnen
die Tiefendimension des Lebens abhanden komme. Mit dieser Feststellung hatte
Präses Henrich die Frage verbunden, ob die Kirche als Ansprechpartnerin präsent
sei, um die Fragen dieser Menschen zu beantworten. Denn es geht dabei um Fragen,
die nur von der Kirche und aus dem Glauben heraus beantwortet werden können.
Herr Basler stellte den Tagungsteilnehmern ergänzend die Frage, wie es damit bei
den Schönstattmännern aussehe. Stehen diese als Ansprechpartner zur Verfügung?
Zweifel
seien hier angebracht, weil es nämlich nicht nur Schwierigkeiten gebe, Männer
für die Männerliga zu gewinnen, sondern auch die Bereitschaft nachlasse,
Führungsaufgaben in der Männerliga zu übernehmen. In einigen Diözesen fehle es
sogar schon an Männern, die bereit seien, die Weihe abzulegen bzw. eine
Weiheerneuerung vorzunehmen. Es schloss sich die generelle Frage nach
Nachwuchsgewinnung an. Die Überalterung der Männerliga ist offenkundig, aber
konkrete Vorschläge, gerade auch jüngere Männer für Schönstatt zu gewinnen,
vermochte niemand der Tagungsteilnehmer zu machen. Hinzu kommt, dass bei immer
weniger jüngeren Männern noch eine christliche Grundhaltung und christliches
Wissen vorhanden sind. Von daher wird es immer schwerer, gerade das Gedankengut
Schönstatts, das an sich ein bereits vorhandenes christliches Fundament
voraussetzt, zu vermitteln. Herr Basler versprach, zu dieser Thematik später
eine Antwort zu geben.
Herr Basler ging dann auf Schwerpunkte der ihm übersandten Berichte ein. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Diözesantage, Exerzitien oder Abteilungstage durchweg ein positives Echo gefunden haben, sie führen jedoch nicht gleichzeitig zu neuen Gruppenmitgliedern. Die Berichte zeigen aber auch die viele Kleinarbeit und das apostolische Wirken in den einzelnen Diözesen auf (Kapellchenfeste, Vorbereitung und Durchführung von Wallfahrten, Renovierungsarbeiten und Neubau des Schönstattzentrums, monatliche Anbetungsstunden u.s.w.).
Interessant war auch eine Übersicht über die Themen, die in den Gruppenstunden behandelt worden sind. Die Jahreslosung ist in vielen Gruppen behandelt worden und hat die Männer durchaus angesprochen und offener werden lassen für die Ereignisse des täglichen Lebens und ihre Deutung. Auch die erste Enzyklika des Papstes war Gegenstand von Besprechungen sowie andere religiöse Themen. Schwierig war wohl die Beschäftigung mit dem Thema “Zeiten-, Seelen- und Seinsstimmen und rechtmäßige Autorität”. Soweit aber eine Beschäftigung damit erfolgte, sind die Männer aufgeschlossener geworden für aktuelle Geschehnisse. Insgesamt zeigte sich eine Vielfalt behandelter Themen. Herr Basler regte dazu an, schwerpunktmäßig die jeweilige Jahreslosung zu behandeln und das Gedankengut Schönstatts in den Gruppenstunden in den Vordergrund zu stellen.
Er bat ferner, möglichst alle Fragen, die seitens der Zentrale gestellt werden, zu beantworten, um einen Jahresüberblick geben zu können. Das sei in diesem Jahr nicht immer geschehen.
Für
den Nachmittag waren drei Arbeitskreise gebildet worden, die sich mit der
Situation in den Diözesen und den Gruppen befassen sollten. Grundlage waren
dafür die von Herrn Basler vorgetragenen Berichte aus den Diözesen mit der Frage
an die Männer, welche Antworten man darauf geben könne.
Als Ergebnis lassen sich die folgenden Punkte festhalten:
Das Problem, Nachwuchs für die Gruppen zu finden, besteht
überall. Damit ist zugleich die Frage verbunden, wie man die Tiefe des
Gedankenguts von Schönstatt jemandem begreiflich machen kann, der nur noch in
geringem Umfang über ein christliches Grundwissen verfügt. Man muss sich auf das
Niveau des anderen Mannes einstellen und von daher versuchen, ihn für Schönstatt
zu gewinnen. Wichtig ist es auch, dass Schönstatt tiefer in die Kirche
eindringt, um von dort aus an einer Umgestaltung der Welt mitzuarbeiten. Die
Jahreslosungen müssten andere zum Nachdenken anregen und dadurch Interesse an
Schönstatt wecken. Das ist z. B. bei den Jahreslosungen, die sich mit der
Thematik “Spurensuche” befasst hatten, der Fall gewesen. Angemerkt wurde auch,
dass verschiedentlich Männer lediglich an Gruppenstunden teilnehmen wollten,
ohne sich weiter zu engagieren. Sie suchten “Beheimatung” und nicht mehr. Auch
das müsse man akzeptieren, denn Schönstatt biete bewusst auch Beheimatung an.
Wenn auch Diözesantage und andere Veranstaltungen größeren Umfangs nicht zu
einem Zuwachs von Männern bei den Gruppen führten, so seien sie dennoch ein
wichtiges Apostolats- und Glaubenszeugnis.
Ein Anliegen scheint es auch zu sein, dass nicht nur die Gruppen von der
Zentrale etwas erhalten, sondern dass andererseits auch die Gruppen durch ihre
Arbeit und durch Fragen an die Zentrale diese bzw. die Teilnehmer der
Führertagung herausfordern, so dass es zu einer gegenseitigen Befruchtung kommt.
Nachdem die Ergebnisse der Arbeitskreise im Plenum vorgestellt worden waren, gab Herr Basler die versprochene Antwort auf die Frage, wie man neue Männer gewinnen könne:
1. Leben Sie täglich aus dem Liebesbündnis, das unsere liebe Dreimal Wunderbare Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt mit Ihnen geschlossen hat und bringen Sie täglich Ihre Beiträge zu Ihrem Heiligtum in Verbindung mit dem Urheiligtum.
2. Setzen Sie sich für das Pilgerheiligtumsapostolat im Sinne von Pozzobon ein, dann wird die MTA uns neue Männer schicken.
3. Ein Zitat von Pater Menningen aus dem „Führerbrief 1/1992“, Seite 3: ”In meiner 55-jährigen Weggemeinschaft mit Pater Kentenich habe ich oft wissbegierige oder auch neugierige Fragen an ihn gerichtet, um so etwas auch in seine Seelengeschichte hineinzukommen. Das war nicht leicht, aber gelegentlich tat er doch eine Falte seiner Seele auf. Einmal habe ich ihn gefragt: Also, Herr Pater, wie kommen Sie eigentlich an Ihre Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen? Rufen Sie die, bestellen Sie die, halten Sie Ausschau, wählen Sie aus, übertragen Sie Aufgaben; wie machen Sie das eigentlich? Darauf gab er mir folgende Antwort, die sehr zum Nachdenken anregt: Meine Gewohnheit ist es, mich wieder und wieder an die Person der Gottesmutter zu wenden mit dem Anliegen: Rufe DU die Erwählten, wähle DU sie aus, sende DU mir die Mitarbeiter, die Mitarbeiterinnen zu, die mit mir das Werk aufbauen sollen. Und ich nehme sie aus Deiner Hand wie eine Gabe entgegen.”
Besprochen
wurde auch die Aufgabe des Gruppenführers. Von ihm müssen Arbeit und Anregungen
ausgehen. So reicht es nicht, Passagen aus dem Führerbrief vorzulesen,
erforderlich ist vielmehr ein vorheriges Durcharbeiten. Der Gruppenführer muss
aus dem Liebesbündnis leben und auch seine Gruppenmitglieder hierzu anregen.
Gleiches gilt für das Apostolat mit den Pilgerheiligtümern. Man kann die MTA nur
um ihre Hilfe hierbei bitten und ansonsten nach “Waldbauernart” verfahren: Der
Bauer pflanzt zwar die Bäume, doch den Erfolg sieht erst die nächste Generation.
Man darf sich also trotz aller Misserfolge nicht entmutigen lassen, nicht
resignieren, sondern man bemüht sich um die Aussaat des Gedankenguts von
Schönstatt und vertraut das Wachstum der Gottesmutter an.
Am Samstag feierten wir die heilige Messe im Urheiligtum. Pater Grill erinnerte an das Werden des Urheiligtums als Gnadenort unter dem Gesichtspunkt der 1. Gründungsurkunde vom 18. Oktober 1914.
Zwei Vorträge von Pater Grill standen am Vormittag des Samstags auf dem Programm, die sich mit dem Begriff “Vater” befassten. “Vatersein und Vatersinn”
war der Titel des ersten Vortrages, “Unser Wirken als Vater in Familie und Gesellschaft” der Schwerpunkt des zweiten Vortrages.
„Vatersein und Vatersinn“
Grundlage für alles Nachdenken über Vaterschaft ist zunächst einmal die Feststellung, dass jede Vaterschaft eine von Gott abgeleitete Vaterschaft ist. Das Wesen Gottes ist das Vatersein, dieses ist seine Personaleigenschaft. Und diese Vaterschaft will Gott auf alle Männer ausdehnen. Damit ist zugleich ausgesagt, dass Vaterschaft nicht nur rein biologisch verstanden werden darf, sondern auch die geistige Vaterschaft einschließt. Die ganze mit dem Begriff “Vater” verbundene Thematik scheint in den öffentlichen Medien zunehmend an Interesse zu gewinnen. Die vaterlose Gesellschaft (ein vor vielen Jahren von A. Mitscherlich geprägter Begriff), in der wir uns heute befinden, stellt offensichtlich die Menschen nicht mehr zufrieden. Die Industrialisierung ist einer der Gründe für die heutige Situation. Im Gegensatz zu früheren Zeiten (der Vater übte z. B. sein Handwerk im Hause aus, war also während des gesamten Tages auch für die Kinder ansprechbar) verlässt der Vater heute morgens das Haus, um irgendwo zu arbeiten, und kommt erst abends zurück. Kontakt zu den Kindern, vor allem zu den kleineren, ist dann allenfalls an den Wochenenden möglich. Das Entstehen einer vitalen Bindung (der Begriff “Vitalbindung” stammt von Viktor von Weizsäcker) zwischen Vater und Kind ist unter solchen Bedingungen nur schwierig möglich. Hinzu kommt, dass Leistung und Geld nicht nur in der Gesellschaft, sondern vielfach auch in der Familie eine vorrangige Rolle spielen, dass hingegen seine Autorität als Vater, sein Vatersein immer weniger gefragt ist, auch von daher eine Bindung zwischen Vater und Kind erschwert ist. Das Kind benötigt jedoch nicht nur eine Bindung an die Mutter, sondern auch an den Vater. Während sich eine solche Bindung zwischen Mutter und Kind auf Grund der Schwangerschaft bereits entwickelt hat, müssen Vater und Kind in eine solche Bindung erst hineinwachsen. Eine solche Bindung kann nicht erst dann aufgebaut werden, wenn das Kind älter wird, also die sogen. “strenge Erziehung” durch den Vater erfolgen soll, sondern muss sich vom Säuglingsalter an entwickeln. Sowohl die Jungen als auch die Mädchen sind lebenstüchtiger und lebensfähiger, wenn der Vater von Anfang an mitwirkt, so zeigen es Untersuchungen. Der Vater kann zudem dem Kind gegenüber Gefühle zeigen, etwas, das ihm im Berufsleben weitgehend verwehrt ist, etwas, das auch ihn bereichert. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die Zahl der Väter, die eine Baby-Pause einlegen, steigt. Die intensivere Beteiligung des Vaters führt zudem nicht nur bei dem Vater, sondern auch bei der Mutter zu einem neuen Selbstbewusstsein. Klar herausgestellt werden muss allerdings, dass der Vater nicht die Mutter nachahmt, sondern bei allem seine Art als Mann beibehält, also stark ist und Grenzen aufzeigt. An der Stellung der Frau ändert sich dadurch nichts, Mann und Frau sind gleichwertig, aber andersartig. Und dieses Erleben der Andersartigkeit ist für das Kind außerordentlich wichtig, um im späteren Leben seinen Platz, seine Rolle zu finden.
Die Forschung, die sich in den letzten dreißig Jahren verstärkt mit dem Vater beschäftigt hat (sogenannte Vaterforschung), bezieht sich zumeist auf den Vater und das Kleinkind sowie die Mitarbeit in der Familie. Eines dieser Ergebnisse ist die Feststellung, dass eine Vitalbindung, die physische und aktive Anwesenheit des Vaters, eine unersetzliche Voraussetzung für die Erziehung ist und die harmonische - gesunde Entwicklung des Kleinkindes in großem Ausmaß fördert. Wegen der negativen Auswirkungen für das Kind sollte deshalb von einer Ehescheidung zu Gunsten des Kindes Abstand genommen und trotz aller Probleme ein Einander - Ertragen versucht werden. “Ertragt einander in Geduld” ist ein dafür häufig zitierter Satz.
Pater Kentenich ist davon überzeugt, dass es zu den Aufgaben des Vaters gehört, sein Kind aus einer solchen Bindung heraus mit der Zeit weiterzuleiten zu anderen irdischen Autoritätsträgern in Kirche und Gesellschaft, darüber hinaus letztlich zu Gott als dem alleinigen Vater eines jeden Menschen. Grundlegende Voraussetzung dafür ist aber zunächst einmal das Eingehen einer echten Bindung zwischen den Eltern des Kindes, das Eingehen einer christlichen Ehe. Mann und Frau schließen als “Partner” die Ehe, sie sind gleichwertige Teilhaber, jeder hat seinen “Part”, seinen Teil auszufüllen, es geht dabei also nicht um Gleichmacherei. Daraus folgt, dass man den jeweils anderen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch annehmen muss.
Wie eingangs erwähnt sind das Wesen und die Aufgabe des Vaterseins von Gott, dem Vater, abgeleitet. Wenn etwas abgeleitet ist, bedeutet das immer, dass bei allem Denken und Handeln mitbedacht werden muss, von wem oder von was etwas abgeleitet worden ist. Bei allen Überlegungen zum Vaterbegriff muss also stets an Gott als den Ausgangspunkt, den Urheber der Vaterschaft, gedacht werden. Gott ist die Liebe, Liebe beinhaltet zugleich auch Verantwortung. Gott liebt jeden einzelnen Menschen und hat damit auch für ihn Verantwortung übernommen, das heißt, er hilft ihm, den Weg zu ihm, seinem Vater, zu finden. Dafür ist sein Sohn in diese Welt gekommen, hat uns die Vaterschaft Gottes vermittelt und immer wieder auf sie hingewiesen. Auch die Barmherzigkeit des Vatergottes und damit in gleicher Weise die des irdischen Vaters gehört zur Vaterschaft. Wahre Vaterschaft führt stets zur unbedingten Annahme des Kindes, so wie auch der Vatergott jeden Menschen immer wieder annimmt, egal mit welcher Schuld er sich belastet hat. Die aus der Liebe erwachsende Verantwortung für den irdischen Vater besteht darin, dem Kind Ziele und Aufgaben aufzuzeigen. Damit ist andrerseits verbunden die Bereitschaft des Vaters, dem Kind zuzuhören, auch bei Kleinigkeiten, die dem Vater als völlig nebensächlich erscheinen. Das bedeutet eine Teilnahme an der Allwissenheit Gottes: Anteil zu nehmen an den großen und kleinen Sorgen der Kinder und nicht nur als strafender und strenger Vater in Erscheinung zu treten. Gott ist in erster Linie der barmherzige Gott, der den Menschen trotz all seiner Irrwege immer annimmt.
Im zweiten Vortrag befasste sich Pater Grill mit dem Thema:
”Unser
Wirken als Vater in Familie und Gesellschaft”.
Beispielhaft stellte er die Einstellung und das Wirken Pater Kentenichs heraus. Was für jede natürliche Familie gilt, gilt auch für jede familienhafte Gemeinschaft: Sie hat ihren Ursprung und ihr Ziel in Gott, dem Vater. Mit seiner Priesterweihe (8.7.1910) begann bei Pater Kentenich sein Wirken als priesterlicher, als geistlicher Vater. Er war berufen, eine lebenweckende und familienbildende Kraft auszustrahlen. So bildeten sich überall, wo er tätig war, familienhafte Gemeinschaften. Das hieß nicht, dass er überall als Organisator solcher Gemeinschaften auftrat, sondern bedeutete, dass er die Entwicklung der anderen förderte, so dass dann von diesen Personen selbst solche Gemeinschaften gebildet wurden. Es war für ihn eine priesterliche Aufgabe, die freie Entfaltung des anderen Menschen, seine Originalität, auf Gott hin zu fördern, nicht aber ihn in ein Schema zu pressen. Das ist schließlich die Grundeinstellung Pater Kentenichs, nämlich für ein organisches Wachstum zu sorgen, nicht jedoch gleichsam am Schreibtisch alles sorgfältig bis ins letzte Detail zu planen und dann umzusetzen.
Dieselben Aufgaben haben auch die Laien. Durch priesterliche, d. h. in Gott verankerte Väterlichkeit (für die Frauen gilt: in Gott verankerter Mütterlichkeit) haben sie ihre Aufgaben in Familie und Gesellschaft wahrzunehmen. Der Vater hat durch sein Verhalten Vorbild zu sein. Sein Beten, sein Kirchenbesuch wirken sich auf die Einstellung der übrigen Familienmitglieder aus. Glauben (vor-) leben ist das, was andere überzeugt. Das Hinführen des Menschen zu einer originellen und freien Persönlichkeit ist das Ziel der Pädagogik Pater Kentenichs, nicht aber Entpersönlichung und totale Unterordnung. Mit einer solchen Grundeinstellung ist zugleich eine scharfe Trennlinie zum Islam gezogen, der eine absolute Unterwerfung unter einen strengen Gott verlangt. Die Aufgabe des Vaters besteht darin, die Wurzeln des Christentums zu betonen, aus der Marianischen Sendung, dem Liebesbündnis heraus zu leben und apostolisch tätig zu sein. Drei Aufgaben stellen sich den Vätern:
- Es ist ein Hineindenken in das Fühlen und Leben der Jugendlichen erforderlich.
- Die Dinge klar benennen, also das Triebleben, das Drogenproblem, die Süchte.
- Das Triebleben nicht unterdrücken, sondern lenken.
Mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben kann dem Vater wieder die Stellung eingeräumt werden, die ihm zukommt, denn dann richtet er sich (gleichsam als Kind) auf Gott, den Vater, aus und wird so wieder Vater sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft.
Orientierungspunkt kann das Jahr 2014 sein, der hundertste Geburtstag der ersten Gründungsurkunde. Diese zeigt das familienhafte Denken Pater Kentenichs auf, denn die Gründungsurkunde war auf die Familie hin gesprochen: “Vater, Mutter und Kinder...” heißt es dort nach der Begrüßung der Sodalen. 2014 könnte Schönstatt als Familie für die Familien und für die Kirche neu entstehen lassen. Pater Kentenich war eine charismatische Führungspersönlichkeit, ihn kann sich jeder Mann beziehungsweise Vater als Vorbild wählen, um seine Vaterschaft zu verwirklichen und so einen Beitrag zu leisten für ein neues Aufblühen nicht nur Schönstatts, sondern der ganzen Kirche.
Mit
den vielen Anregungen aus diesen beiden Vorträgen gingen die Teilnehmer in ihre
Arbeitskreise, um sich Gedanken zu machen für eine neue Jahreslosung. Als
Ergebnis der Überlegungen der Arbeitskreise seien ein paar Stichworte genannt,
die anschließend im Plenum vorgestellt wurden.
Trotz der rückläufigen Mitgliedszahlen bei der Männerliga sollte man nicht resignieren, sondern sich an Pater Kentenich binden und sich auf ihn verlassen, da er unter schwierigsten Bedingungen das Schönstattwerk gegründet hat. Die Begriffe Vater und Vaterschaft waren erörtert worden, wobei der Vater als Leuchtturm gesehen wurde, der in die Familie und die Welt hinausstrahlen und Orientierung geben soll. Auch die Grundlagen Schönstatts wurden in die Überlegungen einbezogen, nämlich die Gottesmutter, das Heiligtum, das Liebesbündnis sowie die von Pater Kentenich immer wieder geforderte Freiheit.
Hieran schloss sich ein Vortrag von Herrn Hermann Arendes über João Luiz Pozzobon an. Es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob man etwas über ihn liest oder aus berufenem Mund etwas über ihn erfährt, denn Herr Arendes hatte ihn persönlich kennen gelernt. Nachdem die Männergruppe in Brasilien wegen der Maßnahmen gegen Pater Kentenich aufgelöst worden war, hatte João Luiz Pozzobon Herrn Arendes erklärt, dann sei eben er allein die Gruppe und Herr Arendes der Gruppenführer.
Herr
Arendes stellte ihn als Ehemann und Vater vor. Es war schon erstaunlich, von
welcher Einstellung Pozzobon in seinem Leben getragen worden ist. Er war kein
Phantast, sondern ein Mann, der mit beiden Beinen fest im Leben gestanden hatte,
der sich zwar sozial in ungewöhnlich hohem Maße engagierte, für den aber seine
Familie und insbes. seine Kinder stets den Vorrang hatten (so trennte er
zwischen dem, was ihm persönlich gehörte und dem, was für ihn Eigentum der Familie war, was also seine Kinder für ihren Start in ihr Leben benötigten). Er hatte zwar die Kampagne der pilgernden Gottesmutter initiiert, das erste Apostolat aber war seine Familie; er löste eine Schulkampagne aus und kümmerte sich um die Betreuung alter Menschen, dieses alles aber immer in Absprache und mit Zustimmung seiner Frau.
João Luiz Pozzobon wurde 1904
geboren, heiratete 1928 und baute sich mit seiner Frau eine Existenz, ein
kleines Hotel, auf. Da seine Frau nach vier Jahren an TBC erkrankte, musste er
alles verkaufen, um eine ärztliche Betreuung zu sichern. Seine Frau starb
dennoch. Wegen seiner zwei kleinen Kinder ging er eine zweite Ehe ein und
gründete ein Geschäft. Aus dieser Ehe gingen nochmals fünf Kinder hervor. Seine
zweite Frau hatte ihn sehr geliebt und unterstützte ihn in allem. Sie war mit
seinem Handeln voll und ganz einverstanden. Bei längerer Abwesenheit von zu
Hause bekreuzigte sie ihn und empfahl
ihn
seinem Schutzengel als Begleiter und der Gottesmutter als Beschützerin.
Seinen Kindern gab er durch Wort und Beispiel Anregungen für die Gestaltung ihres Lebens und war auf diese Weise ihnen gegenüber apostolisch tätig. Er hat bewusst erzogen und geführt, ohne dabei aber den Kindern ihre benötigte Freiheit zu nehmen. “Unser Vater war immer gütig, aber bestimmt”, sagt die Tochter über ihn, und der jüngste Sohn: “Er war immer gut, aber streng”.
Ein anderer Wesenszug war, dass er verzichten konnte, um eventuellem Unmut und Unfrieden in der Familie vorzubeugen. So erhielt er einen Freiflug nach Deutschland geschenkt, um Schönstatt besuchen zu können. Da seine Söhne sich als Existenzgrundlage zu jener Zeit eine Tankstelle aufbauten und Geld nötig hatten, verzichtete er auf diese Reise, um negative Gedanken bei den Söhnen zu verhindern. “In der Familie bleiben und aus der Familie heraus wirken”, so könnte man die Sendung von João Luiz Pozzobon umschreiben.
In hervorragender Weise hat dieser Vortrag von Herrn Arendes die Vorträge von Pater Grill ergänzt. Er hat aufgezeigt, dass man das Gedankengut Schönstatts durchaus im täglichen Leben praktizieren kann, ohne dass dadurch materielle Nachteile für die Familie entstehen noch die famlienhafte Beziehung leiden muss.
Ein gemütlicher
Abend schloss diesen Tag ab. Gespräche im Kreise gleichgesinnter
Männer waren Entlastung und Bereicherung zugleich.
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Vielen Dank den Männern, die sich um die Gestaltung dieses Abends bemüht, die
für Speisen und Getränke und die gute Stimmung gesorgt haben. Am nächsten Tag
trafen sich erneut die Arbeitskreise, um abschließende Vorschläge für die
Jahreslosung zu erarbeiten. Neben den bereits zu den Vorträgen von Pater Grill
angestellten Überlegungen wurden nun auch noch die Anregungen aus dem Vortrag
von Herrn
Arendes aufgegriffen.
Vater
und Vaterschaft standen bei den Arbeitskreisen im Vordergrund. Was stellt der
Vater dar? Er sollte - wie Pater Kentenich es war - der lebendige Mittelpunkt,
die Kraftquelle der Familie sein und Mut für die Zukunft geben; er sollte zwar
Herr sein, also herrschen, aber nicht beherrschen, sondern vor allem Freiheit
lassen; wie ein Leuchtturm sollte er sein: Licht geben, dabei aber nicht sich
selbst beleuchten, sondern anderen Orientierung sein. Die einzelnen Vorschläge
wurden erläutert, ergänzt, diskutiert, bis schließlich die Formulierung:
„Sei Vater für Familie und Welt“
als Jahreslosung für das Jahr 2007/2008 allgemeine Zustimmung fand.
Herr Basler sprach allen, die sich im zurückliegenden Jahr in unterschiedlicher Weise und insbesondere auch während dieser Tagung für Schönstatt eingesetzt hatten, einen herzlichen Dank aus und gab eine Übersicht über die nächsten Veranstaltungstermine. (vgl. Informationen der Zentrale, Seite 80.)
Danach ging es zum Grab von Pater Kentenich, denn wem hätte man diese Jahreslosung eher zeigen dürfen als ihm? Zum einen wurde ihm dort gedankt für die Jahreslosung, zum andern aber auch um seinen Segen und um seine Hilfe gebetet, damit diese Losung durch uns und durch alle Männer Schönstatts im kommenden Jahr im alltäglichen Leben segensreich umgesetzt und verwirklicht werden kann.


Im Taborheiligtum feierten wir mit Pater Grill anschließend
die heilige Messe und durften die heilige Kommunion unter beiderlei Gestalten
empfangen.
Eine harmonische Tagung, bei der alle auftanken konnten für ihr Alltagsleben,
bei der auch wieder viele Gespräche der Männer untereinander stattgefunden
haben, ging damit zu Ende.
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