“Unser Wirken als Vater in Familie und Gesellschaft“

Zweiter Vortrag von Pater Chrysostomus Grill auf der Führertagung 2007

 

Wir werden heute Nachmittag durch Herrn Marienbruder Arendes zum Thema hingeführt: „João Luiz Pozzobon als Ehemann und Vater”. Es geht uns um unser Wirken als Vater in Familie und Gesellschaft. Zu diesem Thema könnten wir herausragend Beispiele großer Persönlichkeiten suchen und darstellen. Da wir unseren geistlichen Vater, Pater Kentenich, haben, der eine Reihe geistlicher Familien aufgebaut hat und dadurch in die Gesellschaft hineinwirkte, möchte ich ihn vor allem unter dem Gesichtspunkt “Wirken als Vater” darstellen. Auch Pozzobon, Gilbert Schimmel, Fritz Kühr, Mario Hiriart und andere können uns auf die Bedeutung des Vaters aufmerksam machen. Wer sich über den “Vater” in der Bibel, in der Kirchengeschichte und Theologie, aber auch in der Frömmigkeit und in Privatoffenbarungen informieren will, findet viele Anregungen im Buch von R. Laurentin, „Gott unser Vater“ (siehe Literaturverzeichnis, S. 20ff).

Die Erkenntnisquellen für den Willen Gottes betreffen auch das “Vatersein und Vaterwirken”:

 

A.     Gott spricht durch die Seinsordnung zu uns

Es gibt Vatersein in der Schöpfungsordnung als Grundlage für das Wirken als Vater (schöpferisch wirken als Meister oder Handwerker, Künstler oder Lehrer, Handarbeiter oder Geistesschaffender).

Gemäß der Erlösungsordnung soll der Vater zum Leben mit Gott hinführen (tägliches Beten, Sakramentenempfang, geistliche Lesung und Segnungen).

 

B.     Gott spricht durch die Zeit zu uns

Wir unterscheiden das Positive einer Zeit (“Geist der Zeit”), das wir aufgreifen sollen, und das Negative einer Zeit (“Zeitgeist”), was wir überwinden sollen. Weil es ein Zeitproblem ist, dass viele Menschen seelisch heimatlos sind, soll die Antwort auf den “Zeitgeist” sein: Ein Vater soll beheimaten, soll wandeln, erziehen durch Fühlung halten, soll hinausführen zum Apostolat.

Zeitprobleme sind die Fragen der Krippenplätze für Kleinkinder, falsche Frauenemanzipation gegenüber dem “Eva-Prinzip” (von Eva Herrmann), das die Mutter als Bindungsperson betont, Unsicherheit im Beruf und an der Arbeitstelle, mangelnde Hochschätzung der Mutter einer Familie, die bewusst in den ersten Jahren bei den Kleinkindern zu Haus als feste Bezugsperson mit Vital-Bindung bleibt. Auch die Bindungsschwäche der Menschen (Untreue oder “Seitensprünge”) ist ein Zeitproblem. Die Antwort auf diese Zeitprobleme ist die Pflege des natürlichen und übernatürlichen Bindungsorganismus.

 

C.     Gott spricht zu uns durch seelische Anregungen

Seelenstimmen wollen wir ernst nehmen. Was bewegt uns? Innere Anregungen kommen in mir hoch. Sind sie vom Heiligen Geist, von meinen eigenen Sehnsüchten getragen oder kommen sie von einem starken naturhaften Bedürfnis, mich auszusprechen.
Bei Pater Kentenich galt immer der Grundsatz, seelische Anregungen, geistige und geistliche Entscheidungen sollen mit dem Seelenführer oder Beichtvater besprochen werden, um sich selbst vor Fehleinschätzungen zu bewahren. Das gilt auch für Privatoffenbarungen, die jeweils von der Leitung der Kirche überprüft werden.

Hinführung zum Thema

Jede Familie, auch jede familienhafte Gemeinschaft, hat ihren Ursprung und ihr Ziel in Gott, dem Vater, von dem alles durch Christus ausgeht und zu dem alles zurückkehren soll. “Ich beuge meine Knie zum Vater hin, von dem her jeder Vaterstamm (paternitas) im Himmel und auf Erden den Namen hat...” Eph 3,14 (Übersetzer Fridolin Stier)

Wir dürfen  unter der geistlichen Führung Pater Kentenichs die natürliche Familie als Familie Gottes des Vaters sehen, aber auch die christliche, durch die Sakramente geheiligte Familie als Familie des Vatergottes sehen. Und in der Familie soll der Vater wirken als “Gegenwärtigsetzung” des Vatergottes.

Es genügt nicht zu sagen “Familie ist dort, wo Kinder sind”, sondern wir sehen als Normalfall und Basis der Familie die Einehe von Mann und Frau an mit den Kindern, die Gott ihnen schenkt. Dabei wissen wir um die Not der heutigen Zeit durch unvollständige Familien (Alleinerziehende mit Kindern) und Beziehungswirrwarr in Lebensgemeinschaften mit Kindern verschiedener Herkunft oder dem heutigen Bestreben, sich Ehe und Familie auch dann nennen zu dürfen, wenn zwei Männer oder zwei Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden und diese staatlich den Familien gleichgestellt werden sollen, obwohl Ehe und Familie bei uns durch das Grundgesetz geschützt sind, auch bevorzugt sind. Denn sie sollen Fundament für die menschliche Gesellschaft sein.

Zu den Fragen der Vateraufgabe in heutiger Zeit finden sich viele, auch gute Artikel im Internet. Zu den Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch Telearbeit, schreibt Marcus Schmitz (www.marcus-schmitz.com ) in seinem Buch: Familienfreundliche Maßnahmen im Unternehmen (www.symposion.de/famperso/21560101/htm ).

Zur gläubigen Sicht des Vaters äußern sich Weihbischof Laun von Salzburg und die “Väterkonferenz” (http://ambrosius.patched.de/Vater/mann_aufgaben_familie.htm) in Österreich.

Weihbischof Laun wandte sich gegen die “Gender-Ideologie”, die die Väter als eine Art geschlechtslose Wesen darstellt und das Vatersein als soziales Konstrukt. Gegen den Zeitgeist sei zu sagen, dass Vatersein und Autorität nichts Schlechtes sei und missbraucht werden kann. Zur Bedeutung Mariens für den heutigen Mann sagt Eberhard Wagner: “Gerade in einer Zeit, wo das Bild der Frau schon fast völlig verschwommen ist, wo sich auch viele Frauen ihrem Wesen entfremden wollen, sodass es immer schwerer wahrgenommen werden kann, bedeutet die Hingabe an Maria für den Mann eine Identitätsfindung, die sich am Urbild orientiert. In der Hinwendung zu Maria wird der Mann gesunden, weil er so die Möglichkeit hat, durch sie geformt zu werden, am Urbild geformt zu werden. Ich möchte deshalb anregen, dass sich jeder Mann gerade in dieser Zeit Maria weiht...“

Bei unserem Vater und Gründer Pater Kentenich finden sich für die Aufgabe der Familie die symbolischen Ausdrucksweisen:

Familie ist “Quelle” und “Seele” für Schönstatt, für die Kirche, für die Gesellschaft (Ehepädagogik 1933, siehe Buch von Pater Hug, „Vergangenheit einholen“, 1919-1942, Buch 4, S. 368, 432 u.a.)

Den Ausdruck Familie als “Fundament und Krone” für die Kirche und die menschliche Gesellschaft hat Pater Kentenich beim Vortrag 1967 in Dachau
übernommen (früher war die Rede von Grundlage, Grundstein. Siehe Buch 4 von P. Hug, S. 372f).

Im Sinne der bekannten theologischen Aussage “Die Gnade baut auf der Natur auf” gilt es die Ebenen zu beachten:

1.   Vaterschaft in der Naturordnung.

2.   Vaterschaft in der übernatürlichen Ordnung. Vaterschaft (bzw. Mutterschaft) der Gründer und Gründerinnen religiöser Gemeinschaften ist von Gott geschenkte Gnade.

 

1.    Pater Kentenich - von Gott berufen,

         als Vater zu wirken für Familie

Geistlicher Vater zu sein, gilt zunächst von Gründern religiöser Gemeinschaften in der Kirche, gilt im weiteren Sinn aber auch von Vätern einer Familie, Vätern einer Gruppe.

In der Weihnachtstagung 1967 (2. Vortrag) weist Pater Kentenich auf die letzten Päpste hin: Jede religiöse Gemeinschaft solle ihren Geist überprüfen im Zusammenhang mit der Gründergestalt. Der Geist Don Boscos zum Beispiel, des Gründers der Salesianer, findet sich in den “Mauern von Turin”.

In Schönstatt soll “das überzeitliche Familienhaupt für alle Zeiten festgehalten werden.” Wer sich dafür einsetzt, dient einem Gottesgedanken.
(Weihnachtstagung 1967, Propheta locutus est, Band 19, Seite 51ff, “alte” Ausgabe S. 39). Als Weihnachtsgeschenk 1967 erwartete unser Vater die Integrierung, Kontinuierung und Konsolidierung der Vaterströmung, “eine Grundlage, die nie erschüttert werden darf”. Das sei wichtig für die Entwicklung der folgenden 50 Jahre, vielleicht noch darüber hinaus (d. h. 1967 - 2017, Weihnachtstagung 1967, Propheta locutus est, Band 19, Seite 92).

Was nun von Pater Kentenich als unserem Gründer verknüpft mit seiner Vaterschaft gesagt wird, dürfen wir erweitern auf uns. Wir alle sind als Männer und Väter mit Gründergnaden beschenkt.

Väterliches Wirken zeigt sich oft beim Wirken als Priester, als Lehrer, als Erzieher, aber auch als Gründer einer Gemeinschaft. Überlegen wir, in welchen Punkten wir uns in dem Vaterwirken Pater Kentenichs erkennen können.

 

1.1.   Vaterwirken - seit der Priesterweihe (am 8. Juli 1910 in Limburg)

Durch die Priesterweihe wird jeder, der dazu erwählt ist, Vater in der sakramentalen Ordnung. Hirte, Vater, Lehrer, diese Aussagen gehen auf Christus zurück, der vom Vater gekommen ist, die Apostel berufen hat und mit ihnen und durch sie alle Menschen zum Vater führen will.

Als Pater Kentenich begann, als Priester zu wirken, entfaltete sich sein Vatersein in wachsendem Maße, besonders als Beichtvater und Seelenführer. Sein Priestersein sah er als Teilnahme am Hohenpriestertum Jesu Christi, als guter Hirte wie Christus, als geistliche Vaterschaft mit der Berufung, eine lebenweckende und familienbildende Kraft auszustrahlen. Pater Menningen sagte einmal: Wo Pater Kentenich wirkte, entstand Familie.

”Des Priesters Aufgabe besteht darin, Gott und Mensch in unzertrennliche, in liebesinnige, dauernde Verbindung miteinander zu bringen... den gottesflüchtigen Menschen zu einem gottessüchtigen Menschen zu machen.” Der Priester soll geistlicher Vater sein und in Christus zum Vatergott führen. (Aus den Menschen S. 51 und 107)

Für uns:

Auch für uns als Laien, als Väter einer (Groß-) Familie gilt: durch priesterliche Väterlichkeit und (meine Frau durch priesterliche Mütterlichkeit) sich selbst und die eigene Familie und viele andere zur unzertrennlichen Gemeinschaft mit Gott zu führen.

Viele von uns sind “Spezialisten für Sakramente”, das heißt sind tätig, um zu Taufe, Beichte, Erstkommunion, Firmung und Ehesakrament hinzuführen. Sakramente sind intensivster Ausdruck des Wortes Gottes (so ähnlich sagt Karl Rahner). Wir vertiefen dadurch das geistliche Leben in Familien und Pfarreien in einer Zeit der Abwendung oder des Weglassens der Sakramente und der “Verdunstung des Glaubens” (Kardinal Lehmann).

Wo und wie können wir zu den Sakramenten hinführen?
Drei Aspekte nennt Pater Kentenich:

1. Vorbereitend,

2. Begleitend,

3. Nachbereitend.

 

1.2.   Vaterwirken als Lehrer

1911-1912 gibt Pater Kentenich in Ehrenbreitstein Unterricht in Deutsch und Latein und sagt im Rückblick: Eine charismatische Sendung habe sich gezeigt in doppelter Form: Der neue Mensch in der neuen Gemeinschaft und der geistbeseelte, idealgebundene Mensch. “Ich muss Ihnen gestehen, das ist von Kindheit an meine persönliche Grundhaltung gewesen. So können Sie verstehen, dass ich von dem Augenblicke an, wo ich offiziell Erzieher wurde, nichts anderes konnte, als diese Idee vertreten: weg von allem Formalismus! Was wir formen müssen, ist der idealgebundene Mensch, der sich verschenkt für das universelle Apostolat.” (Pentecostes, S. 4)

Im weiteren sagt Pater Kentenich und charakterisiert damit seine Vaterschaft: Ich wollte Menschen schaffen, die eigenständig sind. Als Lehrer lag mir immer das Ziel vor Augen: ein klares, selbständiges Wissen. Mit Massenmenschen könne er nichts anfangen, nur mit selbständigen Persönlichkeiten.

 

1.3.      Vaterwirken als Spiritual der Marianischen Kongregation und Freiheitserziehung

Als Spiritual spricht Pater Kentenich in der Vorgründungsurkunde (27.10.1912) davon, dass er instinktiv die große Zeitgefahr des kollektivistischen Menschen gewittert habe und den neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft gekündet habe. Das “enthält ein Stück meines eigenen, persönlichen Seelenlebens.” (Pentecostes, S. 9, Kastner, Unter dem Schutze Mariens S. 15ff; Schlickmann. „Die Idee von der wahren Freiheit“, S. 59ff)

Er habe damals, als im Studienheim Revolution gegen die Obern herrschte, mit der Freiheitserziehung begonnen, die ein “ewiges” Programm Schönstatts ist, die auch Gehorsamerziehung einschloss. Im Ausdruck “feste, freie, priesterliche” Charaktere war schon die Väterlichkeit mitgemeint, die die Jungen als künftige Männer, näherhin als künftige Priester anstreben sollten. Dabei war unser Vater vorgelebtes Vorbild für Väterlichkeit.

Im Karmelgefängnis in Koblenz (1941-1942) drückt unser Vater das Ringen um den freien Menschen in den Versen aus: “dass neue Menschen werden, die frei und stark auf Erden in Freuden und Beschwerden wie Christus sich gebärden...” (Himmelwärts S. 164) - Siehe auch das Heimatlied mit der Freiheitsstrophe 4, (Himmelwärts, S. 159), “wo Gottes leise Wünsche binden und freudige Entscheidung finden.”

Für uns:

Wir können die Freiheitspädagogik immer wieder bei unserem Vater lernen: Freiheit und Bindung an Ideale. Die Auseinandersetzung mit dem “Bolschewismus” als Form des Kollektivismus hat Pater Kentenich mit voller Kraft geführt. Es war ein Geisteskampf gegen den Nationalsozialismus und den Kommunismus, aber im Kern ein Kampf gegen jegliches Massenmenschentum.

Islam und Kollektivismus:

Bei der Beurteilung des “Islam” wird es um einen Geisteskampf gegen eine Religion mit viel Kollektivismus gehen, eine “Politreligion” (eine Religion, die mit einem Staatswesen fest verknüpft ist), die “Entpersönlichung” des Einzelnen und totale Unterordnung anstrebt.

Unser Gründer nennt im Jahre 1961 vier Punkte bei der Beurteilung des Islam:

1.   Der Islam wird wach werden und mit Fanatismus handeln (“Inbrunst des Herzens”). Die freie Persönlichkeit wird unterdrückt. Gott lässt das zu, damit wir Christen aufwachen.

2.   Wehe uns, wenn wir Christen wurzellos werden und deshalb keine Werbekraft mehr haben.

3.   Wir (als Schönstätter) wollen unsere Wurzel festhalten: Marienliebe (Liebesbündnis vom 18.Okt. 1914) und Apostolat (Pallottis Konzeption vom Weltapostolatsverband).

4.   Dann schwindet die Angst vor dem Islam, denn die Mutter wird sorgen. Wir lassen uns nicht in zerfasernde Streitigkeiten ein (Texte zur Ostsendung S. 168f und 172). Pater Kentenich weist auf die Gottesmutter als das große Siegeszeichen im Kampf gegen den Islam hin (1571 Lepanto und Rosenkranzgebet, 1683 Sieg am Kahlenberg, Engel des Herrn-Gebet), wie es Bischof Graber einmal darstellte.
(P. K., Texte zur Ostsendung S. 222) Siehe P. Kentenich, Texte zur Ostsendung (über Islam S. 168ff, über Kollektivismus S. 173ff)

Von der “Entpersönlichung” im Islam sprich auch Erzbischof Cordes: “Liebe zu Allah zielt für den Moslem nicht auf Einswerden, sondern auf Entwerden. Islamische Lehrer der Mystik sprechen wohl von der Liebe zu Gott; aber sie meint Entpersönlichung, totale Unterwerfung.” (Cordes S. 140) . Siehe auch im Internet: http://myblog.de/acht-der-schwerter und http://www.politicallyincorrect.de/ )

 

1.4.   Pater Kentenich als geistlicher Vater der jungen Männer, der zur Freiheit erzieht

Im Brasilienterziat schildert unser Vater seine Tätigkeit als Lehrer und Erzieher: Ich habe alle die Schüler als Mitarbeiter aufgefasst, als Baumeister und Architekten. Verstehen Sie die Grundeinstellung? Eine ungemein starke Ehrfurcht vor meiner Gefolgschaft als Mitarbeiter. Ich habe dafür gesorgt, dass die Vorgesetzten die Schüler nicht mehr als Kindsköpfe behandelten, sondern als freie, erwachsene Menschen. Wie oft sie ihre Freiheit nicht richtig gebrauchten, das sei mein Geheimnis. Zunächst wurde der Freiheitsbegriff ethisch gesehen (“Läuterung des Trieblebens”), dann in wachsendem Maße übernatürlich (mit Maria).

Unsere Methode war (sagt Pater Kenetnich):

1. Sich einzufühlen in die Denk- und Lebensweise der Jugendlichen.

2. Das aufgewühlte Triebleben zu benennen.

3. Es zu läutern und zu taufen.

Seit dieser Zeit ist die Freiheitserziehung schlechthin das Programm Schönstatts, auch schlechthin das Problem der heutigen Zeit. Der christliche Begriff von Freiheit ist: “das vollkommene Freisein von allem Widergöttlichen, um vollkommen frei zu sein für Gott und alles Göttliche, das heißt für alle göttlichen Wünsche und göttlichen Werke.” Dann ist Freiheit schlechthin vollkommene Heiligkeit. (Pentecostes S. 8-12, aus dem Brasilienterziat 1952)

 

1.5.   Das menschliche Vaterwirken als “Ausdruck, Mittel und Schutz” des einzigen und einzigartigen Vaterwirkens Gottes

Im Vortrag Pater Kentenichs zur Neugründung der Männersäule am 18. Juli 1966 (Neue Väter – neue Welt 4, S. 18 ff) nennt unser Vater als Ziele Schönstatts:

 -    die klare von Gott erhaltene Sendung, in Schönstatt ein universelles Vaterreich in der heutigen Welt aufzurichten.

 -    Ein Vaterreich vor allem im Reiche unserer vielgestaltigen Schönstattfamilie aufzubauen.

 -    Sorgen, dass der Vatergott überall anerkannt wird und gleichzeitig der natürliche, leibliche Vater in der Familie wieder die Stellung erhält, die ihm nach Gottes Absicht eignet.

Wir haben angefangen mit einer marianische Bewegung und sind geworden eine patrozentrische Bewegung. Die große Sendung der Gottesmutter von unseren Heiligtümern aus ist, ein Vaterreich doppelter Prägung ins Leben zu rufen: Der himmlische Vater soll wieder Herr der Welt werden. Als Vorerlebnis (Ausdruck), Mittel und Sicherung der Vaterherrschaft Gottes des Vaters soll “die gesunde gottgewollte Herrschaft unserer irdischen Väter einerseits in der Familie und andererseits auch im Staate” aufgerichtet werden. Das Vaterideal ist und bleibt das Ideal für die ganze Familie und die kommenden Generationen.

Im Blick auf die Frauensäule sagt Pater Kentenich: Wie stark haben sich die Frauen in der Schönstattbewegung für die rechte Vaterströmung eingesetzt. - Wir können hinzufügen: Je mehr der Mann und Vater wirklich Mann und Vater ist, umso mehr kann die Frau und Mutter wirklich Frau und Mutter sein. (Neue Väter – neue Welt, S. 22ff)

Viele Menschen bezeugen, dass sie durch Pater Kentenich wieder zu Gott als Vater gefunden haben und es lernten, ihren irdischen Vater, auch wenn er versagt hatte, im Glaubenslichte zu ertragen, ihm nachträglich zu verzeihen und selbst mehr väterlich oder mütterlich zu werden. Das “Drama” der Ablehnung des Vaters geht weiter (siehe die Bücher von Bischof Cordes, „Die verlorenen Väter“ und von Helmut Jaschke, „Gott Vater“).

Unsere Jahresparole 2006/2007 “Vaterspuren wollen wir folgen...”  regt uns an, weiterhin die vorgelebte Vaterschaft unseres Gründers als “Heilungsmittel” für Enttäuschungen dem himmlischen und dem irdischen Vater gegenüber zu künden.

Erfahrungen über Pater Kentenich als Vater finden Sie  in der Biographie „Pater Kentenich: Ein Leben für die Kirche“, von P. Monnerjahn und in der Kleinschrift von P. Menningen, „Bekenner von Dachau“.

Frage an uns:
Wie können wir den “Vater” künden?
In unserem Wirkbereich im Blick auf 2014.

 

2. Pater Kentenich als Vater und Gründer im Dienste der “göttlichen Initiative” vom 18. Oktober 1914

 

2.1. Vorgeschichte des 18. Oktober.

Durch den Vorsehungsglauben ließ sich Pater Kentenich im Sommer 1914 führen. Ein Zeitungsartikel (Valle di Pompeji als Wallfahrtsort sei ohne Erscheinungen entstanden), eine biblische Lieblingsstelle (Taborherrlichkeit) und Gottes Wirken durch heilige Orte (eine Marienkapelle in Florenz) führten ihn zur gläubigen Erkenntnis, dass er die Gottesmutter bitten solle, sich im Kapellchen niederzulassen. Dabei spricht unser Vater von einem zweifachen Bündnis, das die Gottesmutter geschlossen habe:

1.   Ein Bündnis mit dem Ort (dem Kapellchen).

2.   Mit den Personen (an erster Stelle Pater Kentenich, dabei die Sodalen).
Pater Kentenich und das Schönstattheiligtum sind für immer verknüpft.


 

Für uns:

Wenn wir als “Gründer” wirken, sollte das (Schönstatt-) Apostolat diese vier Aspekte haben:

1.   Antwort geben auf Zeitprobleme,

2.   ein biblisches Heilsereignis gläubig darstellen,

3.   unser Wirken mit einem heiligen Ort verbinden (Pfarrkirche, Wallfahrtsorte, Schönstattheiligtum, Pilgermadonna, Hausheiligtum),

4.   unser persönliches Glaubenszeugnis einschließen.

 

 

2.2.   Vaterschaft unseres Gründers und die erste Gründungsurkunde vom 18. Oktober 1914

Sie war auf “Familie” hin gesprochen. “Vater, Mutter und Kinder...” freuen sich... An der Spitze der Sodalenfamilie steht die Mutter Gottes. Man kann das zukünftige Kirchenbild unseres Vaters und Gründers darin erkennen: Kirche soll Familie Gottes sein. Als Gründer lässt er sich vom Heiligen Geist führen, sodass etwas Neues, jedenfalls ein starker Gnadenimpuls in die Kirche hineinfließen soll.

Überlegung für unsere Teilnahme am Gründercharisma:

Soll nicht im Jahre 2014 durch uns Schönstatt neu gegründet werden und zwar als Familie für Familien, für die Kirche als Familie?

Anders die Pallottiner am Wallfahrtsort Schönstatt: Sie wollen (nur) die allgemeine Marienverehrung der Kirche an dieser Marienkapelle pflegen, besonders als Königin der Apostel. - Eine pastorale Kommission von Schönstättern und Pallottinern wurde schon gebildet und beginnt Fragen der Botschaft des Gnadenortes zu besprechen. Sinngemäß sagte der Ortsbischof Reinhard Marx von Trier: Der Gnadenort Schönstatt ist für Deutschland noch nicht zum Zug gekommen.

 

2.3.   Der Gründungsakt als ein Eingreifen Gottes durch den Gründer mit schöpferischer Resultante

Die Aussagen von Papst Johannes Paul II. am 20. September 1985 sind klare und wertvolle Aussagen über die theologische Stellung eines Gründers in der Kirche und über die Bedeutung der Teilnahme am Charisma eines Gründers. (Der Text findet sich in den Ansprachen von 1985, S. 89 ff.)

Es heißt in dieser Ansprache: Gott hat euch in der Person Pater Kentenichs ein Geschenk gemacht. Ihr wollt in der Erinnerung an seine Person und seine Botschaft euren Geist erneuern, um mehr eine geistliche Familie zu werden. Im Gebet zum Gedenkjahr habt ihr die “Gnade der schöpferischen Treue zum prophetischen Auftrag” eures Gründers erfleht.

“Die jahrhundertelange Erfahrung der Kirche lehrt uns, dass die innige geistige Verbundenheit mit der Person des Gründers und die Treue zu seiner Sendung - eine Treue, die je neu auf die Zeichen der Zeit achtet - Quelle kraftvollen Lebens für die eigene Gründung und für das ganze Gottesvolk sind. Deshalb rufe ich euch die Worte, die mein Vorgänger Paul VI. an die Gemeinschaften gottgewollten Lebens gerichtet hat, in Erinnerung: Bewahrt in Treue “den Geist der Gründer und Gründerinnen, ihre am Evangelium ausgerichteten Zielsetzungen und das Beispiel ihrer Heiligkeit ... Genau daraus erwächst jeder Ordensgemeinschaft ihre je eigene Dynamik. “ (Paul VI., Evangelica testificatio Nr. 11-12)

Ihr seid berufen, an der Gnade, die euer Gründer erhalten hat, teilzuhaben und sie der ganzen Kirche anzubieten. Denn das Charisma der Gründer erweist sich als geistgewirkte Erfahrung, die den eigenen Schülern überliefert wurde, damit sie danach leben, sie hüten, vertiefen und ständig weiterentwickeln, und zwar in der Gemeinschaft und zum Wohl der Kirche, die ja selbst aus der immer neuen Treue zu ihrem göttlichen Gründer lebt und wächst.” (Nr. 2)

Als geistgewirkte Erfahrung nennt Papst Johannes Paul II.:

 -    das Liebesbündnis, das der Gründer mit der Gottesmutter im Heiligtum von Schönstatt am 18. Oktober 1914 geschlossen hat. - Es führt zur “Fülle des christlichen Lebens”.

 -    Die originelle Marienfrömmigkeit Schönstatts, die eine tiefe und tragfähige Liebe zur Kirche wachsen lässt. Dafür legte euer Gründer Zeugnis ab. - Wir wissen, dass das Originelle bei uns die Gebundenheit an den Ort und die pädagogische Ausrichtung ist.

Fragen für uns:

Wie sieht Teilnahme am Gründercharisma aus? Welche Formen haben wir schon? In Gebeten? Im Liebesbündnis mit unserem Vater, im Leben aus der Sendung des Marienberges als Berg der Männer und Väter.

 

2.4.   Weitere Aussagen weisen auf die Bedeutung des Wirkens des Vaters und Gründers als Lebensträger hin

Die Predigt von Kardinal Ratzinger am 18. September 1985 in Santa Maria Maggiore betont die Bedeutung des Liebesbündnisses.

Josef Kentenich hat den Grundentscheid seines Leben gefällt, als er am 18. Oktober 1914 dieses Bündnis mit der Mutter des Herrn schloss. Daraus ist Familie Christi gewachsen, ein Netz der Liebe und des Guten. Am Anfang des ersten Weltkrieges standen Allianzen, Bünde der Zerstörung. Das Bündnis, das Joseph Kentenich schloss, verborgen, scheinbar völlig bedeutungslos... aus diesem Bündnis ist etwas Lebendiges erwachsen, das Sich-verbinden in der Gemeinschaft der Liebe. Dieses hat sich als das beständigere erwiesen. Aus ihr ist Familie Jesu Christi gewachsen, Familie über den ganzen Erdkreis, ein Netz der Liebe. Das Bündnis mit Maria in Schönstatt ist das Persönlich-Werden des großen Bundesgeschehens der Heilsgeschichte. (Ansprachen 1985, S. 68ff)

 

3.     Pater Kentenich in seiner Vaterschaft für viele

In den Ansprachen von Bischöfen und Kardinälen zum 100. Geburtstag von Pater Kentenich finden sich bedeutende theologische Aussagen über die Vaterschaft Pater Kentenichs als Geschenk an die Kirche und für die vielen, die sich an ihn wenden oder mit ihm in Berührung kommen.

 

3.1.   Pater Kentenich - ein Charisma, ein Geschenk Gottes an die Kirche

Kardinal Meisner sagte am 16. Mai 1985 in Berlin-Frohnau:

“Pater Kentenich steht in der direkten Nachfolge zu Johannes (der Maria in sein Haus aufnahm), dem Liebesjünger. Er nahm im 20. Jahrhundert Maria ebenfalls in das Haus seines Daseins auf; darum wurde er zu einer Vaterfigur von exemplarischer Bedeutung für die ganze Kirche. Joseph Kentenich ist nicht nur ein Geschenk an die Schönstattfamilie im engeren Sinn. Er ist ein Charisma, eine Gnadengabe Gottes für die Kirche. Gott schenkt seine Gaben immer personal in großen Menschen, in Heiligen.” (Ansprachen 1985, S. 113)

 

3.2.   Vaterschaft als Gründer, als Heiliger, als Erzieher, als “Kirchenlehrer”, als Fürbitter für alle, die ihn anrufen

Wir haben schon viel von der Erziehertätigkeit unseres Gründers in Schönstatt gehört, angefangen von seiner Aufgabe als Deutsch- und Lateinlehrer und ab 1912 als Spiritual im Studienheim der Pallottiner in Schönstatt und ab dem 18. Oktober 1914 unterstützt durch den Gnadenquell vom Heiligtum aus.

Herausragend ist sein Schüler Josef Engling. Er hat gleichsam jedes Wort Kentenichs in sich aufgenommen und im Leben verwirklicht. Stark geprägt hat ihn wohl auch das Persönliche Ideal seines geistliches Vaters (unabhängig, ob er die Formulierung kannte oder nicht): Allen alles werden, der Gottesmutter ganz eigen.

1917 - mit 32 Jahren - schrieb Pater Kentenich in sein Tagebuch:

“Volo omnibus omia fieri... Ich will allen alles werden, um als Werkzeug der seligen Jungfrau Maria, der erhabensten Königin und meiner geliebtesten Mutter alle Seelen, besonders der Jugendlichen, für Christus zu gewinnen. Das ist das Lebensziel, das die Gnade mir gesteckt.” (Monnerjahn, Pater Kentenich: „Ein Leben für die Kirche“, S. 91 und 272 ff)

Später, in Milwaukee 1958, vergleicht er sich mit Paulus, der allen alles geworden und der Welt das Geheimnis Christi kündete. Er sehe seine Sendung darin, der Welt die Gottesmutter zu künden, sie unserer Zeit zu entschleiern mit der spezifischen Sendung, die sie von ihrem Schönstattheiligtum für die heutige Zeit habe.

In den 6 1/2 Jahren, in denen er Pfarrer für die deutschsprachige Gemeinde in Milwaukee war, hatte er in seinen Predigten immer wieder das Thema: Gott ist Vater und hat einen  Liebesplan von den Menschen. Durch das Liebesbündnis mit Maria wird dieser Plan besser erkannt und tiefer gelebt.

In der Pfarrarbeit betonte er:

1. Die Sonntagsmesse mit biblisch-thematischer Predigt.
2. Die Beichtgelegenheit (feste Zeiten).
3. Den Kirchenchor als Treffpunkt.
4. Pfarrfeste.
5. Gemeinsame Wallfahrten zu einem Gnadenort.

Die Menschen, die ihn als Priester erlebten, bezeugten: “Er war mehr als ein Vater für mich. Er wurde mein Beichtvater, und ich konnte ihm vieles sagen, was ich meinem eigenen Vater nicht erzählt hätte.” Jemand anders sagt: “Er sprach zu uns über den himmlischen Vater, wie wir es nie zuvor gehört hatten.” (Monnerjahn, Biographie S. 272)

 

3.3.   Vaterschaft für eine neue Welt mit letzten Prinzipien

Pater Kentenich hatte eine philosophisch-theologische Art, alles auf letzte Prinzipien des Denkens und Glaubens zurückzuführen. So sprach er gern von Prinzipien oder Grundgesetzen, z. B. dem Weltgrundgesetz der Liebe und dem Vaterprinzip.

Als Gründer religiöser Gemeinschaften liest er aus der Schöpfungsordnung Gottes Grundanliegen Gottes heraus, um in heutiger Zeit totaler Auslösung natürlicher und übernatürlicher Bindungen die Grundgesetze für neue Gemeinschaft in neuer Zeit philosophisch und theologisch zu erfassen und wirksam werden zu lassen. Ausgangspunkt ist immer wieder die natürliche Familie mit Vater, Mutter und Kindern, um in den von ihm gegründeten Gemeinschaften Familie zu bauen, in denen väterliche und mütterliche Personen gemäß ihrer Aufgabe und Autorität dem Leben der Einzelnen und der Gemeinschaft dienen können. In diesem Sinne sind “Vaterprinzip”, “Elternprinzip”, “Familienprinzip” nicht total neu, sondern dem Plan Gottes für eine neue Gesellschaftsordnung abgelauscht. Das wurde aber in seinen natürlich-übernatürlichen Dimensionen nicht immer von den Vertretern der Kirche verstanden und einige Zeit auch angefeindet.

Die Aussagen Pater Kentenichs zu diesem Thema sind zahlreich, aber noch nicht allgemein zugänglich. Ich bringe unter dem Gesichtspunkt “Vaterschaft Pater Kentenichs” einige Aspekte aus seinen Schriften (besonders aus dem Buch: Pater Kentenich, Briefe 1953 bis 1956, herausgegeben mit dem Titel “Väterlichkeit”).

 -    Dem Vater als Haupt der Familie eignet eine doppelte Bedeutung, die eine ragt in die Naturordnung, die andere in die Gnadenordnung hinein.

 -    In der natürlichen Ordnung hat der Vater die Aufgabe Einheit zu stiften.

 -    Übertragen auf Schönstatt, das so “verzweigt ist, so stark von vitalen Lebenskräften durchpulst ist, so geöffnet ist für alle Probleme des Lebens”, ist eine ruhige Festigkeit und konsequente Stetigkeit einer überragenden Persönlichkeit notwendig.

-        Dem Haupte in Schönstatt eignet auch gleichzeitig eine ausgesprochene übernatürliche Sendung. Es (das Haupt) garantiert den göttlichen Gnadeneinbruch für das ganze Werk und verstärkt die Überzeugung vom göttlichen Gnadeneinbruch, der sich aus der Geschichte des Heiligtums ergibt.

-         Die ungeheuerliche Größe des Schönstattwerkes verlange eine doppelte Bestätigung in Haupt und Heiligtum.

(P. K. Väterlichkeit S. 58, siehe auch Artikel “Vaterprinzip” im Schönstattlexikon, S. 405)

Es gehe um eine doppelte Vaterströmung in Schönstatt: um den jenseitigen, aber auch um den diesseitigen Vater. Vatererlebnisse auf der natürlichen Ebene sind äußerst wichtig, sind “Ausdruck, Mittel und Schutz” für das Erleben des jenseitigen Vaters.

 -    Für diese Erfahrungen haben wir einen “Sammelnamen” gesucht und gefunden: Victoria-Patris-Geist - Sieg des Vaters.

(Siehe Pater Kentenich, Oktoberwoche 1967, S. 42ff, darin auch die Darlegungen über die Josef-Engling-Strömung als Hilfe für die Vaterströmung und der Vortrag von Pater Menningen über Josef Engling. S 141ff)

 

4.      Vaterwirken unseres Gründers besonders im Mariengarten

4.1.   Mariengarten, Christusgliedschaft und Vaterschaft unseres Gründers

In unserem Zusammenhang geht es um “Vaterwirken” als Quelle oder Impuls für lebendiges inneres Leben in unserer Schönstattwelt. Dazu einige Linien (Brasilienterziat Band 3, S. 128ff):

Beim Mariengarten und dem 20. Januar 1942 geht es um einen außergewöhnlichen Einbruch und Aufbruch des göttlichen Lichtes, der göttlichen Zuversicht und der göttlichen Kraft. Göttliches Licht, Zuversicht, Kraft sind aber immer vermischt mit menschlicher Finsternis, Hilflosigkeit, Schwachheit.

Seit dem 20. und 22. Januar erfüllte mich, so sagt unser Vater, „immer mehr göttliche Sicherheit.“

Es geht um eine gegenseitige Inscriptio. “So tief war damals das Verantwortungsbewusstsein, die Schicksalsverwobenheit untereinander befestigt, dass ich mir sagte: Das Heil der Familie hängt von mir ab; aber auch: Mein Heil hängt von der Familie ab. Da haben Sie das Idealbild der neuen Gemeinschaft: ein ungemein tiefes gegenseitiges Verantwortungsgefühl.” (Brasilienterziat 3, 129)

 

4.2.   Dimensionen des Liebesbündnisses

Wir halten uns vor Augen, dass Mariengarten und 20. Januar umfassen:

1.   Ein Liebesbündnis zwischen uns und der Gottesmutter und dem Dreifaltigen Gott.

2.   Ein Liebesbündnis zwischen Haupt und Gliedern oder zwischen Vater und den Kindern.

3.   Ein Liebesbündnis zwischen den Kindern untereinander

4.   Ein Liebesbündnis zwischen der Bewegung und Vinzenz Pallotti.

Das Liebesbündnis zwischen Haupt und Gliedern hat sich ausgewirkt -  in den Kreisen der Priester und Männer - als Gefolgschaftsakt.

Frage an uns:
Welche Dimensionen des Liebesbündnisses sollte ich mir noch erarbeiten?

 

4.3.   Väterliche und mütterliche Autorität (Vaterwirken und Mutterwirken)

Im Blick auf die Entwicklung im KZ Dachau weist Pater Kentenich auf die Weiterleitung zum Liebesbündnis mit dem Vater, Christus und dem Heiligen Geist hin, und im Hinblick auf das Liebesbündnis untereinander auf die Bedeutung des Liebesbündnisses mit dem “Vater” (er meint sich selbst und alle, die eine Vateraufgabe haben) und spricht über das Zueinander von väterlicher und mütterlicher Autorität (Primäre, letzte Autorität des Vaters und sekundäre, anlehnende Autorität der Mutter. - Brasilienterziat 3, 158f).

Dann die “kraftvollen” Aussagen:

“Die heutige Zeit ist deswegen so durcheinander, weil sie den Vaterbegriff nicht mehr richtig kennt. Praktisch müssen wir sagen, wenn wir die gesamte heutige Kultur auf uns wirken lassen: Wir leben in einer vaterlosen Zeit ... deswegen in einer gottlosen Zeit. - Weil der Vater in der Familie nicht mehr die letzte, wirkliche Autorität ist, deswegen sind auch alle Nachbildungen autoritätslos geworden.” Gemeint sind die Nachbildungen in Gemeinden, im Staat.

Frage an uns:

Ob wir solche Aussagen noch akzeptieren können im Zeitalter der Gleichberechtigung von Mann und Frau, nach den Zeiten schrecklicher Diktaturen von Männern, die ihre Macht missbrauchten (Hitler, Stalin, Mao u.a.).

 

4.4.   Die Gottesmutter wirkt als Mutter und Mittlerin der Gnaden, um uns zum Vaterwirken zu erziehen.

Die Mutter hat in der natürlichen Familie das Kind zum Vater zu führen. Die Gottesmutter hat in  unserer Schönstattfamilie zum Vater geführt, wie die Mutter es in der natürlichen Familie tut.

Es gibt Theologen, die theoretisch das Vaterbild Gottes glänzend schildern können, aber “niemals ein natürlich unterbewusst gebundenes irdisches Vatererlebnis gehabt haben, für ihr Herz kein Vatererlebnis dem Himmelsvater gegenüber haben”.(Brasilienterziat 3, 161) Alles, was wir tun, um der Welt echte Väter zu schenken, tun wir, um der Gottesmutter die Arbeit zu erleichtern, die Welt zum Liebesbündnis mit dem Vatergott zu führen.

Weil die Gottesmutter einzigartiges Kind des Vaters ist, in besonderer Nähe zu Christus, dem Sohn des Vaters, ist sie auch einzigartig tätig, um in Christus zum Vater zu führen, aber auch das Vaterreich aufzubauen.

Ganz zurückhaltend deutet dann Pater Kentenich an, dass er eine gottgewollte Vaterschaft zu erfüllen hat in der Verbundenheit mit der Gottesmutter:

Die Gottesmutter hat ihre Aufgabe in unserer Schönstattfamilie in einzigartiger Weise gelöst. “Sie hat die ganze Familie zum Vater geführt. Sie hat es in der Hauptsache dadurch getan, dass sie auch der Familie ein irdisches Abbild des Himmelsvaters geschenkt hat.” (Brasilienterziat 3, 256). Damit bringt Pater Kentenich zum Ausdruck, dass er eine gottgegebene Vaterschaft für Schönstatt zu erfüllen hat.

 

4.5.   Weitere Dimensionen der Vaterschaft unseres Gründers

Sie zeigen sich auf Berg Sion (Patresberg), dem Marienberg (Männerberg), Berg Moriah (Priesterberg) und dem Berg Athos (es soll um jedes Heiligtum eine Athosatmosphäre entstehen). (Siehe Weihnachtstagung 1967, Propheta locutus est, Band 19, Seite 159 und 187, Kentenich, „Texte zur Ostsendung“, S. 109ff)

Aufbrüche, die Pater Kentenich auf Erden nicht (mehr) tätigte, die sich aber auf ihn berufen, sind Gemeinschaften, die sich auf ihn berufen, das Heiligtum in ihre Mitte nehmen und das Liebesbündnis schließen.

Nach dem Tod des heiligen Franz von Assisi sind noch eine ganze Reihe franziskanischer Gemeinschaften entstanden wie die Kapuziner und andere.

Wer beurteilt diese? Das Generalpräsidium wird gemäß den drei Kontaktstellen Entscheidungen fällen müssen, um die Zusammenarbeit in den Gliederungen und an den Zentralen zu ordnen.

 

5.      Zusammenfassung

Wir wollen dankbar sein für das Charisma, den gottgeschenkten Reichtum der Vaterschaft unseres Gründers, Pater Kentenich, und wir dürfen daran teilhaben. Letzten Endes ist es ein Teilnehmen am Charisma Gottes des Vaters, das er uns durch und in Christus in Pater Kentenich vermittelt hat.

(Aus der Abschlußpredigt: Die neue Jahresparole gibt uns den Impuls, Vater zu sein und als Vater zu wirken. Wir dürfen sie als einen dreifachen Anruf sehen, als einen Anruf des Vatergottes, als einen Anruf der Muttergottes und einen Anruf Pater Kentenichs: “Sei Vater für Familie und Welt!”)

 

 

Literatur

zum Thema Vatersein und Vatersinn und das Wirken als Vater in Familie und Gesellschaft:

1. Schönstatt-Literatur:

Ansprachen 1985

Ein Charisma für die Kirche. Ansprachen zum 100. Geburtstag Pater Kentenichs, Patris Verlag 1986, 166 Seiten

P. Joseph Kentenich, Aus den Menschen für die Menschen, Predigten über das Priestertum, Patris Verlag 1970, 116 Seiten

BT

Pater Joseph Kentenich, Brasilienterziat in Santa Maria, Brasilien 1952, 3 Bände, Schönstatt 1975

Hug, Vergangenheit einholen, Buch 4

Hug Heinrich M.,  Vergangenheit einholen, 1919-1942, Männer- und Familienbewegung, Beiträge zur Geschichte Schönstatts Buch 4, 2006, 434 Seiten

Kastner, Unter dem Schutze Mariens

Kastner Ferdinand S.A.C., Unter dem Schutze Mariens, 4. Auflage 1952, Limburg, 1952, 280 Seiten

King, Durchblick

King Herbert, Joseph Kentenich - Ein Durchblick in Texten, Band 6, Heiligkeit im Alltag und ehelicher und eheloser Weg zur Heiligkeit, Patris Verlag Vallendar, 2006, 524 Seiten

Kindsein

Kentenich Joseph Pater, Kindsein vor Gott, Patris Verlag Vallendar 1979, 534 Seiten

Neue Väter

Pater Joseph Kentenich, Neue Väter neue Welt, Ansprache vom 18. Juni 1966, kommentiert von Pater Puthen, Patris Verlag 1976, 100 Seiten

Am Montagabend 20

Pater Josef Kentenich, Am Montagabend. Mit Familien im Gespräch, Band 20, Eheliche Liebe als Weg zur Heiligkeit, Schönstatt Verlag, 1994, 267 Seiten

Oktoberwoche 1967

Pater Kentenich, Schönstatts Zukunftsvision, Vorträge der Oktoberwoche 1967, Propheta locutus est, Band 18, 2. Auflage 2004, 344 Seiten

Pater Kentenich, Texte zur Ostsendung

Kentenich Pater Joseph, Texte zur Ostsendung, hrgb von P. Grill, Patris Verlag 1991, 283 Seiten

Pentecostes

Kentenich (u.V.) - Textsammlung PENTECOSTES PATRIS, vom Treuekreis der Patres zum 50. Priesterweihetag Pater Kentenichs am 8. Juli 1960 herausgegeben (P. Klein), 1960, 210 Seiten

Schlickmann, Freiheit

Schlickmann Dorothea M., Die Idee der wahren Freiheit, Eine Studie zur Pädagogik Pater Josef Kentenichs, Schönstatt Verlag 2. Auflage 2001, 481 Seiten

Schlosser, Der neue Mensch

Schlosser Herta, Der neue Mensch - Die neue Gesellschaftsordnung, mit Originaltexten von Pater Josef Kentenich im zweiten Teil, Schönstatt-Verlag, 1971, 447 Seiten

Väterlichkeit

Pater Joseph Kentenich, Väterlichkeit, Briefe an Pater Menningen u. a., 1953 bis 1956, 332 Seiten

2. Allgemeine Literatur:

Cordes Paul Josef (Erzbischof), Die verlorenen Väter. Ein Notruf, Herder 2002, 175 Seiten

Jaschke Helmut, Gott Vater?. Wiederentdeckung eines zerstörten Symbols, Grünewald Mainz 1997, 199 Seiten

Laurentin, Gott unser Vater

Laurentin René, Jenseits der “vaterlosen Gesellschaft”. GOTT UNSER VATER. Parvis-Verlag, CH-1648 Hauteville/Schweiz, 1999, 517 Seiten

Müller Jörg SAC, Gott ist anders. Das Leiden an den falschen Gottesvorstellungen, Wege zur Heilung. Betulius Verlag Stuttgart 1993

Nouwen

Nouwen Henri J. M., Du bist der geliebte Mensch, Religiöses Leben in einer säkularen Welt, Herder Freiburg, 3. Auflage 1993, 128 Seiten

3. Im Internet über Männer und Väter:

www.schoenstatt.net , http://maennerliga.schoenstatt.net/

www.elternbriefe.de/elternbriefe/08/artikel_04.html

www.ambrosius.patched.de/Vater/mann_aufgaben_familie.htm                           

www.bruedergemeinde.de/magazin/thema0002e.asp

www.ev-kirche-bickenbach.de/credo2.html

Im Internet Kentenich-Bücher suchen: 1. Google eingeben, danach Suchwort: ZVAB, danach Suchwort: Kentenich. http://www.zvab.com/

Manuskript von Pater Grill für die Schönstatt-Männerliga, zur Führungstagung im April 2007.

P. Chrysostomus Grill, Berg Sion 6, 56179 Vallendar, Telefon 0261-96322-56 (Fax privat: 0261-96322-57) E-Mail: drgrill@gmx.de