1. Männerforum im Haus Tabor am 14. Juli 2007

Wie kam es zu dem Männerforum, was ist sein Anliegen?

Mit dem Bau des Taborheiligtums und dem neuen Haus Tabor ist für uns auf dem Marienberg in Schönstatt die Situation gekommen, die wir über Jahrzehnte erwartet und erbetet haben. Das Bauen – und auch der Weg zum Bauen - waren aber nur die Voraussetzungen für die Dimension des religiösen, die sich hier weiter und tiefer entwickeln soll. Es ist die Sendung des Taborheiligtums und das, was das Taborheiligtum im Liebesbündnis für uns Männer bewirken soll.

Ein Angebot für Männer

Wie können wir Werte, die uns wichtig sind, so vermitteln, dass sie eine Antwort sind auf den religiös suchenden Mann und auf die Sehnsucht eines Mannes von heute? Es müsste das zur Sprache kommen, womit Männer von heute jeden Tag konfrontiert werden:

Wie sieht unser Profil aus? Männliches Profil, in der Spannung von Mann und Frau, Mann und Beruf, Mann und Familie, Mann und Glaube, Mann und Welt.

– Das religiöse Leben mit der Arbeit verbinden.

– Die Suche nach Werten, da die Arbeit nicht alles ist.

– Die Gestaltung unserer Gesellschaft durch geformte Männer.

Das waren Themen, die uns im Vorfeld beschäftigten. Es gibt Neuansätze, wie die Madrugadores in Chile oder die Samstagstreffen in Paderborn-Benhausen. Warum nicht etwas Neues wagen?

… und einladen zum 1. Männerforum ins Haus Tabor?

 

Männer zwischen Absicherung und Aufbruch

In fünf Bildern zeigte Pater Schmiedl, wie der moderne Mann sich selbst wahrnimmt: Als jugendlich-sportlicher Erfolgstyp oder als Loser, als zärtlicher Familienvater oder als Patriarch oder gar als Mystiker und Prophet.

An dem Lebensbild des Propheten Elija zeigte Pater Schmiedl, wie ein Mann, der vor fast 3000 Jahren lebte, um das rechte Mannesbild und damit auch um das Gottesbild kämpfte, bis er schließlich auf dem Berg Horeb Gott im Säuseln des Windes wahrnahm.

Elija ging es darum, die Reinheit des Glaubens zu bewahren. Unser Glaube wird auch immer neu gefordert, das heißt, das Leben aus dem Glauben ist nie gesichert, sondern wir müssen uns immer neu bemühen: „Du sollst den Herrn, Deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und allen deinen Kräften.“ Propheten sind Eiferer – Träger einer göttlichen Botschaft, Mystiker – die eine Erfahrung gemacht haben.

Und was sind unsere Erfahrungen? Was geht an Botschaft weiter? Was ist, was ich an die nächste Generation weitervermitteln will? Es geht darum, Vatersein als Aufgabe zu sehen. Die Zeugung ist von kurzer Dauer. Vatersein ist eine Aufgabe, die über das eigene Leben und die eigenen Interessen hinausgeht.

Zwei wichtige Erkenntnisse aus den Arbeitskreisen sind, dass wir nicht nur ein einziges Mannesbild darstellen, sondern alle mehr oder weniger Anteile haben an den verschiedenen Mannesbildern, und es ist oft unterschiedlich, wie ich mich selbst sehe und wie mich die anderen (meine Frau) sehen (sieht).

In Gesprächsrunden unterhielten wir uns  nach meinem Empfinden erstaunlich schnell  über persönliche Angelegenheiten. Es war sehr wertvoll, dass viele ihre Lebenserfahrung einbringen konnten und so kam sehr schnell ein Zugehörigkeitsgefühl zustande ohne lange formelle Kennenlernrunden.

Es gibt viele Situationen, die Stress verursachen können, aber wenn ich mich fordern lasse z. B. von den Kindern, wenn ich von der Arbeit komme oder von überraschenden Besuchern, wenn ich gerade etwas machen will, dann kann das der Weg sein, der genau für mich bestimmt ist, nämlich mich zu dem Zeitpunkt von der Arbeit zu lösen um sie nachher besser und sogar schneller zu erledigen.

Es wurde auch mit Mario Hiriart und einem Text von Pater Kentenich gearbeitet, denn gerade in den Fragen nach beruflicher Zukunft gibt uns Mario Hiriart Kriterien zur Entscheidungshilfe.

Mario hat an der Universität die enormen Möglichkeiten für soziale und apostolische Projekte wahrgenommen anstatt die professionellen und ökonomischen Vorteile bei der Corfo zu genießen

„Zusammengefasst besteht kein Zweifel, dass diese Arbeit in der U. C. [Universida Católica] viel besser dem Wesen der Tätigkeit eines Marienbruders entspricht. Was die äußeren Ereignisse betrifft, zeigen sie auch dieselbe Linie an. Es ist notwendig, für Schönstatt das verlorene Ansehen wieder zu gewinnen vor der katholischen öffentlichen Meinung und der chilenischen Hierarchie. … Schließlich spricht dafür auch die Stimme der inneren Impulse … Für mich gibt es jedes Mal weniger Zweifel, dass in der Erziehung der Seelen und nicht in erster Linie in der Ausübung des Ingenieurwesens meine Berufung liegt; wenn ich auch nicht gerne ganz auf den Ingenieurberuf verzichten möchte, vor allem in bestimmten Aspekten.“ Mario Hiriart, 27.02.1960

Es gibt keine absolute Sicherheit, Entscheidungen zu treffen, aber Gott bereitet uns heute durch seine Anforderungen Schritt für Schritt für morgen vor. Mario lernte dadurch frei verfügbar zu sein und von daher auch offen und fähig, eine Entscheidung auf einer solchen Höhenlage zu treffen.

Ideale müssen nicht Utopien sein. „Der Professor sollte mehr sein als nur ein Lehrer, der sich darauf beschränkt, seinen Stoff zu behandeln ... er sollte ein Freund und Berater seiner Schüler sein ... sich für sie persönlich interessieren ... ihnen den Weg weisen.“ So schrieb Mario 1949 und später ist er selbst für hunderte von Studenten tatsächlich dieser Professor geworden, bei denen er bis heute erfahrbare Spuren - etwas bleibendes - hinterlässt.

Es lohnt sich, sich mit der Sendung des Mannes auseinander zu setzen. Es ist das Vatersein, das auch Pater Kentenich uns gekündet und lebendig vorgelebt hat, ein Vatersein, das sich auch entwickelt und verändert hat.

Es ist noch verfrüht, bereits über Termine und Orte zu reden, aber es ist uns klar, wir wollen weiter machen – die Rückmeldungen waren gut:

„Die Gespräche waren spannend und keineswegs langweilig, denn es herrschte eine Gesprächsatmosphäre des gegenseitigen Wohlwollens, in der man aufeinander hörte und nicht in langen Diskussionen um Standpunkte zu kämpfen hatte.“

„Mit den Männergestalten des AT und NT kann man sehr gut arbeiten, sie geben was her, sodass man dort noch sehr gut weitermachen kann.“

„Beim Abschluss im Taborheiligtum -  21 Männer, 5 Marienbrüder, 2 Priester, die meisten zwischen 30 und 50 Jahre -  feiern die Eucharistie. Es ist für mich selten, dass keiner früher weggefahren ist. Es war spürbar, wir haben zueinander gefunden und etwas von der Sehnsucht ist erfasst worden.“

Markus M. Amrein