Die Eheleute Schimmel und andere
treffen sich mit Pater Kentenich
Bei
den nächsten Begegnungen des Ehepaares Schimmel mit Pater Kentenich ließ er sich
erzählen von den Sorgen und Freuden der Eheleute, von den Begebenheiten und
Diskussionen an der Arbeitsstätte und von den geistigen, wirtschaftlichen und
politischen Entwicklungen in den USA. Auch die apostolischen Einsätze Gilberts
kamen zur Sprache. All dies versuchte Pater Kentenich immer wieder mit Gott in
Verbindung zu bringen, der hinter allen Menschen und Ereignissen zu sehen sei.
Alles, was man tut, soll geschehen aus Liebe zu Gott. Diesen Hintergrund aller
Geschehnisse und Einsätze zu bedenken, sei notwendig und tue gut.
Es war dem Priester offensichtlich wichtig darzustellen, dass Gott ein persönliches Du ist, mit dem die Menschen reden und rechnen können. Von Ewigkeit her hat Gott von jedem Menschen einen Plan, der aus seiner unendlichen Liebe hervorwächst, der jeden Augenblick des Lebens in Liebe einhüllt und der nur darauf aus ist, jeden in eine ewige Liebesgemeinschaft mit ihm hinein zu führen. Dankbar dachte Gilbert an all die Geschenke seines Lebens, die deutliche Hinweise waren für die Richtigkeit der gehörten Worte. Dankbar war er für seine Fähigkeiten, für seine berufliche Laufbahn, auch wenn sie Kämpfe eingeschlossen hatte! Wie konnte er dankbar sein für seine gute Frau und seine gesunden Kinder! Dankbar war er dafür, dass er vielen Menschen in ihren Nöten helfen konnte. Es ist wahr: Gott hatte sich ihm zugeneigt durch viele Menschen und Ereignisse, durch Veranlagungen und Fügungen, und er hatte sich von Gott anrufen lassen.
Pater Kentenich sagte: „Wir sollen Gott in allem sehen, was in unserem täglichen Leben geschieht, in unserer Freude und in unseren Sorgen. Gott verdient es, dass wir Menschen zu ihm großes Vertrauen haben und uns ihm überlassen, selbst dann, wenn wir sein Handeln nicht mehr verstehen," Offensichtlich hatte Pater Kentenich viel Erfahrung damit gemacht, dass die schönsten Ideen im praktischen Alltagsleben oft schnell vergessen werden. So hörte ihn das Ehepaar sagen: „Natürlich, das ist schnell gesagt: Wir bringen alles in Verbindung mit dem lieben Gott. Dabei vergessen wir aber, wie das alltägliche Leben, die alltägliche Not, das alltägliche Leid uns immer wieder stark in die Welt hineinzieht und wir in Gefahr sind, den lieben Gott zu vergessen.
Überlegen wir einmal: Wann werden wir denn spontan angeregt, mit dem lieben Gott wieder Fühlung aufzunehmen? Vermutlich ist das am meisten und am nachdrücklichsten der Fall, wenn wir besonderes Kreuz und Leid auszuhalten haben. Es ist sehr dankenswert, wenn das der Fall ist. Es ist ein Zeichen, dass die Seele den Zug zum lieben Gott bewahrt hat. Normalerweise sollten wir während des Tages öfter den Blick auf den lieben Gott heften, auch wenn es nicht Kreuz und Leid ist, das uns zu ihm hindrängt. Wir sollten während des Tages bestimmte Zeiten haben, wo wir bewusst und absichtlich uns wieder und wieder mit dem lieben Gott beschäftigen."
Dann sprach Pater Kentenich von der geistlichen Lesung, die dabei behilflich sein könne und von der Betrachtung, die immer neu den Gott des eigenen Lebens ins Bewusstsein rücken will.
Nach den Besuchen bei Pater Kentenich hatten Herr und Frau Schimmel immer wieder den Eindruck, dass sie einen Priester gefunden hatten, der das aussprechen und in große Zusammenhänge hinein stellen konnte, was ihnen auf der Seele lag. Und immer neu waren sie der Meinung: „Dieser Priester glaubt wirklich, was er sagt. Er lebt das, was er verkündigt."
Frau Schimmel fügte später hinzu: „Jedes Mal, wenn wir mit Herrn Pater zusammen waren, spürten wir, dass wir ihn noch weitere Male besuchen sollten.“
Anfang
März 1955 kam die Frage auf, ob nicht noch andere Familien Interesse hätten, bei
den Gesprächen mit Pater Kentenich dabei zu sein. Herr Schimmel erzählte
daraufhin Herrn Pater von jenem Mitarbeiter beim Marianischen Apostolat, der die
ganze Finanzierung übernommen hatte. Bald bekam Familie Schimmel bei einem
Pfarrfest mit dessen Familie Kontakt. Auf das Angebot, einen deutschen Priester
zu besuchen, willigte der Ehemann ein, obwohl seine Frau der Sache zunächst
ablehnend gegenüberstand. Ihrem Mann zuliebe ging sie jedoch mit. Sie wurden die
zweite Familie einer entstehenden Gruppe. Wenige Monate zuvor hatte Herr
Schimmel seinen Film über Fatima in einem Pfarrsaal vorgeführt. Dabei hatte er
Familie W. kennen gelernt. Zu dieser ging nun Gilbert hin und lud sie zu einem
Treffen mit Pater Kentenich ein: „Ich möchte, dass ihr jemand ganz besonderen
trefft“, sagte er und fügte hinzu, dass dieser Pater von den Nationalsozialisten
des Dritten Reiches verfolgt gewesen war und sogar im KZ Dachau als Häftling
gesessen habe. Damit wurde er für Herrn und Frau W. noch interessanter. Am 6.
April kam der Kontakt zustande. Die Familie hat das Datum nie vergessen; so
wichtig wurde für sie Pater Kentenich.
So wurden im Laufe der nächsten Wochen und Monate einige weitere Ehepaare angesprochen und eingeladen. Anfang 1956 zählte der Kreis 14 Personen. Sie wollten sich regelmäßig mit dem Seelsorger treffen. „Die Liebe Pater Kentenichs zum himmlischen Vater und zu unserer heiligen Mutter war so groß, dass sie wirkte wie ein Magnet und Herzen anzog.“ dies notierte später Familie Schimmel. In der Folgezeit fiel auf, dass besonders Herr Schimmel ein sehr persönliches Verhältnis zu Pater Kentenich bekam.
Die neu entstandene Gruppe traf sich fortan jeden Montagabend mit dem Seelsorger Pater Kentenich.
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„Mann und Frau übernehmen ja mit den Ehesakrament die Pflicht, eine Liebes- und Leidensgemeinschaft im Leben zu sein und einander zu helfen, in den Himmel zu kommen.“ J. Kentenich