Weihnachtsbrief an seine Männer

Liebe Schönstattmänner in der Erzdiözese Paderborn!

“Sei Vater für Familie und Welt” - das ist unser Leitspruch für das Jahr 2007/2008. Mir scheint das fast die Zusammenfassung des ganzen Alten Testamentes zu sein, die Verheißung der Propheten, die Bitte an Gott: Nimm dich nach dem Sündenfall der Stammeltern wieder deiner Kinder als Vater an. Sende den, den du versprochen hast, den, der deine Väterlichkeit kundtut, damit wir Menschen unsere Kindschaft zu dir wieder begreifen und daraus Kraft für die Wahrnehmung unserer Vaterschaft in unserem irdischen Leben erhalten.

Mit der Geburt Jesu hat Gott diese Bitte erhört, hat seine den Menschen gemachte Zusage eingelöst und ist in Jesus Mensch geworden. In ihm zeigt er seine Nähe, seine absolute Liebe zu uns Menschen - zu jedem von uns, denn er hat schließlich jeden einzelnen Menschen geschaffen.

Er kommt aber nicht als Herrscher, sondern wird als armseliger Mensch geboren. Er will die Menschen nicht durch Macht und Gewalt gewinnen, sondern bietet ihnen seine Liebe an. In ihm personifiziert sich die Liebe Gottes, wird in ihm Mensch, zeigt, dass Gott tatsächlich der ist, der sich dem Mose als der “für euch Da Seiende” offenbart hat (Ex 3,14). Er macht damit deutlich, dass er sein Verhältnis zu den Menschen wieder so herstellen will, wie es vor dem Sündenfall gewesen ist. Gott ist also tatsächlich Vater und aus seiner Vaterschaft entsteht von ihrem Wesen her Zuneigung und Liebe zu dem, was von ihm stammt (vgl. Referat von Pater Grill, im „SchönstattMann 2/2007“, S. 75).

Und Jesus ist in seinem ganzen Leben stets Sohn des Vaters gewesen, sein Abbild als Mensch, und hat in seiner Eigenschaft als Sohn voll und ganz seinen himmlischen Vater verkörpert. Er war “für die Menschen da”, heilte sie und lehrte sie den Weg zum Vater, auf dessen Einheit mit ihm er immer wieder verwies (Joh 10,30; 12,45; 14,9).

Jesus ruft die Menschen auf, Kind des himmlischen Vaters zu werden, wie er es war, arglos und vertrauensvoll zu werden wie ein Kind (Mt 18,3), damit daraus Vaterschaft erwachsen kann, die der Mann in seinem Leben verwirklichen soll.

Nur durch Jesus, dessen Geburtsfest wir begehen, lernen wir also den Vater kennen, nur in ihm wird wahre Väterlichkeit sichtbar. Er fühlte sich als Sohn während seines ganzen Lebens absolut geborgen im Willen seines Vaters. So haben ihn die Wunder, die er vollbracht hat,  nicht hochmütig werden lassen, denn er hat sie auf seinen Vater zurückgeführt, und sein Leiden hat ihn nicht verzweifeln lassen, denn er wusste sich auch in seinem Leiden stets im Willen seines Vaters, also war alles gut und richtig.

Ein solch kindliches Vertrauen, das die Grundlage wahrer Vaterschaft ist, erwartet Jesus von uns. Das ist der Auftrag, den der Vatergott uns durch die Geburt Jesu gibt. Deshalb ist Jesus  Mensch geworden, um uns die Vaterschaft Gottes durch sein Kindsein vor Gott zu verkünden und vorzuleben, damit der Mann diese Kindschaft nachahmt und dadurch zu wahrer Vaterschaft gelangt.

Wie viel muss der Mensch dem Vatergott wert sein, dass er selbst sich in Jesus zu einem solchen Menschsein herablässt. Welch eine hohe Wertschätzung ist damit für einen jeden Menschen verbunden.

Aufgabe des Mannes ist es somit, in seinem Leben dieses uneingeschränkte Vertrauen eines Kindes zum Vatergott zu finden und zu leben, um es dann als Vater in Familie und Welt zu leben. 

Damit ist zugleich auch wieder das Symbol unserer Jahreslosung angesprochen: Leuchtturm in dieser Welt zu sein und durch die Verankerung in Gott auf die Menschen auszustrahlen, unerschütterlich festzustehen, ihnen Orientierung für ihr Leben und vor allem Vertrauen zu geben. Wie der Leuchtturm allen Schiffen leuchtet, egal woher sie kommen, so soll auch der Mann und Vater verfahren: Bedingungslose Annahme eines jeden Menschen.

Damit erhalten wir ein wenig Anteil an Gott, wenn wir uns bemühen, seinen dem Mose offenbarten Namen “Ich bin für euch da” in unserem Leben umzusetzen und für die Aufgaben, die Familie und Welt an uns stellen, da zu sein. 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien die Freude über die Geburt Jesu, durch die der Vatergott uns zeigt, dass er  seine Vaterschaft ganz ernst nimmt und uns aufruft, in einer solchen Vaterschaft unser Leben zu gestalten und in gewissem Sinn priesterlich zu wirken.

Möge Gott, der Vater eines jeden Einzelnen von uns, und die Gottesmutter Sie und Ihre Familien auch im kommenden Jahr beschützen. Über unsere Heiligtümer in Frohlinde und Paderborn-Benhausen grüßt Sie