Gedanken über den heiligen Josef

Jesus, Maria und Josef - die heilige Familie: Sie ist für uns Vorbild, das Ideal einer Familie schlechthin. Von Schwierigkeiten oder Problemen in dieser Familie wird nicht berichtet. Insbesondere der heilige Josef war in gewisser Hinsicht eine Randfigur. Er wird im Neuen Testament kaum erwähnt, nur Matthäus (1,18) weist darauf hin, dass Josef Maria zur Frau genommen hat. Ganz zurückhaltend schildert er dabei die Problematik, in der Josef sich befunden hat. Als Josef nämlich die Schwangerschaft Mariens bemerkte, wollte er sie nicht bloßstellen, sondern sie heimlich verlassen, denn er war gerecht. Alles weitere, was er für die Familie getan hat, tritt völlig in den Hintergrund, bleibt im NT unbeachtet. Er war der Mann der Familie und damit deren Repräsentant, diese Aufgabe hat er während seines Lebens voll ausgefüllt.
Monsignore Dr. Peter Wolf hat in einer Predigt bei
der Männerwallfahrt 2007 unter anderem auf die Bedeutung des heiligen Josef für
das Kind Jesus aufmerksam gemacht. So hat Jesus den heiligen Josef mit dem Wort
angeredet, das er später für den himmlischen Vater gebrauchte: Abba, “Papa” ist
dafür die treffende Übersetzung. In dem Verhalten des heiligen Josef sind also
offensichtlich all die Eigenschaften angeklungen, die Jesus später mit seinem
himmlischen Vater in Verbindung gebracht hat. Gott hat in Josef die Vaterschaft
grundgelegt, die von jedem Mann angestrebt werden sollte. Wie ein Vater sich
verhält, eröffnet oder erschwert er dem Kind den Weg zu Gott als dem Vater.
Monsignore Dr. Wolf hat in seiner Predigt dann die heilige Familie als “Kleine
Dreifaltigkeit” bezeichnet. Die sehr lesenswerte Predigt ist im SchönstattMann
4/2007, Seite 8ff. veröffentlicht worden.
In welch schwieriger Situation Josef sich befunden hat, was hinter den spärlichen und dürren Worten des Evangeliums verborgen ist, wird durch Visionen erläutert.
Josef war ein „gerechter“ Mann, so heißt es, also ein Mann, der sein Leben ganz auf Gott ausgerichtet hatte, es voll und ganz nach dem Willen Gottes lebte. Seiner Braut Maria hatte er völlig vertraut und stellte, als sie von ihrem Besuch bei Elisabeth zurückkehrte, fest, dass sie schwanger war. Diese Erkenntnis erschütterte ihn bis in den Grund seiner Seele. Alles, was er wusste, war lediglich die Tatsache, dass das Kind nicht von ihm war.
Er hätte seine Braut wegen Ehebruchs verklagen können. Sie wäre dann gesteinigt worden und mit ihr wäre das Kind in ihrem Leib gestorben. Er hätte sich aber auch von ihr trennen können, heimlich, ohne sie öffentlich zu verstoßen. Er hätte sich - menschlich gesehen - völlig korrekt verhalten und sich im Einklang mit den bestehenden Gesetzen befunden, egal wie er sich entschieden hätte.
Doch Josef machte sich seine Entscheidung nicht leicht, er war eben gerecht, hatte völliges Vertrauen zu Gott und bat diesen im Gebet um Hilfe und Klärung, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Es wird berichtet, dass Josef schließlich im Traum von dem Hergang des Geschehens, dem Wirken Gottes an Maria, erfuhr. Er glaubte und nahm seine Braut vorbehaltlos zu sich. Er erkennt gleichzeitig, dass er sie zu Unrecht verdächtigt hatte, er erkennt, dass nicht menschliches Denken und Urteilen maßgebend sind, sondern das - stets geheimnisvolle - Wirken Gottes letztlich hinter allem steht. Josef übernimmt also die Verantwortung für Maria und das Kind, das sie erwartet, und ist, um in der Sprache Schönstatts zu sprechen, das ideale Werkzeug des Vatergottes für diese Familie. Er hatte absolutes Vertrauen zu Gott. Allein die Erfüllung des Willens Gottes war für ihn ausschlaggebend, seine eigenen Vorstellungen und Wünsche traten dahinter völlig zurück.
Auch dem heiligen Josef ist also in seinem Leben nicht ein Ringen um den richtigen Weg, um die Erkenntnis des Willens Gottes erspart geblieben, auch er musste sich auf „Spurensuche” begeben. Sicherlich hätte Maria sofort dem Josef alles berichten können, doch war ihr absolutes Stillschweigen geboten worden.
Wegen der Volkszählung zieht Jesus mit Maria nach Bethlehem und flieht von dort nach Ägypten. Das Kind, das Maria geboren hatte, hatte für ihn Vorrang vor allem anderen. Es musste vor den Soldaten des Herodes gerettet werden. Demgegenüber traten für Josef seine eigenen Vorstellungen, seine Rückkehr nach Nazareth, sein Beruf völlig in den Hintergrund. Ohne Zögern erfüllte er den Willen Gottes. Ohne irgendwelches Aufheben, in aller Demut hat er die ihm übertragene Aufgabe erfüllt und ist mit Maria und dem Kind nach Ägypten, in heidnisches Ausland also, geflohen.
Josef war mit Jesus und Maria nach Jerusalem gepilgert und befand sich auf dem Rückweg, als nach der Etappe des ersten Tages Jesus vermisst wurde. Jesus war mit 12 Jahren alt genug, vor allem wenn man bedenkt, dass in den südlichen Ländern die Kinder früher reif werden. Josef hätte also durchaus auf die schon vorhandene Selbständigkeit Jesu verweisen und sagen können, er sei alt genug und werde bestimmt mit einer anderen Gruppe in den nächsten Tagen nach Hause zurückkehren. Doch Maria hatte Angst um Jesus und Josef reagierte sofort auf ihren Wunsch und kehrte nach Jerusalem zurück, um ihn zu suchen. Weder Müdigkeit noch Hitze und staubige Wege schreckten ihn zurück. Auch seine berufliche Tätigkeit spielte hier ebenso wenig eine Rolle wie bei der Flucht nach Ägypten. Er sah seine Aufgabe ausschließlich in der ihm von Gott gestellten Aufgabe: Betreuer und Beschützer des Kindes zu sein.
Jesus blieb dann im Hause seiner Mutter und seines Pflegevaters. Und Josef kümmerte sich um ihn wie ein treusorgender Vater. Jesus erlernte bei ihm das Zimmerhandwerk und hätte diesen Beruf auch in Nazareth während seines Lebens ausüben können.
Das Leben des heiligen Josef bestand also darin, vollkommenes Werkzeug des Vatergottes zu sein, die Aufgaben, die dieser ihm gab, bestens zu erfüllen. Eigene Wünsche und Vorstellungen hat er dabei ganz zurückgestellt und seinen Willen nur nach dem Willen Gottes geformt.
So kann der heilige Josef gerade uns Männern eine Hilfe in unserem Leben sein. Nicht ausschließlich Karriere, nicht nur Gelderwerb stehen im Vordergrund, sind Sinn und Inhalt des Lebens, sondern die Erfüllung des Willens Gottes. Und um die Erkenntnis und Erfüllung des Willens Gottes hat der heilige Josef sich bemüht und sie zu Grundlagen seines Lebens gemacht. Und diese Erfüllung des Willens Gottes bedeutet einerseits Kindsein vor Gott, andrerseits eine daraus erwachsende Vaterschaft des Mannes in der Welt. Eine solche Vaterschaft hat der heilige Josef gelebt.
Man könnte diese Punkte sogar als Rosenkranzgebet formulieren, sich dem heiligen Josef anvertrauen und dessen Hilfe und Fürbitte erbitten, damit man ihm ähnlich wird:
- den der heilige Josef als Kind und mit seiner Mutter angenommen hat
- mit dem der heilige Josef nach Ägypten geflohen ist
- den der heilige Josef in Jerusalem gesucht hat
- dem der heilige Josef ein vorbildlicher Pflegevater und Betreuer gewesen ist.
Daran kann sich dann die Bitte anschließen:
- der auch uns seinem Pflegevater anvertrauen wolle.
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Redaktion: Im Ur- und im Taborheiligtum steht vorne links jeweils eine Sankt Josefstatue.
Herr Kaufmann aus der Erzdiözese Freiburg hat mit seinen Männern die St. Josefstatue für das Taborheiligtum in den Gruppenstunden erarbeitet und gestiftet.
Zur Einweihung des Taborheiligtums, am 15. Oktober 1995, brachte Herr Kaufmann diese Statue zum Heiligtum und Erzbischof Errázuriz nahm sie entgegen.