Führertagung der Schönstatt-Männerliga Deutschlands

Überlegungen über die Schwerpunkte der Arbeit innerhalb der Männerliga für das Jahr 2008/2009 stellten die Verantwortlichen der Männerliga in Schönstatt an. Zu der Tagung, die vom 18. - 20. April 2008 dauerte, waren die Diözesan-, Abteilungs- und Gruppenführer eingeladen. Leider konnten nur 14 verantwortliche Führer teilnehmen – zwei Teilnehmer fielen kurzfristig wegen Krankheit aus -.

Erstmals nahm Herr Kanzler als Mitarbeiter der Zentrale an der Führertagung teil.

Wie stets bei solchen Tagungen fühlt man sich durch die offene Atmosphäre in Schönstatt, durch die Vorträge und auch durch die Gespräche untereinander immer tiefer mit Schönstatt verbunden. Die freundliche Aufnahme eines jeden Besuchers, die auch im Haus Tabor vorhanden ist, trägt mit zu einem angenehmen Aufenthalt bei.

Die Tagung begann am Freitagmorgen mit der Feier der heiligen Messe im Taborheiligtum. Pater Dr. Chrysostomus Grill sprach dabei über die derzeitige Jahreslosung “Sei Vater für Familie und Welt“ und erläuterte, dass darin nicht nur eine Aufforderung an die Männer zu sehen ist, sondern auch eine an den Vatergott gerichtete Bitte, Vater für Familie und Welt zu sein. Vatersein bedeutet für Gott vor allem auch, ein barmherziger Vater zu sein. Der Vatergott nimmt jeden Menschen (und auch immer wieder erneut) an, egal wie groß seine Schuld auch sein mag. Ohne Angst und ohne Vorbehalt darf man sich deshalb immer und immer wieder seiner Barmherzigkeit anvertrauen. Ganz einfach gesagt: Für die Barmherzigkeit Gottes gibt es keine Grenzen. Pater Grill wies hin auf die Privatoffenbarung an Faustina Kowalska, in der Gott die Einrichtung eines Sonntags der Barmherzigkeit am ersten Sonntag nach Ostern gewünscht hat. Dieser Aufforderung ist Papst Johannes Paul II. nachgekommen und hat diesen Sonntag als “Sonntag der Barmherzigkeit “ offiziell eingerichtet. Gerade in der heutigen weitgehend glaubenslos gewordenen Zeit ist die Hervorhebung der Barmherzigkeit des Vatergottes von besonderer Wichtigkeit. Barmherzigkeit ist natürlich nicht nur eine Eigenschaft des himmlischen Vaters, sondern auch eine Aufgabe des Mannes und des Vaters in Familie und Welt, das heißt in der eigenen Familie zuerst und auch im Zusammensein mit anderen Menschen.

Herr Marienbruder Basler, der laikale Standesleiter der Männer in Schönstatt, eröffnete dann die Tagung und informierte zunächst über personelle Veränderungen in der Männerliga und über Schwerpunkte der Arbeit in den Diözesen und Gruppen im vergangenen Jahr. Die von ihm hierzu an die Diözesan- und Gruppenführer gerichteten Fragen sind eine Art Aufforderung zur Gewissenserforschung über das, was an apostolischer Arbeit geleistet worden ist. Von den vielen Punkten, die Herr Basler ansprach, seien einige kurz erwähnt.

Für alle Gruppen ist es sehr schwierig, jüngere Männer für Schönstatt zu gewinnen. Das scheint im übrigen auch ein Problem bei Vereinen im weltlichen Umfeld zu sein, wenngleich die Situation für religiöse Gruppierungen noch erheblich schwieriger ist. Die jungen Männer wollen vor allem keine Verpflichtungen eingehen, aber ohne irgendwelche Verpflichtungen kann keine Gruppe auf Dauer existieren. Zum andern ist es gerade auch für die jungen Männer sehr schwer, ihre Position, ihren Standort in der Gesellschaft zu finden. Sie sind zum Teil völlig verunsichert. Aus der fehlenden festen Verbindung zu einer Gruppe und aus ihrer Verunsicherung heraus fällt es den jungen Menschen dann schwer, Zugang zum himmlischen Vater zu finden. Peter Hahne hat das in seinem Buch “Schluss mit lustig” folgendermaßen beschrieben:

Wenn ich glaube, habe ich nichts zu verlieren; wenn ich nicht glaube, habe ich nichts zu erhoffen. Und ohne Hoffnung kann keiner leben. Hoffnung gehört zum Leben wie das Atmen. Nimmt man dem Menschen den Sauerstoff, tritt der Tod durch Ersticken ein. Nimmt man ihm die Hoffnung , so kommt die Atemnot, die Verzweiflung heißt. Und wieviele verzweifelte Gesichter muss man heute sehen. Menschen ohne Zukunft sind wie wandelnde Leichen in der Gegenwart. Ein Mensch, der keine Hoffnung hat und sich dessen bewusst ist, hat keine Zukunft mehr.

Herr Basler hob dann die Bedeutung des Liebesbündnisses hervor. Es bildet  die Grundlage allen schönstättischen Denkens. Ganz entscheidender Gesichtspunkt ist das völlige Vertrauen auf dieses Bündnis und damit auf die Zusage der Gottesmutter, von ihrem Heiligtum aus zu wirken. Darin ist auch ihre Sorge um ein Wachsen der gesamten Schönstattfamilie und damit auch der Männerliga eingeschlossen. Allerdings fordert die Gottesmutter zugleich das Mitwirken der Menschen, bei der Männerliga also unser aller Mitwirken durch Beiträge zum Gnadenkapital und durch Gebete. Auf die Weihe, also auf den Abschluss eines Bündnisses mit der Gottesmutter, wies Herr Basler besonders hin und betonte dabei, dass durchaus auch jährlich eine Weiheerneuerung stattfinden sollte. Mit der Weiheerneuerung entschließt man sich neu, ernst zu beteuern, dass man unerschütterlich zu der bereits vollzogenen Weihe steht. Weihe und Weiheerneuerung bedeuten die Bereitschaft, sich ganz der Gottesmutter und damit letztlich Gott, sich auf seinem Lebensweg also ganz der übernatürlichen Führung anzuvertrauen. Schließlich steht auf dem Bild der Gottesmutter im Heiligtum auf Latein: Servus Mariae numquam peribit = ein Diener Mariens wird niemals zugrunde gehen. Ein solcher Entschluss setzt Ernsthaftigkeit voraus, sollte somit auch durch Gebet und Beschäftigung mit diesem Thema vorbereitet werden.

Als ein besonderes Apostolat hob Herr Basler die Aktion “Pilgerheiligtum” hervor, weil dadurch die Gottesmutter zu den Menschen gebracht wird und in den Familien und Häusern zu wirken beginnt.
In den Antworten an Herrn Basler sind auch Artikel im SchönstattMann positiv beurteilt worden, so z. B. die Referate von Herrn Arendes über Pozzobon. Sie haben gezeigt, dass auch im Alltagsleben trotz aller Belastungen ein marianisches Leben möglich ist. Es ist immer wichtig zu sehen, dass Menschen, die Vorbilder sind, nicht der Alltagssorgen enthoben sind, sondern sie tragen und ertragen und gerade so zu Vorbildern werden.

Ebenso ist die derzeitige Jahreslosung “Sei Vater für Familie und Welt” von den meisten Männern begrüßt worden. In den meisten Gruppen ist sie behandelt worden und war vielfach auch Anregung für Gespräche in den Familien. Als aussagekräftig ist auch die dazu erstellte Karte beurteilt worden, ebenso das Lied, das von Herrn Wünstel hierzu verfasst worden ist.

Am Samstag wurde die heilige Messe im Urheiligtum gefeiert. Da Papst Benedikt XVI. am 29. Juni 2008 ein Paulus-Jahr ausrufen wird, wurde diese Messe zu Ehren des heiligen Paulus gefeiert, der, so sagte Pater Grill in seiner Predigt, trotz aller eigenen Probleme und trotz aller äußeren Schwierigkeiten Christus den Menschen verkündet hat. Besonders ging Pater Grill aber auf die Bedeutung des Urheiligtums ein. Hier in dieser Kapelle hat die Gottesmutter mit Pater Kentenich und seiner kleinen Gruppe junger Männer 1914 das Bündnis mit der Gottesmutter geschlossen, das die spirituelle Grundlage Schönstatts bildet. Jeder ist aufgerufen, wie Pater Kentenich und die jungen Männer zu handeln: Ein Bündnis mit der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt zu schließen. Von diesem Urheiligtum aus wirkt die Gottesmutter in allen Heiligtümern, auch in den Hausheiligtümern.

Pater Grill nahm den Besuch eines orthodoxen Bischofs zum Anlass, in seiner Ansprache das Urheiligtum ein wenig zu erläutern. Dieser Bischof hatte bei seinem Besuch des Heiligtums den Altarraum mit der Ikonostase, der Bilderwand in einer orthodoxen Kirche, verglichen. Auch im Heiligtum ist die ganze Glaubenswelt vorhanden: Die Gottesmutter mit dem Kind sowie Michael, der den Teufel, dargestellt als Drache, bekämpft. Die Kapelle ist im übrigen 1919 von Pater Kolb in Rom dem Apostolischen Bund, der aus der Marianischen Kongregation entstanden und am 20. August 1919 auf der Tagung in (Dortmund-) Hörde gegründet worden ist, zur dauernden Nutzung übertragen worden. So ist es auch noch heute. Sie ist zwar Eigentum der Pallottiner, doch hat Schönstatt das Nutzungsrecht.

Auch mit dem Bild der Gottesmutter, das einen zentralen Platz im Heiligtum einnimmt, waren die Pallottiner einverstanden, weil unterhalb des Bildes die Statuen von Petrus und Paulus stehen, die Gottesmutter also als Königin der Apostel verehrt wird. Sie ist somit sowohl die Dreimal Wunderbare Mutter als auch die Königin der Apostel. Bemerkenswert an dem Bild ist im übrigen, dass die Gottesmutter auf jeden Menschen blickt, egal wo er gerade steht. Im linken Fenster ist übrigens ein liegendes, also nicht für den weltlichen Kampf gedachtes Schwert zu sehen, das Schwert des Geistes für die Verbreitung des Christentums.

Wegen des Paulus-Jahres (an dem sich auch die orthodoxe Kirche beteiligen wird, (eine endgültige Antwort der evangelischen Kirche steht noch aus) befasste sich Pater Grill in zwei Vorträgen mit dem Apostel Paulus. Im ersten Vortrag ging es im wesentlichen um den Apostel selbst, im zweiten Vortrag zeigte er Gemeinsamkeiten zwischen Paulus und Pater Kentenich auf.

“Paulus, Apostel und Vater der christlichen Freiheit” - so lautete die Überschrift des ersten Vortrages.

Paulus wurde zwischen 7 - 10 in Tarsus geboren (der türkische Staat verbietet im übrigen dort die Eröffnung einer Kirche !). Er beherrschte die griechische Sprache, die damals die bevorzugte Sprache auch in Rom gewesen ist. Er war zwar kein guter Redner, wohl aber ein guter Schreiber, wie sich aus seinen Briefen ergibt. Von Gestalt her war er eher klein und wohl gebeugt; er war nicht stark, sondern schwach und krank, denn er spricht von einem “Stachel in seinem Fleisch“. Seine Begabung bezeichnet er als “mittelmäßig”. Für seinen Lebensunterhalt sorgte er selbst durch eigene Arbeit. Er verfügte jedoch über die große Gabe, sich den einzelnen Menschen zuwenden und persönliche Beziehungen aufbauen zu können. Kennzeichen seines Apostolates ist daher stets auch die persönliche Gebundenheit an die Mitglieder seiner Gemeinden. Durch seine Fähigkeit, persönliche Kontakte herzustellen und zu intensivieren, förderte er die Bildung kleiner christlicher Gemeinschaften in den Familien oder “Häusern”, wie er die Familien auch bezeichnete. Darin könnte übrigens zugleich eine Anregung oder auch ein Auftrag für die heutige Zeit zu sehen sein.

Der heilige Paulus ist in besonderer Weise von Christus erwählt worden, als er sich auf dem Weg nach Damaskus befand. Er, der an dem Mord an Stephanus beteiligt war und während dessen Steinigung auf die Kleider achtete, war ein Feind des “neuen Weges”, wie die Christen zunächst genannt wurden (die Bezeichnung “Christen“ erhielten sie erst in Antiochia). Er war sich während seines ganzen Lebens seines Beitrages bei der Ermordung des Stephanus bewusst, er war sich gleichermaßen aber auch bewusst, dass Christus ihn in besonderer Weise erwählt hatte. Deshalb setzte er sich auch durch seine vielen Missionsreisen so stark für die Ausbreitung des Christentums ein. Seine Aufgabe bestand darin, die Kirche aufzubauen. Dieser Aufgabe hat er sich während seines ganzen Lebens voll und ganz gewidmet. Er, der gleichsam vom Judentum zum Christentum “übergetreten” war, war berufen, Apostel für die Nicht-Juden zu sein, sprach jedoch gleichwohl auch die Juden an. Zur Aufgabe der Missionierung führte Pater Grill aus, die Kirche müsse wieder eine “Geh - hin - Kirche” werden, also zu den Menschen gehen, müsse ihre Meinung, sie sei eine “Komm - Her - Kirche”, eine Kirche, die auf das Kommen der Menschen warte, aufgeben.

Sein Hauptanliegen bestand in der Betonung der Freiheit und der Würde des Menschen. Freiheit bedeutete für ihn in erster Linie Freiheit von der Sünde hin zur Freiheit Gottes. Sein Ziel ist der neue Mensch, der frei und stark in Christus ist, der am Leiden und der Auferstehung Christi teilnimmt, der ein österlich - freier Mensch ist. Einerseits verlangt Paulus Freiheit, andrerseits aber auch das Ausgeliefertsein an den Geist Christi. Der Aspekt der Freiheit führte ihn dazu, die Zeremonien des Judentums, die Beschneidung, die Opferzeremonien im Tempel etc. für das Christentum nicht verbindlich zu machen und somit den Weg für die Aufnahme von Heiden zu eröffnen. Es galt für ihn der Grundsatz, dass die Menschen in Christus zu einer neuen Freiheit berufen sind.

Um Christen zu gewinnen, stellte er sich stets auf den Personenkreis ein, mit dem er gerade zu tun hatte. Er überforderte die Menschen nicht, sondern stellte sich auf ihre ganz persönliche Situation ein. Nach heutigem Sprachgebrauch könnte man sagen: Er holte die Menschen dort ab, wo sie standen. Bekannt ist sein Satz: Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden (1 Kor 9,22). Er drängte niemandem den Glauben auf, sondern bezeugte ihn durch sein Leben und gewann dadurch Christen (Der Begriff “Freiheit” wird übrigens auch besonders von Papst Johannes Paul II. bei seinen Ansprachen zu den Weltjugendtagen stets besonders hervorgehoben).

Pater Kentenich greift viele Ideen von Paulus auf. Insbesondere im Gefängnis und im KZ vergleicht er sich mit Paulus: Im Gegensatz zu der Zeit des heiligen Paulus - damals wurden die Menschen durch Sklaverei unterjocht - besteht die Sklaverei heute in der Beschränkung der Freiheit der Menschen. Pater Kentenich sieht seine Aufgabe daher darin, die innere Freiheit der Menschen zu bestärken und zu fördern. Sein “Freiheitskampf” ist der Kampf gegen die Sünde und Versklavung im Menschen und ein Kampf für Hochherzigkeit und Folgsamkeit gegenüber den leisesten Wünschen Gottes.

Darin besteht die wahre Freiheit des Menschen, frei von Widergöttlichem zu werden.

Gott wünschte von Pater Kentenich den Verzicht auf die äußere Freiheit durch seine Einlieferung in das Gefängnis und KZ, um ihn frei werden zu lassen für die Wünsche Gottes. Das entspricht auch den Vorstellungen des heiligen Paulus, wenn er Freiheit als Ausgeliefertsein an Christus versteht. Beide, der heilige Paulus und Pater Kentenich, haben also dasselbe Anliegen: Bildung eines neuen Menschen, der in Christus lebt. Freiheit heißt nicht Zügellosigkeit, wie der Begriff heute vielfach verstanden wird, sondern bedeutet Bejahung aller gottgewollten Bindungen.

Paulus hat die Botschaft der Freiheit der Kinder Gottes gekündet und so unzählige Menschen aus dem Heidentum und einer Gesellschaft von vielen Sklaven zu Christus geführt. Die Sklaven wurden dadurch zwar nicht zu freien Menschen, gewannen jedoch eine innere Freiheit, die sie zuvor nicht hatten. Pater Kentenich hat aus dem Geist und Charisma des heiligen Paulus geschöpft und will die Menschen in unserer Zeit, einer Zeit des Massengeistes und des Kollektivismus, zur wahren christlichen Freiheit führen. Als Vorbild für wahre Freiheit hat er immer wieder Maria dargestellt, die sich als freier Mensch ganz in den Dienst Christi gestellt hat.

Der zweite Vortrag von Pater Grill hatte die Überschrift: „Pater Kentenich - wie Paulus - allen alles werden und als Vater das Mariengeheimnis von Schönstatt aus künden“.

Die Gemeinsamkeiten von Paulus und Pater Kentenich standen bei diesem Vortrag im Vordergrund. Paulinisch sind sein “Lebensziel” und seine Christusmystik, marianisch seine Marienweihe. Sein “Lebensziel”, das persönliche Ideal, findet sich in Aufzeichnungen aus dem Jahre 1917 und lautet: Ich will allen alles werden, um als Werkzeug der seligen Jungfrau Maria, der erhabensten Königin und meiner geliebtesten Mutter, alle Seelen, besonders der Jugendlichen, für Christus zu gewinnen (Später formulierte er die letzten Worte ein wenig um und sagte: ... um alle zum Vater zu führen).

In einer Ansprache zum seinem 73. Geburtstag (1958), den er in Milwaukee feierte, verglich er sich mit Paulus, betonte seine marianische Sendung, die aber stets mit Christus verbunden sei. Er sagte: Würde man einmal den heiligen Paulus befragen, was das denn für eine Sendung war, die er hatte, dann  würde er sagen: “Mir wurde die Sendung übertragen, der Welt das Geheimnis Christi  zu künden, Christus, den Erlöser, den Mediator, das Haupt des mystischen Leibes.”

Seine eigene Sendung formuliert er dann folgendermaßen: “Meine Sendung war und ist es, der Welt das Mariengeheimnis zu künden“. Meine Aufgabe ist es, die Gottesmutter zu künden, sie unserer Zeit zu entschleiern als die Dauerhelferin des Heilandes beim gesamten Erlösungswerk, als die Miterlöserin und Gnadenvermittlerin; tief mit dem Heiland geeint, eine Zweieinheit, mit der spezifischen Sendung, die sie von ihrem Schönstatt - Heiligtum hat für die heutige Zeit. Seine Sendung ist also marianisch, dabei aber zugleich stets auf Christus bezogen.

Pater Grill machte die Bedeutung des heiligen Paulus für das Christentum dann noch klarer. Paulus musste Christus retten vor der Enge des Bindungsorganismus im Judentum (es gab viele Gesetze, reine und unreine Speisen, Reinigungszeremonien usw.). Dadurch wurde das Christentum annehmbar für die Heiden, denen die starren Vorgaben im Judentum unverständlich waren.

Demgegenüber war es die Aufgabe von Pater Kentenich, das Christentum zu retten vor Bindungszerfall und mechanistischem Denken (Zerfall der Einheit von Christus und Kirche, Christus und Maria, Liturgie und Leben usw.) und es zur neuen Freiheit in einer pluralistischen Welt zu führen. Pater Kentenich bejaht also Bindung und Bindungsorganismus, doch darf es hier nicht zu einer Übertreibung kommen wie etwa im Islam, der zum einen keine Freiheit, sondern nur Unterwürfigkeit gegenüber Allah kennt, in dem zum andern ein Wechsel in eine andere Glaubensgemeinschaft mit dem Tod geahndet wird. Für Pater Kentenich war der heilige Paulus ein modellhafter Heiliger. Er hat seine geistige Verwandtschaft mit ihm erkannt und sagte von ihm: (Hirtenspiegel Vers 226):

            Er vereinigte die schroffsten Gegensätze

            zu einer Ganzheit voller selt’ner Schätze.

            Weil er sich ganz und gar in Gott versenkt,

            ist echtes Menschentum ihm reich geschenkt.

Wie Paulus auch hatte Pater Kentenich eine ökumenische Linie, ergänzte diese allerdings durch Maria als Zeichen der Einheit. Zur Ökumene gehört für ihn  immer Maria, die Mutter der Einheit. Der Auftrag, den Pater Kentenich der Schönstattfamilie hinterlassen hat, ist die Berufung, paulinische und marianische Menschen zu werden.

Die ganzen Vorträge von Pater Grill werden jeweils im „SchönstattMann“ wiedergegeben. Das erste Referat finden Sie in dieser Ausgabe, Seite 39ff.

Es folgte ein kurzer Bericht über meine Teilnahme am ersten Zukunftsforum in Schönstatt (vgl. Seite 47).

Im vorigen Jahr hatte Herr Marienbruder Arendes in seinen Referaten Herrn Pozzobon, den er noch persönlich kennengelernt hatte, vorgestellt. In diesem Jahr stand der Chilene Mario Hiriart (1931 - 1964) im Vordergrund. Über ihn berichtete Marienbruder Harald M. Knes.
Eingehend hat er sich mit ihm beschäftigt, ist längere Zeit in Chile gewesen, um durch Gespräche mit Zeitzeugen, durch Einsicht in schriftliche Unterlagen oder auch durch den Besuch seiner Wirkungsstätten möglichst viel über ihn zu erfahren.

Mario hatte das Ingenieurstudium mit einem sehr guten Examen abgeschlossen und konnte deshalb in einem Elite-Ingenieurbüro seine berufliche Tätigkeit aufnehmen. Doch sein Interesse, jungen Menschen auf ihrem Weg ins Leben zu helfen, sie für das Leben zu formen, war Anlass für ihn, eine Tätigkeit an der Universität zu übernehmen, obwohl sowohl das Ansehen als auch die Bezahlung von Professoren deutlich schlechter waren als seine Tätigkeit in dem Ingenieurbüro. Ausschlaggebender Grund für seine Entscheidung war letztlich aber das Liebesbündnis. Daraus leitete er seine Aufgabe ab, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten, ihnen zu helfen und sie dabei auf den Weg zu Christus zu führen. Niemals übte er dabei irgendeinen Zwang aus, sondern überzeugte durch sein Handeln, durch sein Leben, dessen Grundlage im schönstättischem Denken wurzelte.

In Marios Denken und Handeln spielte stets der Freiheitsbegriff eine wichtige Rolle. Deshalb stand dieser Begriff auch bei Herrn Knes im Vordergrund. Er beleuchtete ihn unter den verschiedenen Aspekten, die hier nur kurz dargestellt werden können. Auf wirtschaftlichem Gebiet führt Freiheit dann in die Irre, macht die Menschen zu brutalen Profiteuren, wenn sie keine Ausrichtung auf ein bestimmtes, übergeordnetes Ziel hin hat.

Psychologische Freiheit bedeutet für viele Freiheit ohne Bindung. Man will keiner Autorität verpflichtet sein. Die Konsequenzen eines solchen Denkens spüren wir heute überall. Hier bietet das Liebesbündnis einen Gegenpol, indem Freiheit letztlich in Gott verankert wird. Und diese Verankerung in Gott war für Mario der Grund, sich klar für Christus und für Schönstatt zu entscheiden. Seine Familie war durchaus nicht besonders religiös geprägt, mehrere seiner Verwandten gehörten sogar der Freimaurerbewegung an. Deshalb kam seiner eigenen Entscheidung eine besondere Bedeutung zu.

Mit dem Begriff der “pädagogischen Freiheit” wird heute vielfach eine antiautoritäre Erziehung verbunden, die Freiheit ohne Anerkennung irgendeiner Autorität proklamierte. Ein so verstandener Freiheitsbegriff widerspricht völlig dem Denken von Pater Kentenich und damit auch dem von Mario Hiriart. Beiden kommt es auf ein ständiges Kontakthalten mit den Personen ihres jeweiligen Aufgabenbereichs an. So legte Mario als Professor hohen Wert auf persönliche Beziehung zu seinen Studenten.

Im philosophischen Bereich hat sich die Ansicht von Nietzsche verbreitet. Während es für Thomas von Aquin noch feststand: Gott existiert, sagt Nietzsche: Wir haben Gott getötet und schaffen nun den Übermenschen. Mario dagegen war ein zutiefst gläubiger Mensch, für den die persönliche Beziehung zu Gott eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Nicht ein Mensch, sondern Gott war für ihn der Orientierungspunkt.

Im politischen Bereich hat Mario sich mit Kennedy und Marx auseinandergesetzt. Kennedy, dessen Verhalten, wie sich nach seinem Tod herausstellte, in vielen Punkten angreifbar war, hatte erklärt, es käme immer nur auf die “Verpackung” an, diese müsse stimmen. Einer solchen Ansicht stellte er ebenso wie dem Denken von Marx das Liebesbündnis gegenüber, das nicht Täuschung anderer billigt, sondern ein stets mit dem Liebesbündnis und damit mit dem Sein zu vereinbarendes Verhalten verlangt.

Die theologische Freiheit bedeutete für ihn einerseits ein völliges Offensein für Gott, andrerseits aber auch die Freiheit für jeden Menschen, sich auch hier frei zu entscheiden. Mario war einerseits ganz offen für Gott, andrerseits aber auch völlig bodenständig. Er war vollkommen frei in seinem Denken, aber auch vollkommen gebunden (an Gott).

(Den Vortrag von Herrn Knes können Sie im „Führerbrief 2/2008“ nachlesen.)

Ein gemütlicher Abend schloss diesen Tag ab. Zu Beginn konnte Herr Bradler feierlich ein MTA-Holzrelief in der Taborklause anbringen, das zuvor im Taborheiligtum gesegnet worden war. Es ist eine Spende von Herrn Geray aus Aulendorf.
Die Speisen und Getränke für das gemeinsame Abendessen wurden von den teilnehmenden Männern mitgebracht. Herr Katz und Herr Stemle sorgten für die Zubereitung. Vielen Dank den Männern, die sich um die Gestaltung dieses Abends bemüht haben.

Die Formulierung einer neuen Jahreslosung war an den einzelnen Tagen ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt, kommt es doch dabei darauf an, den Männern eine thematische Leitlinie für das Jahr zu geben. In mehreren Arbeitskreisen beriet man, wie eine neue Losung aussehen könnte. Grundlage bei allen Überlegungen waren natürlich die Referate von Pater Grill und Herrn Marienbruder Knes. Die Ergebnisse der ersten Arbeitskreistagungen kreisten um Stichworte wie Freiheit, Bindung, Apostolat (weg von einer Kirche, die darauf wartet, dass die Menschen zu ihr kommen, sondern - wie der heilige Paulus - eine Kirche, die zu den Menschen geht), Mariengeheimnis (unter Bezugnahme auf das Liebesbündnis). Im Plenum wurden die entsprechenden Vorschläge diskutiert, man traf eine Auswahl, mit der sich dann am nächsten Tag die Arbeitskreise beschäftigten.

Die dann erarbeiteten Vorschläge wurden erneut im Plenum diskutiert, Änderungswünsche wurden eingebracht, bis schließlich die neue Jahreslosung feststand, die lautet:

„Bindung in Freiheit - das Mariengeheimnis künden“.

Die Vorstellungen des heiligen Paulus und von Pater Kentenich sind in dieser Losung vereint: Freiheit - aber keine Zügellosigkeit, sondern Bindung an Gott, und das Geheimnis Mariens künden - sie ist schließlich die Mutter Jesu und die Königin der Apostel, somit also für das Apostolat verantwortlich, fordert also auch uns zum Apostolat auf.

 

 

 

 

 

Mit dieser neuen Jahreslosung fuhren alle Männer zum Grab Pater Kentenichs und baten um dessen Segen und Beistand für die Verwirklichung der Jahreslosung durch die Männerliga.

 

Zurück im Haus Tabor gab Herr Basler noch einige Informationen und sprach noch einmal das hohe Durchschnittsalter in der Männerliga an. Er bat um Überlegungen, wie man neue und vor allem jüngere Männer für die Männerliga gewinnen könne. Aber es ist allen auch bewusst, dass heute bei den jüngeren Männern eine hohe Bindungsangst besteht, dass vor allem aber auch große Vorbehalte gerade gegenüber einer Bindung an religiöse Gemeinschaften vorhanden sind. Das sicherste Mittel, um neue Männer zu gewinnen, ist das Gebet und das Ernstmachen mit dem Leben aus unserem Liebesbündnis mit der MTA und der jährlichen feierlichen Weiheerneuerung. Deshalb auch die Bitte an alle Männer: Beten Sie täglich zur Gottesmutter, damit sie der Männerliga neue Männer zuführt.

In der heiligen Messe am Schluss der Tagung machte Pater Grill einige grundlegende Aussagen zur Jahreslosung. Er sprach über Freiheit und Bindung. Bindung gibt es sowohl auf der natürlichen als auch auf der übernatürlichen Ebene. Bindung an sich ist nicht etwas, das von vornherein als negativ zu bewerten ist, sondern die richtige Bindung, die Bindung, die sich an Werte orientiert, führt zur Freiheit. Pater Grill grenzte sehr deutlich die Bindung im Christentum von der im Islam ab. Das Christentum will keine unfreiwillige Unterwürfigkeit, sondern eine Bindung an Gott, die auf einer Entscheidung beruht, die in Freiheit getroffen wird, es will gewissermaßen eine Art partnerschaftliches Verhältnis zu Gott. Paulus hat sich in Freiheit an Christus gebunden, Pater Kentenich überwand die falsche Freiheit (= Zügellosigkeit), die keinerlei Bindung anerkennen will.

Pater Grill wies weiter darauf hin, dass für Pater Kentenich das Mariengeheimnis auch das Christusgeheimnis einschließt. Christus und Maria gehören zusammen, Maria ist die Mutter Jesu, sie ist aber auch unsere Mutter. An der Seite Christi wirkt sie dauernd mit, ist seine Dauergehilfin, wie Pater Kentenich es formuliert hat.

Die Jahreslosung fordert uns Männer zum Apostolat auf. Es ist die Aufgabe eines jeden Mannes, in der ihm gegebenen Art Apostel zu sein für das Liebesbündnis und damit für das Mariengeheimnis. Die Gottesmutter hat sich an das Heiligtum in Schönstatt gebunden, ist also im Urheiligtum gegenwärtig, will von dort aus wirken, will ermutigen, das Liebesbündnis in die Welt zu tragen und damit die Werktags - und die Werkzeugsheiligkeit sowie den Vorsehungsglauben zu verbreiten.

Die nächste Führertagung wird vom 24. bis 26.4.2009 wieder auf dem Marienberg im Haus Tabor, dem Haus der Männer, in dem sich alle auch bei dieser Veranstaltung wieder wohl gefühlt haben, stattfinden. Eingeladen werden auch wieder die Gruppenführer. Ich kann nur jedem, der es eben ermöglichen kann, eine Teilnahme an der Tagung empfehlen. Der gute Kontakt innerhalb der Männergruppe trägt stets zum Gelingen der Tagung bei. Dazu gehört auch der inzwischen traditionelle gemütliche Abend in geselliger Runde. Die abendlichen Gespräche mit gleichgesinnten Männern in gemütlicher Runde stärken die Erkenntnis, zu derselben Familie zu gehören, nämlich zur Schönstattfamilie.