Paulus, Apostel und Vater der christlichen Freiheit
1. Hinführung zum Thema Paulus
1.1
Christus hat die Apostel und viele andere berufen, um Kirche aufzubauen. Den heiligen Paulus hat Christus in besonderer Weise als sein Werkzeug erwählt (Apg 9). Durch seinen Heiligen Geist hat er ihm besondere Charismen zugunsten der Kirche geschenkt.
1.2
Die Weltkirche begeht ab 29. Juni 2008 ein “Paulusjahr”. Anlass ist sein (vermutlicher) 2000. Geburtstag, geboren in Tarsus, jetzt Türkei. Die Aufgeschlossenheit für dieses Jahr ist groß. Auch die Orthodoxen schließen sich an. Dadurch hat das Paulusjahr auch eine ökumenische Bedeutung.
1.3
Die Schönstattbewegung lebt in und mit der Kirche.
Es kam ein Buch heraus: In der Schule des heiligen Paulus. Ausgewählte Texte von P. Josef Kentenich. Hrgb. von Peter Wolf, Patris Verlag. - Kentenich lässt sich von Paulus inspirieren für das innere Leben und für das Apostolat, besonders auch in den Häusern. Paulusbücher sind meist exegetisch orientiert, einige wiederum mehr psychologisch ausgerichtet (z.B. Anselm Grün).
Paulus ist vom Christusgeheimnis ergriffen (Christus in mir, Glied am mystischen Leib Christi sein) und Apostel Christi besonders für die Heiden. Die Theologie und Aszese des hl. Paulus durchzieht das Wirken unseres Vaters Kentenich.
Die Aussage des Hl. Paulus über sein Lebensideal lautet (Einheitsübersetzung):
“... Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.” (1 Kor 9, 22f)
“Allen alles werden” bezieht sich auf die Methode (allen persönlich in ihrem Lebensbereich nahe kommen), das Ziel ist allerdings, möglichst viele zu Christus hinführen.
2. Paulus - Urbild eines Apostels Christi,
der allen alles werden wollte, um Christus zu bringen
2.1
Petrus und Jakobus sahen ihre Aufgabe, Kirche aufzubauen zunächst beim auserwählten Volk Israel. Paulus sieht nach seiner Bekehrung (Apg 9) seine besondere Aufgabe darin, Apostel für die heidnischen Völker zu sein. Beim Apostelkonzil (Apg 15) wurde der Übergang von alttestamentlichen Vorschriften zum neuen Gesetz in Christus besprochen und die Arbeitsverteilung geregelt. Das Apostelsein des hl. Paulus war geprägt von seinem Ideal: Ich habe mich allen zum Knecht gemacht...allen bin ich alles geworden, um auf jede Weise etliche zu retten. Alles tue ich um der Heilsbotschaft willen (1 Kor 9).
Paulus ist “Wanderapostel” für seine Gemeinden. Er besucht die Gemeinden, pflegt tiefe persönliche Beziehungen zu Einzelnen und “Häusern” (d.h. Familien), schreibt Briefe, sendet Mitarbeiter, um Fragen zu klären, leidet mit allen, ist bereit, für die Seinen sein Leben hinzugeben. - Er erträgt Misserfolge ohne Verbitterung, tritt zurück, damit Christus in allen Gestalt annimmt.
2.2
Paulus gibt uns Anregungen, um auch heute als Apostel fruchtbar zu wirken:
Jeder Apostel braucht die göttliche Tugend der Hoffnung (Röm 8, 24. Siehe Enzyklika von Papst Benedikt XVI. vom 30. November 2007, Spe Salvi facti sumus, auf Hoffnung hin sind wir gerettet).
In den Häusern und Familien soll Kirche als Familie des Vaters, als Hauskirche aufgebaut werden. Er kündet Christus als den Gekreuzigten und Auferstandenen. Jeder Getaufte soll Christus ähnlich werden, ein österlicher Mensch werden.
Paulus ist Diener aller und fördert die Zusammenarbeit der “Gemeinden” durch Besuche und Briefe. Ein Netzwerk der Kirche baut er auf, mit der Einheit von Taufe und Eucharistiefeier. Das schließt auch caritative Hilfe ein (für die ärmere Gemeinde in Jerusalem).
Kirchenbilder des heiligen Paulus für Ehe und Familie sind:
1. die Liebe Christi zu seiner Kirche als Ehepaar abbilden,
2. Familie sein als Glied des mystischen Leibes Christi.
Wenn ein Glied Opfer bringt, kommt das den anderen zugute. Paulus spricht im Kolosserbrief davon, dass wir ergänzen sollen, was den Leiden Christi fehlt in Bezug auf die Kirche.
Pater Kentenich sagt dazu: Wir wollen durch unsere Opfer und Gebete mittun und ergänzen, was noch fehlt. Unser Sein und Leben wirkt auf die anderen zurück.
Was vom Verdienst durch Arbeit (Paulus als Zeltmacher) übrig bleibt, steckt er wieder ins Apostolat hinein.
2.3
Einige Anregungen von Paulus, um als Apostel fruchtbar zu wirken:
Diener aller sein, Christus als den Gekreuzigten und Auferstandenen künden.
Die Zusammenarbeit der “Gemeinden” fördern durch Besuche und Briefe.
Die Gemeinden durch Taufe, Evangelium und Eucharistie tief einen in der Liebe Christi (nichts kann uns trennen von der Liebe Christi). Das Netzwerk der Kirche aufbauen, in der Einheit von Taufe und bei der Gemeinschaft der Eucharistiefeier. Sein Bild ist der eine mystische Leib Christi.
Weitere Impulse für heute:
-
Die Kirche heute soll sich mehr zum Missionarischen hin entwickeln.
- Die Kirche soll mehr durch “Hauskirche” wirken.
- Beispiel China: Bei den “Evangelikalen” hat sich die Zahl in ca. 20 Jahren von ca. 7. auf 70 Millionen erhöht, bei den Katholiken von ca. 7 Millionen auf 14 Millionen (nur verdoppelt).
- Kirche soll nicht nur “Komm-her-Kirche” sein, sondern viel mehr “Geh-hin-Kirche”.
3. Paulus und Kentenich - Apostel und Väter der christlichen Freiheit
3.1
Als Christen können wir uns durch das Charisma des heiligen Paulus bereichern lassen. Sein Ziel war der freie Mensch. Das Ziel der Freiheit der Gotteskinder hat Pater Kentenich mit Intensität vom hl. Paulus übernommen. Die Wurzel der christlichen Freiheit ist aber Christus, der uns von der Sünde und vom Tod befreit hat.
Im Brief an die Römer geht es zunächst um Berufung, nicht zu Sklaven, sondern zu Söhnen Gottes (Röm 8,15) und dann um die Sehnsucht der Schöpfung auf die Enthüllung der Kinder Gottes (Röm 8, 18ff). Die Schöpfung möchte aus der Knechtschaft des Verderbens - der Vergänglichkeit der Natur - zur Freiheit der Kinder-Gottes-Herrlichkeit gelangen. Der Heilige Geist nimmt sich unserer Schwachheit an.
Wo der Geist des Herrn ist, wirkt, da ist Freiheit, sagt Paulus im zweiten Korintherbrief (2 Kor 4,17). Im Galaterbrief erklärt Paulus, dass das alttestamentliche Gesetz Versklavung war, wir aber durch Christus zur Freiheit gelangt sind. “Zur Freiheit hat uns der Messias befreit.” (Gal 4, 31).
Was folgt daraus?
Deshalb ist keine jüdische Beschneidung für das Heil notwendig.
Deshalb sind die vielen Riten und Zeremonien jüdischer Überlieferung abgetan.
Das “Gesetz Christi”(Gal 6,2) führt zur Freiheit. “Zur Freiheit wurdet ihr berufen” (Gal 5, 13).
Die Christen sollen die Werke des Fleisches, gemeint die bösen Begierden, überwinden (Gal 5,19ff) und die Frucht des Geistes sich auswirken lassen: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. - Eins mit dem Geist laßt uns leben.
Der Brief des Paulus an Philemon zugunsten des Sklaven Onesimos ist ein Plädoyer für die wahre Freiheit in Christus durch die Taufe. Er ist nun nicht mehr Sklave, sondern geliebter Bruder (Vers 16).
3.2
Paulus ist bei Kentenich geistig als Apostel der Freiheit stets präsent.
Gott will freie Ruderer (P.K., Paulustexte S. 57). Das Ideal des freiwilligen Ruderers im Reiche der Liebe durchzieht die ganze Geschichte Schönstatts (Kentenich, Autorität und Freiheit, S. 65f).
Es gibt wenig Christen, die wirklich innerlich frei für Gottes leiseste Wünsche sind (P.K., Paulustexte S. 60f).
Als Gefangener (1941 bis 1945) ist Pater Kentenich bereit, seine äußere Freiheit bis an sein Lebensende zu opfern, damit der ganzen Schönstattfamilie die innere Freiheit für dauernd geschenkt werde (Karmelbriefe 1941f). Pater Kentenich schrieb damals: Ich schenke dem lieben Gott von ganzem Herzen den Verlust der Freiheit gern. ... Das Wertvollste, was der Mensch hat, ist seine Freiheit. Mit aufrichtiger, glühender Liebe opfere ich diese Freiheit, damit der liebe Gott für alle Zeiten den von mir für sie so heiß ersehnten Geist der Freiheit der Kinder Gottes überreich schenkt (P.K., Texte zum 20. Januar, Band 1, Seite 32ff, Brief zum 25. Dezember 1941).
Beim Vergleich von Gefängnis zur Zeit Pauli und Gefängnis heute heißt es: Heute gibt es ein ausgeklügeltes System allseitiger Freiheitsbeschränkung (PK, Texte zum 20. Januar 1942, Band 1, Seite 50ff).
Wahre Freiheit ist Freiwerden von allem Widergöttlichen, frei werden für Gottes leise und leiseste Wünsche. Was ist das Wesen der Freiheit? “Sich aus Großmut entscheiden für die leisesten Wünsche Gottes. Die Epoche nach dem 20. September 1941 könnte ich überschreiben: Mein Freiheitskampf” (P. Kentenich, Texte zum 20. Januar 1942, Band 2, Seite 138ff).
Paulus verlangt Freiheit, aber auch gleichzeitig das Ausgeliefertsein an das Pneuma Christi. Wir sagen dafür: Freiheit von den pflichtmäßigen Bindungen nach unten will ergänzt werden durch Hochherzigkeit und ständige Hellhörigkeit und Folgsamkeit, durch heroische Ganzhingabe an die Wünsche Gottes! Blankovollmacht und Inscriptio! (P. Kentenich, Texte zum 20. Januar 1942, Band 2, Seite 141ff)
Das Ziel ist bei Paulus und Kentenich gleich: Der neue Mensch, der frei und stark in Christus ist, der am Leiden und an der Auferstehung Christi teilnimmt, ein österlicher freier Mensch ist.
Im Dankeslied von Pater Kentenich “Die Fesseln sind gefallen ...” ist das ausgedrückt (HW Seite 164ff).
Zusammenfassung
Paulus hat die Botschaft der Freiheit der Kinder Gottes gekündet und so unzählige Menschen aus dem Heidentum und einer Gesellschaft von Sklaven zu Christus geführt.
Kentenich hat aus dem Geist und Charisma des hl. Paulus geschöpft und viele Menschen in unserer Zeit, einer Zeit des Massengeistes und des Kollektivismus, zur wahren christlichen Freiheit geführt. Als Vorbild für wahre Freiheit hat er immer wieder Maria dargestellt, als freien Menschen, der sich ganz in den Dienst Christi gestellt hat.
Das Paulusjahr kann für uns ein segensreiches Jahr werden, weil die zentralen Anliegen Kentenichs und Schönstatts für die heutige Zeit, nämlich Freiheit und Bindung, in anschaulicher Weise und im Rahmen der Weltkirche dargestellt werden können und Schönstatt sich als “Freiheitsbewegung” einbringen kann.
Kentenichs “Freiheitskampf” ist ein Kampf nach unten gegen Sünde und Versklavung im Menschen und ein Kampf nach oben für Hochherzigkeit und Folgsamkeit gegenüber den leisesten Wünschen Gottes. Die aszetischen Mittel heißen Blankovollmacht und Inscriptio, marianischer Vorsehungsglaube und universeller gottgewollter Bindungsorganismus.
Als Männer und Väter sind wir berufen, den Kampf nach innen (Persönlichkeitsbildung und Familienleben) und nach außen (Weltgestaltung und christliche Gesellschaftsordnung) wesentlich mitzutragen. Die Frauen und Mütter, auch im Beruf, brauchen die Zusammenarbeit mit uns Männern.
4. Impulse für uns Männer in unseren Häusern und Lebenskreisen
Paulus lesen, mit Paulus beten, Wortgottesdienste im Geiste des hl. Paulus gestalten, auch in der eigenen Familie.
Paulus gegenwärtig setzen durch Paulusstatuen und Bilder in unseren (Haus-) Heiligtümern, diese schmücken, herausstellen.
Paulus ist Patron der apostolischen Bewegung von Schönstatt, die Bünde und die Ligagemeinschaften umfasst. Seine Gestalt und sein Vorbild für Apostolat den Mitchristen heute nahebringen.
Paulustexte, Pauluslieder, Paulushymnen (siehe im Internet) können mitwirken.
Bei Gruppenstunden nicht nur ein Erkenntnis- und Erziehungsziel als Ergebnis suchen, sondern immer auch ein Apostolatsziel formulieren.
Apostolat von Schönstatt aus erfolgt von den Heiligtümern, ähnlich wie bei Paulus, der durch Hauskirchen wirkte.
Das Paulusjahr in unseren Pfarrgemeinden und kirchlichen Vereinen fördern.
Schönstatt als eine Paulus-Bewegung leben, missionarisch (besonders durch die pilgernde Gottesmutter, eine Strömung, die João Luiz Pozzobon in Brasilien begonnen hat), familienhaft (durch die Hauskirchenbewegung), gnadenhaft (speziell die Gnade des Apostelseins erbitten) und marianisch (wie P. Kentenich das Christus- und Mariengeheimnis zusammen sehen und künden).

Literaturhinweise:
Kentenich, Paulustexte
Wolf Peter, Hrsg., In der Schule des Apostels Paulus, ausgewählte Texte von P. J. Kentenich, J.K. Institut, Patris Verlag 2008, 180 Seiten, 12,20 €
P.J. Kentenich, Autorität und Freiheit in schöpferischer Spannung, Schönstatt-Verlag 1993, hgb. von Herta Schlosser
Kentenich, Texte zum 20. Januar 1942,
2 Bände, herausgegeben von den Schönstatt-Patres
Kentenich, Himmelwärts
Gebetbuch Himmelwärts, 1945, Schönstatt-Verlag
Kentenich, Brasilienterziat, 3 Bände
Kentenich, Hirtenspiegel
Kentenich, Pater J., Hirtenspiegel, KZ Dachau 1943f (Abschrift von Rektor Dresbach für Priester 1945), Strophen 1-5870
Kentenich, Pr.loc.
Kentenich J., Propheta locutus est, Vorträge und Ansprachen aus seinen drei letzten Lebensjahren, Bände 1- 20
Kentenich, Texte zur Ostsendung
Kentenich, Pater Joseph, Texte zur Ostsendung, hrgb. von P. R. Chrysostomus Grill, Patris Verlag Vallendar 1991, 283 Seiten (beim Ostsekretariat, Berg Sion 6, 56179 Vallendar nur Portokosten)
Kl. Lexikon
Zentrale Begriffe Schönstatts, Kleiner lexikalischer Kommentar. Nach Schriften und Vorträgen von P. J. Kentenich, bearbeitet von Herta Schlosser, Schönstatt-Verlag, Vallendar 1977, 141 Seiten
Monnerjahn, Kentenich-Biographie
Monnerjahn Engelbert, Pater Joseph Kentenich, Ein Leben für die Kirche, Vallendar-Schönstatt, Patris Verlag 1975, 377 Seiten
Schlickmann, Verborgene Jahre
Schlickmann, Dorothea M., Die verborgenen Jahre, Pater Josef Kentenich Kindheit und Jugend (1885-1910), Schönstatt-Verlag Vallendar 2007, 312 Seiten
Schönstatt-Lexikon
im Internet zugänglich bei der Home - Page von Berg Moriah.
http://www.schoenstatt-lexikon.de
USM
Kastner Ferdinand, Unter dem Schutze Mariens, 4. Auflage 1952, Lahn-Verlag Limburg, 280 Seiten
2. Literatur zum Paulusjahr
Kardinal Schönborn über den hl. Paulus: Zeuge und Missionar der Barmherzigkeit Gottes.
www.zenit.org/article-14547 (Vom 23.02.2008)
Paulushymne “Ihr seid auferstanden mit Christus...” www.sadg.org
Programm zum Paulusjahr, vorgestellt von Kardinal Montezemolo
ww.zenit.org Siehe Deutsch vom 21.01.2008
Gute Ideen zum Paulus-Jahr, Radio Vatikan vom 22.01.2008
www.radio-vatikan.de/ siehe Nachrichtenarchiv vom 22.01.2008
3. Weitere Literatur
Benedikt XVI, Mittwoch-Katechesen in Rom im Jahre 2006 vom 25.10; 08.11;15.11.;22.11.
Bücher über den heiligen Paulus (Eugen Biser, Anselm Grün u.a.)
Ein altes Buch: Jan Dobraczynski, Das heilige Schwert, ein Paulus - Roman, Heidelberg 1956
Text in Wikipedia: Paulus von Tarsus. Http://de.wikipedia.org/wiki/Paulus_von_Tarsus
(Vorsicht gegenüber der Auffassung über Gemeinde, Frau und Priestertum)