Erstes Zukunftsforum der deutschen Schönstattbewegung vom 11. bis 13. April 2008 – Schönstatt in die neueste Zeit

In die Vorbereitungszeit für diese Tagung ist die Schönstattfamilie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres einbezogen worden, als wir aufgerufen wurden, Vorschläge für die Gestaltung des Jubiläumsjahres 2014 zu machen. Über 500 Schönstätter haben sich daran beteiligt, ca. 270 Seiten Papier liegen vor. Und für dieses Zukunftsform sind 180 Personen eingeladen worden, die, wie Pater Penners betonte, einen noch reichlicheren Querschnitt durch alle Gruppierungen darstellen als bei einer regulären Oktoberwoche.

Es war sicherlich eine sehr gute Idee, die gesamte Schönstatt-Familie in diese Überlegungen einzubeziehen, weil dadurch die Anliegen und Probleme der Menschen, die in ihrem Alltagsleben die Ideen Schönstatts umsetzen und auch anderen Menschen nahe bringen wollen, Eingang in die weiteren Überlegungen finden können, vor allem aber auch, dass dadurch bei allen das Gefühl entstehen kann: Wir gehören zusammen, wir sind eine Familie, Schönstatt und das Jubiläumsjahr sind unser gemeinsames Anliegen. Die Zentrale in Schönstatt ist schließlich nicht als Verwaltungszentrale zu verstehen, die von oben nach unten dirigiert, sondern sollte vornehmlich eine Art Dienstleistungsunternehmen sein, das jeder Gruppierung und jedem, der vor Ort tätig ist, mit Rat und Hilfe zur Seite stehen soll.

In den eingegangenen Anregungen spiegelt sich die ganze Breite der Ideenwelt Schönstatts wider, aber auch sehr alltägliche Aspekte wie "Finanzen" oder "Kontaktschwierigkeiten mit anderen Gliederungen" spielen eine durchaus wichtige Rolle. Im Vorfeld erfolgte eine knappe Bündelung aus den Rückläufen zu insgesamt 18 Themenschwerpunkten, zu denen Arbeitskreise gebildet wurden. Ein 19. Arbeitskreis mit dem Thema "Sing mir Schönstatt" kam auf Wunsch von Herrn Wilfried Röhrig noch hinzu.

Pater Penners erläuterte bei seiner Begrüßung den Sinn dieses Forums und zeigte einige Schwerpunktthemen auf, die sich aus den Rückläufen ergeben. Schönstatt ist dabei, Altes abzustreifen und in die Weite, in die Zukunft zu gehen. "Eine alte Welt ist am Verbrennen" ist das Wort, das Pater Kentenich für diese Übergangsphase geprägt hat. Und in einer solchen Phase kommt es darauf an, die Möglichkeiten aus dem Noch - Nicht der Zukunft zu empfangen und in vollem Vertrauen auf die Qualität des Saatgutes, das P. Kentenich hinterlassen hat, in diese Zukunft hineinzugehen.

Veränderungen machen sich aber nicht nur in der Welt, sondern auch in Schönstatt selbst bemerkbar. Mehr und mehr öffnet es sich in die Gesellschaft hinein und stellt sich den Problemen der Welt. Das zeigt sich bei der Auswertung der Rückläufe z. B. bei dem Thema "Familie". Es geht hierbei nicht nur um die traditionelle Familie, der Schönstatt Angebote macht, sondern eingeschlossen sind auch Geschiedene und Alleinerziehende, oder ganz allgemein gesagt : In Schönstatt ist jeder mit seiner Last, mit seinen Problemen und auch mit seinen Vorstellungen und Überlegungen willkommen.

Und innerhalb der Schönstattfamilie wird mehr und mehr ein herzliches und unverkrampftes Miteinander gesucht, ein "Wir sind Schönstatt", wir alle zusammen. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, diese Bereitschaft, die notwendigen Veränderungen gemeinsam zu tragen, war während der Tagung spürbar vorhanden. Schließlich ist der Ideenreichtum Schönstatts, ist das, was Pater Kentenich hinterlassen hat, so umfangreich, dass jeder Schönstätter darauf stolz sein kann. Schönstatt kann nämlich auf die Nöte unserer Zeit und auf die Fragen der Menschen durchaus Antworten geben. Schönstatt als Ganzes ist aufgefordert, regelmäßig zu aktuellen Fragen in den Medien Stellung zu nehmen.

Aber auch außerhalb von Schönstatt - und zwar in der Kirche - hat sich mit der Wahl von Erzbischof Zollitsch zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz etwas geändert. Schönstatt wird mit dieser Wahl von der Kirche an - und ernst genommen.

Professor Dr. Stein, ein Soziologe, der die gesamte Veranstaltung hervorragend moderierte, sprach den Schönstättern Mut für ihre Arbeit zu, denn wer Mut zeigt, so Adolf Kolping, macht auch Mut. Und Schönstatt braucht Mut, um sich angesichts der Säkularisierung in der heutigen Zeit nach außen zu profilieren. Die gegenwärtige Situation ist eine große Herausforderung für Schönstatt, aber Schönstatt ist auch gerade dazu aufgerufen, an der Gestaltung der Welt hin zu einer neuen Gemeinschaft mitzuarbeiten.

Pater Kentenich wird nicht nur als Vater und Gründer bezeichnet, sondern auch als Prophet einer neuen Zeit. Und ein Prophet muss seinen Auftrag erfüllen, ob gelegen oder ungelegen. Und ein Prophet hat als jemand, der in die Zukunft weist, Visionen. Und um die Schönstattfamilie für ein solches Denken in die Zukunft hinein zu motivieren, gab es prophetische Impulse, die von - sagen wir: kleinen - Propheten verkündet wurden. Sie alle nutzten die Zeichen und Hinweise, die sich aus unserer konkreten Zeit ergeben, sie sollen Mut machen.

Der erste dieser Propheten war Regens Emge, der die Schönstattbewegung in die Diözese Bamberg gebracht hat. Für ihn ist die Wahl von Erzbischof Zollitsch der vierte Meilenstein in der Geschichte Schönstatts - nach den Meilensteinen vom 18. Oktober 1914, 20. Januar 1942 und dem 31. Mai 1949. Schönstatt ist jetzt in der Kirche salonfähig geworden. Erzbischof Zollitsch, der als ein Mann beschrieben wird, der nicht polarisiert, sondern auf die Zeichen der Zeit schaut und seine Überzeugungen verkündet, ohne sich zuvor nach allen Seiten abzusichern, ist ein Beispiel für jeden Einzelnen und für die Schönstattfamilie insgesamt, entsprechend in der Kirche mitzugestalten und mitzubestimmen.

Ein weiteres wichtiges Zeichen für die zunehmende Bedeutung Schönstatts ist für ihn Chiara Lubich, die Gründerin der Fokularbewegung. Durch ihr Zugehen auf Schönstatt hat sie Schönstatt aus der Reserve gelockt, hat sie Schönstatt gleichsam aufgefordert, auf andere geistliche Gemeinschaften zuzugehen, Kristallisationspunkt für sie zu werden.

Schönstatt hat das Liebesbündnis und dieses Bündnis trägt auch in schwierigsten Situationen, wie sich ganz besonders am Leben Pater Kentenichs ablesen lässt. Es ist ein Kraftpotential für die gesamte Familie und dieses Potential muss genutzt werden. Es kann der ganzen Familie Mut zum Aufbruch und auch Mut zur Führung geben.

Der zweite Prophet war eine Prophetin, nämlich Frau Dr. Gertrud Pollack, Ordinariatsrätin in der Diözese Mainz. Sie zeigte auf, dass bei den jungen Leuten ein neues Interesse an ihrer eigenen Persönlichkeit, eine neue Begeisterung am Personsein aufgebrochen sei. Es geht dabei um das Bemühen, die eigene Originalität zu entdecken und zu fördern, es geht um Selbstverwirklichung im positiven Sinne. Auch bei Arbeitgebern wächst die Erkenntnis, dass nicht allein die Schulnoten ausschlaggebend für eine Einstellung sein dürfen, sondern auch die Persönlichkeit des Bewerbers. Eine starke Persönlichkeit bewirkt eben mehr.

Dabei geht es wohlgemerkt nicht um ein isoliertes Personsein, sondern zugleich spielt der Gedanke der Gemeinschaft für die jungen Leute eine wichtige Rolle. So werden gerade von den jungen Leuten viele Kontakte über das Internet gesucht, ein Zeichen für den Wunsch nach Gemeinsamkeit, nach Gemeinschaft. Allerdings werden solche Kontakte nur dann fruchtbar, wenn daraus auch eine echte Beziehung entsteht.

Und beides, sowohl die Herausbildung von originellen Persönlichkeiten als auch die Bildung von Gemeinschaften ist schließlich das Hauptanliegen von P. Kentenich gewesen: Ihm kam es auf die Bildung eines neuen Menschen in einer neuen Gemeinschaft an.

Pater Güthlein, der Dritte in dieser Reihe, befasste sich mit der Bedeutung Marias. Es ist heute sehr schwierig, die Bedeutung der Gottesmutter zu erklären. Wenn viele das Wort "Schönstatt" hören, kommt oft die Antwort: Schönstatt - das sind doch die mit Maria. Diese Äußerung sollte man uneingeschränkt bejahen, man sollte nicht versuchen, gleichsam entschuldigend die Bedeutung der Gottesmutter für Schönstatt herunterzuspielen. Je stärker man die Verbindung von Schönstatt und Maria betone, desto fruchtbarer könnten solche Gespräche werden.

Schwester M. Nurit Stosiek trat als vierte Prophetin auf. "Möchten mir doch zwei Anteile deines Geistes zufallen" - mit diesem Satz aus dem 2. Buch der Könige 2,9 leitete sie ihre Überlegungen ein und bezog die Aussage auf Pater Kentenich. Dieser hatte 1968, in seinem Todesjahr also, zu Pater Boll gesagt: "Was wird aus Schönstatt nach meinem Tod? Wir haben niemanden, der das kann. Wir können nur auf das Liebesbündnis bauen und vertrauen".

Darum also geht es in Schönstatt : um das Liebesbündnis. Und dieser Satz gilt für die gesamte Familie ebenso wie für jeden Einzelnen.

Die geistige Aneignung des Gründererbes kann nur über das Liebesbündnis erfolgen. Man muss sich zunächst von Pater Kentenich ergreifen lassen, um ihn dann zu begreifen. Und erst mit einer sicheren Verwurzelung im Liebesbündnis kann es gelingen, mit großer Offenheit die Strömungen der Zeit aufzunehmen und zu beantworten. Aber gerade das ist schließlich auch das Charisma von Schönstatt, Antworten auf die Fragen der Zeit zu geben und sich nicht in einen geschützten Raum zurückzuziehen. Von diesem Charisma aus können die Zeitströmungen aufgefangen und ausgewertet werden, um in das Geschehen der Zeit einzugreifen und einen neuen Menschen in einer neuen Gemeinschaft zu bilden.

Die Schönstattfamilie soll nach Pater Kentenich eine Lehr - und eine Lebensschule, eine Liebes -, eine Kreuzes -und eine Apostelschule sein. Hier ist Platz für jeden. Jedes einzelne Mitglied der Familie kann durch die Entfaltung seiner Gaben Anteil am Geist Pater Kentenichs erhalten. Und jeder leistet seinen Beitrag in Gemeinschaft mit den anderen. Wir brauchen einander, wir brauchen das Miteinander als Familie des Vaters - Cor unum in Patre - Herzensverschmelzung also.

Noch ein paar weitere Punkte:

Aufgefallen ist mir eine Frau, die sagte, sie gehöre keiner Gliederung an, sie sei Sympathisantin. Für mich ein Hinweis, dass wir auch solche Männer in unsere Gruppen aufnehmen, die sich darüber hinaus nicht weiter engagieren. Was wissen wir schließlich von ihren Gründen für ihr Verhalten?

Ferner sind mir die jungen Leute aufgefallen. Mit Schwung und Begeisterung haben sie sich zu Wort gemeldet. Ihrem Arbeitskreis hatte ich mich angeschlossen, das Thema: Junge Generation - ein Thema, das alle angeht. Und dann war die Frage gestellt: Ungenutzte Potentiale und blockierte Identifikation? Ich bewundere diese jungen Leute, die heute so frank und frei ihre Meinung äußern, die sich danach drängen, aktiv in Schönstatt mitzuarbeiten.

Es sind junge Menschen, die einen Fackellauf von Stuttgart nach Schönstatt gemacht haben, um auf Schönstatt aufmerksam zu machen, die für das nächste Jahr einen Fackellauf nach Rom planen, um das Licht von Schönstatt in die Zentrale der Kirche zu bringen, die "Erklär mir Schönstatt" entwickelt haben.

Es gelingt Schönstatt immer wieder, eine familienhafte, offene und freundliche Atmosphäre zu schaffen, so auch bei dieser Veranstaltung. Sie war gut vorbereitet, Schwester M. Vernita managte alles hervorragend, es gab keine Hektik, keine Zeitprobleme. Und auch der Moderator, Professor Dr. Stein, führte souverän und locker durch die Tagung.

Was hat die Tagung gebracht?

Die Anliegen der Familie konnten artikuliert werden, eine Grundlage für alle weiteren Überlegungen ist somit gegeben.

Die Ergebnisse der Arbeitskreise werden jetzt ausgewertet. Wer Interesse hatte, konnte sich für eine weitere Mitarbeit für bestimmte Themen anmelden. Es sind konkrete Akzente gesetzt worden. Im übrigen konnte man noch weitere Anregungen an Pinwände geben. Herr Basler hatte mir weitere Informationen gegeben, die ich dort untergebracht habe. Das waren zum einen Gedanken von Dr. Rainer Birkenmaier zum Jubiläumsjahr 2014 in Regnum 1/2008, zum andern die Überlegung, in den Jahren bis 2014 in jeweils einem Jahr eine der Grundbotschaften Schönstatts verstärkt zu behandeln.

Zum Schluss noch eine kleine Episode:

Als Pater Penners sein Schlusswort sprach und ein paar Mal den Begriff "Zukunftsforum" erwähnte, fiel plötzlich oben von der Tafel das Plakat mit der Aufschrift "Zukunftsforum" herunter. Da unten kein Wasser war, fällt also die Zukunft Schönstatts nicht ins Wasser. Es war eher, so denke ich, der Hinweis: Die Zukunft Schönstatts liegt nicht irgendwo in der Luft oder im Himmel, sondern ist der Familie auf dieser Erde gegeben als ganz konkrete Aufgabe.

Die nächste Tagung ist auch schon geplant: 13. - 15. Februar 2009.