Anbetungswoche vom 19. bis 26. Juli 2008
im Haus Tabor auf dem Marienberg in Schönstatt
Die
Anbetungswoche hatte diesmal eine sehr gute Beteiligung. 17 Männer haben sich
auf dem Marienberg zur gemeinsamen Anbetung eingefunden. Aufgrund der guten
Beteiligung war die Einteilung der täglichen und nächtlichen Anbetungsstunde in
keiner Weise ein Problem. Obwohl die nächtliche Anbetungsstunde wohl auch eine
Überwindung bedeuten kann, ist diese Zeit trotzdem eine Vorzugszeit für die
Anbetung und natürlich auch für den betenden Teilnehmer. Es ist zunächst einmal
die äußere Ruhe und Stille, die einen selbst zur innerlichen Ruhe kommen lässt.
Irgendwann ordnen sich auch die Gedanken und die Möglichkeit zum Gespräch mit
Jesus - was ich als Gebet bezeichnen möchte - kann dann frei aufgenommen werden.
Diese Zeiten der Stille - der stillen Anbetung vor Gott - dies ist der
eigentliche Sinn unserer Anbetungswoche, die wir erleben und leben wollten.
Dieses Ziel hat uns zusammengeführt und wir wollten es für uns wahrnehmen, aber
auch stellvertretend für andere und für die Anliegen unserer Kirche. Ich meine,
dies ist uns redlich gelungen. Dazu gehört eine gute Gemeinschaft, deren
Gelingen von den Vorbereitungen abhängt und von dem Miteinander vor Ort. So
haben Dieter Girke und ich vorab Zeilen per Email ausgetauscht, damit die
richtige Form und auch Struktur angeboten wird. Es wurde die Aufgabenteilung vom
Vorjahr übernommen, die sich wohl bewährt hat.
Neben
der Anbetung wurde täglich eine heilige Messe, aber auch der Rosenkranz und am
Freitag eine Kreuzwegandacht angeboten. Ebenso war die morgendliche gemeinsame
Andacht immer ein Erlebnis, weil diese 15-Minuten-Andacht immer ein anderer
Teilnehmer in der Vorbereitung hatte. So kam z. B. das Lied "Atme in uns,
Heiliger Geist" sehr gut an. Es wurde des Öfteren gesungen und man darf sagen,
dieses Lied hat uns allen gut getan. Es war wie eine innerliche Bewegung, ein
innerlicher Aufbruch und die damit verbundene Fröhlichkeit war ein Geschenk.
Obwohl die Einteilung nicht richtig ist, haben wir uns angewöhnt, die Männer einzuteilen nach ... DIE aus dem Süden und ... DIE aus dem Norden.
DIE aus dem Süden waren die Männer um Dieter Girke, sie kamen aus dem Erzbistum Freiburg, dem Bistum Rottenburg-Stuttgart und dem Erzbistum München-Freising. Darüber hinaus waren zwei Männer aus der Diözese Trier dabei.
DIE aus dem Norden, das sind meine Männer aus dem Bistum Münster, auch Münsterland genannt und ein Mann aus dem Bistum Aachen.
Durch Wortspielereien und durch die originelle Mundart unserer Kulturlandschaften kam man schnell in Kontakt zueinander und hatte auch manchen Spaß an der einen oder anderen Sprachweise.
So wird Vesper bei uns gesprochen wie geschrieben. Wir verstehen darunter eine Andacht. Es gibt aber im Süden auch eine "Veschper " die auch eine zünftige Brotzeit bedeuten kann. Ebenso enden Worte aus dem Süden oft mit dem Anhängsel "le". So kam man sich menschlich schnell näher, was zur ganzen Atmosphäre positiv beigetragen hat.
Das Haus Tabor mit unserem Hausvater Herrn Amrein war die weitere gute Seite im Erleben unserer Gemeinschaft. Vor allen Dingen musste Herr Amrein viel Marmelade auf Vorrat halten, damit die Männer aus dem Norden auch ihren viel geliebten Brotaufstrich hatten.
Die
geistigen Anregungen, die uns in die Tiefe führten, wurden wieder
erfreulicherweise durch Herrn Pater Henkes gewährleistet. Durch tägliche
Vorträge und die anschließende Aussprache fand eine rege geistige Aufnahme statt
und war damit eine gute Bereicherung.
Pater Henkes stand auch für ein persönliches Glaubensgespräch bzw. auch für die Beichte zur Verfügung. Im Großen und Ganzen erlebten wir eine tolle Gemeinschaft von Männern, die in der Hauptsache durch die religiöse Gemeinschaft erlebbar wurde.
Für mich persönlich war es diesmal das "Getragen " werden, was ich erleben durfte. Während der Anbetungswoche erkrankte meine Mutter schwer. Sie musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. In den ersten Tagen wurde die Schwere der Krankheit noch nicht sofort erkannt. Telefonisch hieß es, wir kriegen Ihre Mutter wieder hin. Meine Frau sah keine unbedingte Notwendigkeit zum Abbruch der Anbetungswoche. Für mich persönlich war es eine Zeit der Ungewissheit und Sorge um meine Mutter.
Ich habe im persönlichen
Gespräch mit den Männern meine Sorgen mitteilen können und damit auch teilen
können. Ich habe um Mithilfe im Gebet angefragt und habe sie erhalten. Ich bin
angesprochen worden: Felix, wo können wir Dir helfen?
Als sich die Lage meiner Mutter am letzten Tag der Anbetungswoche
verschlechterte, bin ich vorzeitig abgereist.
Da kam ein Mann aus dem Süden - der Christian war’s - und erklärte sich bereit, mein Zimmer aufzuräumen und zu säubern, damit ich abfahren konnte.
Meine Mutter ist inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen und wir haben sie bei uns zu Hause als Pflegefall aufgenommen.
Dies alles habe ich in der kurzen Zeit der Anbetungswoche durchleben und erleben dürfen. Den Männern der Anbetungswoche sei Dank.
Das Küchenpersonal war übrigens durch drei "hauptamtliche" Helfer und viele Nebenhelfer besetzt.
Die Hauptamtlichen waren zwei Männer aus dem Süden und einer aus dem Norden. Das Nordlicht hieß F. Künstler und die beiden aus dem Süden "Paul " und "Christian". Wir haben uns in der Arbeit prächtig verstanden und ebenso während der Arbeit auch prächtig unterhalten.
Hier soll nun mein persönlicher Bericht aufhören und ich möchte die Berichterstattung mit Beiträgen anderer Teilnehmer ergänzen.
Ein Teilnehmer fand es wichtig, sich mit dem Sinn des Lebens zu befassen. Er formulierte: Suche den Sinn des Lebens. Auch Du wirst gebraucht und auch Du bist wichtig.
Wer sich davon ein Bild machen wollte, brauchte nur dem Dröhnen einer Motorsäge zuzuhören. Motorsägen im Wald? Wofür? Unsere Männer schweißnass bei ihrer Arbeit. Es wurden vom Sturm umher liegende Bäume beseitigt, damit der Weg wieder zum laufen frei wurde. Einen Weg wieder gangbar machen für andere war das Ziel. Ein kraftvolles Bild für weitere andere Möglichkeiten!
Was können wir zum Beispiel für die Kranken und Behinderten tun?
Wohl ist für manche Hilfe die
Kraft vonnöten.
Kann ich es aber auch zulassen, geliebt zu werden? Dafür benötige ich keine
Kraft! Durch diese Liebe erlebe ich mich wertvoll und werde damit auch für
andere ein Gewinn. Hoffnung kann jetzt wachsen, dazu ist nicht immer die Kraft
vonnöten, aber vielleicht der Mut? Geliebt bis in die kleinste Einzelheit
hinein. Dies kann ein liebevoll zubereitetes schmackhaftes Essen sein oder auch
so etwas Praktisches wie ein blauer Mantel, den man als Geschenk bekommt, von
Herzen vorher gewünscht und erhalten.
Die Männer von der Anbetungsrunde werden diesen Hinweis verstehen.
Nicht messbar ist der eigene Wert, von Ewigkeit her erwählt, geliebt und schließlich auch gesandt. Mit Jesus im Gespräch - anbetend.
Mit der Gottesmutter an der Hand, die eigene Kleinheit, Schwachheit, Unzulänglichkeit, Triebhaftigkeit herzhaft bejahend. Zugleich die eigene Größe erkennend.
Die großen Herrlichkeiten Gottes bestaunend, die Kleinen dankbar kostend, auch die ganz kleinen, winzigen Extras des Alltags, wie z. B. das Lächeln eines lieben Menschen.
Das Leben wird schön, wenn es gelingt, gleichzeitig mit der Gabe auch die zärtliche Liebe des Gebers in sich hinein zu lassen. Ruhe kehrt so ein, Ausgeglichenheit und Vertrauen. So ein weiterer Teilnehmer der Anbetung.
Zum Abschluss noch die letzten Gedanken von der Anbetungswoche:
"Die Tabortage liegen Wochen zurück. Wer weiß, was an Neuem und Schönem, an konzentrierter Liebeskraft aus so manchem Herzen zusätzlich erwachsen wird."