Abteilungstag der Männerliga Oberland
in Aulendorf am 21. September 2008
Mit Freude durfte der Abteilungsführer Paul Mayr im Jugendraum des Schönstatt-Zentrums in Aulendorf 27 Männer und unseren Referenten Herrn Pfarrer Hans-Peter Unglert begrüßen.
Zu dieser kurzen Begrüßung gehörte auch ein Zitat aus Herrn Amreins Büchlein „Das Heiligtum - unser Tabor“. Er hat in seinen Ausführungen beschrieben, dass unser Tabor auch gleichzeitig unser Herz sein soll.
Danach konnte Pfarrer Unglert mit seinem Referat über die Jahreslosung:
„Bindung in Freiheit - das Mariengeheimnis künden“
beginnen. Sein Schwerpunkt lag auf dem Begriff „Freiheit“ und es war sehr spannend, wie er die Zusammenhänge im einzelnen erklärt und ausgeführt hat.
Er begann mit dem „Gleichnis vom barmherzigen Vater,“ uns auch bekannt als „Gleichnis vom verlorenen Sohn“. Der Vater gab dem Sohn die volle Freiheit. Er durfte mit dem Erbe seinen eigenen Weg gehen – weg vom Vater, weg von allen bisherigen Bindungen. Auf keine Autorität und keinen anderen Anspruch will er mehr hören, nur für sich in radikaler Freiheit das Leben ausschöpfen. Damit vergeudete er nicht nur sein Erbe, sondern „verbrauchte“ auch sich selbst. Das Leben in totaler Unabhängigkeit war sein Irrtum, ein Missbrauch seiner Freiheit. Er geriet in die Entfremdung und Verelendung eines armseligen Sklavenknechts.
Soziale Beziehungen, persönliche Würde, sich selbst und seinen Halt in Gott hatte er verloren. Er besann sich auf seine Hoffnungslosigkeit. Er kehrte aus der Rebellion und Gier, die ihn in die Fremde und zur Selbstzerstörung geführt haben, nach Hause zurück. Erst in der unerwartet barmherzigen Liebe des Vaters fand er zur wahren Freiheit des Sohnes. Es war eine mit anderen geteilte Freiheit in Solidarität, Verantwortung und Liebe. Er hat neu zu sich selbst und zu seinem Lebenssinn gefunden. Im kostbaren Festgewand lebte er in neuer Gemeinschaft.
Weitere Beispiele nannte der Referent im Blick auf Jesus. Dieser nahm sich der Sünder an und holte sie aus ihrer Unfreiheit in die „Freiheit der Kinder Gottes“ zurück. Solches Heil kommt nur durch Jesus Christus. In ihm hat sich die Liebe des Vaters offenbart und hat die Menschen zum „Festmahl“ eingeladen.
Aufschlussreich war die Illustration dieses Gleichnisses durch einen Blick in die neuzeitliche Geschichte. Mit Fortschritt und Wissenschaft, Technik und Vernunft wurde die Freiheit eines neuen Menschen in einer neuen Welt angestrebt. Vom Geist der Aufklärung, der stolzen Entdeckung neuer Kontinente, von der französischen Revolution („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) über Friedrich Engels („Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen!“), Karl Marx („Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur. Sie ist das Opium des Volkes“!), Lenin („Die Religion ist eine Art geistiger Fusel, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz ersäufen!“) und der russische Revolution zog Pfarrer Unglert einen Bogen quer durch die Irrtümer des „Freiheitskampfes“ ohne Gott. Mensch und Gesellschaft wollten „sich selbst erlösen“ und eine „heile, befreite Welt“ aufbauen. Vergessen wurde bei diesem Vorhaben aber der Mensch, der seine Freiheit hat, eine Freiheit, die immer auch eine Freiheit zum Bösen bleibt. Ohne die helfende Gnade und das Licht Gottes und geleugnete Verantwortung vor Gott wird Freiheit des Menschen schnell zur Willkür und seine Vernunft zur Unvernunft, weil beiden das Maß und die Orientierung fehlen.
Die menschliche Gesellschaft kann sich niemals selbst erlösen von den „Erbmängeln“ der Natur und von allem Widergöttlichen. Zur Freiheit findet der Mensch nur durch eine unbedingte, radikale Liebe, mit der der Mensch sich geliebt weiß „bis zur Vollendung“. Vgl. Paulus: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Paulus hat diese Liebe erfahren, angenommen, sie erwidert und an ihr im eigenen Leben Maß genommen: „Allen bin ich alles geworden (1 Kor 9,22).“ Nur so beginnt wirkliches Leben, erlöstes, ja ewiges Leben.
Hier war der neue, liebebeseelte, geheiligte, Gemeinschaft gestaltende „Mensch in Christus“ das Ergebnis, bei den atheistischen Freiheitsideologen und den später davon geprägten Gesellschaftsformen waren himmelschreiende Menschenverachtung und trostlose Zerstörungen die Folge. Der Mensch ist, ob er will oder nicht, Geschöpf Gottes. Er braucht Gott. In der Leugnung seiner Abhängigkeit gelingt das Leben absolut nicht. Und wenn derzeit versucht wird, die ganze Schöpfungs- und Seinsordnung auf den Kopf zu stellen, etwa durch die neue Gender-Ideologie, ist dies wieder ein neuer katastrophal sich auswirkender Irrweg.
Pfarrer Unglert kam immer wieder auf die Erziehungslehre und -praxis Pater Kentenichs zu sprechen. Sein Ziel war „der neue Mensch in der neuen Gemeinschaft“. Einige Stichpunkte: Erziehung zur freien, entscheidungs- und durchsetzungsfähigen, reifen Persönlichkeit, Leben aus der Grundkraft der Liebe, Gottergriffenheit und Christusgestalt gewinnen im Liebesbündnis und nach dem Beispiel Mariens, Ringen um die Überwindung eines nur äußeren Nebeneinander und eines seelenlosen Formalismus zugunsten einer vom Liebesbündnis geprägten seelischen Verbundenheit und zu einem herzlichen Mit- und Füreinander im Alltag. Wahre Freiheit ist immer geteilte Freiheit, eine Freiheit, die frei ist von sich selbst, aber auch frei ist, sich zu verschenken und zu binden an Gott und die Gemeinschaft, und die ein tiefes Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft entfaltet.
Dieses Ringen um diese innere Freiheit, die wahre „Freiheit der Kinder Gottes“ wurde veranschaulicht mit Texten aus „Himmelwärts“ (S. 109,1-3; S. 104,2,4,5; S. 112,1-4 und Heimatlied, 3. Str., S.159). Pater Kentenich erwies sich als Prophet der wahren Freiheit: Bindung in Freiheit und Freiheit in Gebundenheit – getragen von der Grundkraft und Hochherzigkeit einer in Gott gegründeten großen Liebe! Wer von dieser Liebe berührt ist, beginnt als freier, neuer Mensch in einer neuen Gemeinschaft zu leben. Durch das Liebesbündnis erleben wir ein Stück Himmel auf Erden.
Auch die „Sicherheit“ der Gelübde, deren Einhaltung unter schwerer Sünde verpflichten, wurde angesprochen. Schönstatt kennt nur die Form einer Weihe bzw. einer „Vertragsweihe“. Vollkommene Freiheit und edle Hochherzigkeit sollen die ständigen Triebkräfte sein. Deswegen die intensive persönliche und gemeinschaftliche Idealerziehung und möglichst viel „Geistpflege“. So wie P. Kentenich aufmerksam in die „Schule des Apostels Paulus ging, zitierte Pfarrer Unglert nicht wenige einschlägige Texte aus den Paulusbriefen als Anschauungsmaterial und brachte sie immer wieder in den Zusammenhang mit unserer Jahreslosung.
Pater Kentenich sah und kündete ganz tief das Christusgeheimnis des Apostels Paulus: Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, in dem uns Erlösung zuteil wurde, den Mittler, das Haupt des mystischen Leibes, seiner Kirche. P. Kentenich sah seine besondere Sendung aber auch darin, das Mariengeheimnis von Schönstatt aus zu künden. An seinem 73. Geburtstag sagte er mit einem Seitenblick auf den heiligen Paulus:
„Meine Sendung war es und ist es, der Welt das Mariengeheimnis zu künden.” Meine Aufgabe ist es, die Gottesmutter zu künden, sie unserer Zeit zu entschleiern als die Dauerhelferin des Heilandes beim gesamten Erlösungswerk, als die Miterlöserin und Gnadenvermittlerin; die Gottesmutter, tief mit dem Heiland geeint, eine Zweieinheit, mit der spezifischen Sendung, die sie von ihrem Schönstatt-Heiligtum hat für die heutige Zeit. Meine liebe Schönstatt-Familie! Ich darf wohl sagen, Sie alle sind mit hineingezogen in diese meine Sendung. Sie ist nicht allein auf meine Schultern gelegt, sondern auf die Schultern aller Schönstatt-Kinder.“
Beide große Glaubenswirklichkeiten müssen wir in der gegenwärtigen Glaubenslage wohl immer tiefer uns zu Eigen machen, insbesondere das Mariengeheimnis, weil es vielen doch so unbekannt, aber für ein lebendiges Christ- und Kirchesein unerlässlich ist. Vom Heiligtum aus wollen wir bewusst diese Sendung des Vaters durch Wort und Tat und unser Leben und Beten künden.
An der Stille im Raum konnte man sehen, dass die Ausführungen von Pfarrer Unglert sehr aufmerksam verfolgt und angenommen wurden. Es war bewundernswert, wie er es trotz angeschlagener Gesundheit verstanden hat, die Männer so zu begeistern und dieses Thema ihnen so einfühlsam näher zu bringen.
Eine kurze Pause ließ Luft holen für das Kurzreferat von Roland Rast, ebenfalls über die Jahreslosung aus seiner Sicht. In einem separaten Teil wird es ebenfalls veröffentlicht. An dieser Stelle sei aber jetzt schon Roland Rast gedankt, denn es war beeindruckend, dass einer aus unseren Reihen so offen und frei darüber sprach.
Nach gutem Mittagessen und einer Zeit zur Anbetung im Dilexit-Ecclesiam-Heiligtum war noch Gelegenheit zu einer Gesprächsrunde, einmal über das Thema am Vormittag und zweitens über Fragen ganz allgemeiner Art, die die Männer einfach auf dem Herzen haben: Abnehmende Zahl der Gottesdienstbesucher - gründliche Sakramentenvorbereitung - wo bleiben Jugend und Familien? - kirchliche Trauung ohne Standesamt - viel diskutiertes Thema „Sünde“… Hoffnungszeichen sind die Weltjugendtage und die geistlichen Gemeinschaften. Nicht resignieren, sondern vertrauen auf die Wirkmacht des Geistes Gottes und die Realität des Liebesbündnisses vom Heiligtum aus! Der Gottesmutter Raum und Wirkmöglichkeit geben! Es ging auch kurz um den 3. Meilenstein der Schönstattgeschichte, den 31. Mai 1949. Damals schrieb Pater Kentenich von Bellavista/Chile aus den 1. Teil der „Epistola perlonga“, des „sehr langen Briefes“ (wissenschaftliche Studie zum Verhältnis von Erst- und Zweitursachen bzw. zum organischen Denken, Leben und Lieben) an den Bischof von Trier. Dieser „Brief“ war eine höchst klare, prophetisch-harte und notwendige Antwort auf den kritischen Visitationsbericht von Weihbischof Stein.
Höhepunkt des Abteilungstages war die Eucharistiefeier im Heiligtum um 15.00 Uhr. In seiner Ansprache erläuterte Pfarrer Unglert in eindringlicher Form das Sonntagsevangelium. Wie war das mit der „gerechten Entlohnung“? Es ging um die Arbeiter im Weinberg, die zu unterschiedlichen Stunden mit der Arbeit begonnen hatten und der Meinung waren, dass diejenigen, die die Hitze des Tages erlebt haben, mehr bekommen als diejenigen, die sich erst am Abend rufen ließen.
In seiner Auslegung erschien dieses Gleichnis aus einem ganz anderen Blickwinkel als es bislang geläufig war. Kernaussage war: Gott sucht unermüdlich nach uns. Und selbst die „Letzten“ können noch mit der Güte Gottes und der „göttlichen Entlohnung“ in vollem Umfang rechnen, wenn sie nur sich ansprechen lassen und mitmachen, d. h. sich in den Weinberg einladen lassen. Gott hat Sehnsucht nach jedem von uns. Beim „Lohn“ ist nicht irdische Währung gemeint, sondern göttliche: die Fülle des Lebens. Wir sind Erben des Himmels. Die ganze Herrlichkeit Gottes ist unser Lebensziel und wird Gottes großes Geschenk an uns sein!
Nun gab es noch Dankesworte von Herrn Roland Rast an alle Beteiligten, vor allem an Herrn Pfarrer Unglert, unseren Referenten, für die Gestaltung dieses Abteilungstages und für die eindrucksvollen Worte zu unserer Jahreslosung.
Zum Abschluss des Tages hielten
wir noch eine Statio am Pater-Reinisch-Stein hinter dem Heiligtum. Mit dem Lied
von Pater Reinisch haben wir uns verabschiedet und wünschten allen einen guten
Nachhauseweg und eine gesegnete Zeit.![]()
