Sprechende Adventskerzen

Eines Tages kam ein Engel zur Erde, um den Menschen eine Freude zu machen. Er brachte ihnen einen Kranz aus Tannenzweigen, darauf vier Kerzen. Sie sollten den Menschen Licht und Wärme geben. Die Kerzen hatten Namen: Liebe, Friede, Glaube und Hoffnung. Und wenn die Menschen ganz still waren, konnten sie sogar die Kerzen sprechen hören.

Eines Tages, nach vielen Jahren, bemerkten die Kerzen, dass ihre Schwester, die Liebe, nicht mehr so hell brannte wie sonst.
„Schwester Liebe, was ist mit dir? Du strahlst nicht mehr so wie früher.“ — „Ach“, seufzte sie, „die Menschen kommen nicht mehr zu mir, sie verwechseln ihre Eigennützigkeit mit Liebe.“ Dann flackerte sie noch einmal auf und erlosch.

Die anderen Kerzen waren sehr betrübt. Was sollte nun ohne die Liebe werden? Da sprach der Friede: „Auch mich haben sie immer angegriffen. Wie kann ich ohne Liebe leben? Sie verwechseln ihre Selbstzufriedenheit mit Frieden. Ich bin am Ende.“ Und auch sie hörte auf zu brennen.

Glaube und Hoffnung wurden unruhig. Nach geraumer Zeit schwankte auch deren Glaube, kratzender Qualm kam auf. „Meine gute Hoffnung“, knisterte der Glaube, „die Menschen haben mich verlassen. Sie verwechseln Glaube mit Unverbindlichkeit. Ich überlebe das nicht. Bleib wenigstens du am Leben“, hauchte sie und erlosch.

Die Hoffnung war fast verzweifelt. „Ich darf nicht sterben, sonst ist alles verloren“, sagte sie sich. Und so hielt sie sich mit Mühe und Not am Leben.

 

Die Jahre vergingen. Eines Tages wurde ein Kind geboren, das mit Hilfe der Hoffnung die drei anderen Kerzen entzündete. Seitdem leuchten die Kerzen wieder mit neuer Kraft und geben den Menschen Licht und Wärme.

Aus: Pallottiner-Monatsschrift „KA-zeichen“ – in Gute Besserung