Hösbach, im November 2008
Liebe Schönstattmänner,
Weihnachten ist gerade für uns Deutsche ein
besonderes Fest, ein Familienfest, gekennzeichnet durch einen geschmückten
Tannenbaum, eine Krippe, eine heimelige Atmosphäre in den Wohnungen. Aber lassen
wir all das einmal weg und stellen ausschließlich das in den Mittelpunkt, um was
es bei diesem hohen Festtag geht: Die Geburt Jesu.
In einem armseligen Stall wird Gott, der das Sein, der das Leben ist, der damit
unser Schöpfer und Lebensspender ist, unser absoluter Herr, in Jesus Mensch
durch Maria.
Er nimmt menschliches Leben an, um uns Menschen den Weg zum himmlischen Vater wieder zu öffnen. "Denn wenn ihr auch gemeiner Staub seid, so verlangt doch die Menschheit meines Sohnes euer Heil", so lautet ein Satz aus den Visionen der heiligen Hildegard von Bingen.
Derjenige, der den Menschen aus Erde, aus Lehm geschaffen hat, will ihn retten, obwohl dieser sich durch die Schuld der Stammeltern gegen ihn aufgelehnt, ihm misstraut hat, und auch selbst durch sein eigenes Verhalten immer wieder Schuld auf sich lädt. Er will die lehmgebildete Menschennatur empor tragen in den Himmel.
Übertragen wir das einmal auf uns selbst: Wer von uns käme schon auf den Gedanken, jemandem zu helfen, der uns unendlich schwer beleidigt hat, der uns voller Misstrauen begegnet, obwohl wir ihm nur Gutes erwiesen haben? Am ehesten ist das wohl gegenüber dem eigenen Kind denkbar, für das man immer einzustehen bereit ist, das man trotz seines Fehlverhaltens liebt - weil es eben das eigene Kind ist. Der himmlische Vater - er ist kein Despot, der seine Kinder beherrschen und befehlen will, sondern er liebt sie und bietet ihnen wieder seine Freundschaft an.
Deshalb begibt ER sich mit all seiner Macht und Herrlichkeit in Jesus, wird ein armseliges, verletzbares Kind, wird einer von uns, um uns ein Beispiel zu geben für ein Leben, das aus der Liebe zu seinem Vater und zu uns Menschen getragen ist.
Und eben das ist die Botschaft des Festes der Geburt Jesu. In ihm wendet sich der Vatergott uns Menschen zu, aber nicht weil wir es verdient hätten, sondern weil wir seine Kinder sind: Jeder Einzelne von uns ist gemeint, jeder ist ein Kind des himmlischen Vaters und wird ganz persönlich von ihm geliebt trotz seiner Schuld und seines Versagens. Der große Mystiker Meister Eckhart sagt dazu: Gott will uns, jeden Einzelnen von uns, in sein Leben, in sein Lieben hineinziehen. Dieses Hineingezogensein in die Liebe Gottes bedeutet, dass der Mensch innerlich berührt wird von Gott, Anteil an der göttlichen Natur erhält.
Gerade diese persönliche Nähe, diese enge Verbindung zum Menschen zeichnet das Christentum aus. Es geht nicht um ein Aufgehen in ein Nichts oder in eine Gottheit, in der sich der Mensch auflöst wie ein Wassertropfen, der in das Meer fällt, sondern um die höchste Wertschätzung des Menschen überhaupt: Unser himmlischer Vater will, dass jeder Einzelne nach dem Tod bei ihm ankommt, dass sein Wesen, sein Personsein, seine Originalität erhalten bleibt, sich nicht auflöst, sondern dass der Mensch eigenständig mit IHM zusammen ist.
Und um uns Menschen diese Nähe wieder zu eröffnen, wird Gott in Jesus Mensch, gibt in seinem Menschsein seine absolute Freiheit als Herrscher über den gesamten Kosmos auf, bindet sich in aller Freiheit an die Bedingungen der menschlichen Natur und unterwirft sich ihnen.
Überdenken wir das einmal ganz konkret: Der Chef einer sehr großen Firma mit vielen tausend Beschäftigten begibt sich durch seinen unbekannten Sohn freiwillig in die Rolle eines kleinen Mitarbeiters, um all seinen Angestellten zu zeigen: Ich bin einer von euch, ich sorge mich um euer Wohlergehen, jeder Einzelne von euch liegt mir am Herzen - obwohl ich weiß, dass ihr meine Vorschriften und Weisungen vielfach nicht beachtet.
Ein solches Verhalten ist für uns nicht vorstellbar. Doch Gott, der Vater eines jeden Menschen, der absolut freie, an nichts gebundene Herrscher, handelt so, wird in seinem Sohn als unser Erlöser uns Menschen gleich. Und dieses Gebundensein an die menschlichen Lebensbedingungen hat Jesus während seines ganzen Lebens durchgehalten. Freiwillig hat er damit den Wunsch seines Vaters erfüllt, um uns zu erlösen.
Weihnachten - der Vater schenkt seine Liebe erneut seinen Kindern.
Bei Pater Kentenich im Himmelwärts (S. 22), finden wir dazu den folgenden Vers:
Du, Vater, hast den Sohn gesandt
als Deiner Liebe Unterpfand.
Aus Lieb' hat Fleisch er angenommen,
ist auf die Welt zu uns gekommen.
Liebe Schönstattmänner, Ihnen und Ihren Familien wünsche ich im Namen des Leitungsteams der Männerliga unserer Diözese eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, den Segen unseres Vatergottes und unserer Dreimal Wunderbaren Mutter für das Jahr 2009.
