Fundamente der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter
I.
Die biblische Grundlage
In einem Vortrag zum Fest “Maria Geburt“ sagte Pater Menningen: „Was vergangen ist, kehrt nicht wieder; das gilt für die Weltgeschichte, jedoch nicht für die Heilsgeschichte. Für diese gilt: das Heilsereignis im Leben Jesu und Mariens will sich in der Geschichte der Kirche und der kirchlichen Gemeinschaften immer neu vollziehen, um im Leben des einzelnen Christen ebenfalls Wirklichkeit zu werden.“
In den Schönstatt-Horen, die uns Pater Kentenich im KZ Dachau geschenkt hat, kommt diese Sicht deutlich zum Ausdruck.
· Die erste Strophe der Horen vergegenwärtigt ein Ereignis aus dem Heilands- und Marienleben.
· Die zweite zeigt kurz auf, wie dieses Ereignis in der Geschichte Schönstatts auf eigene Weise neu Wirklichkeit wird.
· Die dritte weist darauf hin, dass dieses Ereignis aus dem Heilands- und Marienleben auch im Leben einzelner Christen und Gemeinschaften seine Ausprägung erfahren soll.
Folgerichtig darf man wohl feststellen:
Die biblische Grundlage der Kampagne der „Pilgernden Gottesmutter“ ist
die Vergegenwärtigung des Ereignisses der Heimsuchung Mariens, das
uns Lukas berichtet:
„Maria machte sich in diesen Tagen auf und ging eilends in das Gebirge in eine Stadt Judas. Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Schoße, und Elisabet ward erfüllt mit heiligem Geiste und rief mit lauter Stimme: „Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Woher kommt mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Schoße. Selig, die geglaubt hat, dass Erfüllung finden wird, was ihr vom Herrn gesagt wurde.“ (Lukas 1,39-45).
In seinen Betrachtungen der biblischen Texte, die von Maria sprechen, schreibt der weltbekannte katholische Theologe Bernhard Häring u. a.:
»Maria kommt zu Elisabeth und Zacharias als Dienerin Gottes und als ihre Dienerin. Und zugleich bringt sie die Freudenbotschaft und den Friedensgruß des Herrn. „Und sie kam in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabet.“
Ihr Gruß ist nicht eine bloße Höflichkeitsform, es ist ein Segen, es ist die Botschaft vom Herannahen des messianischen Friedens, der erfüllten und der sich erfüllenden Hoffnung: „Schalom — Friede!“ Sie kommt mit einem großen Segen im Augenblick, da sich die Hoffnung Israels erfüllt. Sie trägt in ihrem Mutterschoß den Herrn des Friedens, der einer von uns geworden ist, auf dass seine Freude und sein Friede unsere Herzen erfüllen und die Erde erneuern soll. Er ist gekommen, um das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit zu bringen. Mit dem Kommen und dem Gruß Mariens kommt die leibhaftige Verheißung und Erfüllung als einzigartiger Segen in das Haus des Zacharias.
Der Schrifttext macht es deutlich, dass der Gruß Mariens im Hause der Elisabeth ein mächtiges Gebet, ein wirksamer Segen war. „Und ... als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Schoße.“ Durch Maria kommt Johannes schon im Mutterschoß in Kontakt mit Jesus. Seine Antwort ist freudige Erregung, ein Segen des kommenden Friedens und der Freude des messianischen Zeitalters.
Noch deutlicher zeigt sich die Wirkung des Segensgrußes bei Elisabeth selbst.
„Und Elisabet ward erfüllt mit dem Heiligen Geist und rief laut: ,Du bist
gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.'“
In jener Gnadenstunde empfing Elisabeth in ganz besonderem Maße die Gabe des
Heiligen Geistes, der die Propheten inspiriert hat, so dass sie die hohe
Bedeutsamkeit des Besuches Marias erfasst. Ihre Antwort ist ein Segen und eine
dankbare Bekräftigung dessen, was Gott in Maria getan hat. Sie erkennt Maria als
die neue Eva, die Frau, die das Kommen des neuen Adam, des Erlösers aller
Menschen, ankündigt.
Der Besuch Mariens ist der Beginn eines gemeinsamen Betens. Fünf Personen sind gegenwärtig: das ewige Wort, das im Schoße Mariens Fleisch angenommen hat, seine Mutter, die den Segen und Friedensgruß bringt, Elisabeth, die mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, Johannes, der größte unter allen Propheten, der das Kommen Christi bereitet, und schließlich Zacharias, der in tiefem Schweigen, aber mit offenem Herzen das kommende Heil begrüßt.
Gebet:
Dank sei Dir, Maria,
für deinen Besuch im Hause Elisabeths. Wir danken Dir mit allen Menschen, in
deren Familien durch dich der Segen und der Friede Christi eingekehrt ist.
Segne auch uns mit deinem
Friedensgruß „Schalom" und bitte für uns, dass wir aufmerksam und bereit sind
für die vielen Zeichen des Kommens Jesu, seiner Heimsuchungen und Tröstungen.
Amen.
(Bernhard Häring: „Maria - Urbild des
Glaubens“, Seite 28-31) «
Kardinal Woityla bestätigt das „sentire cum Ecclesia“ der Pilgerkampagne, wenn er bei den Exerzitien, die er 1976 für den Papst und die Curie hält, sagt:
„In Polen erleben wir Mariä Heimsuchung auf ganz besondere Weise. Seit ungefähr zwanzig Jahren pilgert das Gnadenbild der Schwarzen Madonna in einer getreuen Nachbildung, ...
Auf Anregung der Seelsorger und Gläubigen wandern auch weitere Abbilder der Schwarzen Madonna von einem Haus zum andern, von einer Familie zur anderen. All dies ist möglich dank eines tief religiösen Lebens, einer langen, soliden geistlichen Vorbereitung, der Bereitschaft zu Nachtwachen und zum Gebet, das alle Pfarrangehörigen, Nachbarn und Familienmitglieder vereint.
In diesen Formen sucht
man den Besuch, den Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth gemacht hat,
wiederaufleben zu lassen ...“
(Zeichen des Widerspruches S. 51-52)
Wie Herr Pozzobon selber darüber dachte, mag uns ein Beispiel zeigen: João besucht mit der ‚Mãe Peregrina’ eine Volksschule auf dem Land. Dieser Besuch ist für diese Schule ein Festtag mit einer dementsprechenden Gestaltung. Lehrerinnen, Kinder und auch die Mütter nehmen daran teil. Es herrscht Freude und überschwängliche Begeisterung. Ein junger Priester, als Kaplan neu in der Pfarrei, kommt dazu und beobachtet das Ganze. In einem günstigen Augenblick spricht er Herrn Pozzobon an und sagt:
Kaplan: „Herr Pozzobon, was hier abläuft, das grenzt doch schon an Aberglaube.“
Pozzobon: „Pater X, dann war der Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth Aberglaube?“
Kaplan: „O nein, das ist doch ein in der Bibel bezeugtes Ereignis.“
Pozzobon: „Was sie hier erleben, Pater X, was heute hier geschieht, ist das Gleiche wie beim Besuch Mariens im Hause von Zacharias und Elisabeth. Maria mit ihrem Göttlichen Kind besucht diese Schule. Kinder, Lehrerinnen und Mütter freuen sich, die Kinder jubeln, sind begeistert. Katechese, Singen, Blumen und Raketen, übergroße Freude und Segen erfüllt die Schule und alle Anwesenden, ist das Aberglaube?“
Ein Moment der Wortstille - und da sagt der
Kaplan: „João, ich habe heute einen freien Tag, darf ich sie begleiten? Mein Jeep steht auf der Straße, ich stehe ihnen heute zur Verfügung.“
Wie sagte Johannes Paul II.: „Ein Wiederaufleben der Heimsuchung Mariens“.
Pater Kentenich nennt es die Vergegenwärtigung des Heilsgeschichtlichen Ereignisses der Heimsuchung Mariens.
II. Die theologische Begründung der Bilderverehrung
Das
zweite Konzil von Nizäa 787 hat sich mit dem schrecklichen Bilderstreit befasst
und Entscheidungen getroffen.
Die Verehrung der Bilder wurde im 16. Jahrhundert von den Reformatoren angefragt
und abgelehnt. Doch bereits Johannes Eck, der große Gegner Luthers, wies auf die
Grundlage der Bilderverehrung hin, nämlich die Menschwerdung Gottes. Durch die
Menschwerdung ist der unsichtbare Gott für die Menschen sichtbar geworden;
deshalb kann man ihn auch in der Kunst darstellen. Auf dem Konzil von Trient
wurde am 3. Dezember 1563 das Dekret über die Bilderverehrung verabschiedet. Es
greift auf die Prinzipien des Konzils von Nizäa zurück. Die Verehrung bzw.
Anbetung gilt dem Urbild, das sie darstellen. Bilderverehrung ist also Anbetung
Christi bzw. Verehrung der Heiligen. Durch die Bilder soll das Volk gebildet und
im Glauben gefestigt werden. Der katechetische Aspekt der Bilder soll die
Gottesliebe und das religiöse Leben fördern. Deshalb sollen auch keine Bilder
angefertigt werden, die eine falsche Lehre darstellen.
Johannes Paul II. hat 1987 aus Anlass der 1200-Jahrfeier dieses Konzils in einem „Apostolischen Schreiben“ die Beschlüsse von Nizäa bestätigt, die auch für die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter wichtig sind. In dem „Apostolischen Schreiben“ zitiert er u. a. aus den Beschlüssen des Konzils von Nizäa. Er schreibt:
»Ohne die stets als möglich vorhandene Gefahr eines Wiederauflebens von heidnischen Gewohnheiten der Götzendienerei zu übersehen, hat die Kirche die bildliche Darstellung — in Form gemalter Bilder oder Plastiken — des Herrn, der seligen Jungfrau Maria, der Märtyrer und der Heiligen erlaubt, um dadurch Gebet und Andacht der Gläubigen zu unterstützen. Für alle war klar, was der heilige Basileios in die Formel gefasst hatte, die dann das II. Konzil von Nizäa wieder aufgriff: „die Verehrung des Bildes gilt seinem Urbild“ (29). Im Westen hatte Papst Gregor der Große den didaktischen Charakter der Bilder in den Kirchen sehr heraus gestellt.
Das II. Konzil von Nizäa hat deshalb feierlich die überlieferte Unterscheidung bestätigt zwischen der „Verehrung im Sinne echter Anbetung (latreia), die nach unserem Glauben nur der göttlichen Natur gebührt“, und der „Ehrenbezeigungen“ (timetike proskynesis), die den Bildern erwiesen wird, weil „jemand, der ein Bild verehrt, die auf diesem Bild dargestellte Person verehrt“.«
»12. Geliebte Brüder, wenn wir uns auf die Aktualität der Lehre des siebenten ökumenischen Konzils besinnen, so will mir scheinen, dass wir von ihm zu unserer vorrangigen Aufgabe der Glaubensverkündigung angehalten werden. Die zunehmende Säkularisierung der heutigen Gesellschaft zeigt deutlich, dass diese immer gleichgültiger wird für geistig-geistliche Werte, für das Geheimnis unseres Heiles in Christus Jesus, für die Wirklichkeit der zukünftigen Welt. Unsere verbindliche Überlieferung, die wir voll und ganz mit den orthodoxen Brüdern teilen, lehrt uns aber, dass die in den Dienst des Glaubens gestellte Sprache der Schönheit das Herz der Menschen zu erreichen vermag und sie innerlich den erkennen lässt, den wir äußerlich darzustellen wagen: Jesus Christus, den Sohn Gottes, der Mensch geworden ist und der »derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr 13,8).
Allen zusammen und jedem einzelnen erteile ich von Herzen meinen Apostolischen Segen.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, zum Gedächtnis an den hl. Johannes Damaskenos, Priester und Kirchenlehrer, am 4. Dezember 1987, im zehnten Jahr meines Pontifikats.
Johannes Paul II. «
III. Vom Papst und zahlreichen Bischöfen gesegnet und beglaubigt!
Von
den vielen Beispielen, die es weltweit gibt, möchte ich nur zwei erwähnen.
· Erstens: Papst Johannes Paul II. hat uns seine eigenen pastoralen Erfahrungen deutlich und überzeugend zum Ausdruck gebracht. Lassen wir ihn selber sprechen:
Ansprache des Heiligen
Vaters beim Besuch der Pfarrei St. Sigismund in Tschenstochau am 4. Juni 1979:
„Mit großer Freude stehe ich heute an der Schwelle der Pfarrei, die zusammen
mit der ganzen Diözese von Tschenstochau den baldigen Besuch des Bildes der
Mutter Gottes von der Jasna Gora erwartet. Nach dem gestrigen Abschied vom Sitz
des Primas in Gnesen beginnt der Besuch des Bildes bei euch. Darum möchte ich
schon heute im Geiste die Mutter der Heimsuchung auf dieser neuen Etappe ihres
Pilgerns durch das polnische Land begrüßen.
Ich habe Unsere Liebe Frau von der Jasna Gora in ihrem pilgernden Bild auf
verschiedenen Etappen begrüßt, besonders als das Bild die Pfarreien und
Gemeinden des Volkes Gottes der Erzdiözese Krakau besuchte, deren Hirte ich war.
Heute möchte ich es - nach dem unerforschlichen Ratschluss der Vorsehung - in
meiner Eigenschaft als Nachfolger aller Päpste dieses Zeitabschnittes,
angefangen von Pius XII. über Johannes XXIII. bis zu Paul VI. und Johannes Paul
I. begrüßen. Ich grüße Maria und danke ihr für alle Gnaden ihrer Heimsuchung auf
jedem Abschnitt ihres Weges. Ich weiß aus eigener pastoraler Erfahrung, wie
groß und ungewöhnlich diese Gnaden sind. Durch die Besuche des pilgernden
Gnadenbildes von der Jasna Gora in ihrer getreuen Kopie wurde gleichsam ein
neues Kapitel der Geschichte Unserer Lieben Frau von der Jasna Gora auf
polnischem Boden aufgeschlagen.
In diesen Besuchen hat die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils ihren greifbaren Ausdruck gefunden, wie sie vor allem in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche enthalten ist. Sie haben gezeigt, was die reale mütterliche Gegenwart der Mutter Gottes im Geheimnis Christi und seiner Kirche bedeutet. Durch ihren Auszug aus ihrem Heiligtum auf der Jasna Gora, um jede polnische Diözese und Pfarrei zu besuchen, hat sich Maria uns allen in besonderer Weise als Mutter gezeigt. Eine Mutter wartet nicht nur auf ihre Kinder in ihrem Haus, sie folgt ihnen, wo immer sie sich niederlassen, wo sie leben und arbeiten, wo sie ihre Familien gründen, wo sie an ein Krankenbett gefesselt sind - und selbst dort, wo sie auf Abwege geraten, wo sie Gott vergessen, wo Schuld ihr Gewissen drückt, überall dort. So möchte ich heute gemeinsam mit euch, die ihr hier anwesend seid, für dies alles überreichen Dank aussprechen.“
Einige Jahre später beim „ad limina“ Besuch polnischer Bischöfe in Rom kommt Johannes Paul II. wieder darauf zu sprechen und er sagte am 8.12.1987: „Dieses Programm der Weihe Polens an Maria in Verbindung mit den Besuchen des Gnadenbildes in allen Pfarreien war ohne Zweifel sicher sehr fruchtbar. Ich meine, man sollte nicht sagen, dieses Programm ist von gestern oder es als überlebt bezeichnen.“
Am
1. Mai 1988 besucht Papst Johannes Paul II. den Marienwallfahrtsort Nepi. Anlass
war die Wiedereröffnung der Felsengrotte nach zweijähriger Renovierung. In
dieser Zeit besuchte die Gottesmutter im Gnadenbild alle Pfarreien der Diözese.
Im dritten Teil seiner Predigt kommt der Heilige Vater auf dieses Ereignis zu
sprechen und sagt u. a.:
Heute Nachmittag beendet ihr mit einer feierlichen Weihe die „Peregrinatio
Mariae.“ Überall in der Welt gibt es Heiligtümer, wo die Kinder ihre Mutter
besuchen, in der Peregrinatio besucht die Mutter ihre Kinder. Glücklich die
Familien, die den Besuch der Gottesmutter bekommen. Maria kommt nie mit
leeren Händen, sie kommt und bringt Jesus, das größte Geschenk, das sie uns
bringen kann. ... (L’Osservatore Romano, 8.5.88, Spanische Ausgabe)
Das
zweite Beispiel führt uns nach Santa Maria in Brasilien, dem Ursprungsort der
Pilgerkampagne.
Im März 1970 hört João Luiz Pozzobon, der Bischof Don Luiz Sartori liegt
sterbenskrank im Hospital. Er entschließt sich am 21. März, ihn mit der „Mãe
Peregrina“ zu besuchen. Als er am Nachmittag zum Krankenhaus kommt, sagen ihm
die zuständigen Schwestern und der Bischofskaplan: Dem Bischof geht es sehr
schlecht, er kann keinen Besuch mehr empfangen. Herr Pozzobon erwidert, dann
können wir einen Rosenkranz für den Bischof hier auf dem Flur beten. Die „Mãe
Peregrina“ wird auf einen Stuhl gestellt und mit einigen Kranken betet João den
Rosenkranz auf dem Flur in der Nähe des Krankenzimmers des Bischofs.
Während dieser Zeit bekommt Don Luis eine Bluttransfusion. Da er sich
ein wenig besser fühlt, sagt ihm der Kaplan: João Pozzobon betet mit einigen
Kranken draußen auf dem Flur den Rosenkranz. „Er soll rein kommen“, der Kaplan
geht und bittet ihn, zum Bischof zu kommen. Er darf aber nicht mit ihm sprechen,
weil es ihn zu sehr anstrengt. Herr Pozzobon erzählt: Mit der Mãe Peregrina bin
ich dann ins Zimmer und habe die „Peregrina“ auf die seitliche Bettkante
gestellt, so dass er, wenn er den Kopf etwas zur Seite gedreht hat, sie gut
sehen konnte. Ich habe dann nur gesagt, die „Mãe Peregrina“ grüßt ihren Bischof.
Don Luiz Sartori hat sie dann lange still angeschaut. Was mag er in diesen
Minuten gedacht haben ? (Wenn man bedenkt, in den Jahren 1956 und 1957 hatte er
durch mehrere Dekrete alle MTA-Bilder aus Kirchen, Kapellen und Bildstöcken
entfernen lassen, die Schönstatt-Bewegung verboten, angeordnet, das Kapellchen
zu schließen usw. Wohl hat er 1969 alle Verbote und Beschränkungen aufgehoben)
Nun aber besucht die Gottesmutter ihn auf seinem Sterbelager in dem Bild, das er
verbannt hatte. Nach einer Weile legt er seine Hand an das Bild, dann suchen
seine Augen Herrn Pozzobon, der hinter diesem steht und die „Peregrina“ hält und
mit brechender Stimme und Tränen in den Augen sagt der Bischof: „João,
este Campanha vai salvar o mundo“ (João, diese Kampagne wird die Welt
retten).
Schon am nächsten Tag verkündeten die Totenglocken den Heimgang des Bischofs Don
Luiz Sartori zum ewigen Vater der Barmherzigkeit. War es ein prophetisches Wort
des sterbenden Bischofs?
IV.
Die Aktion der „Pilgernden Gottesmutter (Projekt Pilgerheiligtum) ist eine vom
Gründer Pater Kentenich bestätigte und empfohlene Verwirklichung der Sendung der
MRTA von ihrem Heiligtum aus
In
der Gründungsurkunde sagt Pater Kentenich: „Ich möchte diesen Ort gerne zu
einem Wallfahrts-, zu einem Gnadenort machen...“
Bis 1933 stand jedoch im Vordergrund die Bildung, Formung und Schulung einer
Elite. Dann kam eine Ergänzung durch die Volks- und Wallfahrtsbewegung. In der
Weihnachtstagung 1933 sagt Herr Pater: „Wir brauchten diese, sonst wären wir
versandet und eine Führerschaft ohne Gefolgschaft.“
Entsprechend der Losung für das Jahr 1934 „Schönstätter marianisches Volksjahr“,
sagte er im Mai dieses Jahres: „Wir wollen nicht nur Elitemenschen, sondern
müssen in der Glaubensbewegung auch (die Massen) das Volk erfassen. Wir geben
uns rückhaltlos mit großem Enthusiasmus der klar und rein erschauten Idee einer
ausgeprägten katholischen Volksbewegung hin“.
Einige Zitate von Pater Kentenich mögen uns verständlich machen, warum er so angetan, ja begeistert war vom Tun des Herrn Pozzobon und dem segensreichen Wirken der „Pilgernden Mutter und Königin“.
Herr Pater Fleischlein machte mich eines Tages darauf aufmerksam: „Ich habe die Oktoberwoche 1950 wieder gelesen und mir wurde klar, in Schönstatt hat Herr Pater die Bewegung auf die Dogmatisierung der Aufnahme Mariens in den Himmel am 1. November 1950 vorbereitet und eingestimmt; in Santa Maria wurde das, was er in Schönstatt sagte, ins Leben übertragen.“
„Wir müssen Marienapostel sein, die Gottesmutter will das tun, wir können das nicht. Wir müssen bloß sorgen, dass ihr Triumphwagen hineingeführt wird in die großen Massen. Der große Missionar will von uns auf die Kanzel, in den Beichtstuhl, in das Kinderherz getragen werden.“ (Oktoberwoche 1950, S. 155)
„Die Gottesmutter will ja von uns ihren Triumphwagen in die Welt hineingezogen wissen ... Wie wenige von uns sind innerlich erfüllt von dieser Aufgabe, dass die Gottesmutter Deutschland erneuern will, so wie sie überall die einzelnen Völker und Nationen formen und gestalten will.“ (Oktoberwoche 1950, Seite 167)
„Eine Weite des Denkens! Die ganze heutige Welt stand und steht vor uns und in diese Welt hinein sollen wir den Triumphwagen der lieben Gottesmutter ziehen.“
„... wenn wir es nur verstehen, ein kraftvolles Ja zu sagen zu ihrer Persönlichkeit und Sendung.“
„Aber wir müssen lernen, nicht nur mit Hilfe Gottes etwas zu tun, jetzt tut Gott
es in uns.
Das ist der große Dreh, von dem wir oft gesprochen haben, Gott tut es in mir
und durch mich.
Das ist das große Geheimnis und Geheimnisvolle.“
(Pater Kentenich S. 292 – der Heilige Geist – das
Reich des Friedens)
Laudes aus dem Himmelwärts:
Du ließest Schönstatt gnädiglich erbauen,
dass unsere Zeit das Ewige Licht kann schauen;
als gottgesandte Christusträgerin
willst Du von dort die dunkle Welt durchziehn.
Werkzeugs-Kreuzweg aus dem Himmelwärts
IV. Station:
Du hast in unaussprechlich reicher Güte
Schönstatt geschenkt der Menschheit Edelblüte.
Lass uns Sie bergen in des Herzens Schrein,
Sie mutig tragen in die Welt hinein.
Schlussgebet:
Lass werbend Euch mich zu den Menschen tragen,
mein Leben kämpfend täglich für Euch wagen,
dass Euer Reich wird siegreich überall,
die Grenzen weitet übers Weltenall.
Das Kreuz und das Marienbild lasst reichen
den Völkern mich als das Erlösungszeichen, ...
Pater Kentenich in der Milwaukee-Chronik:
„Der Pfarrer hat übersehen, dass Schönstatt nicht schlechthin wegen seiner Marienverehrung groß und fruchtbar geworden ist. Schönstatt selbst führt sein Sein und Wirken auf besagtes Liebesbündnis und auf den unerschütterlich quillenden Gnadenstrom zurück, der aus unserem Heiligtum durch die ganze Welt hindurchfließen möchte.
Pater Kentenich am 31. Mai 1963 in Milwaukee:
„Ich weiß es nicht einmal, ob ich das mit wenig Worten so klar genug sage, was ich meine. Mich dünkt halt so: Wenn wir nicht festhalten an unserm Liebesbündnis als der Lebensquelle, nicht nur der Ideen, sondern der Lebensquelle für all unser Wollen, schon rein äußerlich betrachtet, ja, du meine Güte, was bilden wir uns dann ein! Sehen wir einmal: was haben wir für Talente? Wenn wir alle ehrlich sehen, wie wir sind: Knirpse sind wir, Liliputaner sind wir. Wenn wir jetzt bauen würden auf unsere Fähigkeiten, auf unsere Leistungen, ja, du meine Güte, ...
der tiefe Glaube (muss uns tragen), dass wir weiter nichts zu tun haben, als die Gottesmutter überall aufs Schlachtfeld zu führen und ihr Gelegenheit zu geben, Christus neu zu gebären. Ob ich das klar genug sage? Für unsere Zwecke, meine ich, würd’ es genügen, nicht?“
Pater Kentenich im Oktoberbrief 1966 an die Nordamerikaner:
„Die Gottesmutter hat sich im Heiligtum niedergelassen, um von dort aus eine Menschheit zu erziehen, Elite und Masse zu erziehen, die dann die großen Träger der Kirche am „Neuesten Zeitenufer“ sein oder werden sollten.“
Pater Kentenich am 1. Juni 1966 zu den Schwäbischen Schönstattpriestern auf der Liebfrauenhöhe:
„Also nunmehr, um was geht es jetzt? Von Anfang an immer dasselbe: Die Sendung der Gottesmutter muss festgehalten werden in der Kirche, verkündet: die ganze Kirche, zumal in Deutschland, muss sich wappnen, um den Wagen der Gottesmutter – so haben wir damals formuliert – mitten in die Schlachtfelder der Zeit hineinzutragen, damit sie dorten die Schlachten Gottes schlage. ...
Bitte, verstehen Sie nun, das ist sehr ehrlich und sehr bedeutungsvoll; ich war
von Anfang der Familiengeschichte überzeugt, dass wir eine ausgesprochene
marianische Sendung hätten. Überzeugt, dass wir, Schönstatt, gerufen sind, die
Sendung der Gottesmutter mit zu übernehmen und mit dafür zu sorgen, dass SIE die
Christusgebärerin, die Christusdienerin und Christusbringerin
auch für die kommende Zeit sein sollte.
Und darum auf der ganzen Linie das Suchen, wie können wir dafür sorgen, dass
zumal deutsche, germanische Geistigkeit das Bild der Gottesmutter, die Sendung
der Gottesmutter in sich aufnimmt.“
Pater Kentenich am 5. September 1966 in München:
„Deutschland – nicht nur Bayern – war ehedem ein Marienland sondergleichen. Und wie ist das heute? Ja, ich meine, ich sollte darauf aufmerksam machen: Unser schlichtes, einfaches Volk, das lebt noch so ganz in und aus der lieben Gottesmutter. Gott sei Dank! Aber unsere Intellektuellen wissen heut vielfach mit der Gottesmutter nichts mehr anzufangen. Wir wollen also dafür sorgen, dass Deutschland wieder ein großes Marienland wird, um auf diese Weise das große Ziel zu erreichen: Rettung des deutschen Volkes, des deutschen Vaterlandes durch die Gottesmutter. Großes Ziel!“
Herr Pater bei Exerzitien der Patres 4. – 8. November 1966:
„Und nun? Sind ja Dinge, die ich gestern kurz berührt habe. Und nun war mir bald klar: das größte Hindernis für die marianische Formung der germanischen Seele, das ist ein Bazillus. Das ist das mechanistische Denken. Und nunmehr die Überzeugung: Wenn du der Gottesmutter helfen willst, durch die Familie ihre Sendung zu erfüllen, der kommenden Zeit, der kommenden Kirche das Antlitz Christi aufzuprägen, dann musst du dich unter Lebensgefahr dafür einsetzen, dass dieser Bazillus, dass also diese Mauer, diese Geistigkeit überwunden wird. Glückt das nicht, dann ist es gar nicht möglich, menschlich gesprochen - es sei denn durch Wunder -, ist es unmöglich, dass Schönsatt seine Sendung in der heutigen Zeit erfüllt.
Herr Pater zu den Rompilgernden Verbandspriestern:
„Weg vom Ideenhaften – hin zum kraftvollen Lebensmäßigen. Wenn unsere Bewegung nicht einmündet in den Pilger- und Opferweg, sind wir bald abgeschrieben.“
Wenn wir diese Zitate in uns aufnehmen, dann verstehen wir tiefer, was Herr Pater mit seinen Bemerkungen und Hinweisen beim Gespräch in der Marienau am 11. April 1968 sagen wollte:
„Merken Sie, wie beim Wirken des Herrn Pozzobon die Worte Vinzenz Pallottis sich erfüllen: ‚Sie ist der große Missionar. Sie wird Wunder wirken’.“
„Spüren Sie, wie in der Arbeit des Herrn Pozzobon alle Grundkräfte Schönstatts wirksam werden.“
„Unsere Priester – besonders die junge Generation – suchen nach einer neuen und modernen Pastoral – hier ist sie!“
„Was tut Herr Pozzobon? Er trägt die Gottesmutter überall hin, wo es ihm möglich ist und SIE muss wirken. ... Eigentlich ist es genau das, was wir immer gewollt und betont haben.“
Schönstatt, den 2. Februar 2009
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