Führertagung der Schönstatt-Männerliga Deutschlands

Vom 24. - 26. April 2009 traf sich der Führungskreis der Männerliga im Haus Tabor in Schönstatt, um zum einen die Arbeitsergebnisse des abgelaufenenJahres zu besprechen, zum andern aber auch den Themenschwerpunkt, also die Jahreslosung für das Jahr 2009/2010 zu beraten.

Die Tagung begann am Freitagmorgen mit der Feier der heiligen Messe im Taborheiligtum, die Pater Grill zelebrierte. In seiner Ansprache ging er auf eine Predigt Pater Kentenichs ein, die dieser am 29. April 1962, am Weißen Sonntag, in Milwaukee gehalten hatte. Die Frage nach dem österlichen Menschen war der Kernpunkt dieser Predigt. Der österliche Mensch ist der in Christus geeinte Mensch, dessen Vorbild die himmlische Mutter ist. Pater Kentenich nennt sieben Eigenschaften, die diesen Menschen charakterisieren. Ein solcher Mensch ist ein:

      -  in Christus geeinter

-  nach dem Vorbild Mariens geformter

-  glaubenstiefer

-  hoffnungsfreudiger

-  liebesstarker

-  siegesgewisser

-  friedvoller und friedfertiger Mensch.

Herr Basler eröffnete dann die Tagung und erläuterte einige Ergebnisse der Arbeit, die in den Diözesen und Gruppen seit der letzten Führertagung im Jahr 2008 geleistet worden ist. Er machte deutlich, dass die von ihm gewünschten Angaben keinen rein statistischen Wert hätten, sondern dass sich daraus und aus den entsprechenden Berichten die Arbeitsschwerpunkte in der Männerliga ergäben. Besonders verwies er auf das Pilgerheiligtum und die von ihm ausgehenden positiven Wirkungen. Nicht das Pilgerheiligtum besucht die Familien, sondern die Gottesmutter selbst. Und SIE bewirkt eine Umkehr der Menschen und eine Hinwendung zu Gott.

Angesprochen wurde auch die Bedeutung der Jahreslosung. So unterschiedlich die einzelnen Losungen auch erscheinen mögen, sie sind immer nur im Zusammenhang zu sehen. Jede einzelne Losung gibt jeweils einen bestimmten Aspekt aus dem Gedanken- und Ideenreichtum Schönstatts wieder.

Am Nachmittag wurde die Situation der Männerliga, deren Altersdurchschnitt sehr hoch ist, erörtert. Es geht somit um die Frage der Nachwuchsgewinnung. Pater Kentenich hatte sich seine Mitarbeiter von der Gottesmutter erbeten. Herr Basler regte an, Pater Kentenich nachzuahmen und durch eine Sturmnovene (regelmäßiges Beten einer Novene bis zur Führertagung im Jahr 2010) gleichsam einen Gnadeneinbruch von oben herauszufordern, um so neue Männer zu gewinnen. Diese vertrauensvolle Haltung Pater Kentenichs bestärkte die anwesenden Männer, sich an einer solchen Novene zu beteiligen.

Hierzu eine Anmerkung an alle Männer: Beteiligen Sie sich auch an dieser Sturmnovene, beten Sie möglichst mehrfach die bekannte Novene „Mut zum Wagnis“ (erhältlich beim: Sekretariat Pater Josef Kentenich, Berg Schönstatt 7, 56179 Vallendar, Tel. 0261/6404410). Wenn viele Männer sich daran beteiligen, wird die Männerliga mit Gewissheit wachsen.

Der Samstag begann mit einer heiligen Messe im Urheiligtum. Pater Grill wies in seiner Predigt auf die Aussage Pater Kentenichs hin, dass in Schönstatt Christus neu geboren werden solle. Das ist das Kernanliegen der gesamten Schönstattbewegung. Das bedeutet eine stete Ausrichtung auf diese Grundeinstellung hin, auch im Rahmen der Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2014. Das Urheiligtum gehört zu Schönstatt, ist die Grundlage, die Quelle, ohne die nichts geschehen kann. Man kann Schönstatt nicht aufbauen ohne zur Quelle Kontakt zu halten, wie es ein geistreicher Priester tun wollte. Nach einigen Jahren ging dort Schönstatt wieder ein. Schönstatt ist eine Gnadenbewegung, die hier ihren Anfang genommen hat. Wenn Pater Kentenich durch „sanfte Gewalt“ die Gottesmutter veranlasst hat, sich hier niederzulassen, gilt das entsprechend auch für uns: Durch Gebet und Opfer bitten wir die Gottesmutter um Hilfe in unseren Anliegen, aber auch um ihre Hilfe bei der Neuevangelisierung. Die erste Gründungsurkunde beginnt – nach zwei Vorbemerkungen - mit „Vater“ („Vater und Mutter und Kinder freuen sich…) und sieht Schönstatt als Familie mit Maria als Mutter.

Zwei Vorträge von Pater Grill füllten den Morgen aus und gaben Anregung für die Erarbeitung eines neuen Arbeitsschwerpunktes, einer neuen Jahreslosung.
Der erste Vortrag lautete „Mit Pater Kentenich die Verantwortung für die Kirche und die Gesellschaft übernehmen“. Dabei geht es zunächst einmal um die Erkenntnis des Willens Gottes, ihn muss man aus den Zeitströmungen herauslesen. Zwei Aspekte sind dabei zu berücksichtigen: der Zeitgeist, in dem sich das Negative äußert, und der Geist der Zeit, der das Positive anzeigt. Verantwortungsvoll hat der einzelne Mensch hierbei zu handeln und Verantwortung bedeutet:
- zuerst das Wort Gottes und der Menschen hören
- die Kunst der Unterscheidung zwischen Gut und Böse erlangen und anwenden
- Antwort auf die Anregungen Gottes und die Probleme der Menschen geben.

Verantwortung für die Kirche

Jeder Getaufte ist von Christus aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung darf aber nicht als Besserwisserei verstanden werden, sondern als Bereitschaft zum Dienen. Gegenüber der Kirche zeigt sich jedoch, dass von vielen Verantwortung nicht richtig wahrgenommen wird. Zurückzuführen ist das auf eine nur geringe Liebe zur Kirche. Pater Grill verwies dazu insbesondere auf die Angriffe auf den Papst in der letzten Zeit. Die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Pius-Bruderschaft wurde nicht als Geste der Barmherzigkeit gesehen (die Pius-Bruderschaft hatte um Aussöhnung gebeten) und die Aussage des Papstes zu dem Gebrauch von Kondomen wurde unrichtig dargestellt. Inzwischen hat ein Fachmann der Aids-Forschung von der Harvard-Universität den Papst mit der Aussage unterstützt, dass die Verteilung von Kondomen das Aids-Problem nicht löst (FAZ vom 24.3.2009. E. C. Green sagte: „Der Papst hat recht; die Verteilung von Kondomen verschärft das Aids-Problem). Aus den Presseberichten hierzu ergibt sich eine negative, nicht aber eine von Liebe getragene Einstellung zur Kirche. Für Pater Kentenich hat bei allem, was er von der Kirche zu erleiden hatte, stets der Satz gegolten: „Dilexit ecclesiam“ (Er liebte die Kirche). Er hatte sich immer als von der Gottesmutter geführt gesehen. Für ihn blieben die Autoritätsträger in der Kirche auch bei den für ihn negativen Entscheidungen Autoritätsträger. Er wandte sich mit seiner Kritik immer an die für ihn zuständige Stelle, niemals aber an die Öffentlichkeit.

Pater Grill wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Kirche nach dem Paulus-Jahr ein Priester-Jahr folgen lassen wird. Anlass ist der Todestag des heiligen Pfarrers von Ars vor 150 Jahren.

In diesen Zeitraum fällt auch der 100. Gedenktag der Priesterweihe von Pater Kentenich im Jahr 1910. Gerade in der heutigen Zeit, in der von Verfehlungen von Priestern berichtet wird und Papst und Kirche immer heftiger angegriffen werden, ist es wichtig, eine solch herausragende Gestalt wie den Pfarrer von Ars als Vorbild wieder in Erinnerung zu bringen. Es ist Aufgabe eines jeden Christen, sich für die Kirche einzusetzen und sich gegen Verleumdungen zu wenden. Die Kirche ist eine große Familie, und wie in der Familie Verfehlungen von Familienmitgliedern nicht nach außen getragen, sondern in der Familie besprochen werden, so sollten auch Verfehlungen innerhalb der Kirche zuerst intern geklärt werden, nicht einfach ohne Klarstellungen sofort publik gemacht werden.

Verantwortung für die Gesellschaft

Die allgemeine Finanzkrise, die Probleme um Banken und auch um hohe Gehälter machen deutlich, dass auch in diesem Bereich Verantwortung von jedem Einzelnen gefordert wird. Der Zeitgeist und der Geist der Zeit machen sich hier bemerkbar. Kennzeichen des Zeitgeistes sind etwa Hab- und Besitzgier, Genuss-Sucht usw. während der Geist der Zeit sich in der Sorge für die Mitmenschen, in ehrenamtlicher Tätigkeit oder Ähnlichem zeigt. Eine gute Gesellschaftsordnung kann nur aufgebaut werden auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Alle drei Voraussetzungen dürfen nie isoliert, sondern müssen immer zusammen gesehen werden. Das Verteilen von Gütern z. B. darf nicht nur aus Liebe geschehen, sondern deren Verteilung muss auch gerecht sein. Reinhard Marx, Erzbischof von München, weist in seinem Buch „Das Kapital“ ausdrücklich darauf hin, dass der Sozialstaat auch nicht missbraucht werden darf. Pater Kentenich verlangt eine „heroische Dinggebundenheit“, d. h. eine Haltung zu allen Dingen, in der sich die Haltung Gottes und zu Gott widerspiegelt.

Zusammengefasst sagte Pater Grill: Mit Pater Kentenich sehen wir unsere Verantwortung als Männer und Väter in Kirche und Gesellschaft - jeder an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten - als Antwort auf Gottes Ruf, in die Kirche hineinzuwirken, um die Menschen im Glauben zu beheimaten. Verantwortung ist für uns Antwort auf die sozialen Nöte vieler Menschen in der heutigen Zeit, ist Einsatz für Gerechtigkeit für alle.

„Mit Pater Kentenich in priesterlicher Väterlichkeit das Liebesbündnis zu den Menschen bringen“ war das Thema seines zweiten Vortrages.

"Mit Pater Kentenich" bedeutet, dass es um eine überzeitliche Haltung und eine überzeitliche Aufgabe geht, die sich aus der Deutung der Zeitenstimmen ergibt.

1. Priesterliche Väterlichkeit

Pater Kentenich hat sich ausführlich mit der Väterlichkeit beschäftigt. Väterlichkeit ist Teilnahme an der göttlichen Vaterschaft. Das setzt ein tiefes Kindeserlebnis gegenüber dem ewigen Vatergott als Dauerbesitz voraus. Das Ideal priesterlicher Väterlichkeit schließt eine Wiedergeburt echter Kindlichkeit ein. Die Männer müssen sich in ihrer Gänze, also mit all ihren Fähigkeiten als Väter einbringen. Der Begriff „Priester“ weist im engeren Sinne auf den Priester in der Kirche hin, im weiteren Sinne jedoch beinhaltet er die Hingabe an Gott und die Menschen. Pater Grill zeigte auf, wie der Vater seit der französischen Revolution und insbesondere durch die beiden Weltkriege nach und nach an Bedeutung verloren hat. Vaterlose Zeiten aber werden zu gottlosen Zeiten. Deshalb ist die Wiedergeburt des Vaters erforderlich, eines Vaters, der Vaterliebe, Vaterweisheit und Vatersorge ausstrahlt. Von Schönstatt aus wirkt die Gottesmutter seit 1914 durch priesterliche Väter und priesterliche Mütter, Mario Hiriart, João Luiz Pozzobon, Gilbert Schimmel oder auch Schwester M. Emilie seien als Beispiele genannt.

2. Das Liebesbündnis

Das Liebesbündnis ist die Quelle Schönstatts, das wurde bei der internationalen Planungstagung für das Jahr 2014 besonders herausgestellt. Dazu kommt die Kraft des Heiligtums in all seinen Dimensionen. Dieses Liebesbündnis soll sich weiten zu einem vierfachen Liebesbündnis, wie bereits auf der Oktoberwoche 1950 herausgestellt wurde: ein Bündnis mit Gott, mit Pater Kentenich, untereinander und mit Vinzenz Pallotti.

Anschließend gab es in drei Arbeitskreisen erste Überlegungen für eine neue Jahreslosung, also die Arbeitsschwerpunkte für das Jahr 2009/2010. Grundlage hierfür waren die Vorträge von Herrn Pater Grill. Herr Basler hatte zuvor noch auf die Bedeutung dieser Überlegungen hingewiesen. Es muss bedacht werden, was der himmlische Vater, die MTA und auch Pater Kentenich von den verantwortlichen Männern erwarten. Es geht zum einen um unsere Männer in der Männerliga, zum andern aber auch um die Männer, die für uns gewonnen werden sollen.

Eine DVD und Zeugnisse von Pater Grill, Herrn Kanzler sowie Herrn Basler über den 15. September 1968, den Todestag Pater Kentenichs, schlossen den Nachmittag ab.

Ein gemütlicher Abend schloss diesen Tag ab. Gespräche im Kreise gleichgesinnter Männer waren Entlastung und Bereicherung zugleich.
Vielen Dank den Männern, die sich um die Ge-staltung dieses Abends bemüht, das leibliche Wohl sorgten.

Der Sonntag stand dann ganz für die Erarbeitung der neuen Jahreslosung zur Verfügung. Die Ergebnisse der Arbeitskreise wurden am Nachmittag dem Plenum vorgestellt und diskutiert. Die Mehrheit entschied sich daraufhin für die Losung:

„Leben aus der Quelle“

 

 

Mit dieser neuen Jahreslosung fuhren wir zum Grab Pater Kentenichs in der Dreifaltigkeitskirche. Wir legten das Plakat mit der neuen Jahreslosung 2009/2010 auf den Sarkophag. Herr Bradler dankte für das Geschenk unserer Führertagung, bat Pater Kentenich, uns zu helfen, im Alltag „Leben aus der Quelle“ in die Tat umzusetzen. Mit dem Lied: „Du bist nicht weggegangen, Du bleibst uns nah ...“ traf er unsere Grundstimmung.

Im Abschlussgottesdienst ging Pater Grill in seiner Predigt auf diese Losung ein. Das Heiligtum ist die Quelle Schönstatts. Diese Quelle führt weiter zur Gottesmutter und von dieser zum Dreifaltigen Gott. Aus dieser Quelle heraus kann jeder sein Leben gestalten und sich zu Gott führen lassen. Gebet, Rosenkranz und geistliche Tagesordnung helfen dabei, Träger der Botschaft Christi zu werden. Das veranschaulichte Pater Grill am Leben von Mario Hiriart. Er ließ sich zu einer tiefen Marienliebe führen und zum Ideal des „Gralsritters“ der Königin. An Pater Kentenich schrieb er, dass das Christentum heute einen außerordentlichen Grad laikaler Heiligkeit erfordere. Das Anliegen Pater Kentenichs ist es, das Leben eines jeden Menschen zu erhöhen, zu heiligen. Als Beispiele für eine solche Lebensgestaltung seien Josef Engling und João Luiz Pozzobon genannt. Begleiterin und Helferin auf einem solchen Weg ist die Gottesmutter.
Höhepunkt in dieser heiligen Messe im Taborheiligtum war die Kommunion unter beiderlei Gestalten.

Eine harmonische Tagung, bei der alle auftanken konnten, bei der auch wieder viele Gespräche der Männer untereinander stattgefunden haben, ging damit zu Ende.
Die nächste Führertagung wird vom 16. bis 18. April 2010 wieder auf dem Marienberg im Haus Tabor stattfinden.

Manfred Robert