Gedanken zur Jahreslosung: „Leben aus der Quelle“
Mit dieser Jahreslosung starten wir in ein neues Jahr der Geistpflege und des gemeinsamen Arbeitens an unserem Mannesideal, aber auch in ein Jahr des Ringens um neue Männer in unseren Gruppen und auch des Kämpfens um neue Gruppen. Der Ausgangspunkt unserer Bewegung, nämlich das Urheiligtum und seine Ursprungsgeschichte ist dann der reelle und geistige Ort der Initiative für unsere Losung.
Aber nicht nur das Urheiligtum, sondern auch die damit in Verbindung stehenden Personen sollen uns Quelle sein im Bemühen um die Verwirklichung unserer Losung. Unser Urheiligtum ist Zeuge einer gläubigen Initiative und auch die Antwort darauf und somit ein Vorgang, der von Pater Kentenich ausging und von Schülern des Studienheimes aufgegriffen wurde. So erkannte Pater Kentenich im Aufbrechen des Strebens der Schüler, der sogenannten Sodalen, die Initiative Gottes. Das war sein erwartetes Signal von der Gottesmutter und er begann, den neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft zu entwickeln. Vieles, was später formuliert wurde, war zunächst in ihm verborgen und als sehnlichster Wunsch die treibende Kraft.
Pater Kentenich wollte den ihm anvertrauten Schülern das wirkliche Leben aus der Gnade erschließen und fürs Leben mit auf den Weg geben. Nicht nur Bildung und Erziehung im Sinne von Disziplin war seine Botschaft, sondern das Gnadenleben aus der Bindung. Geradezu das höchste wollte er vermitteln, - aus der Glaubensgewissheit konnte er es.
Sein Wirken war vom Glauben an die Wirksamkeit der Gottesmutter getragen. Sie war immer die eigentlich Wirkende. In dieses Geheimnis wuchsen die damaligen Sodalen hinein und lebten daraus. Ihr Mittun war das Geheimnis für das Wirken der Gottesmutter. Dies ist Schönstatt und gleichzeitig der Ursprung unserer ganzen Bewegung und so auch Quelle.
Was bedeutet das für uns heute? Lässt sich das auf uns als erwachsene Männer anwenden? Unser Glaube ist durch das Leben schwerfällig geworden; so leicht trägt er uns nicht davon. Aber es kommt nicht allein auf uns an, wir schauen auf die Quelle und vertrauen auf sie und lassen uns dann so umwandeln. Dieses von sich, von seiner eigenen Erwartung und Fähigkeit distanzieren können und ganz auf die Quelle vertrauen, ist unser Weg und unser Leben. Das wollen wir vermitteln und so den Männern empfehlen.
Neben Pater Kentenich wissen wir um seine Schüler, von denen stellvertretend einige hinter dem Urheiligtum begraben sind bzw. um Josef Engling, der hinter vielen Heiligtümern durch einen Gedenkstein vertreten ist. Diese haben Schönstatt gegründet, indem sie sich auf die Gnadenwirksamkeit eingelassen haben. Diese Wirksamkeit entfaltet sich, wenn wir nach innen und außen aktiv werden. Mit unserem Tun öffnet sich der Gnadenstrom und die Wirksamkeit der Gottesmutter beginnt. Das ist nicht als Automatismus zu verstehen, sondern als innere Haltung für unser apostolisches Tun.
Wir geben Zeugnis über die Entstehungsgeschichte Schönstatts, wollen es anderen Männern erklären und ihnen berichten über das Leben der Mitgründer Schönstatts, wie sie die Lieblingsidee des Gründers aufgegriffen haben, all ihr Tun - und das war immer sehr begrenzt - mit dem Heiligtum zu verbinden und sich füreinander verantwortlich zu sehen, sich gegenseitig an die Ideale zu erinnern auch in den ungünstigsten Verhältnissen des Krieges und zu versuchen, weitere Männer zu gewinnen für das Erneuerungswerk Schönstatts. Davon waren sie überzeugt.
Jeder Mensch trägt in sich die Gewissheit, ein Geschöpf Gottes zu sein. Damit ist er auf der Suche nach der Aufgabe, die Gott in seinem Leben entfaltet sehen will. Dazu wollen wir uns gegenseitig ermuntern und es anderen Männern als Lebensaufgabe vermitteln. Diese Überzeugung brauchen wir, wenn wir neue Männer ansprechen. Diese Überzeugung müssen wir wirken lassen und die Einladung zur Mitarbeit in Stufen gestalten, damit ein Prozess des Interessierens beginnen kann. Unsere Einladung zur Mitarbeit muss den Mann in seinem Innersten erreichen, mit ihm will die Gottesmutter Neues beginnen und das in Gemeinschaft.
Die Einladung bezieht sich also nicht in erster Linie auf die schon bestehende Gruppe, sondern grundsätzlich auf den Neubeginn im Leben jedes einzelnen, der angesprochen ist. Wenn es so verstanden wird, kann die Gnade wirken und der Gründungsvorgang Schönstatts sich in jedem einzelnen ereignen und so zur Quelle werden.
Ernest M. Kanzler