Wallfahrt der Männerliga nach Schönstatt

Bereits am Samstag, dem 6. Juni 2009 kamen etwa 50 Personen in Schönstatt an, um am Vorprogramm teilnehmen zu können. Bei der Anreise war es stark bewölkt, es regnete in Strömen und die weiteren Aussichten ließen für die Wallfahrt nicht auf Wetterbesserung schließen.

Wir Männer aus der Diözese Augsburg waren bewusst etwas früher angereist, um die Bronzetafel unserer Diözese an der Männerliga-Gnadenstätte zu reinigen. Der Regen war aber so intensiv, dass wir zunächst keine Möglichkeit sahen, dies in die Tat umzusetzen.

Die heilige Messe um 16.30 Uhr musste auch wegen Regen ins Taborheiligtum verlegt werden, wo es dann etwas eng wurde. Man könnte das auch so deuten, dass wir als Männerliga enger zusammenrücken müssen, um die MTA anzurufen und gemeinsam mit ihrer Hilfe die Probleme, die uns unter den Nägeln brennen, anzugehen.

Vor dem Gottesdienst begrüßte uns Herr Basler, besonders den Zelebranten Herrn Pfarrer Georg Frank aus der Diözese Regensburg, der uns an diesen beiden Tagen geistlich begleitete. Seine Predigten waren geprägt vom Liebesbündnis und der Gegenüberstellung von „Bindung“ und „Freiheit“.

Herr Basler hatte noch eine Überraschung für uns. Er holte aus einem Koffer ein Vatersymbol hervor mit den Worten, unser Gründer Pater Kentenich habe dieses im Jahr 1967 für das Urheiligtum gestiftet; Leider konnte es bis zum heutigen Zeitpunkt dort nicht angebracht werden, weil die Zustimmung der Pallottiner fehlt. Nun soll dieses Vatersymbol auf Weltreise gehen, verbunden mit der Hoffnung, dass bei der Rückkehr im Jahr 2014 zur Hundertjahrfeier von Schönstatt  der Weg bereitet ist, um es im Urheiligtum anbringen zu können. Die Zeit bis dahin wollen wir nützen zum Gebet, damit sich Türen öffnen.

In seiner Begrüßung erinnerte Pfarrer Frank an das Taborgeschehen, dass Jesus Christus, die Sonne des Lebens und des Heils auf dem Berg Tabor gestrahlt hat und dass die Apostel überwältigt waren. Er wünschte uns Wärme, reichen Segen und Gnade, die von dieser Sonne ausgehen.

In der Predigt erwähnte er dann, dass es in den Gliederungen Schönstatts keine Schrift gäbe, die so dick und informativ sei wie der SchönstattMann, die ganze Jahreslosung und Jahresarbeit sei da drin, darum gehöre er zu seiner Lektüre.

„Ich bin gekommen, weil mich die Jahreslosung „Bindung in Freiheit - das Mariengeheimnis künden“ sehr angesprochen hat.“

Er zitierte Pater Kentenich, der in der Vorgründungsurkunde 1912 sagte: „Wir müssen freie Charaktere sein. Gott will keine Galeerensklaven, er will freie Ruderer haben …die sich ihrer Würde und Rechte wohl bewusst sind.“ Da kommen dann aus allen möglichen Richtungen gleich die Mahnungen, Freiheit brauche das richtige Maß, brauche Grenzen; Das ist aber zu wenig; Freiheit braucht Bindung, braucht Hingabe an ein Ideal, freiwillig mich binden an die gottgewollten Bindungen.

Originellerweise erlangen wir diese Bindung im Liebesbündnis. Volle Freiheit erreichen wir erst, wenn wir Grundsätze und Werte anerkennen, Freiheit ist ein Geschenk. Gott erwartet von uns Initiative. Von Pater Kentenich stammt der Satz: „Wie machen wir den Menschen frei? Wenn wir ihn beheimaten. Wie machen wir auch uns selbst frei? Wenn wir uns verzehren in unserer Aufgabe.“

An der Person von Max Brunner, einem der Mitbegründer der Schönstattbewegung, machte Pfarrer Frank deutlich, was Bindung in Freiheit bewirkt. Max Brunner liebte die Freiheit und erlebte stürmische Reifejahre. Er war ein entschiedener Gegner der marianischen Kongregation und übergoss sie oft mit Spott und Hohn. Er sagte, er möchte kein Massenmensch sein. Sein Freiheitsdrang war ohnegleichen. Pater Kentenich ermahnte ihn aber, bei Diskussionen niemanden zu beleidigen, sondern mit Argumenten zu arbeiten. Was für ein Wandel hat sich da bei ihm vollzogen innerhalb von drei Jahren in Schönstatt; Am 6. Juli 1914 schließt er feierlich ein privates Bündnis mit dem heiligsten Herzen Jesu und Mariä. Am 8. Dezember1914 wird er in die Kongregation aufgenommen und ist bald führend in ihr tätig. Max Brunner hat das Mariengeheimnis gekündet, wo er nur konnte, selbst bei den Soldaten im Gasthaus brachte er die Sprache auf Maria und was man für sie tun könne.

Diese Predigt regte sicher viele an, neu über die Begriffe Bindung, Freiheit und Mariengeheimnis nachzudenken.

Der Regen begleitete uns auch auf dem Weg zum Abendessen, doch plötzlich - welche Freude - es hörte auf und wir konnten noch nach dem Essen die Gelegenheit wahrnehmen, unsere Bronzetafel vor Beginn der Statio zu reinigen. Um 19.45 Uhr spazierten wir zur Männerliga-Gnadenstätte. Herr Haaga berichtete vom Symbol der Diözese Augsburg und sagte unter anderem: wir, die Schönstatt-Männer der Diözese Augsburg, wollen durch dieses Symbol dokumentieren, dass wir unser Streben nach dem Satz ausrichten, den unser Vater und Gründer Pater Kentenich bei der Grundsteinlegung unseres Diözesanheiligtums in Memhölz an die dort versammelten Schönstätter gerichtet hat: Die MTA möge von hier aus Sonnen-Höhen-Freiheitsmenschen schaffen und formen!

Nach der Statio machten wir eine Lichterprozession, den Rosenkranz betend, zur Mariensäule. Bei der Statio kam zur Sprache, unter welchen Umständen diese Mariensäule am 6. November 1982 errichtet wurde.

Weiter ging es dann zur Gründerbank und anschließend zum Taborheiligtum. Dort erfuhren wir etwas über den 27. Juli 1966. Damals trugen Marienbrüder den Grundstein des Heiligtums hierher und erzählten Pater Kentenich, wie in den vielen Jahren gebetet und geopfert wurde für dieses Heiligtum. Mit einem Lied um eine gute Nacht beendeten wir diesen Tag. Bemerkenswert - die ganze Prozession über bekamen wir keinen Tropfen Regen ab.

Am Dreifaltigkeitssonntag hatten wir vor dem Festgottesdienst die Gelegenheit zum Empfang des Bußsakramentes. Um 10.30 Uhr begrüßte Herr Basler in der Dreifaltigkeitskirche alle Pilger aus den 14 Diözesen. Insgesamt waren es etwa 135 Männer und Frauen. Es hätten noch viele Platz gefunden angesichts der Lücken in den Bänken.

Pfarrer Frank eröffnete den Festgottesdienst mit den Worten: „Zu Beginn bekennen wir gleich zweimal das Festgeheimnis des heutigen Tages,: “Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Des Weiteren empfahl er uns, die ganze Jahresarbeit der Männerliga in diese Wallfahrt mit einzubringen.

In der Predigt ging Pfarrer Frank noch einmal auf den gestrigen Abend ein und meinte, uns seien zwei Zeichen geschenkt worden. Zum einen konnten wir nach dem vielen Regen unsere Prozession und die Statio ohne einen Tropfen begehen. Das andere, wir bekamen das Vatersymbol zu sehen, das der Gründer Pater Kentenich für das Urheiligtum geschenkt hat. Dann hob er die Marianische Sendung Schönstatts hervor, die Erneuerung des Taufbündnisses, denn das Liebesbündnis ist eine Verlebendigung des Taufgeheimnisses.

Der Blick wurde dann auf Max Brunner gelenkt. In innerer Freiheit  hat er sich unter der persönlichen Führung Pater Kentenichs zur Bindung seiner Freiheit an die Gottesmutter entschlossen.

Pater Kentenich konnte nach dem Tod von Max Brunner am 23. April 1917 der Mutter schreiben: “Und wo ist schließlich ein Junge, der in den Flegeljahren nicht eine entsprechende Entwicklung durchgemacht hat. Leider gehen nur zu viele dabei zugrunde. Max hat sie glücklich überstanden und ist innerlich frei als ein werdender Mann und Apostel daraus hervorgegangen.“
Die MTA hat dies bei ihm fertiggebracht. Dies soll uns daran erinnern, wenn wir uns in Freiheit binden. Vor 75 Jahren, 1934, wurden die Gebeine Max Brunners aus Frankreich nach Schönstatt heimgeholt. Die Heldengräber erinnern an den Gründergeist und haben viele in ihrer Sendung bestärkt. Lassen auch wir uns von diesem Geist in dieser schwierigen Zeit inspirieren und senden.

Die Predigt endete mit den Worten, dass in dieser Dreifaltigkeitskirche Pater Kentenich heimgegangen ist in den Schoß der Dreifaltigkeit. Auch wir sind dahin unterwegs und sollen Geborgenheit finden im Schoß des Dreifaltigen Gottes.

In den Fürbitten kam mehrmals die Bitte um Nachwuchs für die Männerliga und die Bitte an die Gottesmutter um Kraft und Mut für unsere Männer, den Glauben an den Dreifaltigen Gott in die Welt hinauszutragen.

Zum Abschluss des Gottesdienstes wünschte uns Pfarrer Frank, dass die Gnadensonne in uns strahlen möge.

Geistig so gestärkt begaben wir uns in die Häuser zum Mittagessen.

Um 14.00 Uhr trafen wir uns am Urheiligtum zu einer Statio, um an diesem Gnadenquell der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin unsere Anliegen, Sorgen und Bitten vorzutragen. Nach einigen Liedern und Gebeten machten wir uns auf den Pilgergang zum Taborheiligtum. Dabei beteten wir den Lichtreichen Rosenkranz.

Am Taborheiligtum hörten wir einige Worte Pater Kentenichs: “Das Wichtigste ist und bleibt aber doch dieser Geist der recht verstandenen und gebrauchten christlichen Freiheit. Gott zeigt uns durch die Verhältnisse neue Wege zu seiner Sicherung“.

Ein letztes Mal bei dieser Wallfahrt richtete Pfarrer Frank sein Wort an uns:

Den Taborberg muss man sich erpilgern. Es geht ums Heiligtum; wir wollen uns Wallfahrtsgnaden erbitten, im Sinne des Gnadenjahres 2000 das Bündnis mit Maria und dem Dreifaltigen Gott erneuern, neu das Leben aus Gottes Hand annehmen, aber auch zurückgeben. Wir sind immer wieder neu gerufen, das Liebesbündnis zu schließen, es zu erneuern, wollen aber kein mechanisches Hintereinander oder Nebeneinander praktizieren.
Pater Kentenich sagte einmal: “Müssen wir nicht manchmal sagen, unsere Natur ist wie ein Papierkorb aufzufassen, der all die einzelnen Gnadenschnitzelchen in sich aufnahm, und da er voll war, haben wir ihn ausgeschüttet? Der Papierkorb ändert sich nicht. Ist er voll, dann wieder heraus damit! Da hat die Gnade weder eine Funktion nach oben noch die nach unten vollzogen!“
Jeder einzelne soll sich sagen: ich will mein Bündnisleben erneuern, Gott, ich gebe mich in Deine Hand. Durch die Gottesmutter sehen wir diese Gnadenstunde hier im Blick auf die Zukunft mit den großen Jubiläen, die anstehen.

Wir wollen ein lebendiger Ofen sein, im Herzen soll Feuer sein, das unsere Wallfahrt erwärmt im Hinblick auf die großen Jubiläen. Auch von uns soll das gelten, was Pater Kentenich in der Gründungsstunde sagte:„Ihre Herzen haben Feuer gefangen“.

Aufs Leben kommt es an. Ich kannte einen Bauer, ich habe ihn für Schönstatt gewonnen. Er ist inzwischen gestorben, aber ich muss noch oft an ihn denken. Er hatte nur in einem einzigen Buch gelesen - über die Werktagsheiligkeit. Daraus hat er gelebt. Die Arbeit ist eine Segensquelle, war seine Devise. Er war geprägt von der Werktagsheiligkeit, sie soll auch uns prägen.

Die Heldengräber unten sollen für uns immer eine Einladung sein, unser Liebesbündnis neu zu schließen und zu leben.

Nach der Ansprache war Aussetzung des Allerheiligsten mit einer Eucharistischen Andacht in der wir durch Gebet und das Singen der jeweiligen Jahreslosungsrefrains uns an die Anbringung des Türsymbols (im Christusjahr), des Heilig-Geist-Symbols (im Heilig-Geist-Jahr) und des Vatersymbols (im Gott-Vater-Jahr) erinnerten und den Bund mit dem Dreifaltigen Gott erneuerten.
Es fing dann an diesem Tag erstmals an zu regnen als wir das „Tantum ergo“ sangen.
Nach dem eucharistischen Segen und dem Schlusslied sang Herr Wünstel noch den neuen Jahresmottorefrain: „Leben aus der Quelle“.

Neu gestärkt an Geist und Seele machten wir uns wieder auf den Heimweg. Diese Wallfahrt wird uns in guter Erinnerung bleiben, zumal das Wetter auch am Sonntag bis kurz vor dem Ende gut mitgespielt hat.

MARIA MIT DEM KINDE LIEB, UNS ALLEN DEINEN SEGEN GIB

Roland Ketzer