Männerforum im Haus Tabor

Das Interesse an einer spirituellen Männerarbeit ist bei den befragten Männern (noch) gering, so zumindest die Aussagen der aktuellen vergleichenden Männerstudie 1998/2008 von Zulehner/Volz.
Andererseits ist ein Ergebnis dieser Studie, dass „Väterlichkeit“ selbst bei modernen Männern ein echtes Thema ist und das Interesse daran sehr stark wächst. Sowohl in kirchlichen Kreisen als auch in Schönstatt macht man sich Gedanken, wie diese Lücke zwischen den hohen Erwartungen von Männern im Hinblick auf „Väterlichkeit“ einerseits gegenüber dem (noch) sehr geringen Mobilisationsgrad im Hinblick auf Engagement für Männerarbeit geschlossen werden kann. Das 3. offene Männerforum, das sich in dieser Linie vor allem an jüngere Männer unter 50 richtet, leistete hierzu wieder einen wichtigen Beitrag.
Das Motto dieser Tagesveranstaltung lautete „Mannsein heute – im Gespräch entdecken“. Referent Professor Joachim Schmiedl erläuterte anhand von Schaubildern die Ergebnisse der vom Familienministerium in Berlin geförderten Studie.
So hat sich – im Zeitvergleich von 10 Jahren – das Rollenbild des Mannes weiter verändert: Es wächst unter den Männern, auch unter solchen, die eher als konservativ angesehen werden, die Zustimmung zur Berufstätigkeit der Frauen. Die Zukunft der Institution der Ehe wird dagegen von diesen Männern überraschender Weise zunehmend skeptisch gesehen. Von den modernen – der eher progressiven Gruppe – wird der Ehe erstaunlicher Weise mehr Zukunftsfähigkeit zugetraut. Der Anteil dieser Männer, die stark bereit sind, ihre Rolle zu verändern und partnerschaftlich zu gestalten, wächst vor allem unter der Altersgruppe der 20 – 40 jährigen Männer. Ein interessanter Aspekt der Studie ist auch der Anteil der Männer, der sich mehr als verdoppelt hat, der von der Kirche einen Beitrag zur Neugestaltung der Männerrolle erwartet.
Es war interessant zu beobachten, wie die Teilnehmer auf die Ergebnisse der Studie reagierten und wie sich ein lebhafter Austausch entwickelte, in dem die oft sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Facetten der Problematik beleuchtet wurden. Ein neuer Teilnehmer aus der Familienliga meinte, dass er froh sei, hier dabei zu sein, da gerade hier Themen zur Sprache kämen, die ihn persönlich sehr interessieren. Ein anderer Mann aus Süddeutschland, verheiratet, Gewerkschaftler und Betriebsrat in einem mittelgroßen Unternehmen, sprach geradezu begeistert von der „Atmosphäre“, die er hier zum ersten Mal erleben durfte.
Um nicht nur bei den manchmal tendenziösen Fragestellungen der Studie hängen zu bleiben, wurden dann am Nachmittag Arbeitskreise gebildet, in denen die Thematik des „Mannseins“ anhand von Texten Pater Kentenichs (Milwaukeeterziat/ Ansprache Marienau 1966) vertieft wurde. Hierbei fanden die Männer heraus, dass das überzeitliche Anliegen Pater Kentenichs darin besteht, nicht ein fernes Ideal zu künden, sondern in möglichst konkreter bildhafter Weise den Männern eine konkrete Vision nahezubringen, die Kräfte weckt. In der Ausarbeitung der Texte ergab sich, dass die Haltung des „Kindseins“ vor Gott ein elementares Korrektiv für den Mann sei, in dem Offenheit für Neues und für Vertrauen und Mut, den Raum für Innerlichkeit zu gestalten, entwickelt werde.
Das „Vatersein“ sei auf der anderen Seit die mehr aktive Rolle, die nicht nur mit der – zeitlich eng begrenzten – biologischen Aufgabe verbunden sei, sondern eine geistliche und lebenslang begleitende Präsenz gegenüber dem wachsenden Leben darstelle. Gerade auch (freiwillig) zölibatär lebende Männer hätten Gelegenheit, im beruflichen und gesellschaftlichen Kontext an dieser großen Aufgabe entscheidend mitzuwirken. Es blieb dabei nicht unerwähnt, dass erwartet würde, dass Männer in der Lage seien auch möglichst viel Freiheit dem jeweiligen Gegenüber zu schenken. Die Teilnehmer stellten auch fest, dass Pater Kentenich selbst diese Haltungen in vorbildhafter Weise vorgelebt habe.
Mit Bitte und Dank dem Dreifaltigen Gott und der Gottesmutter gegenüber wurde eine festlich gestaltete Abschlussmesse von den Männern gefeiert. Damit endete auch das kompakte Treffen und es war ein großer Konsens unter den Teilnehmern, dass die „Sache“ weitergeht.
Lambert M. Schroedter