Wie entstand der 18. Oktober 1914?
»Der
Herr öffnete mir die Tür
Was versteht man unter dem Gesetz der geöffneten Tür? Das ist ein populärer Ausdruck für das, was wir Vorsehungsglauben nennen. Der Ausdruck stammt nicht einmal von mir, der kommt vom heiligen Paulus. Paulus ist genauso erzogen worden, wie der liebe Gott mich und uns alle erziehen möchte. Paulus hat immer gefragt: „Lieber Gott, was willst Du denn eigentlich?“ Er hat nicht gewartet, bis ein Engel kam oder bis er in den siebten Himmel erhoben war. Er hat (den Willen Gottes) aus den Verhältnissen geschlossen.
Sehen Sie, so kam es z. B. vor, dass er an diesem oder jenem Ort war und sich dann fragte: Wo soll ich jetzt hingehen? Er hatte noch viel Arbeit. Darum hat er sich gesagt: Halt, da drüben in Mazedonien, da ist jetzt ein Türchen geöffnet. Der liebe Gott will, ich soll nach Mazedonien. Und dann hat er sich gesagt: Wenn der liebe Gott will, ich soll nach Mazedonien, dann gehe ich dahin (gesprochen: dadurch). Er hat ja die Tür geöffnet (vgl. Apg 16,6-10 und 2 Kor 2,12).
Was heißt das: Gesetz der geöffneten Tür? Der liebe Gott öffnet ein Türchen und lädt mich ein, durch diese Tür hindurchzugehen. Und dann gehe ich hindurch. ...
Das ist das Gesetz der geöffnete Türe, das ist praktischer Vorsehungsglaube. ...«
(Aus: In der Schule des Apostels Paulus. Ausgewählte Texte von P. J. Kentenich, von Peter Wolf (Hrsg.), Vallendar 2008)
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»Jetzt die Frage: Wie hat sich dieses Gesetz der geöffneten Tür in Schönstatt ausgewirkt? Die Antwort ist sehr einfach. Der liebe Gott hatte mir damals die Aufgabe gegeben, die Jugend zu erziehen. Und ich hatte ein ganz bestimmtes Ideal, in das ich sie hineinerziehen wollte, ähnlich wie der liebe Gott Ihnen Ihre Kinder gegeben hat. Sie sollten die Kinder nicht nur erzeugen, Sie sollten sie auch erziehen. Und dann haben Sie angefangen zu erziehen, haben auch ein bestimmtes Ideal, in das Sie sie hineinerziehen wollen. So ging es mir damals auch. Das war 1912/13.
Plötzlich, 1914, bricht der Krieg aus. Da mussten die Jungen hinaus auf die Kriegsschauplätze, und ich habe die Verantwortung für sie. Gesetz der geöffneten Tür! Während dieser Zeit, in der die Jungen hinaus mussten, da habe ich - so ganz menschlich gesprochen - zufällig eine ganz dünne Zeitschrift in die Hand bekommen. Da war ein Artikelchen darinnen, vielleicht eine Spalte lang, ganz kurz. Was da erzählt wurde? Von einem Advokaten. Das war kein amerikanischer, das war ein italienischer Advokat. Also, das war ein italienischer Advokat, der vorher Freimaurer war. Der Herrgott, die Gottesmutter haben ihn benutzt, einen Wallfahrtsort zu gründen. Vielleicht haben Sie den Ort(snamen) schon gehört: Pompeji. Das ist nachher ein großer, weltberühmter Wallfahrtsort geworden. Da kommt mir auf einmal die verrückte Idee. ...
Wenn sich die Gottesmutter dort niedergelassen und Großes gewirkt hat, wäre das nicht möglich, sie herunterzuziehen hier ins kleine Heiligtum? - Ich habe ja auch die Aufgabe, meine Jugend zu erziehen, (und) die Gottesmutter ist nach dem Plane Gottes die große Erzieherin.
Jetzt müssen Sie sich erinnern: Das (Kapellchen in Schönstatt) war eine Rumpelkammer. Das bedeutete also, die Gottesmutter in die Rumpelkammer herunterzuziehen. Warum? Zu welchem Zweck? Sie soll die Jungen erziehen, (denn) ich kann ihnen da draußen im Krieg nicht nachlaufen. Und wenn ich Gott weiß wie fähig und mächtig (notiert: kräftig) wäre, ich kann nicht hier sein und da sein, im Osten sein (und) wieder im Norden sein. Nein! Dazu kommt die Hilflosigkeit, deren Hilflosigkeit und meine Hilflosigkeit. Was sollen wir machen?
Da kam mir also die Idee: Gesetz der geöffneten Türe. Was heißt das? Der liebe Gott hat die Tür geöffnet. Das war natürlich nur ein kleiner Spalt, dieses kleine Artikelchen. Was war das (für eine Idee)? Da, schau einmal, da hat die Gottesmutter sich niedergelassen. Ob sie das nicht auch hier möchte? Und weil ich immer ein sehr vernünftiger Mann bin - hm -, da habe ich bloß den Schluss gezogen: Das könnte wohl so sein. Obwohl ich die innere Gewissheit hatte, es ist so, habe ich das nie gesagt, sondern bloß gedacht: Es wäre doch schon möglich.
Und dann bin ich am 18. Oktober hingegangen und habe unseren Jungen den Plan vorgelegt. Das müssen Sie jetzt einmal lesen: die Gründungsurkunde; dann verstehen Sie die Idee. Wunderschön, wenn Sie das auch auf diesem Hintergrund (gesprochen: aus dem Zusammenhange) hören. Und die Jugend war so dumm (und) ist darauf hereingefallen. Die Jungen haben gesagt: Ja, da helfen wir dem Spiritual mit. Was tun wir?
Das hängt so tief zusammen. Ich hatte ja eine Erziehungsaufgabe und wollte erziehen. Deswegen ist die Gottesmutter für mich von Anfang an die Erzieherin gewesen. Und deswegen habe ich die Gottesmutter sprechend eingeführt (notiert:
angeführt). Sie sagt: „Gut, ich billige den Plan, aber nur unter einer Bedingung.“ Unter welcher Bedingung? „Dass Ihr Euch kraftvoll weiter erzieht, und zwar so, dass ,die Fetzen fliegen'. Da darf nichts mehr übrig bleiben. Ihr sollt Meisterwerke werden. Bis zum Höchsten müsst Ihr Eure Forderungen schrauben. Tut Ihr das, dann komme ich herunter. Dann lasse ich mich herunterziehen. Und dann, ja, dann will ich eine große Erneuerungsbewegung von diesem Plätzchen aus in die Wege leiten.“
Verstehen Sie? Das war 1914. Gesetz der geöffneten Tür. Verstehen Sie jetzt, inwiefern dieser Plan entstanden ist nach dem Gesetz der geöffneten Tür?«
(Aus: J Kentenich, Vortrag für Familien, Milwaukee/USA, 13.9.1953)