Fortsetzung:
Leben schöpfen, weitergeben und pflegen ist unsere Herausforderung. Uns Männern fällt das Pflegen schwer. Ist es doch das tägliche Kleine, dem wir unsere Aufmerksamkeit widmen müssen und das uns hindert, große Taten zu vollbringen, so meinen wir. So genannte große Taten sind Vorgänge, in die einzelne Menschen eingebunden sind oder an denen sie teilhaben dürfen. -
Unsere große Tat ist die Vision, für die wir leben, wofür wir uns entschieden haben und für die wir glauben berufen zu sein. Diese Vision setzt aber zutiefst in uns an. Unser Sein will neu und zutiefst sowie richtig verwurzelt sein, so dass wir aus einer inneren Gewissheit leben können.
In diesem Wahrnehmen, Erfahren und Wissen nährt sich unser Gewissen und wird im Gebet und der Wahrheit gebildet. Dieser zunächst innere Vorgang will sich ausdrücken und lebendig werden. Das Wie und Wo ereignet sich in und aus unserem Umfeld, das wir nur zum Teil selbst gewählt haben, aber ein wichtiges Korrektiv für uns ist. Unsere Gruppe ist also Garant, dass unser inneres persönliches Wachsen gesund ist und eine Ergänzung im Wachsen der Gruppe findet.
So dürfen wir auch unser Bündnis mit der Gottesmutter sehen. Unsere persönliche Weihe findet Ergänzung in der Weihe der Gruppe. So erhalten wir Gewissheit über den Wachstumsprozess und auch eine innere Griffsicherheit in Entscheidungen. Das ist ein wesentlicher Aspekt unserer Gruppenarbeit und der Motor unseres Weihelebens. Die Erneuerungen unserer Weihen fördern diesen inneren Wachstumsprozess und stärken unsere Griffsicherheit. So ist die tägliche Weiheerneuerung und die Einbindung in unsere Gruppe zutiefst unser ausgezeichnetes pädagogisches Mittel für die Verwirklichung unserer Vision des neuen Mannes, wobei im Wesentlichen das Neue nicht die Ideen oder die Lebensumstände sind, sondern die aus dem Liebesbündnis im Heiligtum sprudelnde Gnade. Diese ist immer neu und will uns durchdringen, damit wir nicht im Gestern verharren, sondern im Heute. So können wir in die Zukunft blicken, Geschehenes ablegen und frei werden für täglich neue Ansätze.
So bietet uns die Gottesmutter im Liebesbündnis eine immer neu sprudelnde Quelle an, aus der wir schöpfen können. Dies kann unsere Kultur werden: das Leben aus dem Liebesbündnis allgegenwärtig machen. Unser Weihegebet will so in unseren Alltag eingebunden sein und uns beseelen. Es will in uns lebendig halten, was wir wollen, und so Lebensnerv der Gruppe sein.
Es will also gut formuliert sein. Es soll unser Gruppenideal darstellen und unsere Beziehung zur Gottesmutter verlebendigen. Keine einfache Anforderung, aber es ist eine Aufgabe, die uns mit Hilfe des Heiligen Geistes gelingt und eint. Als Anregung kann da ein Aufspüren von Gruppenidealen bzw. von Weihegebeten ehemaliger Gruppen in unserer Abteilung und Diözese hilfreich sein.
Unsere erste Gründergeneration in Schönstatt hat uns über die Briefe und Tagebuchnotizen Josef Englings Zeugnisse vom Ringen um die Gruppen, deren Mitglieder und um die Sendung hinterlassen. Es wäre für jede Gruppe und jeden einzelnen immer wieder eine Hilfe, darin das Werden Schönstatts zu studieren.
Es ist auch in Schönstatt Brauch, besondere Orte aufzusuchen, um sich vor Ort von den Gnadenereignissen erfassen zu lassen. Ganzheitlich soll unsere Methode sein, damit wir das Leben ganz aufnehmen können. Die Mühe auf sich nehmen und ehemalige Lebensvorgänge nachvollziehen ist Pädagogik. Gemeinsam als Gruppe solche Erlebnisse machen zu können, in geistige Lebensvorgänge eintauchen zu können, bildet Gemeinschaft und gibt neuen Schwung für die Gruppenarbeit.
Welcher unserer Schönstätter aus der Gründergeneration steht unserer Gruppe nahe? Welcher bietet uns Hilfe in unserem Beten etc., z. B. Mario Hiriart hat uns einen reichhaltigen Schatz von Betrachtungen im Heiligtum hinterlassen. Können diese auch uns inspirieren, die Gedanken und Worte zu finden, um der Gottesmutter unser Herz zu öffnen?
Welcher Schönstätter steht uns nahe im Stehen mitten im Leben: in der Familie, im Berufsalltag und im Glauben? Gilbert Schimmel hat in der Gruppe, die Pater Kentenich während seiner Zeit in Milwaukee selbst begleitete, Schönstatt kennen gelernt und eine innere Entwicklung erfahren, die ihm sein Lebensangebot ermöglichte, das auch dann eingelöst wurde.
Unser Gründer, Pater Kentenich, würde sich sicher sehr freuen, wenn wir uns in unseren Anliegen nicht nur an ihn, sondern auch an seine Töchter und Söhne wenden. Sein Gründercharisma wird und ist facettenartig auch in seiner Gefolgschaft lebendig. So will es auch in uns lebendig werden und die jeweilige Sendung künden. Dafür können wir Zeuge und Werkzeug in der Hand der Gottesmutter sein und das Leben aus der Quelle besiegeln.
In Treue zum
Gründer hoffe ich, dass Ihnen in Ihrem Streben um unsere Ideale die Anregungen
zur Jahreslosung geholfen haben, und wünsche Ihnen auch weiterhin eine
fruchtbare Arbeit in Ihrem Leben, Ihren
Familien, Ihrem Beruf und Ihrem Apostolat.
Ernest M. Kanzler