Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens für Jakob Rem

Am 17. Januar 2010 hat Bischof Gregor Maria Hanke im Ingolstädter Münster das Seligsprechungsverfahren für Jakob Rem feierlich eröffnet.
Dabei hat der Bischof die Parallele Ingolstadt-Schönstatt und Schönstatt-Ingolstadt hervorgehoben.

An diesem feierlichen Ereignis nahmen u. a. Herr Pfarrer Otto Maurer und Herr Waldemar Stemle teil.

Pater Monnerjahn hat in seinem Buch: „Pater Joseph Kentenich – Ein Leben für die Kirche“ (Ausgabe 1975, Seite 76-78) folgendes geschrieben: »4. Parallele Ingolstadt - Schönstatt

Wie die folgenden Jahre zeigten, sollte Pater Kentenich sich in der vorsehungsgläubigen Betrachtung der Entwicklung seiner Arbeit in Schönstatt seit dem 27. Oktober 1912 und ihrer Interpretation, wie er sie im Vortrag vom 18. Oktober 1914 vorgetragen hatte, nicht getäuscht haben. Die „Lieblingsidee“, die er vor der Kongregation ausgesprochen hatte, war ein lebendiges Samenkorn, das in den Herzen aufging und in der Gemeinschaft der Kongregation zu wachsen begann, und das, obwohl er nach dem 18. Oktober etwa ein halbes Jahr lang absichtlich kein ausdrücklich erklärendes Wort über die „Lieblingsidee" vor den Sodalen fallen ließ.

Die erste Gestalt, die die „Lieblingsidee“ im Laufe des Jahres 1915 anzunehmen begann, ohne zunächst im öffentlichen Bewusstsein der Kongregation mit dem Vortrag vom 18. Oktober 1914 in Verbindung gebracht zu werden, verbarg sich unter der für einen Außenstehenden nicht gleich fassbaren Losung der „Parallele Ingolstadt - Schönstatt“.

Im Jahre 1595 hatte Pater Jakob Rem innerhalb der Marianischen Kongregation von Ingolstadt, einer der ersten, die in Deutschland gegründet worden waren, das sogenannte „Colloquium Maria­num“, einen Elitekreis von Sodalen, um sich gesammelt und da­durch die Kongregation zu einer Hochblüte geführt, die über Ingolstadt hinaus zur Erneuerung des kirchlichen Lebens in Süd­deutschland erheblich beitrug. Pater Kentenich war durch eine Darstellung des Jesuitenpaters Hattler auf Rem und sein „Collo­quium“ aufmerksam geworden. Nachdem er selbst das Buch ge­lesen hatte, ließ er es auch unter den Sodalen zirkulieren. Gleich­zeitig wies er in seinen Vorträgen auf das Beispiel der Ingolstädter Kongregation hin, so Ende Mai 1915, als zum ersten Mal ein Gym­nasiast, der nicht zum Studienheim Schönstatt gehörte — Hermann Büsching aus Limburg — in die Schönstätter Kongregation auf­genommen wurde. In der Ansprache, die Pater Kentenich bei dieser Aufnahme hielt, stellte er die Frage: „Wie wäre es, wenn das Ingol­stadt des Mittelalters zu einem Vallendar der Neuzeit würde?“ Ein Jahr später war aus der Frage eine feste Überzeugung gewor­den. „Vallendar“, so schrieb er 1916 an den ersten Präfekten der Schönstätter Kongregation, der im Felde stand, „soll wirklich ein zweites Ingolstadt werden.“ Im November 1915 bereits hatte er dem gleichen Adressaten mitgeteilt: „Ohne auf Einzelheiten ein­zugehen, möchte ich Ihnen meine Überzeugung von der providen­tiellen Bedeutung unserer Marianischen Kongregation ins Gedächt­nis zurückrufen. Diese Bedeutung dürfte weit über die Mauern unserer hiesigen Anstalt hinausgehen. So scheint es mir wenig­stens.“ „Von unserem Kongregationskapellchen“, so lautete eine Umschreibung der von Pater Kentenich erahnten Bedeutung, „muss eine sittlich-religiöse Erneuerung Deutschlands ausgehen nach dem Vorbilde Ingolstadts.“

Von Pater Rem und der Ingolstädter Kongregation übernahm Pater Kentenich auch den Namen für das Marienbild, das der Kongre­gation von einem ihrer Lehrer, Professor Huggle, Ende April 1915 für das Kapellchen geschenkt wurde: „Mater ter admirabilis, Drei­mal Wunderbare Mutter“.

Am letzten Apriltag 1915 berichtete Pater Kentenich darüber dem erwähnten ersten Präfekten: „Auch unser Kapellchen nimmt eine immer würdigere Gestalt an. Gerade vor Beginn des Mai haben wir ein schönes Altarbild von Herrn Huggle erhalten (Mutter mit Kind).“ Im Brief an einen anderen Sodalen hieß es: „Seit der kur­zen Zeit, seit Sie fort sind, hat unser Kapellchen ein ganz anderes Aussehen bekommen. St. Michael musste einem schönen Mutter­gottesbild weichen ... Er hat dafür ein Postament bekommen auf der Evangelienseite vorn im Chörchen. Dort thront er nun als Wächter des Sakraments ... Wir aber freuen uns über unser Ka­pellchen und fühlen uns dort heimischer als je. Hier sollten auch Sie zu Hause sein.“

Den Namen „Dreimal Wunderbare Mutter“ begründete und deutete Pater Kentenich in einem Brief aus dem Juni 1915: „Vielleicht liegen Sie jetzt schon im Schützengraben? Wie dem auch sei, ich hege das feste Vertrauen, dass unsere liebe himmlische Mutter alle unsere Sodalen, die wirklich Beruf haben, trotz scheinbarer Un­möglichkeit doch zum Ziele führt. Mater ter admirabilis, Dreimal wunderbare Mutter haben wir sie getauft. Unter diesem Titel ver­ehren wir sie künftig in unserem Kongregationskapellchen. Denn ohne allen Zweifel hat sie sich wunderbar erwiesen an unseren Soldaten-Sodalen, nicht an letzter Stelle an Ihnen.“ Etwas später heißt es weiter: „Wunderbar wird sie sich auch zeigen an und in unseren Sodalen in den langen Ferien. Also heißt künftig unser Schlachtruf: Mater ter admirabilis, ora pro nobis.“ Am Schluss des Briefes kommt Pater Kentenich noch einmal auf den Namen zurück: „Wenn ich aber erst einmal als Seelenführer von fünf, sechs unserer Studenten auspacken wollte, dann, ja dann würden Sie den Titel verstehen: Mater ter admirabilis...“ « (Seite 76-78 – Ausgabe 1975)  Red.