Halt das Zepter in der Hand
Nach dem Durchbruch der Alliierten am 7. März 1945 in Remagen bewegt sich die Front auf den Ort Schönstatt zu. In dieser Gefährdung dichtet Pater Kentenich dieses Gebet, das im KZ und am Ort Schönstatt als Novenengebet auf den 25. März hin gebetet wird. Die Gottesmutter soll ihre königliche Macht einsetzen, dass alle Feinde fliehen und von Schönstatt aus Aufbauarbeit im Sinne der großen Sendung geschehen kann. Am Schlusstag der Novene wird Schönstatt ohne Zerstörung eingenommen. In sehr konkreter Bedrohung verfasst, weist dieses Gebet doch weit über die Situation von damals hinaus. - Entstanden: März 1945.
Halt das Zepter in der Hand,
Mutter, schütz Dein Schönstattland;
dort bist Du nur Königin,
sorg, dass alle Feinde fliehn. HW 130,1
Das Gebet 'Halt das Zepter in der Hand' (HW 130-131) hat unser Vater im März 1945 als Novenengebet gedichtet. Schönstatt war Kriegsgebiet geworden. Man musste befürchten, dass es beim Einmarsch in Schönstatt zu Zerstörungen kommen würde. Im KZ von Dachau erreichte unseren Gründer das Gerücht, ganz Schönstatt sei entvölkert, die Schwestern seien geflohen. Auf den 25. März hin hielt man im KZ eine Novene mit diesem Gebet (vgl. dazu Dachau-Chronik II, S. 82). Aus dieser bedrängenden Not ist ein Gebet entstanden, das bis zum heutigen Tag etwas ausstrahlt vom Vertrauen auf die Sendung der Gottesmutter in Schönstatt. Es ist ein kraftvolles Gebet, auch in seiner Sprache und seinen Bildern. Die Zeilen sind kürzer als bei den meisten Gebeten im Himmelwärts, wodurch das Ganze irgendwie an Prägnanz gewinnt.
Das Gebet richtet sich an die „Mutter“ (Z. 2). Ihr gilt in dieser gefährlichen Stunde des Krieges das ganze Vertrauen. Die Bitte ist ganz konkret. Sie soll den Ort Schönstatt mit seinem Heiligtum in der Mitte schützen, wenn die Besatzungsmächte einmarschieren, die mit ihren Panzern und Bombern bereits das Rheinland aufrollen. In dieser gefährlichen Situation soll die Mutter das Zepter in der Hand halten. Indem sie das Zepter ergreift, soll sie sich als Königin zeigen. In diesem zunächst ganz konkret verstandenen „Schönstattland“ (Z. 2) ist sie allein Königin. Keine irdische Macht, weder die nationalsozialistische Regierung noch die anrückenden Siegermächte, stehen über ihrer königlichen Macht. Sie soll dafür sorgen, „dass alle Feinde flieh´n“ (Z. 4), alle, die Schönstatt in dieser Situation gefährlich werden können.
Schaff Dir dort ein Paradies,
halt den Drachen im Verlies.
Sonnenfrau, tritt klar hervor,
steig zur Mittagshöh' empor. HW 130,2
Das Stichwort „Feinde“ (HW 130,1) aus der ersten Strophe scheint hier weiterzuklingen. Maria soll sich auch durchsetzen gegen die hintergründigen Mächte. In diesem Schönstattland soll sie sich ein Paradies schaffen. „Paradies“ (Z. 1) steht für die ganz gottgemäße, heilige und unverdorbene Ordnung. Es ist der Mariengarten, der ganz ihr gehört. Sie soll Schönstatt schützen vor allem widergöttlichen Einfluss, und soll den „Drachen“ (Z. 2), von dem die Apokalypse spricht, im Verlies halten. Unser Vater setzt in dieser gefährlichen und kritischen Situation ganz auf die „Sonnenfrau“ (Z. 3), die im zwölften Kapitel der Apokalypse gegen den Drachen antritt (vgl. Offb 12). Sie soll klar hervortreten und wie die Sonne in der Mitte des Tages im Zenit alles überstrahlen.
(Aus: Gebetsschule ‚Himmelwärts’ – Geistlicher Kommentar zu den Dachauer Gebeten von Pater Josef Kentenich, von Dr. Peter Wolf, Schönstatt-Verlag 1995, Seite 401/402)
Fortsetzung folgt!