Männertag auf der Liebfrauenhöhe

Mit einer Statio am Heiligtum begann am 28. Februar 2010 der Männertag. Diözesanführer Franz Bradler begrüßte die zahlreichen Teilnehmer. Er verwies auf die Geborgenheit beim Heiligtum und bat um eine Neuausrichtung der Ideale der Männer. An die MTA richtete er die Bitte um neue Männer für die Männerliga und bat die Anwesenden, um dieses Anliegen zu beten. Danach erfolgte eine kurze Statio am Pater-Reinisch-Stein, die Roland Rast gestaltete.

Um 9.50 Uhr begrüßte der Abteilungsführer des Oberlandes, Paul Mayr, die etwa 175 teilnehmenden Männer und Väter in der Aula. Franz Bradler richtete ein herzliches Willkommen an Pater Rudolf Ammann. Anschließend beschrieb er den heutigen Zeitgeist: alle rennen, traben, auch ich. Hektik und Termine lassen die Menschen kaum zur Ruhe kommen. Wir wollen oft viel Gutes tun und meist gelingt es nicht. Dem entgegen wirkend wollen wir heute zur Ruhe kommen, uns Zeit nehmen für uns, damit wir am Ende des Tages strahlen wie ein Leuchtturm.

Als Einleitung zum 1.Vortrag von Pater Ammann wurde ein Heilig-Geist-Lied angestimmt.

Der Referent ging sofort auf das Thema: „Leben aus der Quelle“ ein und erschloss uns unser Quellgebiet, das heißt die Gesellschaft, in der wir leben. Diese ändert sich zur Zeit sehr stark, sie ist liberal, säkularisiert. Religiosität gibt es meist nur im Privatleben. Bunte Weltanschauungen machen sie multireligiös. Christen dürfen noch Christen sein, wenn sie den Rest der Gesellschaft in Ruhe lassen. Der Bischof von Essen hat nach seiner Einführung einen Tag mit Priestern und Diakonen gehalten und Daten genannt. Diese schlugen ein wie ein Hammer. Von 1,5 Millionen Katholiken des Bistums vor 50 Jahren sind heute nur noch 750 000 übrig geblieben. Viele sind weggezogen, weil es keine Arbeit gibt, aber auch die Geburtenrate nimmt ab. Ein Priester hielt im Jahr 22 Beerdigungen und taufte 2 Kinder. Die Zeit der „Volkskirche“ ist vorbei. Jetzt gebe es die „Kirche im Volk mit volkskirchlichen Elementen“. Dies führt u. a. zu großen Seelsorgeeinheiten. Alte Traditionen wie z. B. Fronleichnams-Prozessionen werden rar. Ein Priester kann nicht 3 bis 5mal Pfarrer sein. Wir dürfen heute nicht fragen: „Was sollten oder müssten wir tun?“, sondern: „Was können wir tun?“ Dazu kommt noch, dass die katholische Kirche zurzeit  wegen der aktuellen Missbrauchsfälle und der dazu gehörenden Pressekampagne sehr in Diskussion geraten ist. Aber: Oftmals waren die Täter früher auch Opfer, z. B. durch die ebenfalls allzu strenge Erziehung.
Der Referent betonte, dass diese Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen nur 1/30 der gesamten Vorfälle in unserer Gesellschaft darstellen. Er brachte auch das Beispiel von Landesbischöfin Frau Kässmann, die nach einer Fahrt mit Alkohol zurücktrat, da sie dem gehobenen Anspruch ihres Amtes nicht mehr entsprechen konnte. Statistisch gibt es in Deutschland 1/3 Katholiken, 1/3 Protestanten und 1/3 ohne Konfession. In Wirklichkeit sind es aber nur noch 5 % praktizierende Christen. Dies wirkt sich auch in der Politik und in Parteien wie z. B. in der CDU aus. Sie richten sich nach dem Volk – der Mehrheit. Trotzdem gibt es eine starke Suche nach Gott. Er nannte als Beispiel die Frankfurter Buchmesse.

90 000 neue Bücher werden jährlich vorgestellt. Darunter sehr viel Esoterik, etwas Kirche usw. Jeder stellt sich seinen eigenen Glauben zusammen. Der Mensch will seinen Gott selbst bestimmen. Viele Themen sind Selbsterlösung, Wiedergeburt, Seelenwanderung. Dies ist Esoterik, jedoch kein Glaube in unserem Sinne. Als positives Beispiel nannte er das Musical „Zehn Gebote“ in Dortmund.  2555 Sängerinnen und Sänger sangen dabei in der Westfalenhalle das Lob Gottes.

Er stellte an die Männer die Frage: „Warum stehen Sie alle früh auf, um hier herzufahren?“ Die Antwort lautet: „Weil auch wir Gottsuchende sind.“

Danach stellte er die positiven neuen Werte unserer Gesellschaft heraus: Wir sind Weltmeister im Spenden und zeigen Fairness und Solidarität. Fair sein ist wichtig auch gegenüber der Ökologie, großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Energieressourcen durch den Bau von Windrädern, Fotovoltaik usw. Fair ist auch entscheidend in der Emanzipation. Frauen haben gleichen Wert wie Männer. Paulus würde heute manche Sätze anders sagen. Neue fragwürdige Werte beobachten wir aber bei der Jugend. Zum Beispiel das Zusammenleben als Familie ohne Trauschein. Daneben wiederum große Sensibilität für die Seele: wie fühlst Du das, fragt der Mann die Frau. Wir dürfen unsere Kinder nicht zwingen, auch nicht in die Kirche. Papst Benedikt XVI.: „So viele Menschen es gibt, so viele Wege gibt es zu Gott!“ Jeder ist einmalig, kein Mensch ist für den anderen verfügbar. Ehrfurcht vor jeder Seele bedeutet Sensibilität für die Seele.

2. Vortrag

Zum Leben aus der Quelle nannte Pater Ammann 5 Punkte.

  1. Die Quelle im eigenen Innern. Viele Ereignisse und Menschen prägen mich, und die Dinge, die ich nicht kann, machen mir nichts mehr aus. Als Beispiel für positiven Eigensinn nannte er Pater Franz Reinisch. Er hat seinen Weg aus seiner eigenen Mitte gewählt. Das eigene Gewissen ist die oberste Norm des Menschen. Dies kann aber auch zur Einsamkeit führen. Wir sollen gehorsam sein, aber nicht gegen Verstand und Gewissen (z.B. Hitlerzeit). Bei besseren Einsichten sollte das Gewissen aber  korrigiert  werden. Pater Ammann zitierte die Bibelstelle von Mose und dem brennenden Dornbusch, aus dem  die Stimme kam: ich bin der Ich-bin-da. Wo brennt in meiner Lebensgeschichte der Dornbusch, wo hatte ich meine Gotteserfahrung (Taborstunden)? Diese müssen wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen.

2.       Das Leben mit Gleichgesinnten. Gruppe, Kirchenchor, Pilgerfahrten usw. Gemeinschaften helfen uns zum Wohlbefinden. Pater Ammann erzählte von seiner Reise ins Heilige Land - ohne Pilgergruppe. Es war für ihn eine langweilige Angelegenheit. Glaubensgemeinschaften sind sehr wichtige Quellen.

3.       Die Quellen der 7 Sakramente und des Wortes Gottes sind eine außerordentliche Gnade Gottes. In der Taufe wurden wir Kinder Gottes, obwohl wir es gar nicht mehr wissen. Ab der Taufe geht Gott mit mir, er nimmt Wohnung in mir während meines Lebens.  Wir können auf Augenhöhe mit ihm verhandeln. Der Christ sollte Tabernakel für Gott sein.  Wir sollen im Geiste das ewige Licht immer bei uns tragen. Wir sind auf Gott angewiesen auch bei der Vereinigung in der Ehe. Auch die Krankensalbung ist ein Sakrament für Lebende, ein Kraftquell für die Gesundung der Seele.

4.       Heilige Orte, Kirchen, besonders Gnadenorte wie Lourdes, Fatima, das Urheiligtum in Schönstatt sind Gnadenquellen. Wenn wir der Gottesmutter 5 Steine schenken, bekommen wir einen ganzen Steinbruch zurück. Sie wirkt in über 100 Schönstattheiligtümern auf der ganzen Welt, aber auch in den unzähligen  Hausheiligtümern, selbst in den Arbeitsheiligtümern. Herzensheiligtum ist, wenn ich mit der MTA das Liebesbündnis geschlossen habe; dann kann ich Gott in mir anbeten. Wir sind dann bewegliche Heiligtümer „…in uns geh durch unsere Zeit, mach für Christus sie bereit“.

5.       Die Barmherzigkeit Gottes: Die Einsicht, dass ich innerlich gebrochen bin, ist auch eine Quelle. Paulus schreibt: „Ich tue das, was ich nicht will, und tue das nicht, was ich will.“ Auch Gemeinschaften sind gebrochen, auch die gesamte Kirche. Sie sind kondensierte Gnade, aber auch kondensierte Sünde. Wie oft sind wir kopflos und denken nicht an Gott. selbst bei den Sakramenten. In diesen Bruch hinein gibt es die Einbruchstelle Gottes. Durch den Umstand, dass wir alle Sünder sind, haben wir die Barmherzigkeit Gottes erlangt, viel mehr als wir hätten je bekommen können. Pater Kentenich hat in seinen späteren Jahren immer mehr darauf hingewiesen, dass wir erbarmungswürdige „Königskinder“ sind. Papst Johannes Paul II. schreibt in seiner letzten Enzyklika: Gott der Vater ist reich an Erbarmen. Pater Ammann führte dazu aus, er habe in seinem Testament verfügt, dass bei seiner Beerdigung statt einer Lobespredigt aus dieser Enzyklika vorgelesen werden soll.

Am Ende des Vortrags bemerkte Franz Bradler: Auch Pater Ammann ist für uns Männer eine wichtige Quelle, so auch Pfarrer Wolfgang Wachter, den es trotz seiner schweren Krankheit immer wieder zu seinen Männern zieht. Dieser dankte den Männern und bat um ihr Gebet weiterhin.

Die Beichtgelegenheit, die nach dem Mittagessen angeboten wurde, nahmen sehr viele Männer in Anspruch.

Um 14.15 Uhr folgten zwei Statements zum Thema: „Leben aus der Quelle“.

1. Statement von Roland Rast:

Meine lieben Männer,

als mich unser Diözesanführer, Franz Bradler, gefragt hat, ob ich zum Männertag ein Statement halten könnte, habe ich gerne zugesagt. Bei der Vorbereitung habe ich mich mit dem Thema — "Aus der Quelle des Heiligtums leben" — auseinander gesetzt und mir überlegt: „Wie gehst du dieses Thema an?“ Dabei bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es am sinnvollsten ist, in meinem Leben zurück zu schauen und zu überlegen, aus welcher Quelle ich eigentlich geschöpft habe. Von der Natur her gesehen ist die Sache klar: Zum Leben brauche ich Wasser aus einer sauberen, gesunden Quelle, um existieren zu können. Dies habe ich offensichtlich gehabt, sonst würde ich nicht hier vor Euch stehen. Aber wie sieht es nun mit der Quelle aus, die meine Seele genährt hat? Diese Quelle ist für mich die heilige katholische Kirche, in die ich durch die Taufe am 1.5.1938 aufgenommen wurde und durch die heilig machende Gnade zum Kind Gottes geworden bin. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie stellvertretend entschieden und mich taufen ließen. Meine Taufpaten haben meinen Glauben für mich stellvertretend bezeugt.

Auch dem heiligen Apostel Paulus bin ich sehr dankbar. Mir ist nämlich im Paulus-Jahr klargeworden, dass er die Ursache war, dass wir hier in Europa und auch in den anderen Kontinenten als Nichtjuden christlich geworden sind.

Beim Thema: „Leben aus der Quelle“ — da muss ich auch an meine Mutter denken. Sie ging täglich zur heiligen Messe. Sie nahm mich auch öfter mit, als ich noch nicht zur Schule ging. Ihre tiefe Frömmigkeit berührte mich sehr. Nach der heiligen Messe ging sie immer in die Marienkapelle. Dort hat sie bestimmt die Gottesmutter gebeten, dafür zu sorgen, dass mein Vater wieder gesund vom Krieg heimkehrt. Diese Zeit hat mich religiös sehr stark geprägt, auch die Begegnung mit dem Heiland bei meiner ersten heiligen Kommunion, an die ich mich so genau erinnere, als wäre es erst gestern gewesen. Die heilige Kommunion ist für mich immer wieder neu ein Schöpfen aus der Quelle der Übernatur, ja man darf ruhig sagen: Ein Leben aus der Quelle. Dasselbe gilt natürlich auch für das Sakrament der Firmung, das ich von der Kirche erhalten habe mit der Stärkung durch den heiligen Geist.

Am 14. Oktober 1973 habe ich das Liebesbündnis mit der Gottesmutter als Akt der Mitarbeiterweihe im Schönstattheiligtum in Memhölz geschlossen. Diese Weihe an die Gottesmutter, so kann ich rückblickend sagen, hat mein Leben in besonderer Weise geprägt, nicht nur im religiösen Bereich, sondern auch in all meinen anderen Lebensbereichen: Familie, Beruf und Öffentlichkeit.

Beeindruckt hatte mich, wie Pater Kentenich uns nahe gelegt hat, die Gottesmutter und den Dreifaltigen Gott in den Alltag mit hineinzunehmen. Dabei war mir das Buch „Werktagsheiligkeit“ eine große Hilfe. Es war für mich wirklich ein Leben aus der Quelle des Heiligtums.

Wir haben im Oberland im Jahre 1976 das Dilexit-Ecclesiam-­Heiligtum gebaut.

Ich durfte beim Bau mithelfen, wenn es auch nur 3 Tage waren. Am 1. Tag durfte ich mit dem Betonmischer Mörtel anmachen; am 2. Tag war ich mit dabei, die Mauern des Heiligtums hochzuziehen. Dabei fällt mir wieder ein, wie unser Hans Eisele, der die Bauaufsicht hatte, zu uns Männern sagte:

„Euer Heiligtum ist die Richtschnur. Schaut zu, dass die Mauern gerade sind.“ Am 3. Tag durfte ich mit einem Schlepper mit Anhänger das Bauholz für den Dachstuhl in der Zimmerei Rist holen. Es ist für mich ein gutes Gefühl, wenn ich in dieses Heiligtum komme, ja es ist ein Geschenk zu wissen, beim Bau dabei gewesen zu sein. Es tut auch gut, wenn man hört, dass dieses Heiligtum gut angenommen wird. Es kommen immer wieder Menschen ins Heiligtum, die gewandelt werden; nach jahrzehntelangem Fernbleiben von der Kirche wieder in ihren Schoß zurückkehren. Man spürt es ganz kräftig, dass die Gottesmutter ihre Wallfahrtsgnaden austeilt.

                           Die Gnade der seelischen Beheimatung.

                           Die Gnade der seelischen Umwandlung.

                           Die Gnade der Apostolischen Fruchtbarkeit.

Das heißt ganz konkret: wir leben aus der Quelle des Heiligtums; das gilt natürlich für alle Schönstattheiligtümer.

Ich möchte nochmals zurückkommen auf das Liebesbündnis. Als Abteilungsführer der Männerliga Oberland von 1976 bis 2006 habe ich bei Abteilungs- und Besinnungstagen die Männer immer wieder darauf angesprochen, wie wichtig und hilfreich es ist, sich im Liebesbündnis der Gottesmutter zu schenken. Ich habe auch immer wieder erzählt, welche guten Erfahrungen ich in meinem Leben machen durfte. Sehr viele Männer haben in dieser Zeit sich der Gottesmutter geweiht. Besonders habe ich mich darüber gefreut, wenn Männer sich bei mir bedankt haben und mir berichteten, dass das Liebesbündnis ihr Leben sehr bereichert hat, und dass sie oft spüren, wie die Gottesmutter hilft und ihnen zur Seite steht. Von einem Mann möchte ich stellvertretend kurz berichten. Er ist an MS erkrankt. Er berichtete mir, dass er seine schwere Erkrankung leichter ertragen kann, nachdem er sich der Gottesmutter im Liebesbündnis geweiht hat. Er kann mittlerweile fast nicht mehr gehen. Umso überraschter war ich, als ich ihn bei den Besinnungstagen getroffen habe. Er ist mit dem Auto vors Heiligtum gefahren, ging mühsam hinein und hat Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten gehalten. In diesem Falle kann man wirklich sagen: Er lebt aus der Quelle des Heiligtums.

Nun meine lieben Männer, was will ich damit sagen? Ich will damit sagen, dass unser Vater und Gründer, Pater Josef Kentenich, uns im Liebesbündnis einen kostbaren Schatz hinterlassen hat und wir, die wir das Liebesbündnis geschlossen haben und leben, sollten uns apostolisch betätigen. Dieses Vermächtnis unseres Vaters und Gründers müssen wir aber auch an andere weitergeben und sie ermuntern, die Gottesmutter mit ins Boot zu holen. Unsere positiven Erfahrungen müssen wir weitergeben. Die Menschen heute sind Suchende. In diesem Zusammenhang wäre es sehr wichtig, sich auch um Neuzugezogene zu kümmern. Erst vor kurzem habe ich von einer Russlanddeutschen und einer Frau aus der Ukraine erfahren, dass sich die Zeugen Jehovas und die Adventisten sehr um diese Personen angenommen hätten. Für uns schönstättisch geprägte Menschen heißt das, wir sollten uns mehr um diese Menschen kümmern, die neu zu uns kommen.

Abschließend darf ich bemerken, dass sowohl unser Vater und Gründer Pater Josef Kentenich als auch Josef Engling von der Gründergeneration Schönstatts, Pater Franz Reinisch, den wir als Märtyrer der Gewissenstreue verehren, João Luis Pozzobon, der uns die pilgernde Muttergottes geschenkt hat, Gertraud von Bullion sowie der selige Karl Leisner — um nur einige zu nennen -  aus der Quelle des Heiligtums im Bund mit der Gottesmutter gelebt und gewirkt haben.

Meine lieben Männer,
ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit. Versucht aus der Quelle des Heiligtums zu leben. Der Heilige Geist und die Gottesmutter mögen euch dabei helfen.

Mit der kleinen Weihe an die Gottesmutter beende ich nun mein Statement:

                      O meine Königin, o meine Mutter.
Dir bringe ich mich ganz dar;
Und um dir meine Hingabe zu bezeigen,
weihe ich dir heute meine Augen,
meine Ohren, meinen Mund, mein Herz,
mich selber ganz und gar.

                      Weil ich also dir gehöre,

             o gute Mutter, so bewahre mich,

                      beschütze mich als dein Gut

                      und dein Eigentum.   Amen

 

2. Statement von Franz Bradler:

Meine lieben Männer,

das heutige Thema „Leben aus der Quelle“ ist auch die Jahresparole unserer Schönstatt-Männerliga. Als Mitverantwortlicher der Männerliga hatte ich eigentlich eine für mich effektvollere, engagiertere Losung im Sinn, nämlich: „Mut zum Wagnis“. Letzten Endes siegte bei der Abstimmung doch die Losung „Leben aus der Quelle“.

Es war für mich dann nicht einfach, diese Losung engagiert umzusetzen, weil ich zunächst einfach enttäuscht war. Doch überlegte ich schon und die Gottesmutter tat das übrige, um mich zu ihr zu locken.

Eine Beziehung, die ich nach dem Tod meiner Frau überhastet eingegangen war, die meine Familie und mich unheimlich belastete und zu sprengen drohte, drängte mich vor zwei Jahren immer wieder zu einem Kapellchen, das ca. 5 km entfernt von meinem Haus im Wald lag. Dort befindet sich das so genannte „Matzenbacher Bild“, eine Pieta, die ich zu meiner „Schmerzensmutter“ auserkoren hatte. Ich war in der Zuversicht — nachdem alle meine persönlichen Möglichkeiten für die positive Gestaltung der Beziehung erfolglos blieben — dass mir nur noch der Himmel, bzw. die Gottesmutter durch ihre Bitte an Gott helfen könnte.

Ja, liebe Männer, manche Augenblicke stand ich da vor meiner Schmerzensmutter und Tränen liefen mir über das Gesicht. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt kein Licht erkennen und bat sie immer wieder um eine erneute Chance, bat sie, mir zu zeigen, was ich tun soll und bat sie, mich nicht daran zerbrechen zu lassen.

Die Zeit verging und es schien sich nichts oder nur wenig zu verändern, doch es tat gut, immer wieder zur „Schmerzensmutter“ zu gehen. Da ich mindestens zwei Mal in der Woche jogge, spielte sich nun bei mir ein, dass ich dabei möglichst immer bei meiner Schmerzensmutter vorbei kam. Sie wurde für mich immer mehr zur Quelle. Ja, sie als Ziel anzusteuern, war für mich große Motivation, denn ich wollte nie die Hoffnung aufgeben, dass durch das Wirken der Gottesmutter Veränderung eintreten würde.

So kam ich letztes Frühjahr auch auf den Gedanken, ihr jedes Mal eine Blume von unterwegs mitzubringen. Ebenso betete ich während des Joggens ein Gesätz vom Rosenkranz, in das ich bei jedem „Ave Maria“ meine Kinder, alle die mir wichtig sind, mit denen ich täglich zusammen bin, meine Fürsprache brauchen und auch die Frau, die mein Leben sehr belastete, mit einbezog.

Gerne möchte ich an dieser Stelle euch allen anbieten, eure Anliegen zur Gottesmutter zu bringen. Schreibt mir eure Anliegen und ich werde wie die Mannesjugend diese der Gottesmutter bringen.

So entstand bei mir der Begriff  „walljoggen“ statt „wallfahren“ zur Gottesmutter. Immer mehr wurde dann der Begriff „Leben aus der Quelle“ für mich real, da ich nun mit der Gottesmutter die Abmachung traf, sie jeden Tag zu besuchen und ihr eine Blume zu bringen. Also auch — wenn ich nicht sportlich unterwegs bin.

Da es viele Orte, Kirchen und Heiligtümer gibt, überlege ich jeden Tag, wo ich sie möglichst gleich nach der Arbeit aufsuchen kann. Es tut einfach gut, eine Weile — in der Stille — vor der Gottesmutter zu verweilen und Kraft zu tanken.

Als ich letztes Jahr mit meinen Auszubildenden nach Holland zur Kriegsgräberpflege reiste, hatte ich Bedenken, meine Abmachung einhalten zu können, da die Kirchen dort sehr rar sind. Beim Joggen dort wurde ich aber zu einem Feldkreuz geführt. Ich erinnerte mich, dass die Gottesmutter unter dem Kreuz ihres Sohnes stand und steht.

So war dies nun für mich der Ort, sie jeden Tag zu treffen und ihr und ihrem Sohn eine Blume zu bringen.

Nun ist im Herbst letzten Jahres durch viele Ereignisse und den Beistand einer lieben Person diese belastende Beziehung aufgelöst und ich sehe wieder viel Licht in der Zukunft. Doch gehe ich immer noch jeden Tag zur Gottesmutter, um ihr etwas zu bringen. Ich möchte diese Abmachung, dieses Versprechen weiterhin einhalten und aus dieser Quelle trinken. Feldblumen wachsen im Winter nicht, also zünde ich bei ihr manchmal einfach ein Kerzlein an. Eine andere Möglichkeit im Winter ist für mich, ihr von meinem Hausheiligtum eine Blume mitzubringen, so verbinde ich mein Hausheiligtum mit der Schmerzensmutter und bin zuversichtlich ob ihres Wirkens in meinem Haus.

Meinem Ideal „Leuchtturm für Andere“ zu sein, tut dies auch sehr gut. Mir wird immer mehr bewusst, wie wichtig es ist, mehr in Lösungen zu denken, als Probleme zu betrachten, mehr zu loben als zu schimpfen, mehr zu ermutigen als zu jammern und mehr zu fragen als zu vermuten. In wie weit und wie schnell mir das gelingt, ist im Moment nicht wichtig. Wichtiger für mich ist die Überzeugung, dieses „Leben aus der Quelle“ bewirkt, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

Manchmal ist dieser Weg auch ein Wagnis, ein Wagnis, sich ganz auf das Übernatürliche einzulassen und wir Männer tun uns da oft sehr schwer.

Ich bin jedoch der Meinung, eine solche Quelle wie das Heiligtum und wie die Gottesmutter ist dieses Wagnis des Vertrauens jeden Tag wert. So lade ich euch am Ende meines Statements ein, mit mir danach zu handeln, wie ich es in meiner Signatur in meinen E-Mails schreibe: „Schöpfen wir aus der Quelle des Heiligtums und haben wir Mut zum Wagnis“.

Abteilungsführer Paul Mayr bedankte sich bei den beiden Männern für ihre Bereitschaft, ein solch persönliches Statement zu halten.

Den Abschluss und Höhepunkt des Männertages bildete die Eucharistiefeier in der Krönungskirche. In seiner Predigt ging Pater Ammann auf das Tagesevangelium von Jesu Verklärung auf dem Tabor ein. Das Heiligtum der Männer in Schönstatt ist ja das Taborheiligtum. Die Verklärung Jesu war für die drei auserwählten Jünger ein großes Erlebnis. Doch danach wurde es gleich wieder sehr schwer für sie zu glauben.

Abraham hatte ein ähnliches Erlebnis gehabt bei der Verheißung Gottes an ihn über seine Nachkommen und sein Land. Er zweifelte und fragte, an was er erkennen soll, dass die Verheißung von Gott kommt.  Daraufhin machte Gott mit ihm einen Vertrag, traditionell mit tierischen Opfern. Erst spät in der Nacht, Abraham war in großer Sorge, fährt ein Feuer zwischen den tierischen Opfern hindurch und verzehrt sie. Dies war die Antwort Gottes auf die Frage, ob man sich auf ihn verlassen kann. Derselbe verlässliche Gott hat auch mit uns einen Bund geschlossen, den Taufbund. Nach dem Taborerlebnis hat Gott (Christus) sich selbst als Opfer hingegeben am Kreuz. Gott ist treu und barmherzig. Dies wollen wir im Messopfer feiern.

In seinem Schlusswort dankte Paul Mayr Pater Rudolf Ammann für den eindrucksvollen Tag. Mit den Worten Pater Reinischs: „Helfen sie mit, wenn sie Männer wissen, treten sie beherzt an sie heran und führen sie diese zur Männerliga“, richtete er seinen Dank an alle Teilnehmer. Ein weiteres Dankeschön galt den Schwestern des Hauses für die Gastfreundschaft, Herrn Kornrad für die musikalische Begleitung und Karl Katz für die hervorragende Organisation des Tages.

 

Max Keckeisen

 

zu den Bildern des Männertages