„Durch die Taufe berufen,

priesterlich apostolisch zu wirken“

1. Teil des Vortrages von Pater Grill anlässlich der Führertagung im April 2010 für die Schönstatt-Männerliga

Liebe Männer, liebe Führer der Schönstatt-Männerliga!

Das Lied hat uns eingestimmt. Es ist ein Lied, das eine Marienschwester Anfang der siebziger Jahre verfasst hat und uns hinführen soll zum Thema. Der Anfang des Liedes lautet: Maria, du hast uns inmitten der Nacht zur Wende der Zeiten den Retter gebracht: des Vaters erhabenen einzigen Sohn, den ewigen Priester, den Mittler am Thron. Das Thema ist überschrieben mit den Worten „Durch die Taufe berufen, priesterlich apostolisch zu wirken“. [Ich habe Ihnen drei Texte mitgebracht. Zunächst einen Handzettel, mit dessen Hilfe Sie den Vortrag verfolgen können, dann das Päpstliche Schreiben zum Priesterjahr und schließlich eine Primizpredigt von unserem Gründer, Pater Kentenich, vom 3. November 1963, gehalten für den Neupriester Pater Günther Boll.]

1.   Wir sind im Priesterjahr

Im Schreiben des Papstes heißt es, dass alle Gläubigen aufgerufen sind, für die Priester zu beten, aber auch mit den Priestern mitzuwirken, die Christus als geweihte Priester erwählt hat. Im Priesterjahr sind wir aber auch eingeladen, unser Priestertum als Getaufte mehr zu entfalten. Wir sollen das uns eigene Priestertum der Taufe wahrnehmen als Einzelne, aber auch als Ehepaar und in der Gemeinschaft einer großen Familie oder sogar Großfamilie mit vielen Verwandten, Bekannten, Enkeln und allen, die noch dazu gehören. Die Gnade, die uns geschenkt ist, und die wir in der Theologie das Priestertum der Taufe und das Priestertum der Gnade nennen, soll voll zum Zuge kommen. Wir kommen gleich darauf zu sprechen.

Manche rätseln, warum Gott zugelassen hat, dass jetzt gerade im Priesterjahr diese große Diskussion über Missbräuche von Priestern an Kindern und Jugendlichen hochkam. Wir können es auch deutlicher sagen: Warum wurden sexuelle Missbräuche durch Priester, Ordensleute und Angestellte der Kirche gegenüber Kindern und Jugendlichen aufgedeckt? Wir müssen von der Heiligen Schrift her sagen, dass gerade Vertreter der Kirche leben sollen, was der heilige Paulus mit den Worten ausgedrückt hat: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel Gottes ist?“ Deshalb umso bedrückender, umso schmerzhafter, wenn Vertreter der Kirche Kinder missbrauchen, und wenn das dazu noch öffentlich ausgebreitet wird.

Weihbischof Laun von Salzburg wies darauf hin, wie gerade Priester an den Pranger gestellt werden. In Zeitungen hieß es einmal: Die Polizei habe mehrere Täter entdeckt, die sich mit Kinderpornografie aus dem Internet beschäftigt hatten, davon zwei Richter, ein höherer Angestellter einer Behörde und ein Priester. Die Zeitungen sprachen nur von einem Priester. Alle anderen wurden nicht genannt. Nur der Priester wurde herausgestellt. Natürlich schlimm, dass es ein Priester war. Aber das ist eben das Problem, dass Sünden auf allen Gebieten vorkommen können oder Kriminelles oder Strafwürdiges vorkommt. Doch gerade der Priester wird offen genannt. Das Entsetzen über die Missachtung der katholischen Moral - so schreibt Weihbischof Laun, der selbst Moraltheologe ist - ist größer, wenn die Übeltäter Priester sind.

In dieser unangenehmen Situation müssen wir uns sagen: Gott hat seinen Plan, er führt die Kirche, auch wenn Hirten der Kirche versagen. Er führt auch Priester zu einer Läuterung. Ich persönlich hoffe, dass durch Offenlegung und Eingestehen solcher Schandtaten nachher mehr an innerer Kraft herauskommen wird, als wir uns denken können, allerdings unter dem Gesichtspunkt: Gott prüft uns, läutert uns, und auch mit dem Stichwort: es wird nichts mehr vertuscht. Es wird auf die Priester und dann auch überhaupt mehr auf die Kirche drauf geschlagen als auf andere Täter. Die meisten Verführer von Kindern sind nicht Priester. Das sind etwa 0,1 %. Das ist praktisch also nur ein Promille. Aber schlimm. Die Kirche macht einen Prozess der Reinigung durch. Es soll eine demütige Kirche werden. In Jesus Christus soll dann um so mehr aufleuchten, dass die Kirche eine Kirche der Sünder und der Heiligen ist. Jesus ging zu allen, auch zu den größten Sündern, und hat seine Gnade angeboten.

Das sind Zusammenhänge, die uns sicher helfen können gerade jetzt, da viel auf die Kirche eingeschlagen wird und versucht wird, allen Fehler nachzuweisen bis hinauf zum Papst. Wir müssen deutlich zugeben: Die Kirche ist eine Kirche von Sündern und eine Kirche von Heiligen. Und Jesus ist für alle der Heiland und Erlöser.

2.   Leben aus der Quelle - den Sakramenten

Wir verbinden das, was wir jetzt überlegen, auch mit der Jahresparole „Leben aus der Quelle!“ und meinen natürlich die Quelle, die uns geschenkt ist. Das ist das Sakrament der Taufe mitsamt den Sakramenten, aus denen wir schöpfen: Sakrament der Ehe, Sakrament der Firmung, Sakrament der Beichte und Sakrament der Eucharistie. Aus diesen Quellen können wir schöpfen, um priesterlich opfernd und priesterlich apostolisch wirken zu können.

Zunächst gehe ich auf das Schreiben des Papstes ein. Darin gibt es immer wieder Hinweise auf das Leben, besonders eines Heiligen, des heiligen Pfarrers von Ars, Johannes Maria Vianney, des Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt. Der Anlass für die Ausrufung des Priesterjahres war das 150. Gedenken des dies natalis, des 150. Jahrestages seines Geburtstages für den Himmel, also des Todestages des heiligen Johannes Maria Vianney.

Begonnen hat das Priesterjahr am Herz-Jesu-Fest 2009, enden wird es dieses Jahr am Herz-Jesu-Fest 2010 im Zusammenhang auch mit dem Priestertreffen in Rom.

3.   In Schönstatt - Feier des 100jährigen Gedenkens
an die Priesterweihe Pater Kentenichs

Wir Schönstätter feiern weiter bis zum 8. Juli 2010, dem 100. Gedenktag der Priesterweihe unseres Vaters und Gründers, Pater Kentenich. In Limburg wurde er am 8. Juli 1910 in der Hauskapelle des Missonshauses der Pallottiner zum Priester geweiht, am 10. Juli fand die Primizfeier statt. Auf der Vorderseite seines Primizbildchens steht geschrieben: „Gebt und es wird euch gegeben“ (lat.). Dazu das Bild des kleinen Jesus als Guter Hirte und die Worte, die uns bekannt sind: „Verleihe, o mein Gott, dass alle Geister in der Wahrheit und alle Herzen in der Liebe sich einigen“. Wir feiern also weiter und wollen in diesem Jahr besonders auch unseren Vater, Pater Kentenich, herausstellen.

4.   Blick auf das Priesterjahr der Weltkirche

Nun zurück zum Papstschreiben: „Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu“, so pflegte der heilige Pfarrer von Ars zu sagen. Er will ausdrücken, dass Christus seine Liebe den Menschen zeigen will. Dazu hat er Personen erwählt, Männer, die Apostel genannt werden. Es sind Männer, die ihn in seiner Person darstellen sollten, die in persona Christi handeln sollten. Man nennt es auch das Priestertum des Dienstes. Später kam auch das Wort Amtspriestertum dazu. An sich heißt es in der Kirchensprache das Priestertum des Dienstes. Ministerium heißt ja Dienst, Dienstamt.

Jesus wollte sein Wirken absichern durch Männer, die von Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel, erwählt sind, um besondere, nur ihnen zustehende Aufgaben in der Kirche erfüllen zu können. „Ich erinnere mich noch an meinen ersten Pfarrer“, so schreibt der Papst, „als ich junger Priester war. Der hat mir ein Beispiel einer rückhaltlosen Hingabe an seine seelsorgerliche Aufgabe bis zum Tod hinterlassen.“ Das heißt, er hatte sich eingesetzt für einen Schwerkranken, wollte ihm noch die heilige Kommunion bringen, doch weil völlig erschöpft, ist er in der Ausübung seines Dienstes gestorben.

Der Papst zitiert mehrmals den heiligen Pfarrer von Ars und sagt, dass er demütig war, ein guter Hirte nach dem Herzen Gottes. Auch das Wort findet sich: Wie groß ist der Priester; wenn er sich selbst verstünde, würde er sofort sterben. Dann kommt die Aussage: Gott gehorcht ihm, er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein, wenn der Priester sagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Und tatsächlich, Gott gehorcht ihm. Es hat vielen Theologen in Deutschland nicht gefallen, dass Papst Benedikt dieses Wort des Pfarrers von Ars zitiert hat. Bald danach, im Oktober 2009, hat die Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ das dramatisch geschildert. Der Papst habe das Priesterjahr ausgerufen und sogar den Pfarrer von Ars zitiert. Der Priester -, wie groß er ist, welche Aufgabe er hat. Nach Gott ist der Priester alles. Der Papst räumt ein, dass das etwas übertrieben erscheinen könne. Dann sagt diese Zeitschrift: Nicht wenige Priester äußerten sich irritiert, ja entsetzt, welch streckenweise schamanistisches Verständnis des Priestertums noch im dritten Jahrtausend als Vorbild hingestellt werde. Das scheint gewirkt zu haben. Ich höre im Land herum, frage auch Leute und höre: Unser Pfarrer, nein, er hat nichts erwähnt vom Priesterjahr. Nur weil ich ihn gebeten habe, hat er gesagt: Sie können eine Fürbitte für Priester einfügen. Aber sonst geschieht nichts, fast Null, auch kein Zeichen.

Es fällt auf, dass unser Vater und Gründer, Pater Kentenich, durchaus den Pfarrer von Ars zitiert, auch in dieser kräftigen Weise: der Priester würde sterben, wenn er erkennen würde, was er von Gott als Aufgabe bekommen hat. Ich nenne das, damit wir uns überlegen, was wir sagen, wenn wir zum Pfarrer gehen und fragen: Warum tun Sie nichts zum Priesterjahr? Nicht als Vorwurf, ich schlage vor, dass wir für das Priesterjahr was tun, Gebete, Fürbitten, auch Zeichen in der Kirche anbringen. Als ich im Februar in der Slowakei war, fiel mir auf, dass in allen Kirchen, die ich sah, zwei Stoffdruckwandbehänge hingen: Der eine mit dem Text „Treue Christi“- dazu ein Symbol Christi oder ein Kelch - und der andere Wandbehang mit den Worten: „Treue des Priesters“ und ein Bild des Pfarrers von Ars. Das ganze Volk sieht in der Kirche, jetzt ist ein Priesterjahr. Ich hab bis jetzt hier in unserem Land noch keinen gefunden, der sagt, bei uns in der Kirche ist auch ein großes Zeichen, das auf das Priesterjahr hinweist. Wenn Sie was anderes bestätigen können, ist es umso schöner. Deshalb genau hinschauen, was der Papst uns sagt. Er will uns nahe bringen, dass Christus seine Austeilung des Gnadenschatzes den Priestern anvertraut hat. Wenn wir keine Priester hätten, wäre kein Tabernakel. Wenn wir den Priester nicht hätten, wäre nicht das Sakrament der Eucharistie, könnten wir nicht die Kommunion empfangen. Jeder, der in der Ökumene tätig ist, merkt den Unterschied zu den Protestanten. Martin Luther wollte kein geweihtes Priestertum mehr. Alle seien Priester. Wenn jemand bereit ist, kann er auch Abendmahl feiern.

Wir sollen aus dem Glauben und aus dem Zeugnis des Pfarrers von Ars schöpfen. Der Pfarrer von Ars war nicht abgehoben. Er war fromm, hat gefastet, ungewöhnlich gefastet, wenn er Beichte gehört hatte und danach für andere Opfer brachte. Dann heißt es auch im Schreiben des Papstes an die Priester: Der Pfarrer von Ars habe die Charismen der Laien geweckt und gefördert. Diese Aufgabe wird auch in Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils genannt. Es gilt die Geister zu prüfen und sorgfältig die vielfältigen Charismen der Laien aufzuspüren. Das ist eine wichtige Aufgabe des Priesters. Die Priester sollen die Geister prüfen, das Mittun der Laien fördern und sie einbinden in die Pfarreiarbeit und überhaupt in die Arbeit der Kirche. Das hat der Pfarrer von Ars auf seine Weise schon getan, nicht nur sozial, wenn er ein Waisenhaus für Mädchen gründete, von Schwestern geführt, sondern auch in vielen anderen Aufgaben, in denen er die Arbeit in der Pfarrei gefördert hat. Er hat also durchaus modern in die heutige Zeit hineingesprochen.

Papst Benedikt XVI. hat im Juni 2009 ein Priesterjahr ausgerufen. Sie wissen auch, in Schönstatt ist vieles für die Feier in Rom geplant worden. Eine eigene Veranstaltung soll in der großen Audienzhalle vonseiten der Fokolarbewegung und der Schönstattpriester angeboten werden. In Schönstatt wird eine Feier, zu der alle eingeladen sind, am Sonntag, den 20. Juni 2010, stattfinden. Dazu kommt Kardinal Claudio Hummes, Präfekt der Kleruskongregation in Rom. Er hat vor ein paar Tagen ein Schreiben veröffentlicht, in dem es heißt: „Die Kirche will allen sagen, dass sie auf ihre Priester stolz ist.” Liebe Priester - das schreibt er den Priestern - das Priesterjahr war ein Jahr voller Initiativen, ein positives Jahr. Das sagt er aus der Sicht der Weltkirche - nicht aus der Sicht Deutschlands, da ist eine eigenartige andere Sicht - aus der Sicht der Weltkirche. Aus der ganzen Welt hat er Zuschriften bekommen, dass die Priester geliebt werden, hochgeschätzt werden, bewundert werden, dass auch gebetet wird für die Priester, dass auch gesorgt wird für die notleidenden Priester und dass pastoral die Zusammenarbeit gefördert wird, dass alle uns vor Augen stehen, dass wir dankbar sind für die Priester und wir also mittun sollen, um überhaupt das kirchliche Leben zu fördern. Der Sinn des Priesterjahres ist nicht bloß geistliche Erneuerung für die Priester, sondern das Anliegen, die Kirche innerlich mit neuer Kraft zu erfüllen.

5.   Priesterweihe und Primiz bei Pater Kentenich

Ich wende mich noch, bevor ich das Thema weiterführe, der Primizpredigt unseres Vaters zu. Vor Jahren ist das kleine Büchlein herausgekommen „Aus den Menschen für die Menschen“, Primizpredigten von Pater Kentenich. Eine uns naheliegende Aussage über das Priesterbild kommt in der Primizpredigt für Pater Kulgemeyer am 7. Februar 1965 vor und kann uns ein Impuls für unser Leben sein.

a)   Der übernatürlich eingestellte Priester und wir

Ja, wie sieht denn das Priesterbild aus in einer Welt, die gottesflüchtig geworden ist, wo der Priester eine Randfigur ist, wo auch der Christ eine Randfigur geworden ist? Wonach sich die Menschen sehnen, auch wenn sie es nicht immer sagen, ist der übernatürlich eingestellte Priester, der gottergriffene Priester. Ich sage das, damit wir das auf uns anwenden, auf uns, auf das Priestertum der Getauften. Was der Mensch erwartet, wenn er mit einem Christen zu tun hat? Dass er jenseits orientiert ist, durchaus von Gott spricht. Die Bischöfe drücken das manchmal aus und sagen: Man muss Gott in den Mittelpunkt stellen. Aber wie? Auf jeden Fall wird ersehnt der gottergriffene Priester, das heißt auch der Mensch, der von Gott ergriffen ist.

b)   Der weltgewandte Priester und wir

Das Zweite - das ist interessant, wie unser Vater das damals vor 45 Jahren ausdrückte - das ist der Priester, der sich durchaus in der Welt heute zurechtfindet. Er will gleichsam das alte Heiligenideal ergänzen. Der heutige Priester soll ein weltgewandter Priester sein, aber gleichzeitig sollen sich die Züge des ewigen Gottes in seinem Angesicht ausprägen. Also der Priester ist der, der Gott gegenwärtig setzt. Wir haben das auch gehört vom menschlichen Vater, dem Vater, der Transparent des ewigen Vaters sein soll.

c)   Der Volkspriester und wir

Dann nennt Pater Kentenich noch zwei, drei weitere Sorten: Den Volkspriester, der im Volk drin steht und seine Fehler hat und der auch streitet und zornig wird, aber immer wieder sich aufrafft, um seine Aufgabe ganz zu erfüllen, Priester, die aus dem Volk kommen, die Not des Volkes sehen, ja auch Schnapspriester. Das war vor über 40 Jahren ein eigenes Thema in Filmen. Da gab es Filme über Schnapspriester, auch Bücher darüber. Es gibt bei Pater Kentenich Dokumente zu diesem Thema. In einer Abhandlung über “Vatertum” (1964) schreibt er über Schnapspriester. Er bezieht sich auf Priester, die ihre Schwächen haben,  erkennen, bereuen, beichten gehen, zornig sind oder Alkoholiker sind, jedenfalls sich immer wieder aufraffen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Es sind Priester, die den heutigen negativen Tendenzen zum Opfer gefallen sind, aber trotzdem die Hand nach oben ausstrecken, um von Christus erlöst zu werden und die Erlösungsgnade auch weiterzugeben. Das gilt allgemein für jeden Christen. Er muss den Mut haben, seine Fehler einzugestehen und zu bereuen und wieder neu sich auszurichten auf Christus.

d)   Der Priester als Brückenbauer, der alle Menschen tief mit Gott
verbindet - und wir

Bei der Primizpredigt für Pater Boll - Sie haben den Text bekommen -, geht es unserem Vater zunächst darum, zu sagen, der Priester ist herausgenommen aus den Menschen. Er ist herausgenommen ex hominibus, aus den Menschen genommen und eingesetzt für die Menschen, für ihre Aufgabe, nämlich die Menschen hinzuführen zu einer ganz tiefen Verbundenheit mit dem ewigen Gott. Die Predigt hat eine Einleitung, in der Pater Kentenich skizziert, wie es noch früher war, wo man alles getan hat, um an einer Primiz teilzunehmen, Schuhsohlen durchgelaufen oder ähnliches. Und dann kommt die Aussage: „Omnes pontifex ex hominibus pro hominibus.“ Das heißt, jeder Priester ist Brückenbauer, ist aus den Menschen herausgeholt, nicht aus den Engeln herausgeholt, nicht aus den kanonisierten Heiligen herausgeholt, aus den Menschen und für alle Menschen eingesetzt. Nicht nur für den einen oder anderen Menschen, sondern für alle Menschen muss er da sein, für alle ohne Ausnahme, um ihnen zu helfen, dass sie ihr Grundverhältnis zum lebendigen Gott immer tiefer erfassen, bejahen und daraus leben. Der Priester hat die Aufgabe, Gott und Mensch in eine unzertrennliche, liebesinnige dauernde Verbundenheit miteinander zu bringen, dass sie in einer gottesflüchtigen Welt - dann kommt, ich sag es etwas rhetorisch, die kraftvolle Aussage - “in einer gottesflüchtigen Zeit (als) Priester wirken, um den Menschen zu einem gottessüchtigen Menschen zu machen”.

Dieses Wort sehen wir auch im Blick auf uns Männer, auf uns Väter: In einer vaterflüchtigen Zeit sollen wir sorgen, dass die Menschen vatersüchtig werden. Das können wir natürlich nicht überall am Arbeitsplatz erzählen. So einfach geht das nicht. Aber das muss uns klar sein. In einer vaterflüchtigen Zeit sollen wir vatersüchtig werden. Der Glaube sieht hinter allem den Vatergott, der uns leitet und führt.

Das ist der Text aus der Primizpredigt vom 3. November 1963. Ich bringe die Gedanken. Jeder kann so und so vieles von dieser Ansprache auf sich anwenden. Jeder soll durchaus ein gottergriffener Mann und Vater werden. Ich soll weltgewandt sein. Ich bin nicht berufen zu einer Heiligkeit, die die Welt total verlassen muss. Ich soll ein Mensch werden, der auch seine Schwächen zugibt, fast ein “Schnapspriester”, der durchaus zugibt, dass das und jenes nicht klappt, der aber immer den Mut hat aufzustehen und sich ganz Christus zur Verfügung zu stellen und Christus zu bringen. Das empfehle ich Ihnen zu lesen.

 

P. Chrysostomus Grill

Fortsetzung folgt