Halt das Zepter in der Hand

Im „SchönstattMann 2/2010, Seite 65 habe ich Ihnen versprochen, zwei weitere Verse von dem Lied „Halt das Zepter in der Hand ...“ mit dem geistlichen Kommentar von Monsignore Dr. Peter Wolf wiederzugeben, ein Vorbereitungsgebet für die Krönung der MTA im Taborheiligtum auf dem Marienberg in Schönstatt.

                              Bau von hier aus eine Welt,

                              wie dem Vater sie gefällt,

                              wie der Heiland im Gebet

                              einst voll Sehnsucht sie erfleht.   HW 130,3

Mitten in all der Zerstörung und Verwüstung des Weltkrieges und dem ungeheuren Flurschaden der nationalsozialistischen Ideologie soll von Schönstatt, vom Gnadenheiligtum der Gottesmutter aus eine entscheidende Initiative zu neuer christlicher Aufbauarbeit stattfinden. Die Gottesmutter soll die Initiative ergreifen. Eine Welt soll von hier aus aufgebaut werden, die ganz am Willen des himmlischen Vaters orientiert ist. Ziel ist eine Welt, die sich orientiert am Reiche Gottes, wie es Jesus in seinem Gebet um das Kommen des Gottesreiches, im ‚Vaterunser’ erfleht hat. Die Sehnsucht Jesu soll sich hier erfüllen. Damit ist der Bogen gespannt von der Reichgotteserwartung Jesu bis in unsere Zeit.

                              Liebe herrsch’ dort allezeit,

                              Wahrheit und Gerechtigkeit,

                              Einheit, die nicht Masse wird,

                              nicht zum Sklavengeiste führt.     HW 130,4

Es folgt eine Strophe, die mit zentralen Stichworten die Grunddaten der neuen Welt nennt, die von hier aus gebaut werden soll. In diesem Schönstattland, in und um das Gnadenheiligtum im Tal, soll allezeit Liebe herrschen. Wie im Heimat-Lied wird die Liebe als die erste und wichtigste Grundlage dieses Landes beschrieben (vgl. HW 158,1). Offensichtlich will unser Vater an dieses Heimat-Lied erinnern, das er bereits im Februar 1943 gedichtet hatte und das unter den Schönstättern bereits bekannt war. Zur Liebe muss aber auch Wahrheit und Gerechtigkeit kommen (vgl. Z. 2). Wieder ist es das Heimat-Lied, das diese beiden Dimensionen entfaltet (vgl. HW 160,3). Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit wollen eine „Einheit“ entstehen lassen, „die nicht Masse wird“ (Z. 3) und „nicht zum Sklavengeiste führt“ (Z. 4). Die angestrebte und ersehnte Einheit ist eine sehr gefährdete Größe im Blick auf den hohen Wert der Person und der Freiheit.

In der Strophe steckt eine klare Kritik an dem noch herrschenden ‚Dritten Reich’, das durch die Gegenvision abgelöst werden soll. Sie erinnert mich in ihrer Grundaussage und Prägnanz an die Schluss-Strophe des Stufengebetes der Werkzeugs-Messe (vgl. HW 18,4).

(Aus: Gebetsschule ‚Himmelwärts’ – Geistlicher Kommentar zu den Dachauer Gebeten von Pater Josef Kentenich, von Dr. Peter Wolf, Schönstatt-Verlag 1995, Seite 403/404)

Fortsetzung folgt!

Erneut lade ich Sie ein, täglich eine Strophe zu beten oder zu singen.

                                                                                                                  Redaktion