Halt das Zepter in der Hand

Es folgen zwei weitere Verse von dem Lied „Halt das Zepter in der Hand ...“ mit dem geistlichen Kommentar von Monsignore Dr. Peter Wolf.

                              Offenbare Deine Macht

                              in der dunklen Sturmesnacht;

                              lass die Welt Dein Wirken sehn

                              und bewundernd vor Dir stehn,      HW 130,5

Die Bitte richtet sich an die Gottesmutter als die Frau, von der Sonne umkleidet, wie die Apokalypse sie schildert (Offb 12,1). Sie soll ihre Macht zeigen und offenbaren „in der dunklen Sturmesnacht“ (Z. 2). Sicher ist zunächst an die schlimme und dunkle Zeit des Krieges gedacht. Aber das Bild ist offen für jede weitere dunkle und düstere Stunde Schönstatts und der Kirche. Alle Erwartung richtet sich jetzt auf Maria und ihr Wirken. Es gibt solche Stunden, wo wir selber nichts Entscheidendes zur Überwindung des Dunkels und des Sturmes tun können. Dann aber soll sichtbar werden, woher uns Hilfe kommt. „Lass die Welt Dein Wirken sehn“ (Z. 3). Nicht nur ein paar wenige sollen an das Wirken der Gottesmutter glauben. Die Welt soll es sehen! Ja, sie soll „bewundernd vor Dir stehn“ (Z. 4). Dahinter steht das beliebte Wort unseres Vaters, das er oft in schwieriger Situation der Gottesmutter zugerufen hat: „Mutter, verherrliche Dich!“ oder: „clarifica te!“

                              dass sie Dich mit Liebe nennt,

                              sich zu Deinem Reich bekennt,

                              weithin stark Dein Banner trägt,

                              siegreich alle Feinde schlägt.       HW 130

Das Wirken der Gottesmutter von Schönstatt aus soll so offensichtlich werden, dass die Welt sie „mit Liebe nennt“ (Z. 1). Die Sehnsucht richtet sich darauf, dass viele Menschen Maria neu entdecken und ihr Liebe und Verehrung entgegenbringen. Die ganze Welt soll sich zu ihrem Reich bekennen. In der damaligen Situation ist das Wort vom `Reich' der Gottesmutter als Gegenbegriff zum Dritten Reich und seiner Reichsideologie zu lesen. Unser Gründer hat diesen Sprachgebrauch in der geistigen Auseinandersetzung mit der damaligen Ideologie bewusst aufgegriffen und umgeprägt. Auch das „Banner“ der Gottesmutter (Z. 3) ist auf dem Hintergrund von damals zu verstehen, wo der Nationalsozialismus seine Banner überall hintragen wollte und nun die Siegermächte mit ihren Bannern ihren Sieg und ihren Einfluss markierten. Ein Banner bedeutete damals ungeheuer viel. Mitten in diesem Kampf um die Banner spricht dieses Gebet von einem ganz anderen Banner, das der Gottesmutter gehört und ihren Einfluss signalisiert. Es ist die Vision eines Reiches der Gottesmutter. Nicht eine politische Utopie ist gemeint, sondern die christliche Zukunftsvision, die auf das Reich Gottes ausgerichtet ist (vgl. 1 Kor 15,23-28). Auch dort sind am Ende „alle Feinde“ (Z. 4) unterworfen. Alle wider-göttliche Macht wird gebrochen werden, so dass Gottes Liebesplan sich in allem durchsetzen kann.

(Aus: Gebetsschule ‚Himmelwärts’ – Geistlicher Kommentar zu den Dachauer Gebeten von Pater Josef Kentenich, von Dr. Peter Wolf, Schönstatt-Verlag 1995, Seite 404/405)

Fortsetzung folgt!

Erneut lade ich Sie ein, täglich eine Strophe zu beten oder zu singen als Vorbereitung zur Krönung der MTA im Taborheiligtum.

                                                                                                                  Redaktion