Anregungen zur Jahreslosung 3. Teil
Auf
unserem Jubiläumsweg wollen wir Beheimatung finden im Heiligtum, d. h. in der
Gottesmutter. Das ist ein Gnadenvorgang, der uns befähigen will, auch anderen
Beheimatung zu schenken, und zwar unserer Familie zuerst, sie ist uns das
nächste Apostolat wie auch unsere Arbeitswelt. Beide sind uns täglich
überantwortet und fordern uns heraus, Mann und Vater zu sein.
Was das bedeutet, wollen wir uns vergegenwärtigen anhand eines Punktes aus den Anforderungen, die uns Pater Kentenich vor Augen geführt hat, oder den Eigenschaften, die Gott in uns hineingelegt hat und die wir mit Hilfe der Gnade leben sollen. Lassen wir folgenden Text auf uns wirken:
DIE ALLGEGENWART DES VATERS *
Nehmen Sie andere Eigenschaften, Eigenschaften des ewigen Vaters. Was sollen wir dann sagen? Er ist allgegenwärtig! Ich als Vater muss allgegenwärtig sein! Also nicht etwa sagen: hat meine Frau alles zu tun. Nicht etwa sagen: Wenn ich Geld verdiene, mit Mühe verdiene, dann will ich meine Ruhe haben! Allgegenwärtig! Was will das heißen? Die Kinder sind wenigstens immer in meinem Kopf und in meinem Herzen. Erzieher sind Liebende, die nie von ihrer Liebe lassen! Vater sein? Meine Kinder leben in meinem Herzen, meine Kinder leben in meiner Phantasie, meine Kinder leben in meinem Kopfe. Allgegenwart! Nicht wahr, was das bedeutet? Das bedeutet die vollständige Hingabe an das Du meiner Kinder! Dann bin ich nicht zunächst der Mittelpunkt. Meine Kinder sind der Mittelpunkt. Dafür bin ich da. Kinder sind nicht zunächst für mich da. Ich bin für die Kinder da.
Wiederum! Wenn ich ein solches Vaterideal verkörpern will, glauben Sie nicht, dass Sie dann warten können, bis der liebe Gott Ihnen das erste Kind schenkt! Dann muss die Paternitas (Väterlichkeit) fertig sein – als innere Haltung! Wenn Sie dann erst anfangen, dann ist Schluss der Vorstellung! Dann dürfen Sie nicht erwarten, dass das noch möglich ist. Verstehen Sie, was das Ideal, das so vor uns steht, für eine grandiose Höhe darstellt? Und deswegen – freilich, dann müsste ich vorausgreifen – deswegen sind wir ja so sehr darauf angewiesen, dass die Gottesmutter als Erzieherin von ihrem Heiligtume aus die Paternitas (Väterlichkeit) uns schenkt. Ohne sie können wir als Schönstätter zweifellos die Hand nicht erfolgreich nach diesem Ideale ausstrecken.
Rein natürlich gesehen können wir aus eigener Kraft einem solchen Anspruch des Ideals nicht nachkommen. Es soll uns also geschenkt werden, uns als Männern! Hier müssen wir umdenken lernen und uns an unser Mannesideal erinnern lassen: Puer et pater. Ohne das Kindsein können wir nicht frei werden für die Gnade.
Auf dem Hintergrund dieser Anforderungen sehen wir uns in der Selbstfindung als neuer Mann und neuer Vater für eine neue Welt. Von hier aus schauen wir auf den heutigen Mann, gehen auf ihn zu und holen ihn heim in das Gottesreich und in das Reich des Vaters. Wenn wir von hier aus die Schwierigkeiten des heutigen Mannes sehen, seine Not, sich selbst zu finden und Vater zu sein, dann wollen wir uns anspornen lassen, dem heutigen Mann Beheimatung zu ermöglichen: in unserer Gedanken- und Idealwelt und in unserer Gemeinschaft.
Im Glauben an unsere Sendung, in der Treue zu ihr zu stehen und in der Umsetzung dieser Sendung im Leben wird unsere Welt erfahrbar. Wer dann mit uns in Kontakt kommt, wird dies ahnen und wach werden und selbst danach streben wollen. Ein neuer Mann will dann seine alten inneren Anhänglichkeiten verlassen und neue innere Bindungen eingehen, von denen er ahnt, dass sie ihm mehr geben als die alten. Dann entzündet sich Leben am Leben.
Unseren Weg auf 2014 hin gehen wir geistigerweise mit dem heutigen Mann ganz bewusst. Wir wollen ihn heimholen und ihm so einen Neuanfang ermöglichen. So disponieren wir uns für ihn und wir verstehen ihn. Dann dürfen wir hoffen, dass wir ihn ansprechen und innerlich erreichen können. Machen wir uns auch Mut, von Mann zu Mann zu arbeiten und damit neues Leben unserer Gliederung zu ermöglichen.
Die Krone für die Gottesmutter, unser Jubiläumsgeschenk, soll unser Beitrag für eine neue Zukunft der Männergliederung in Schönstatt sein. Diese Krone soll auch ein Sigel sein für unsere Hinwendung zum heutigen Mann und seine Heimholung in unsere Gemeinschaft zur Beheimatung in unserem Heiligtum.
E. M. Kanzler
* Seite 75 aus „Neue Väter – neue Welt“ von Pater Heinrich Puthen, Patris Verlag 1976, Ansprache von P. Josef Kentenich am 18. Juni 1966 auf Berg Schönstatt an Männer der Schönstattbewegung.
Fortsetzung folgt!