Erfahrungsbericht über die Führertagung 2011
der Schönstatt-Männerliga
Der
Beginn der Führertagung 2011 fiel in diesem Jahr auf den Gedenktag „Unsere Liebe
Frau von Fatima“, auf Freitag, den 13. Mai. Zwölf Diözesan-, Abteilungs- und
Gruppenführer hatten sich um 9 Uhr im Taborheiligtum zur Eröffnungsmesse
eingefunden. Pater Dr. Chrysostomus Grill, Zelebrant und priesterlicher
Begleiter
der Tagung, hob in seiner Predigt den Titel „Unbeflecktes Herz Mariä“ hervor.
Umfangreiche theologische Werke mit hehren Ideen über die Liebe seien schon geschrieben worden, in denen aber die echte personale Liebe nicht vorkomme. „Herz“ stehe für diese personale Liebe und begegne uns an vielen Stellen im Gebetbuch Himmelwärts. (Im Nachhinein gezählt sind es 74 Stellen, darunter Zusammensetzungen wie Gottesherz, Menschenherz, Vaterherz, Mutterherz, Kindesherz, Herzenskind, Herzenslust, Herzensfalte.)
Der
erste Tag war mit „Jahresrückblick und Auswertung“ überschrieben.
Tagespräsident Jörg Ziegler (Diözese Limburg) begrüßte die Teilnehmer im großen
Versammlungsraum von Haus Tabor. Für die Zentrale hieß Standesleiter Ernest M.
Kanzler die Männer willkommen.
Anschließend bis zum Mittag referierte Gebhard M. Basler als Leiter des
Sekretariats der Schönstatt-Männerliga die Schwerpunkte aus den Diözesan-,
Abteilungs- und Regioberichten, nach der Mittagspause die Antworten der
Gruppenführer auf den Fragebogen zur Vorbereitung der Führertagung 2011. Auszüge
aus diesen Berichten und Antworten einschließlich ehrender Erwähnung von 24
Männern, die im Berichtszeitraum verstorben sind, finden in diesem und im
nächsten „SchönstattMann“ Veröffentlichung. Besonders der Beharrlichkeit von
Sekretärin Frau Overfeld ist es zu verdanken, dass in diesem Jahr von allen
angeschriebenen Verantwortlichen eine schriftliche Rückmeldung kam. Durch die
Vollständigkeit der Angaben zu den Gruppen lässt sich feststellen: 37 Gruppen
gaben 2010/11, verteilt auf 14 Diözesen bzw. Erzdiözesen, 263 Männern Heimat; in
der statistisch durchschnittlichen Gruppe trafen sich, natürlich nur
rechnerisch, 6,7 Männer 9,7 mal im Jahr.
Drei Arbeitskreise (AK), geleitet von den für die drei Tage bestimmten Tagespräsidenten, beschäftigten sich am späteren Nachmittag mit der Auswertung des Gehörten. Der Einzelne ist von der Fülle des Vorgetragenen überfordert, doch in diesen kleinen Gesprächsrunden wird immer wieder erstaunlich viel zusammengetragen und in Sinnzusammenhänge gebracht. Herr Wolfgang Maier stellte für den AK 1, dass aus den Gruppenidealen eine dienstbereite Treue spreche, die Jahreslosung aber zu wenig oder zu spät Resonanz in der Gruppenarbeit finde. Die Männerliga-Gnadenstätte sei wieder deutlicher im Sinne von „Hütet das Erbe“ ins Bewusstsein getreten, besonders durch die vorbildhafte Erneuerung des Mainzer Diözesansteins.
Herr Stemle vom AK 2 formulierte die Zuversicht auf die endgültige Heimat: „Der Glaube bleibt bis zum Ende und rettet uns in die Ewigkeit.“ Der Mensch stehe zunehmend in Spannung zwischen Bindungssehnsucht und Bindungsangst, deutlich sichtbar in den Geschlechterbeziehungen. Das Liebesbündnis, besonders seine gemüthafte und personale Dimension, könne hier Defizite ausgleichen. Die Anregung zum Gebet „Halt das Zepter in der Hand“ und zur Novene „Mut zum Wagnis“ sei von den Gruppen überraschend gut angenommen worden und empfehle sich für die Zukunft in Form eines „Gebets zur Jahreslosung“.
Für den AK 3 sind die Vielfalt und die Experimentierbereitschaft in der Männerarbeit Zeichen, dass wir den Mut auch bei rückläufigen Teilnehmerzahlen nicht verlieren und das uns Mögliche tun. Das Liebesbündnis sei unser „Kapital“, aus dem wir lebten, aber auch unsere „Bringschuld“ im Dienst an fremdem Leben. Wandlungswilligkeit durch Selbsterziehung und Gebet als Kraftquelle würden nicht ohne positive Außenwirkung bleiben.
Nach dem Abendessen schloss die eucharistische Anbetung mit Abendlob im Taborheiligtum bei gleichzeitiger Beichtgelegenheit das gemeinsame Programm des Tages ab.
Die
Diözesanführerrunde traf sich noch zu einem Rückblick auf den Tag. Lob
fand die Ehrlichkeit der rückgemeldeten Berichte und Antworten, ebenso die
Intensität und Fruchtbarkeit der Gespräche in den Arbeitskreisen. Da die
Männerliga-Gnadenstätte wieder mehr in den Blick geraten ist, soll eine
Materialsammlung zur Geschichte mit Beiträgen aus den beteiligten Diözesen
erstellt werden. Damit verbunden wäre das, was die Gruppe Eichstätt als ihr
Gruppenideal angegeben hat: Die Ehrung der schon verstorbenen Schönstattmänner
durch die noch lebenden.
Der
zweite Tag, Samstag, 14. Mai 2011, war mit „Erarbeitung der Jahreslosung“
überschrieben. Tagespräsident Joachim Konrad (Diözese Rottenburg-Stuttgart)
stimmte uns im Morgenlob auf den Tag ein. Wir sangen das Lied mit dem Kehrvers:
„Öffne deine Augen! Sieh den Vater, der dich liebt! Sei ein Kind der Mutter, das
im Leben Zeugnis gibt!“ (Neue Gemeinschaft 88/95).
Die heilige Messe um 9 Uhr im Urheiligtum feierten wir zum Dank für den neuen
Seligen Johannes Paul II. Pater Dr. Grill zitierte sein Wort bei der
Amtseinführung am 22. Oktober 1978: „Habt keine Angst, öffnet die Tore für
Christus“. Die Machthaber des Warschauer Pakts hätten zu zittern begonnen. Zur
Schönstattfamilie habe der Papst im Pater-Kentenich-Gedenkjahr 1985 gesagt: „Ihr
seid berufen, an der Gnade, die euer Gründer erhalten hat, teilzuhaben und sie
der ganzen Kirche anzubieten.“ Zum Liebesbündnis habe er ergänzt: „Wenn ihr treu
und hochherzig aus diesem Bündnis euer Leben gestaltet, werdet ihr zur Fülle
eurer christlichen Berufung hingeführt.“ Jugend (Weltjugendtage) und christliche
Familien seien zentrale Anliegen dieses Papstes gewesen, der die Kirche ins
dritte Jahrtausend führen sollte. In den Fürbitten erbaten wir seinen Mut zum
Wagnis für uns und unsere Sendung. Für unsere kleine Führerschar wurden in
dieser Stunde im Urheiligtum und noch einmal konzentriert in der Minute der
Erneuerung unseres Liebesbündnisses am Ende der Messe Schönstattwelt und
Weltkirche gegenwärtig. Die Losung 2009/10 „Leben aus der Quelle“, die das
Urheiligtum als Urquelle im Blick hatte, ist in uns allen noch lebendig.

Das traditionelle Foto an den Heldengräbern
Am weiteren Vormittag hörten wir zwei Vorträge, die uns entscheidende Impulse für die neue Jahreslosung geben sollten. Pater Dr. Grill hatte sein Thema zweiteilig formuliert: „Kentenichs Ruf 1912: Wir wollen uns selbst erziehen. Unsere Bitte: Gottesmutter, sei unsere Erzieherin!“ Wenn wir uns als „Männer auf dem Weg“ sehen, sollten wir diesen Weg als Glaubensweg mit dem Gründer gehen. Selbsterziehungsziel sei nach der Vorgründungsurkunde der „feste, freie priesterliche Charakter“.
Standesleiter
Kanzler referierte ebenfalls unter zwei Gesichtspunkten: theoretisch „Bekehrung“
nach dem amerikanischen Religionspsychologen William James (1842–1910),
lebensmäßig-praktisch „seelische Umwandlung“ am Beispiel Mario Hiriarts. Beide
Vorträge werden im SchönstattMann dokumentiert und seien zum Nachlesen
empfohlen. Ihren Niederschlag fanden die Inhalte in den Ergebnissen der
Arbeitskreise am Nachmittag.
AK 1
betonte den Zusammenhang von Geistlicher Tagesordnung (GTO) und Selbsterziehung.
Es gehe um ein Leben in der „Freiheit der Kinder Gottes“. Umwandlung, Umkehr
setze das Zusammenwirken von eigenem Tun und Wandlungsgnade voraus.
Für AK 2 gehört zur Fülle des gelebten Liebesbündnisses die Wirkung nach außen,
über die Hauskirche (Familie) in die Welt hinein, aber immer begleitet von
Erziehung zum innerlich freien Menschen, persönlich (Selbsterziehung) und
personal (Kinder-, Fremderziehung). Neben den vielen macht- und
interessegeleiteten Pakten in Politik und Wirtschaft gehe es uns um den Pakt der
Liebe. Die Verchristlichung der Welt sei unsere Aufgabe als Laien,
Verwirklichung gottgewollten Mannseins unsere Standesaufgabe.
AK 3 wertete Selbsterziehung als lebenslanges persönliches Programm, aber immer
in Beziehung: „Ich fange bei mir an und ziehe andere mit“, wohl wissend und
respektierend, dass jeder seinen persönlichen Weg und seine persönliche Freiheit
hat. Liebesbündnis und Selbsterziehung erzeugten Synergie (sich gegenseitig
verstärkende Zusammenwirkung). Eine Persönlichkeit, die in liebender
Abhängigkeit wachse, wachse auch in der Fähigkeit zur Barmherzigkeit, zum
Guter-Hirte-Sein.
Alle drei Arbeitskreise hatten die Frage positiv beschieden, ob die Gottesmutter schon 2012 im Taborheiligtum gekrönt werden könne. Standesleiter Kanzler klärte über den Hintergrund der Frage auf. Die Schönstatt-Mannesjugend (SMJ) empfindet den später Vorgründungurkunde genannten Vortrag von Pater Kentenich am 27. Oktober 1912 als Gründungsakt ihrer Gemeinschaft. Genau am 100. Jahrestag möchte sie ihre fünf Säulen beim Taborheiligtum errichten: Gemeinschaft, Lebensschule, Liebesbündnis, Mannsein und Apostelsein. Dass in der Mitte dieser Säulen das Liebesbündnis steht, könnte in einer anschließenden gemeinsamen Krönung durch die gesamte Männersäule als Generationen übergreifender Aufbruch auf 2014 hin seinen angemessenen Ausdruck finden.
Gegenseitiger
Austausch und gemeinsame Arbeit mündeten auch an diesem Tag in die
Anbetungsstunde im Taborheiligtum, wie am Vortag wieder verbunden mit
Beichtgelegenheit.
Danach traf sich noch einmal die Diözesanführerrunde, um die Termine von
Beratungsteam, Führertagung und Männerwallfahrt 2012 festzulegen.
Johann Kiwitt berichtete über die schmerzlichen Umstände des Verkaufs des
Schönstattzentrums seiner Diözese Essen.
Zum Tagesausklang ließen wir uns in der Taborklause badischen Wein aus Oberkirch, Wurst aus Ellwangen am Rand der Schwäbischen Alb und Käse aus Argenbühl im schwäbischen Allgäu schmecken.
Der
letzte Tag, 4. Sonntag der Osterzeit, 15. Mai 2011, war mit „Tag der
Entscheidung und Aussendung“ überschrieben.
Fritz Künstler (Diözese Münster) gestaltete das Morgenlob mit dem Hingabe-Gebet
von John Henry Newmann (Gotteslob 5,4). Um 9.30 Uhr stimmte Tagespräsident
Franz Bradler (Diözese Rottenburg-Stuttgart) die Arbeitskreise auf ihre
Aufgabe ein: Erarbeiten eines Vorschlags zur Jahreslosung. Unverändert bleiben
sollte der Vorspann „2014: Männer auf dem Weg“ und die grund-sätzliche
Ausrichtung auf die zweite Wallfahrtsgnade des Schönstatt-Heiligtums, die Gnade
der seelischen Umwandlung.
Um 11.30 Uhr lagen die drei
Ergebnisse vor. AK1: „... Umwandlung erfahren in Dir“; AK 2: „... Umwandlung
erfahren durch Dich“;
AK 3: „... innerlich stark durch Selbsterziehung“. Der AK 3 hatte sich also an
der Vorgründungsurkunde orientiert, wonach die Selbsterziehung „eine königliche
Tätigkeit“ ist. Erziehungsziel und Erziehungsmittel sind klar genannt. Das
„Nichts ohne uns!“ steht im Vordergrund. Die beiden anderen Arbeitskreise waren
getrennt voneinander fast zum gleichen Ergebnis gekommen, was aufgrund der
bisherigen Losung zur ersten Wallfahrtsgnade verständlich ist: „Beheimatung
finden“ ist durch „Umwandlung erfahren“ ersetzt. „Erfahren“ hat deshalb
überzeugt, weil der moderne Mensch nach ganzheitlicher Selbsterfahrung strebt,
sich die Gnade der Umwandlung in den wenigsten Fällen in einem
Bekehrungserlebnis zeigt, vielmehr in einem Umwandlungsprozess auf einem durch
Eigentätigkeit gesicherten Erfahrungsweg. Beim Vorschlag von AK 2 steht das
„Nichts ohne Dich!“ im Vordergrund: Maria ist als Mittlerin der Wandlungsgnade
beziehungsweise (Zweit-)Ursache der Wandlungserfahrung durch ihre (mütterliche)
Liebe und deren verähnlichende und vereinigende Kraft gesehen. (Nachlese im
Duden-Band 9: „Die Präposition durch gibt das Mittel an, wobei natürlich
auch Personen als Mittel fungieren können [als vermittelnde, ausführende Person
oder ähnlich“]).
Die
Diskussion lief am Ende auf eine Entscheidung zwischen dem kleinen Unterschied
zwischen AK 1 und AK 2 hinaus: „in Dir“ oder „durch Dich“?
Pater Dr. Grills Hinweis auf das Miteinander, Füreinander und insbesondere das
Ineinander, die Herzensgemeinschaft, das ständige gegenseitige Fühlunghalten als
Ideal der Liebespädagogik nach Pater Kentenich beeinflusste entscheidend die
Abstimmung. Noch vor der Mittagspause war mit deutlicher Stimmenmehrheit als
Jahreslosung 2011/12 beschlossen: „2014: Männer auf dem Weg – Umwandlung
erfahren in Dir“.
Im gestrafften Sonntagnachmittagsprogramm begaben wir uns zuerst auf Berg Schönstatt, um das Plakat mit der neuen Losung auf den Gründer-Sarkophag zu legen und dankbar das Te Deum anzustimmen.
Tagespräsident Franz Bradler brachte unser Vertrauen und unsere erneute Sendungsbereitschaft gegenüber Pater Kentenich zum Ausdruck.
Zurück auf dem Marienberg beantwortete Standesleiter Kanzler offene Fragen,
verbunden mit einem Ausblick. Die Koordination der Krönung mit den anderen
Gemeinschaften des Marienberges
geschehe in einem Krönungsteam, in dem
Heinz-Richard Sahm (Diözese Mainz) die Männerliga vertrete. Zur Wahl einer
vorhandenen oder Gestaltung einer neuen Krone gebe es noch keinen Beschluss,
sondern die Bitte der Zentrale um Vorschläge. Missionarisch sollten wir
„zweigleisig“ fahren: nach innen das Gebet, besonders das Novenengebet für neue
und jüngere Männer pflegen, nach außen diese Männer „begrifflich finden“, also
in einer ihrem Lebensgefühl entsprechenden Sprache zu erreichen versuchen.
Zur Verlebendigung der Männerliga-Gnadenstätte bittet die Zentrale um
historisches Material aus den Diözesen.
Sekretariatsleiter Basler dankte allen, die Aufgaben bei der Führertagung
übernommen hatten, und überreichte Buchpräsente an die Tagespräsidenten und
Arbeitskreisleiter sowie an den Berichterstatter für die schöpferische Vertonung
der bisherigen und die zu erwartende Vertonung der neuen Jahreslosung.
Gegen 16 Uhr versammelten wir uns zur Abschluss- und Aussendungsmesse im
Taborheiligtum. Das
Sonntagsevangelium vom Guten Hirten und der Weltgebetstag um geistliche
Berufungen ließen Pater Dr. Grill in seiner Predigt an dasWort von Johannes Paul
II. über die Teilnahme an der Gnade unseres Gründers und die Fülle unserer
christlichen Berufung anknüpfen. Auf unserem Glaubens- und Berufungsweg solle
uns ständig Maria als Vorbild des Gehorsams gegenüber dem Ruf Gottes vor Augen
stehen. Gott habe ihr gegenüber den freien Willen geachtet, sie achte uns
gegenüber auf den freien Willen und warte auf die Bitte: Erziehe mich! Eine
Mitarbeiterin Pater Kentenichs in Milwaukee habe diesen beobachtet, wie er
anderen Frauen, die ihn aufsuchten, Ratschläge gab bis hin zur äußeren
Erscheinung wie angemessene Kleidung und Frisur. Etwas eifersüchtig fragte sie
ihn, warum er zu ihr niemals etwas Derartiges sage. Seine Antwort: „Sie haben
mich ja nie darum gebeten.“
Die Fürbitten (Herr Miosga), für alle lebenden und verstorbenen
Schönstattmänner, der Empfang der hl. Kommunion unter beiden Gestalten sowie der
feierliche Segen zur Aussendung vom Marienberg besiegelten unsere
Tagungsgemeinschaft und unsere Bereitschaft, den nächsten Abschnitt unseres
Krönungs- und Jubiläumsweges als Weg der Glaubenserfahrung gemeinsam zu gehen.
Eugen Wünstel