
Wir befinden uns mitten auf dem Weg unseres Dreier-Schrittes entsprechend der Wallfahrtsgnaden: seelische Beheimatung, innerseelische Umwandlung und apostolische Fruchtbarkeit oder neue Begeisterung für unsere apostolische Aufgabe auf das Jubiläum 2014 zu. So umschrieb Pater Kentenich gerne die drei Wallfahrtsgnaden und wollte damit das Ineinander und Miteinander hervorheben. Dies war für Pater Kentenich eine Einheit und eine organische Wirklichkeit, die vom Sein und Leben der einzelnen und von der Gnade lebt, also die horizontale und vertikale Wirklichkeit.
Wie können wir den Begriff Umwandlung im Sinne unserer Jahreslosung verstehen? Ist es eine Bekehrung oder gar Kehrtwendung? Warum nicht und kann es im Detail auch sein! Grundsätzlich ist es aber das Ergebnis von „Nichts ohne Dich - Nichts ohne uns“ und insofern unsere Erziehungsschule. Das Schritt für Schritt am Ideal arbeiten bzw. mit Blick auf die Gottesmutter sich von ihr formen und führen lassen.
Hier geht es um unsere Seele, näher hin um die innerseelische Umwandlung wie oben schon angesprochen. Diese Wirklichkeit entzieht sich eigentlich unserer Wahrnehmung, deshalb vertrauen wir uns der Gottesmutter an, damit sie diesen Erziehungs- bzw. Umwandlungsprozess führt. Sie ist in dieser seelischen Wirklichkeit zu Hause und das ist ja auch der Kern unseres Liebesbündnisses und insofern jetzt auch der Kern unserer Jahreslosung.
Unsere neue Jahreslosung hat ihre Wurzeln in der Vorgründungsurkunde vom 27. Oktober 1912. Darin zeigt der junge Spiritual, Pater Kentenich, seinen Schülern auf, warum Selbsterziehung notwendig ist. Dies macht er in der Sprache und den Bildern seiner Schüler und der damaligen Zeit. Und er kommt damit an. Seine Schüler begreifen intuitiv, dass im Ablauf der Geschichte Entwicklungsschritte einhergehen, die der Mensch einerseits selbst getätigt, aber auch andererseits selbst tragen und verantworten muss. Das geschieht durch das Verstehen und Durchdringen der Entwicklung, aber vor allem auch durch die charakterliche Angleichung an die Anforderungen dieser Entwicklung. Deswegen die Forderung Pater Kentenichs an seine Schüler: „Selbsterziehung ist ein Imperativ der Zeit.“
Aber dem nicht genug. Pater Kentenich fordert auch eine religiöse Erziehung, indem er den Schülern zuruft: „Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen zu festen, freien priesterlichen Charakteren.“ Damit werden der ganze Erziehungsvorgang und alle damit verbundenen Bemühungen in eine religiöse Ordnung und unter den Schutz der Gottesmutter gestellt. Und dies im Rahmen unseres schönstättischen Bindungsorganismus und unserer schönstättischen Gnadenordnung im Zusammenhang mit unseren Heiligtümern.
Unsere Selbsterziehung ist in erster Linie nicht ethisch und moralisch begründet, sondern religiös. Wir weihen uns der Gottesmutter im Liebesbündnis an einem bestimmten Ort und mit bestimmten Personen oder einer Gemeinschaft. Deswegen gehört es bei uns dazu, dass wir unsere Weihe nach Möglichkeit im Rahmen unserer Gruppe tätigen und oder auch während einer Tagung. Dies gilt auch für unsere Weiheerneuerungen. Erziehung, auch religiöse Erziehung und unsere Weihen machen wir zeugnishaft in der Gemeinschaft. Wir gehen nicht an die Öffentlichkeit damit oder laden die Presse ein, aber in unserer geschlossenen Gemeinschaft bzw. Gruppe tun wir es. Eine Weihe in der Gruppe, also in der Gemeinschaft, ist wie ein Siegel für diese Gemeinschaft. Es ist ein Wachstumsring für die Einheit „Mitglied und Gruppe“.
Wie
bereits genannt ist unsere Erziehung auch verbunden mit einem Ort, ja sogar
gebunden an einen Ort. Wir Schönstattmänner haben unseren geistigen und
religiösen Ort in Schönstatt auf dem Marienberg und zutiefst im Tabor-Heiligtum.
Diesen Ort zu besitzen hat uns viel Kraft gekostet und ihn z
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erhalten kostet uns weiterhin Kraft. Aber es soll uns vor allem Selbsterziehung
im religiösen Sinne kosten, denn dadurch werden wir fruchtbar. Dadurch werden
Seelen geweckt und an unsere Sendung gebunden.
Ein Ort ist auch ein Mittler. Da kann und soll seelisch erlebt werden, was wir wollen bzw. was die Gottesmutter mit uns will. Ein Ort kann sprechen, kann auch Männer ansprechen. Wie ergeht es unserer Seele beim Eintauchen auf dem Marienberg, wenn wir unsere Liga-Gnadenstätte besuchen? Dann werden unsere verstorbenen Männer vor unserem geistigen Auge lebendig und auch unser eigenes Engagement erfasst uns wieder. So gesehen müssen wir auch festhalten, dass, wenn wir geistig-seelisch müde geworden sind, wir unsere Orte am notwendigsten brauchen. Dann soll die von uns beseelte Natur zu uns sprechen und uns wieder mit neuer Kraft erfüllen.
Das ist auch Selbsterziehung, das Sich-ergreifen-Lassen von unserer eigenen Geschichte, diese in uns wieder aufleben lassen.
E. M. Kanzler
Fortsetzung folgt!