Männertag in Aulendorf

Männer auf dem Weg – Beheimatung finden in Dir

 

Der Männertag in Aulendorf, am 20. März 2011, begann mit der Begrüßung durch Franz Bradler im Heiligtum. Anschließend folgte eine Statio am Pater-Reinisch-Stein, welche von Roland Rast gehalten wurde.

Zu Beginn der Vortragsreihe im Schönstatt-Zentrum bedankte sich Diözesanführer Franz Bradler bei allen Helfern, insbesondere bei Karl Katz und Hans Eisele, besonders auch beim Referenten Pater Rudolf Ammann. Franz Bradler zitierte das Lied: „Wo´s Dörflein traut zu Ende geht ...“, und stellte die Frage: Heimat - gibt es die noch? Ja, sie erhält durch die heutige Flexibilität im Berufsleben (Auslandseinsätze, Montagearbeiten usw.) neue Bedeutung.
Pater Kentenich erkannte die große Bedeutung der Beheimatung sehr früh mit der Schaffung eines Netzes von Heiligtümern, die uns im Liebesbündnis weltweit verbinden. Franz Bradler stellte den Männern die Frage: Wie schaffen wir Heimat? Dazu stellte er fest: Heimat besteht auch in Menschen, die wir schätzen und die uns schätzen. Er wünschte den Anwesenden, dass sie bei der Ankunft zuhause strahlen wie ein Leuchtturm.

1. Vortrag Pater Ammann:  „Männer auf dem Weg – Heimat finden in Dir“

Dazu machte er einige Vorbemerkungen zur gesellschaftlichen Veränderung unserer Zeit: Kein Stein wird auf dem anderen bleiben, und doch feiern wir heute 40 Jahre Männertag, immer am 2. Fastensonntag, mit jeweils 170 bis 250 Teilnehmern (dieses Jahr ca. 190).

Wir sind heute ungemein viel unterwegs. Beispiel: Mobilität sowie Globalisierung der Betriebe. Selbst der Patris Verlag hat viele Ableger im Ausland. Die Welt ist heute ein Dorf. Auslandsreisen und -semester sowie weltweite Geschäfte sind heute die Normalität. Wir sind dadurch auch ungemein von einander abhängig. Die Krisenregionen in Afghanistan oder Libyen betreffen auch Deutschland, noch mehr die terroristischen Anschläge weltweit, und auch auf deutschen Bahnhöfen werden Kofferbomben gefunden. In diesem Hexenkessel der veränderten Welt steht die Kirche, die sich in den zurückliegenden 40 Jahren auch stark verändert hat und noch weiter ändern muss. Die Kirche ist im Umbruch, aber auch im Aufwind. Dazu sollte sie die Augen offen halten und nichts zementieren. In diesem turbulenten Feld sollen und wollen wir Heimat finden. Hierzu nannte er uns 6 Schritte:

1.       Schritt – das Zuhause
In der Stadt, im Dorf, in der Wohnung, wo ich lebe, bin ich daheim. Ein Ort, wo ich mich geben kann, wie ich wirklich bin.

2.       Schritt – Familie, Elternhaus
Der Ehepartner, die Kinder, die Eltern geben uns im Netz der Verbundenheit Heimat. Das Ich kommt im Spiegel des Du erst ganz zu sich.

3.       Schritt – Der Freundeskreis
Wer gehört in Gruppen, Vereinen, Kirche usw. zu meinem Freundeskreis? Wer hat innerlich die gleichen Werte und Maßstäbe wie ich? (z. B. Männergruppe). Pater Puten hat viele Männer begleitet bei Besinnungstagen und freute sich stets beim Abschied an den strahlenden Augen und dem herzhaften Händedruck der Männer.

    4./5.  Schritt – Gott und die Gottesmutter

      Gott kommt auf die Idee, seinen Sohn in die Welt zu senden, der uns selbst in Kreuz und Leid auf Augenhöhe begegnet. Er war besonders zu finden bei den Armen, Kranken und Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten. Er hat an sich selbst erlebt, wie diese Welt zum Kreuz werden kann. Jetziges Beispiel: Erdbeben in Japan - Gott, wo bist du? Wir erleben oftmals sehr trockene Zeiten von Gotteserlebnissen. Darunter musste selbst Mutter Teresa leiden. Pater Kentenich sagte dazu: „Unsere Bruchstellen, auch in Schuld und Sünde, sind die Einbruchstellen Gottes“.
Maria: Sie kommt uns entgegen vor allem in unseren Heiligtümern mit den drei Wallfahrtsgnaden. Diese schaffen eine ungeheure Dynamik, Millionen von Menschen erfahren Heimat in den Filialen des Urheiligtums. Sie schaffen Heimat in der globalisierten Welt. Pater Kentenich erkannte während seiner Verbannung in den USA, dass diese Personen noch mehr familienhaft daheim miteinander verbunden sind. So reifte in ihm die Idee vom Hausheiligtum.

6.   Schritt – Gewissen
Die Mitte des Menschen aber ist die eigene seelische Mitte – das Herzensheiligtum. Durch die Taufe wurde ich zum Tempel des heiligen Geistes – Gott nimmt Wohnung in mir. Christus sagt: Wer euch sieht, sieht mich. Zur Würde des sittlichen Gewissens ein Konzilstext: „Der Mensch hat ein Gesetz, das Gott in sein Herz geschrieben hat, nach dem er sich richten muss“. Das Gewissen ist die verborgene Stimme meines Gottes in mir.

Am Ende des Vortrages bedankte sich Franz Bradler bei Pater Ammann und ermunterte die Männer, ihr Gewissen zu schärfen.

 

2. Vortrag Pater Ammann

Zu Beginn des 2. Vortrags begrüßte Pater Ammann den ehemaligen Standesleiter der Männer, Pfarrer Wolfgang Wachter, welcher auf der Herfahrt eigens einen Rosenkranz für diese Tagung gebetet hat. Dann fuhr er fort, die Kirche habe in all den sich ereignenden Umbruchszeiten das Gebet nötiger denn je. Die Missbrauchsdebatte wurde von der Presse so behandelt, als ob es in der Kirche die meisten faulen Äpfel der Gesellschaft gäbe. Grenzüberschreitungen sind ein breites Übel in unserer ganzen Gesellschaft und damit auch in der Kirche.

Die Kirche, die die Zusage Jesu hat: „Ich bin bei euch alle Tage“, hat auch Licht und Schatten. Dazu ein Beispiel: Pater Kentenich wurde 1951 ohne Verteidigung in die Verbannung abgeschoben. Dies war gegen die Menschenrechte und Menschenwürde. Es gibt aber bis heute keine Entschuldigung seitens der Kirche gegenüber Schönstatt. Pater Kentenich wünschte sich trotzdem, dass auf seinem Sarkophag „Dilexit  Ecclesiam“ (er liebte die Kirche) stehen möge.

Es rumort in der Kirche. Erzbischof Zollitsch (Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz), der auch ein Schüler Pater Kentenichs war, hat einen innerkirchlichen Dialogprozess angestoßen, um die Fragen der Menschen ernst zu nehmen und auf sie zu hören. Gutes Zuhören ist wichtiger als gutes Reden, meinte Erzbischof Zollitsch. Wer nur redet, verliert den Kontakt zu den Menschen und letztendlich zu Gott. Der letzte Advents-Hirtenbrief zur Lage der Kirche wurde nicht herausgegeben, weil sich die Bischöfe nicht einigen konnten.

Darauf hin entstand das „Memorandum“ der Theologieprofessorinnen und -professoren. Die Positionen dieses Papiers sind: Neuaufbruch wegen der vielen Austritte, deshalb Erneuerung der kirchlichen Gesellschaft und Orientierung an der biblischen Freiheitslehre. Dabei ist jedoch die Kritik an der jetzigen Gesellschaft unabdingbar. Ein negatives Beispiel: Das Recht auf Leben soll nach Meinung vieler Personen von der Leistung des Menschen abhängig gemacht werden. Dann nannte er die 6 Themenfelder des Memorandums:

1.       Strukturen der Beteiligung – Gemeinden könnten zum Beispiel ihre Pfarrer selber bestimmen, was alle angeht, soll von allen entschieden werden.

2.       Gemeinde – Das kirchliche Amt soll dem Leben dienen, Gläubige bleiben fern, wenn ihnen nicht zugetraut wird, Mitverantwortung zu übernehmen. Warum soll es in der lateinischen Kirche nicht auch verheiratete Priester und noch mehr Frauen in kirchlichen Ämtern (nicht Priestertum der Frau) geben?.

3.       Rechtskultur – Ein erster Schritt dazu ist der Aufbau einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit

4.       Gewissensfreiheit – Der Respekt vor dem individuellen Gewissen bedeutet, Vertrauen in die Entscheidungs- und Verantwortungsfähigkeit der Menschen zu setzen.

5.       Versöhnung – Solidarität mit den „Sündern“ setzt voraus, die Sünde in den eigenen Reihen ernst zu nehmen. Keine rigorose Moral ohne Barmherzigkeit.

6.       Gottesdienst – Kulturelle Vielfalt bereichert das gottesdienstliche Leben, deshalb verschiedene Liturgien, die selbst wählbar sind.

Ein Zitat von Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst: „So viele Menschen es gibt, so viele Wege gibt es zu Gott“ bildete den Schluss des Vortrags.

Den Abschluss und Höhepunkt des Männertages bildete die Eucharistiefeier mit dem neuen Diözesanstandesleiter der Männerliga, Pfarrer Hermann Weiss. In seiner Predigt ging er auf Jesu Verklärung auf dem Berg Tabor – eine Ostererzählung - ein. Jesus im Lichte Gottes mit Mose und Elia. Dazu die Stimme aus der Wolke „ihn sollt ihr hören“. Eine Botschaft der Orientierung, damit Leben gelingen kann. Der Weg Jesu führt weiter nach Golgotha, deshalb mussten die Apostel im Glauben gestärkt werden.  Auch heute führt der Weg manchmal zum Kreuz, momentan ganz stark in Japan. Die jetzige Situation hat die Menschheit sehr schwer getroffen. Neben dem Zweifel an Technik und Wissenschaft sinkt auch der Glaube an Gott. Christus aber sagt: „steht auf, habt keine Angst“. Mit ihm können wir in eine Zukunft gehen wie damals Abraham. Wir sollten gesegnet sein und ein Segen sein füreinander, den Glauben wieder stärken und uns Halt geben an Gott und Maria. Maria lehrt uns, das Kreuz anzunehmen, nicht aus Sicherheit, sondern aus Hoffnung und Liebe.

In seinem Schlusswort dankte Karl Katz den Männern für die zahlreiche Teilnahme und ermunterte sie, beim nächsten Männertag jeweils einen weiteren Mann mitzubringen. Besonderer Dank galt Pater Ammann, der bereits 40 Jahre, bis auf einige Ausnahmen, als Referent anwesend war.

Sein Dank galt auch Pfarrer Hermann Weiss, allen Beichtvätern sowie Franz Bradler, Paul Mayr, Joachim Konrad sowie allen Helfern des Hauses.

 

Max Keckeisen