Predigt von Pater Grill im Urheiligtum am 14. Mai 2011
Liebe
Schönstattmänner vom Führungskreis!
Mit Freude sind wir hierher gezogen in das Heiligtum, das wir mit dem originellen Namen benennen „Urheiligtum“. Wenn man in andere Länder kommt, merkt man, dass man das Wort neu übersetzen muss. In einem Land wie die Slowakei bringt man zum Wort Urheiligtum den Hinweis auf Urmensch, Urwald. Manchmal muss man sagen, dass Pater Kentenich auch neue Wörter gebraucht, die wir dann weitergeben mit der ursprünglichen Botschaft. Mit dem Urheiligtum ist die Botschaft vom Liebesbündnis mit der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt verbunden.
Wenn wir heute den neuen Seligen, Papst Johannes Paul II., feiern, ehren, ihm danken für seinen Einsatz für das Reich Christi, für die Botschaft, die er gekündet hat - Lesung und Evangelium haben darauf hingewiesen - dass Christus Boten erwählt hat, dass er die Boten ausgesandt hat, dass sie furchtlos überall hingehen sollten, wo er sie hin senden wollte, wohin er selber kommen wollte, dann steht gleichsam die Fülle der Botschaft dieses Papstes uns vor Augen.
Als
ich 1981 mit bayrischen Pilgern nach Schlesien zum Annaberg kam, konnte man groß
geschrieben lesen (polnisch): „Habt keine Angst, öffnet die Tore weit für
Christus!“ Sie werden sich noch erinnern, dass das gleich am Anfang seine
Botschaft war. Und die Machthaber zitterten, besonders im Ostblock. Die hatten
wirklich Angst. Ein polnischer Papst mit so viel Treue zu Christus und seinem
Reich und ohne Angst! Denn er hatte die Ängste schon hinter sich, die Ängste in
der Nazizeit, wo er Sklavenarbeit leisten musste und die Ängste der
Kommunistenzeit, wo er dauernd bespitzelt und unterdrückt wurde. Er hatte keine
Angst mehr. Er hat nur gewusst: ich muss die Botschaft Jesu Christi bringen. Sie
erinnern sich noch, wie nebenbei gesagt wurde - es darf ja nichts gesagt werden
aus dem Konklave, was aber doch herauskam - Kardinal Wischinsky habe zu ihm
gesagt, als die Stimmen immer mehr auf ihn fielen: „Karl, du hast die Aufgabe,
die Kirche in das dritte Jahrtausend zu führen. Nimm es an!“ Er hat die Last
angenommen, denn es war außergewöhnlich nach über 300 Jahren, dass ein Pole,
nicht ein Italiener, Papst wurde.
Das Wort, das am Anfang seiner Regierungszeit stand, war: „Habt keine Angst vor Christus! Öffnet die Tore weit für Christus!“ Später hat er das bei Weltjugendtagen den Jugendlichen auch gesagt, denn in den Weltjugendtagen hat er ja immer angeknüpft an der Sehnsucht der Jugendlichen nach Freiheit. Das war im Osten sowieso klar, aber auch im Westen. Er hat gesagt, natürlich mit einer entsprechenden Weiterleitung: Christus macht euch frei! Habt keine Angst. Wenn ihr euch an Christus haltet - werdet ihr nicht eingezwängt, wie manche meinen, wie Jugendliche auch meinen. Ein Jugendlicher will ja frei sein, will tun und lassen können was er will. Durch Christus werdet ihr wahre Freiheit erlangen. Ein ganz wichtiges Wort, das für alle, für unser Jahrtausend auch gilt, für die neueste Zeit gilt: Habt keine Angst, euch an Christus zu binden. Er führt euch zur wahren Freiheit.
Wir von Schönstatt haben viele Verbindungen
mit dem neuen Seligen. Das konnte ich in Rom auch erleben, als ich ihm die Hand
geben konnte. Ich war mit deutschen Kirchenzeitungs-Redakteuren in Rom, also ein
kleinerer Kreis, etwa 20 Redakteure. Ich hatte damals mit dem Patris Verlag und
seinen Zeitschriften zu tun, da hat er sofort aufgehorcht, als er hörte "von
Schönstatt" sei ich. Es wird dann immer geschildert, dass er sich jedem ganz
zugewandt hat.
Ein Höhepunkt war von Schönstatt aus gesehen 1985 die Hundertjahrfeier des Geburtstages unseres Gründers, Pater Josef Kentenich, sowohl hier als auch in Rom. In Rom ging es bei der Begegnung mit Papst Johannes-Paul II. darum: Wir wollen erneut versprechen, was unser Gründer schon versprochen hatte, der Kirche in der nachkonziliaren Zeit zu dienen mit dem Gnadenstrom und mit der Spiritualität, die von Schönstatt in die Kirche hineingetragen wird. Der Papst hielt dann eine große und bedeutende Ansprache, die wir noch nicht verarbeitet haben.
Zwei Punkte seien daraus genannt Der Eine: Ihr seid berufen - so sagte er uns in Rom - ihr, die Mitglieder der Apostolischen Schönstattbewegung, Ihr seid berufen, an der Gnade, die euer Gründer erhalten hat, teilzuhaben und sie der ganzen Kirche anzubieten. Denn das Charisma eines Gründers ist vom Heiligen Geist gewirkt und zum Wohl der Kirche. Wenn ihr das Charisma richtig erfasst, dann müsst ihr das der Kirche auch anbieten. Und ihr sollt in Treue zu eurem Gründer leben, denn dadurch werdet ihr zum Evangelium geführt und zum Gründer der Kirche, gemeint ist Jesus Christus.
Das Zweite: Ihr habt in Schönstatt in eurer Bewegung eine geistgewirkte Erfahrung gemacht. Man hat das Wort oft übersehen oder nicht richtig ausgedeutet. Eine geistgewirkte Erfahrung heißt, eine Erfahrung vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist hat gewirkt bei euch in Schönstatt. Die Aussage, die dann kommt, ist die deutlichste Aussage eines Papstes über Schönstatt: Ihr habt eine geistgewirkte Erfahrung gemacht durch das Liebesbündnis, das euer Gründer und die erste Gründergeneration mit der Gottesmutter hier im Heiligtum von Schönstatt am 18. Oktober 1914 geschlossen hat. Das nimmt eine zentrale Stellung bei euch ein.
Dabei nennt er alle Punkte, die für uns wichtig sind: die Gottesmutter, das Heiligtum, das Bündnis und das Datum, der 18. Oktober 1914.
Hier im Urheiligtum denken wir dran, natürlich auch die jüngere Generation, dass wir das Liebesbündnis bezeugen sollen als eine geistgewirkte Erfahrung, im Blick auf 2014. 100 Jahre Liebesbündnis vom Urheiligtum aus.
Es gab vor kurzem eine kleine Diskussion: Ja, wer feiert denn wirklich? Und dann hieß es: Gut, wenn die Leute von Ecuador kommen oder von Chile, feiern diese keine hundert Jahre, denn vor 100 Jahren gab es dort Schönstatt noch nicht. Wir sind diejenigen, die 100 Jahre feiern sollen.
Dazu kam die andere Diskussion: Was sollen wir denn tun? Wir sind ein älteres Schönstatt geworden. Das ist normal, wenn wir die Ersten sind, sind wir auch das ältere Schönstatt. Dann kamen Überlegungen zum Jubiläum: Wir haben nicht die Aufgabe, hier in Schönstatt ein Riesenspektakel aufzuführen - vielleicht liegt das anderen Völkern mehr - sondern wir haben nur zu bezeugen, und wenn wir nur herum stehen und die Leute uns ansprechen, etwas wissen wollen, wir haben nur zu bezeugen: Hier ist der Gnadenquell!
Und das, was Kentenich im Morgengebet sagt, sollen wir bezeugen: „Himmlischer Vater, wir danken dir, dass Schönstatt du hast auserkoren und Christus dort wird neu geboren.“ Also bezeugen, dass Schönstatt mitwirkt, damit in den Herzen der Menschen Christus neu geboren wird. Und dann heißt es weiter: Wir sollen bezeugen, dass hier die Herrlichkeiten der Gottesmutter in alle Welt verbreitet werden sollen. Dazu können wir auch wirklich sagen, dass durch die vielen Heiligtümer Schönstatts und die vielen, ja unzähligen Hausheiligtümer Schönstatts der Gnadenstrom und die Herrlichkeiten der Gottesmutter schon hineingeleitet werden in die Kirche.
Nun kommt der Satz vom seligen Papst Johannes-Paul II., der äußerst wichtig ist: „Wenn ihr treu und hochherzig aus diesem Liebesbündnis euer Leben gestaltet, werdet ihr zur Fülle eurer christlichen Berufung hingeführt“. Das ist sehr gut theologisch ausgedrückt und ist an sich ein deutlicher Hinweis für manche Priester und Professoren in Deutschland, die sagen: Ja, die Schönstätter, das sind diejenigen, die eine besondere Marienverehrung haben, dauernd Dreimal Wunderbare sagen. Es wird schon mal gespottet: Ihr habt es ja nur mit der Dreimal Wunderbaren. Doch diese Anrufung kommt von einem Jesuiten. In Ingolstadt war ein Jesuit, Pater Rem, ein heiligmäßiger Priester, der die Muttergottes als die Dreimal Wunderbare, als Mater ter admirabilis ehrte. Er ließ jeweils diese Anrufung aus der Lauretanischen Litanei dreimal singen. Deshalb Mater ter Admirablis, Dreimal Wunderbare Mutter. Das ist der originelle Titel.
Wenn ihr aus diesem Liebesbündnis euer Leben gestaltet, werdet ihr zur Fülle des christlichen Lebens hingeführt. Marienverehrung ist nicht am Rand. Der berühmte Theologe Karl Rahner, ein Jesuit, sagt mit Recht: Die Gottesmutter ist nicht die Mitte, die Mitte ist Christus. Aber die Gottesmutter gehört zur Mitte, sie gehört nicht an den Rand des christlichen Lebens und Glaubens. Sie führt zur Mitte.
„Dann werdet ihr zur Fülle eurer christlichen Berufung hingeführt“. Danach bringt der Papst unser Gebet, das wir gern beten und bei vielen Zusammenkünften als Gebet an die Gottesmutter beten:
„Lass uns gleichen Deinem Bild,
ganz wie Du durchs Leben schreiten,
stark und würdig, schlicht und mild
Liebe, Fried und Freud verbreiten.
In uns geh durch unsere Zeit
mach für Christus sie bereit.“
Das Gebet ist uns ja bekannt. Es ist ein Auftrag, dass wir mittun sollen, dass die Gottesmutter hineinwirken kann gerade auch in unsere Zeit.
Nun, vieles könnte man, sollte man und wird man auch noch weiter bringen, was Papst Johannes Paul II. der Kirche, auch uns, aber auch der Welt gegeben hat. Denken wir auch an die vielen apostolischen Reisen, denken wir auch an die vielen Vergebungsbitten. Der Papst entschuldigt sich nach allen Richtungen, auch bei den Ureinwohnern von Australien, obwohl er ihnen nichts Böses angetan hat. Aber er weiß, wir sind eine Gemeinschaft als Kirche in Jesus Christus. Und irgendwo ist immer was Böses auch geschehen. Er will gleichsam bezeugen, wir möchten das Erbarmen Gottes auf uns herabziehen, wenn wir zum Ausdruck bringen, alles Böse, das irgendein Mitglied der Kirche getan hat, ist ein Schlag gegen die Kirche. Wir bereuen mit und wir erbitten Gottes Erbarmen, ziehen es auf uns herab durch Reue, Sühne und Gebet und Umkehr, damit die Kirche wieder oder wieder mehr eine heilige Kirche wird.
Als die drei großen Vorbereitungsjahre waren: Christusjahr, Heilig-Geist-Jahr, Gottvater-Jahr vor 2000, da haben wir in Schönstatt immer mitgemacht, jedes Jahr das aufgegriffen, eigens Bücher herausgegeben: Christus, Heiliger Geist, Vatergott. Einige haben dann gemeint: wird das nicht zu viel, wir haben doch eine eigene Spiritualität? Nein, wir haben mitgemacht, weil wir voll und ganz Mitglieder der Kirche sein wollten. Wir haben den Anfang der neuen Zeit des dritten Jahrtausends miterlebt. Da könnte man auch vieles sagen. Wir haben einen Kreis bei den Familien, jüngere Familien, die das Wort aufgegriffen haben: Der Papst hat gesagt, das dritte Jahrtausend solle ein Jahrtausend der Familie werden, ein heiliger Frühling für Familien.
Man kann ein klein wenig vergleichen mit dem Mittelalter. Bei uns im Land, in Europa, waren in der Mitte der Städte die Klöster: Franziskaner-Kloster, Dominikaner-Kloster, Kapuzinerkloster. Das hat die Städte ständig geprägt. Jetzt ist eine Umstrukturierung im Gange. Die Klöster können sich wegen Nachwuchsmangel kaum mehr halten. Deshalb das Wort, auch vom Papst: Was die Städte wieder prägen soll, das sollen die Familien sein, christliche Familien mit ihren Hausheiligtümern, so dass die Städte wieder durchchristlicht werden, und zwar durch die Hausheiligtümer, durch die heiligen Orte, die mittendrin sind in der Welt. Das ist auch eine Botschaft, die von diesem Papst kommt.
Die Anteilnahme an seinem Sterben war eine große Katechese über christliches Leiden. Wenn man physisch nicht mehr kann, trotzdem fest zu glauben: Gott führt mein Leben. Und dass er nicht mehr reden konnte, war doch die stärkste Rede, auch für Jugendliche. Der Papst leidet, aber er gibt nicht auf. Er weiß, Gott führt mich. Und heimgegangen ist er am Vorabend des Festes der göttlichen Barmherzigkeit, so dass auch das noch eine Botschaft ist, die göttliche Barmherzigkeit gerade in unserem neuen Jahrtausend immer zu künden, damit die Menschen, die sich auch von Gott und Kirche entfernen, wissen, letzten Endes kann ich nie herausfallen aus der Barmherzigkeit Gottes.
Das ist auch verbunden mit unserer Botschaft, die wir von Schönstatt aus künden: Die Gottesmutter bietet jedem das Bündnis an und führt uns durch dieses Bündnis zur Fülle Christi, so dass wir vereint sind mit allen in der Kirche, besonders auch mit dem seligen Papst Johannes- Paul II, um in Christus und Maria zur Fülle des christlichen Lebens hinzufinden. Amen.