3. Teil zur Jahreslosung von Herrn Kanzler

"Nichts ohne dich - nichts ohne uns"

So lesen wir es immer wieder auf der Altarborte unserer Schönstattheiligtümer.

Auf mich wirkt das immer wie eine Heimkehr und gleichzeitig wie eine Aussendung. Ich begrüße die Gottesmutter im Heiligtum und damit ereignet sich ein Beziehungsvorgang, der zu einem persönlichen Austausch führt und in ein Gesendet werden mündet.

Im NICHTS OHNE DICH öffnet sich eine Beziehungswelt, in die uns die Gottesmutter hinein nimmt, aufnimmt und wandelt. So weitet sich unser menschliches Denken, Empfinden und Handeln. Ja, die Gottesmutter verabreicht uns sozusagen die für uns verträgliche Dosis Gottheit ihres Sohnes, der sie viel näher steht als wir Menschen. Dieses Geheimnis der Wandlung durch seelisches Wahrnehmen der Nähe der Gottesmutter soll auch uns Männern zuteil werden.

Wenn es uns auch zweifeln lässt, ob wir uns als Männer so geben sollen, so behandeln bzw. erziehen lassen sollen; so ist es doch notwendig, dass wir es tun, dass wir werden wie Kinder: gebunden, formbar und offen. Nur so und dann kann die Gnade wirken und uns wandeln.

Das NICHTS OHNE UNS liegt uns Männern wahrscheinlich schon eher. Das Handeln, sich selbst verwirklichen und Anerkennung finden ist schon konkreter, wofür es sich auch lohnt zu kämpfen. Aber steckt darin nicht die Gefahr der Täuschung und der Anmaßung? Was kann uns davor bewahren?

Die seelische Rückbindung an die Gottesmutter im Heiligtum bewahrt uns davor, die Stunden der Rückbindung im Gebet und die Bildung unseres Gewissens erleuchten uns. Dann sind wir nicht mehr nur Mann, sondern Vater, der Einblick und Einsicht hat und sich so höhere Beweggründe seines Handelns angeeignet, sich erworben, ja erbeten hat.

Das NICHTS OHNE UNS wird dann immer klarer und von unserem allzu menschlichen Sinnen frei.

Blenden wir das aktuelle Weltgeschehen ein: ob nun die Krisen in Europa oder das verdeckte Agieren bestimmter Staatsmänner; es ist immer das verblendete Verhalten einzelner, die um der Macht willen die risikoreichsten Machenschaften unternehmen – immer nur zum Schaden der Menschen.

Wir wissen von den zehn Geboten Gottes und den Evangelien, dass für Gott nur die rechte Beziehung des Menschen zu Gott zählt. Ist sie das, dann ist jeder Mensch dem anderen der nächste, weil jeder Geschöpf Gottes ist. Die Beziehung zu Gott regelt die Beziehung unter den Menschen. Folglich muss es unser Interesse sein, unser Leben auf Gott auszurichten und alle Hilfen anzunehmen.

Wer kann uns da eine bessere Hilfe sein als die Gottesmutter! Sie ist in den Himmel aufgenommen und Gott nahe. Sie kann uns die Beziehung zu Gott herstellen, den Weg bereiten und so formen, dass wir Gottes würdig sind. Und das ist ihre Hauptaufgabe, das ist der Kern unseres Liebesbündnisses: der kürzeste und schnellste Weg zu Gott.

Unsere Bereitschaft ist, uns formen zu lassen und uns umzuwandeln unter der Führung der Gottesmutter in ihrem Heiligtum. Dabei sind wir nicht allein in diesem Anliegen. Wir sind verbunden untereinander mit dem Band der Gnade aufgrund unserer Beziehung zum Heiligtum. Dort sind wir alle verankert durch die Gottesmutter, durch unser Liebesbündnis und durch unsere Beiträge. Davon leben wir alle und die Gottesmutter sorgt, dass der Gnaden- und Lebensstrom fließt, solange wir dazu stehen im NICHTS OHNE UNS.

Schon zur Zeit der Vorgründungsurkunde forderte Pater Kentenich: „Selbsterziehung ist ein Imperativ der Zeit“, umso mehr heute, wo jeder seinen Lebensweg selbst bestimmen soll und die Freiheit, sich selbst zu verwirklichen, als selbstverständlich angesehen wird. Das fordert von jedem einzelnen auch ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Dies zu erreichen und daraus zu leben, ist die heutige Herausforderung für jeden Menschen.

Denken wir nur an die Forderung und Entwicklung der Emanzipation der Frau in den letzten Jahrzehnten. Ob sie nun zum Vorteil der Frauen und der Gesellschaft war, ist eine andere Frage, aber es war die konsequente Weiterentwicklung unserer Gesellschaft der Selbstverwirklichung jedes einzelnen Menschen beiderlei Geschlechts.

Aber wie sieht das Selbst des Menschen aus, welche sind die Ur- oder Vorbilder? Hier erleben wir weltweit eine Odyssee. Unsere ehemals fest gefügte Gesellschaft hat sich aufgelöst: Kommunismus, Marxismus, Existentialismus bis zur heutigen Konsumgesellschaft prägen heute das Gesellschaftsbild der Welt.

Unsere Vision und unser Weg ist der Mensch als Gottes Ebenbild, der sich an Gott orientiert, seine Ordnung zu erkennen sucht und lebt. Es ist der lebendige Leib der Kirche, der Christus ist und von Anfang an mit der Gottesmutter gewachsen ist. So ist sie auch heute Mitgestalterin des Leibes Christi in der heutigen Zeit und weiß, wofür und wie sie uns erziehen und umwandeln soll.

 Fortsetzung folgt!

   E. M. Kanzler