Anregungen zur Fastenzeit
Liebe
Schönstattmänner,
unsere diesjährige Jahreslosung lädt uns ein, in der Fastenzeit darüber nachzudenken, was uns die Gottesmutter durch ihre Gegenwart bei dem Leiden und Sterben ihres Sohnes sagen will. Sie hat ihn nicht verlassen, sondern ist bei ihm geblieben in seinen schwersten Stunden, hat ihm durch ihre Anwesenheit Trost und trotz seines grausamen Leidens auch ein Gefühl menschlicher Nähe und Geborgenheit und damit Beheimatung vermittelt. Sie, die Einzige, die seinen Worten geglaubt hat, ist ihm treu geblieben, ist nicht enttäuscht und verzweifelt weggelaufen. In der Liebe blieb sie mit ihm verbunden, bildete eine Einheit mit ihm in dieser scheinbar trostlosen Situation. Wie Jesus war sie geborgen in Gott, vertraute ihm voll und ganz. Sie hat sich ganz dem Willen des himmlischen Vaters anheimgegeben, war auch jetzt die “Magd des Herrn”, wie sie es bei der Verkündigung dem Erzengel Gabriel gesagt hatte, war auch in dieser ganz extremen Situation in ihm beheimatet.
Als Einzige wusste sie um die Göttlichkeit ihres Sohnes und damit auch um seine Aufgabe in dieser Welt. Sie musste begreifen lernen, wie schwer es für ihn war, den Menschen den Weg der Erlösung zu öffnen. Er war eben nicht “nur” ihr Sohn, er war der Erlöser der Menschen, der dieses Leiden freiwillig auf sich genommen hatte. Und ihr größter Schmerz war es, dass unsere Erlösung eines so grausamen Leidens und Sterbens bedurfte. Das hat sie erkannt und angenommen. Und weil ihr Schmerz nicht so sehr ihrem Sohn, sondern dem Erlöser, dem Gottmenschen, galt, konnte sie ihren Schmerz mit dem des Erlösers vereinen und Gott schenken. Als unsere Vertreterin hat sie seine Erlösungstat angenommen. Und gerade deshalb hat Jesus uns seiner Mutter als ihre Kinder anvertraut, ist sie auch unsere Mutter geworden, damit wir bei ihr Beheimatung finden und durch sie bei Gott.
Pater Kentenich schreibt im Werkzeugskreuzweg (Himmelwärts S. 68):
Auf Deinem schweren Kreuzweg darf nicht fehlen
die Dauerhelferin fürs Heil der Seelen.
Der Vater hat zur Seit´ sie dir gestellt,
wie einst zu Adam Eva er gesellt.
Mit ihrem Wissen um die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen ist auch ihr Wissen um die Sündhaftigkeit der Menschen verbunden. Sie weiß also um unsere Schwachheit und gerade deshalb können wir uns ihr immer vertrauensvoll zuwenden. Jesus hat in seiner schwersten Stunde diese Beheimatung, die er bei ihr besaß, uns geschenkt, also können wir bei ihr zu jeder Zeit Beheimatung finden.
Lass dieser Mutter kindlich treu mich bleiben,
tief ihren Namen in die Herzen schreiben,
dann weckt das Leid, das durch die Völker zieht,
ein jubelnd klingendes Erlösungslied. (Himmelwärts S. 87)
Das Leiden und der Tod Jesu sind unsere Erlösung gewesen und seine Mutter hat das mitgetragen durch ihr Mit-Leiden. Deshalb hat sie Verständnis für uns, hilft uns, unser Leid und unsere Probleme so vertrauensvoll anzunehmen wie sie es getan hat. Deshalb sehen wir unser Leben nicht als vom Karfreitag gezeichnet an, sondern von Ostern her. Denn die Liebe Gottes hat den Tod überwunden und will die ganze Welt erlösen.
Die Fastenzeit ist also eine Vorbereitungszeit auf dieses Fest der sich endgültig offenbarenden Liebe des himmlischen Vaters, die die ganze Welt für immer erfassen will. Nehmen wir dieses Angebot an, nehmen wir wie Maria gerade in der Fastenzeit bewusst alles Schwere an und sehen dahinter den Willen unseres himmlischen Vaters, der uns in seine ewige Heimat führen will, beantworten wir seine Liebe zu uns: Das tue ich jetzt aus Liebe zu Dir.
Ich wünsche Ihnen, liebe Männer, und Ihren Familien eine gesegnete Vorbereitungszeit auf das Osterfest, auf das Fest des Sieges der Liebe Gottes zu uns Menschen über alle Gewalt und Sünde der Welt.
Es grüßt Sie Ihr Manfred Robertz