Halt das Zepter in der Hand

 

Es folgen die restlichen Verse von dem Lied „Halt das Zepter in der Hand ...“ mit dem geistlichen Kommentar von Monsignore Dr. Peter Wolf.

                              Schönstatt bleib Dein Lieblingsort,

                              des Apostelgeistes Hort,

                              Führer hin zum heiligen Streit,

                              Quell der Werktagsheiligkeit,            HW 131,2

In der gefährlichen Kriegssituation nach dem Durchbruch der Alliierten in Remagen (7.3.1945) bittet unser Vater die Gottesmutter: „Schönstatt bleib Dein Lieblingsort“ (Z. 1). In dieser Formulierung steckt die gläubige Überzeugung, dass die Gottesmutter sich auf die Gründungsurkunde eingelassen hat und sich an diesem konkreten Ort niedergelassen hat.

Im Streit um die ‚Sonderideen’ hat unser Gründer diese Grundüberzeugung nicht zurückgenommen, sondern ist dafür eingestanden und hat Rechenschaft gegeben von seinem Glauben. Jetzt soll die Gottesmutter selbst zeigen, dass sie diesen Ort besonders liebt und schützt. Für mich ist die Tatsache, dass Schönstatt ausgerechnet am 25. März, am letzten Tag der Novene, für die dieses Gebet entstanden war, ohne ernsthafte Zerstörung eingenommen und besetzt wurde, ein sprechendes Zeichen. Unser Vater und die Seinen haben dies damals ebenso verstanden und vorsehungsgläubig gedeutet. Die Bitte geht weiter, Schönstatt soll ein Hort des Apostelgeistes bleiben (vgl. Z. 2). Als ‚Apostolischer Bund’ war die Bewegung entstanden Immer wieder hat unser Vater es verstanden, Sinn für das ‚Apostolat auf allen erreichbaren Gebieten' zu wecken. Er wollte der Kirche eine apostolische Bewegung schenken. Dieser Schwung des Apostelgeistes darf uns nicht verlorengehen. Apostolischer Geist muss immer ein Charakteristikum Schönstatts bleiben, sagt dieser Vers. Auch die nächste Zeile will ein bleibendes Charakteristikum Schönstatts benennen: ,,Führer hin zum heiligen Streit“ (Z. 3). Unser Vater hat gern darauf verwiesen, dass Schönstatt ein ‚Kriegskind’ sei. Schönstatt wird die Auseinandersetzung nicht erspart bleiben, und es darf ihr nicht aus dem Weg gehen. Dabei geht es um einen „heiligen Streit“ (Z. 3), also um die Sache Gottes, um seine Interessen - nicht um das, was Menschen aus Sünde oder Kurzsichtigkeit dafür ausgeben. Es ist das uralte biblische Motiv der Apokalypse und der alten Mönchsgeschichten vom ‚Kampf’. Bei Ignatius lebt dieses Motiv in der Betrachtung von den „zwei Bannern“ (I. v. Loyola, Exerzitienbüchlein., S. 136). Im Heimat-Lied von Himmelwärts ist die letzte Strophe ein guter Schlüssel, um diese Andeutung von Z.3 zu verstehen (vgl. HW 161,2). Schließlich soll Schönstatt auf alle Zukunft hin ein „Quell der Werktagsheiligkeit“ (Z. 4) bleiben. Für Schönstatt soll es immer typisch sein, dass es das Ideal der Werktagsheiligkeit kündet (vgl. das gleichnamige Buch: M. A. Nailis, Werktagsheiligkeit), und noch deutlicher, dass es Quelle für solche Werktagsheiligkeit ist. Das Wort aus der Gründungsurkunde von der ‚Wiege der Heiligkeit’, die dieses Kapellchen für uns werden soll, meint ähnliches. Wie Schönstatt Quell der Werktagsheiligkeit ist, zeigt die Nazareth-Hore aus dem Schönstatt-Offizium (vgl. HW 50).

                              Feuerbrand, der Christus glüht,

                              lodernd helle Funken sprüht,

                              bis die Welt als Flammenmeer

                              brennt zu des Dreifaltigen Ehr'.  Amen.     HW 131,3

Auch die letzte Strophe ist noch abhängig von der Bitte: „Schönstatt bleib Dein Lieblingsort ...“ (HW 131,2). Schönstatt ist und soll bleiben ein „Feuerbrand, der Christus glüht“ (Z. 1). Mich erinnert diese Formulierung an das Jesuswort im Lukasevangelium: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen“ (Lk 12,49). Soll man verstehen, dass dieser Feuerbrand von Christus ausgeht oder Feuer ist, das für Christus glüht’? Sprachlich scheint beides möglich. Schönstatt soll brennen und glühen für Christus. Dieses Feuer soll um sich greifen und die Welt erfassen. Unser Vater hat gern das Sendungswort des heiligen Ignatius aufgegriffen und verwendet: „Ite incendite mundum!“ - „Geht, entzündet die Welt!" Ich werde nie vergessen, wie wir als Schönstattjungmänner die Weltkugel zum Feuerbecken auf dem Memorial in Cambrai getragen und erstmals darin das Feuer entzündet haben. Uns war es ein überaus starkes Symbol für diesen Auftrag, die Welt zu entzünden und zu durchdringen im Geiste Schönstatts. Es war für uns ein Bild dieser „Welt als Flammenmeer“ (Z. 3). In unserem Vater lebte offenbar diese grenzenlose Vision, dass einmal die ganze Welt sich erfassen lässt und brennen wird zur Ehre des Dreifaltigen! Wir sind diesem Gedanken bereits in der Morgen-Weihe (HW 15,1) und im Schlussgebet der Horen (HW 56,3) begegnet.

Ich kann den Kommentar zu diesem Gebet nicht schließen, ohne in Treue zu den geschichtlichen Ereignissen festzuhalten: Am 25. März 1945 marschierten die Amerikaner in Vallendar ein. Trotz heftigen Artilleriefeuers auf die Stadt gab es in der Zivilbevölkerung keine Toten. Im Ortsteil Schönstatt gab es kleinere Schäden an der Wildburg und Haus Sonneck. Das Urheiligtum blieb völlig unbeschädigt. Zum Glück kam es nicht zu dem geplanten deutschen Gegenstoß. In der kommenden Nacht um 2 Uhr wurde der Befehl zum Rückzug der Deutschen gegeben (vgl. Chronik Schönstatt 1939 bis 1945, maschinenschriftl., S. 27). Wir dürfen also gläubig festhalten, dass dieses Novenengebet in der historischen Situation, aus der es entstanden war und in der es erstmals gebetet wurde, Erhörung gefunden hat.

Mitten im drohenden Untergang wird die Hoffnung am mächtigsten. Das Novenengebet von damals ist voller Hoffnungskraft. Es trägt weit über die damalige Situation hinaus und will uns heute helfen, von dem damals geretteten Schönstattland groß zu denken und an seine weltweite Sendung zu glauben. Wenn Schönstatt tatsächlich dieser Sendung nachkommt, wird es nicht unsere Leistung sein, sondern zuerst und zutiefst die Wirkmacht der Mutter, der ihr Sohn das Zepter in die Hand gegeben hat.

(Aus: Gebetsschule ‚Himmelwärts’ – Geistlicher Kommentar zu den Dachauer Gebeten von Pater Josef Kentenich, von Dr. Peter Wolf, Schönstatt-Verlag 1995, Seite 405-408)

 

Erneut bitte ich Sie die Krönung der MTA im Taborheiligtum mit vorzubereiten durch das tägliche Gebet jeweils eines Verses.                                    Redaktion